Willkommen zur philosophischen Diskussion über

„Die Welt und wir“

Gerold Prauss, Metzler-Verlag Stuttgart, ISBN 3476006972

Mit dem ersten Band „Die Welt und wir“ betritt ein Gigant unter den Denkern des 20. Jahrhundert die uralte Baustelle „Gnothi seauton“, und beginnt zuerst damit, den peinlichen Müll und Schutt von 3000 Jahren beiseite zu räumen, das heißt, darüber aufzuklären,  um dann unendlich mühsam die ersten elementaren Strukturen jeder menschlichen Erkenntnis und Aussage offen zu legen.

Dazu kann dann erst das unbrauchbare antike Zeitmodel einer statischen „Zeitlinie“ mit einem „Jetztpunkt“ irgendwo, durch ein dynamisches Zeitmodell ersetzt werden, wodurch erst ein allgegenwärtiger Raum widerspruchsfrei denkbar wird, der dann erst als „Jetzt“ und „Hier“ jeder Erkenntnis auch ein Selbstbewußtsein ermöglicht, das eine Erkenntnis haben kann.

 

Natürlich sind auch Einblicke in die Struktur menschlicher Erkenntnisse „nur“ menschliche Erkenntnis, bei der wir zumindest Widerspruchsfreiheit anstreben sollten, wodurch sich erst auch empirische Erkenntnis erweitert, was sich durch falschen – eben empiristischen – Dogmatismus solches selbst verbaut.

(Rezension bei Amazon)


        60 Jahre Grundgesetz neu Jan.2009

gegen die

Relativierung des ersten Artikels z.B. durch Herdegen

Zitat „Moral und Recht als Aufklärung“

Willensfreiheit für jesus.de  neu März 2012

Das Intentionalitätsgefälle

Das Subjekt und sein Körper neu Jan 25. Jan 2010

zu Frege  Würdigung Prauss    Marginalien zu Band 1 , Marginalien zu Band 2    Band 2 Vorschau, Webseiten zu Gerold Prauss

www.kommentare-zu-gerold-prauss.de/Vernunft.htm   Das Kontinuum bei Kant und Aristoteles

www.kommentare-zu-gerold-prauss.de/Recht.htm

www.kommentare-zu-gerold-prauss.de/Recht.pdf


Der problematische Punkt bei Prauss ( Dez. 01)

Das Zeitmodell von Gerold Prauss

ZeitAnimismus

Steinbruchbeispiel: Was ist ein Satz?

Die Zeit (als Thema) aus dem dafür neu einzunehmenden Blickwinkel: , neu 17. Juni 2006

Erkennen und Handeln als ein zusammenhängendes Verhalten, neue Begriffe, Band 2/2, Seite 502-533, , 20.12.06

Würdigung für Bd. 2/2 bei Amazon.de, neu 27. Juni, 2007

Febr. 2008, Deutsche Philosophen zur Reproduktions- und Gentechnik: Gentechnik-Ethik, Logik von Gerold Prauss, als PDF
contra: Jürgen Habermas, Ludger Honnefelder, Hille Haker, Otfried Höffe, Vittorio Hösle, Gerold Prauss, Robert Spaemann

pro: Peter Sloterdijk, Reinhard Merkel, Norbert Hoerster, Bettina Schöne-Seiffert, Walter Zimmerli,Volker Gerhard

Tafel der Kategorien

Marginalien zu Band 2  (Sept. 01) : 14. Okt. 03: kein Absturz des Ikarus: B.II/1, Seite 278-298, 19. Jan.04:Seite 264-267,

Bd.2/2 Seite 644, Herleitung des Rechts bei Kant und Prauss

Bd.2/2 Seite 670, Das Verhältnis des Menschen zum eigenen Körper als Grundlage eines Rechtsbewußtseins bei Kant und Prauss, neu 29.Jan 2008

Das Zeitmodell in letzter Formulierung, neu Jan 2009

(nur vorübergehend zur Diskussion!)

http://brrrrrrrrrr.blog.de/2009/10/04/credo-ut-intellegam-7093917/  neu 4.10.09

http://mitglied.lycos.de/FriedhelmSchulz/Punkt.htm

von der Interobjektivität zwischen Menschen zur Intersubjektivität, 19. August 07, als PDF  nur wenige Tage zur Diskussion in Philowelt.de. und im EKD-Forum und http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/board.fpl?op=Anzeige&ThemenID=170

Wo sind meine Farben, 31. Okt. 2007

Substanz und Eigenschaft bei Gerold Prauss.

Es geht um zwei grundsätzlich verschiedene Verständniswelten oder Verständniswege bzw. „Wahrheiten“ aufgrund verschiedener Blickwinkel.

 


oder  http://people.freenet.de/Praussdiskussion

Die Grenzen einer Absicht

Erkennen und Handeln als ein zusammenhängendes Verhalten, neue Begriffe, Band 2/2, Seite 502-533, neu, 20.12.06

„Die Welt und wir“ Bd. 2/II, Metzler, Okt. 2006

Das Problem der Differenzierung, der Stufen, des immer wieder neu Entstehens und Vergehens bei Prauss.

Das Unterbewußtsein bei Freud.

Autor der Seite ist Friedhelm Schulz, Mail-Art-Museum, An der Kirche 12, 37574 Einbeck, mailto: FriedhelmSchulzMailArt@t-online.de/



Kommentare zur Philosophie von Gerold Prauss

,,Prauss has succeeded in making a highly instructive and subtle proposal …whoever is interested in the development of transcendental philosophy. . . may do well to use it. —Reinhold Ashenberg, Philosophy and History

GEROLD PRAUSS is professor of philosophy at Albert Ludwigs University in Freiburg, Germany; he has also taught at the University of Cologne and several orher German universities. His work on Kant has been influential on a worldwide scale.

GARY STEINER is associate professor of philosophy and JEFFREY S.

TURNER is associate professor and chair of the Department of

Philosophy at Bucknell University in Lewisberg, Pennsylvania.

 

Kontributions in English

 

Was ist Bewußtsein? Noch bis heute weiß das niemand, nicht einmal der Mensch. Bewußtsein hat indes ein jeder, auch ein jedes Tier, soweit es Wahrnehmung von etwas Anderem hat und dadurch dieses Andere wie der Mensch sich gegenüber hat. Doch unbegriffen ist Bewußtsein bisher nicht allein als solches Fremdbewußtsein, sondern vollends auch als Selbstbewußtsein. Denn als dieses muß Bewußtsein zwar desgleichen das von etwas sein. Doch kann es das in diesem Fall gerade nicht in jenem Sinn von etwas Anderem sein, weil Selbstbewußtsein als ein ,Fremdbewußtsein von sich selbst< nicht widerspruchsfrei wäre. Und tatsächlich ist es auch die Einheit der Natur, die innerhalb von sich dabei in Gegenüberstellung zu sich tritt, sofern sie in Gestalt von Tier und Mensch auch nur als Wahrnehmungsbewußtsein etwas Anderes für sich gewinnt. Denn zweifellos sind Mensch und Tier naturentstanden. Was es erst noch zu begreifen gilt, ist somit auch nicht eben eine Kleinigkeit:

Ist jede Absicht doch Bewußtsein, jedenfalls soweit es gleichbedeutend ist, etwas »absichtlich« und etwas «bewußt« zu tun. -Was Gerold Prauss versucht, ist denn auch nichts geringeres, als die Begriffe zu entwickeln, unter denen alles dies begriffen werden kann. Die Möglichkeiten dafür sind noch längst nicht ausgeschöpft, wie daran Scheiternde uns neuerdings nur allzu gerne glauben machen wollen.

            Im Gegenteil, so Gerold Prauss mit Argumenten: Überhaupt erst so ist philosophisch-wissenschaftliche als einzig-mögliche Erkenntnis von so etwas wie Bewußtsein anzubahnen.

J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgard

ISBN 3476006972

Es gelang Gerold Prauss noch im alten Jahrhundert anhand der legitimen, d.h. logisch in sich nicht widersprüchlichen Denkbarkeit eines Modells für unsere subjektive Zeit in drei elementaren Fragen festen Boden zu erreichen, und zwar :

  1. bezüglich der Struktur subjektiver Zeit, von der sich der Raum und die objektive Zeit ableitet;
  2. bezüglich der Struktur von Bewegung und Kausalität;
  3. bezüglich unserer animistischen Veranlagung.

Prauss bietet damit keine Wahrheit sondern einen neuen Ansatz menschlicher Selbsterkenntnis. Denn es kann dabei erstmal ausschließlich nur um die Struktur der Zeit in unserer Erkenntnis gehen, desgleichen Raum, Beharren und Bewegen, womit es nun auch gelingen kann, die vielen Denkfehler und nun erkennbaren Unstimmigkeiten in unseren übernommenen und weiter gelehrten Denkgewohnheiten in der Philosophie, aber auch in Wissenschaft, Politik, Kunst und Alltag zu korrigieren, wonach sich dann auch die Bedeutung von Bewußtsein und menschlicher Selbsterkenntnis und Existenz verdeutlicht.

Porträt von Gerold Prauss 

 

· Das Sonderbarste von der Welt, der Mensch, was ist er?

Was ist Sprache, Geist, Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Seele, Absicht, Wille, Freiheit, Subjektivität?

Wie hängt dies alles in der Welt mit der Natur, der es entstammt, zusammen? Solche Grundfragen aller Philosophie, wer stellt sie heute noch, und wer gibt Antworten darauf? — Kant war weit zu ihnen vorgestoßen, doch nicht durchgedrungen. Denn trotz Kant sind auch zum Beispiel Zeit und Raum noch immer Rätsel.

Doch wer rätselt daran heute noch, und wer entwickelt Lösungen dafür? Naturwissenschaftsgläubige Empiriker und Empiristen jedenfalls sind dazu außerstande, auch als »Analytiker der Sprache«. — Gerold Prauss jedoch deckt in »Die Welt und wir« einen bisher noch nicht gesehenen Zusammenhang von all dem auf, der philosophisch weiterführt: Gerade weil wir aus Natur entstanden sind, so Kant bereits vor Darwin, kann ein jeder von uns nur als das Spezifische von Selbstbewußtsein autonomer Selbstverwirklichung in dieser Welt auftreten. Nur aus diesem Grunde werden wir in ihr denn auch von vornherein schon zum Subjekt, das jener Rätsel Lösung ist. Und nur aus ihm, das alles Andere in dieser Welt, wie die Natur, sich erst einmal zum Objekt macht, erklärt sich auch, daß die Natur als Objekt für ein Subjekt ursprünglich nur als Substanz oder Kausalität auftreten kann. Diesen Zusammenhang von Welt und uns vermag indessen nur der Philosoph durch Reflexion als systematisch-nichtempirische Erkenntnis zu erschließen; und auch nur, indem er sie — wie Gerold Prauss — mit Argumenten gegen Empirie und Empirismus, die seit je davon nichts wissen wollen, durchficht.

J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgard

ISBN 3476006972

 

 

 

 

 

 

Der Menschheit gelang damit ein Schritt über die cartesianische und Kantsche Aufklärung hinaus zu einem neuen Ansatz.

Es ergeben sich daraus tausend Themen, die neu zu diskutieren sind.

Ich möchte im Internet jeden zu dieser Diskussion einladen. Beiträge zu der Arbeit von Prauss

Gerold Prauss "Die Welt und wir" Metzler Verlag, Stuttgart

werde ich zunächst chronologisch nach Eingang hier veröffentlichen, wenn nicht anders gewünscht und auf einer CD archivieren und später auch nach Autoren und Themen und mit Links auf besonderen Webseiten veröffentlichen.

Zusendungen  bitte an:

Friedhelm Schulz, An der Kirche 12, 37574 Einbeck, Germany;
E-mail: FriedhelmSchulzMailArt@t-online.de

 

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Marginalien zu Prauss  Band I, © Friedhelm Schulz
Band 2

Band I/1, Seite 1
Im Buchtitel „Die Welt und wir" wäre das „und" in der Bedeutung als Summe eine Verdoppelung, da »wir« ohnehin zu Welt gehören - wie die Welt zu uns, was sich als das eigentliche Thema erweisen wird.
Prauss behauptet einleitend, daß sich hinter der Vielheit aller Dinge und Ereignisse der Welt eine Einheit und Einfachheit befindet, die nur philosophisch und nicht empirisch zu erschließen ist.

Seite 2, letzter Abschnitt
Wenn wir uns vorstellen, daß wir alle empirischen Informationen über alle Gegenstände und alles Geschehen in der Welt bereits hätten, wobei es sich immer um Dinge und Eigenschaften wie um Ereignisse und Veränderungen zwischen diesen Dingen mit Eigenschaften handelt, dann könnte ich anschließend noch einmal mit der Frage beginnen: was ist ein Ding mit seiner Eigenschaft?
 
 

Seite 44
Tafel der Kategorien: Seite 118-119
Band 3, Kritik der reinen Vernunft, Seite 118-119,B106/A80

Der Quantität
Einheit
Vielheit
Allheit
 

                 2
Der Qualität
Realität
Negation
Limitation

      3
Der Relation
der  Inhärenz und Subsistenz
(substantia et accidens)
der  Kausalität und Dependenz
(Ursache und Wirkung)
der  Gemeinschaft (Wechselwir-
kung -zwischen dem Handeln-
den und Leidenden)

                               4
Der Modalität
Möglichkeit - Unmöglichkeit
Dasein - Nichtsein
Notwendigkeit - -Zufälligkeit
 

Jene beiden mathematischen Kategorien 1+2 sind nach Kant konstitutiv
1.
Der Quantität
Einheit
Vielheit
Allheit
                 2
Der Qualität
Realität
Negation
Limitation

die beiden dynamischen Kategorien 3+4 sind nach Kant regulativ.
      3
Der Relation
der  Inhärenz und Subsistenz
(substantia et accidens)
der  Kausalität und Dependenz
(Ursache und Wirkung)
der  Gemeinschaft (Wechselwir-
kung -zwischen dem Handeln-
den und Leidenden)

4
Der Modalität
Möglichkeit - Unmöglichkeit
Dasein - Nichtsein
Notwendigkeit - -Zufälligkeit


 

In der dritten Gruppe hat Kant „Ursache und Wirkung" erst hinter „Inhärenz und Subsistenz" gesetzt, weil etwas Vorhandenes immer schon aus Substanz + Akzidenz bestehen muß um eine Relation eingehen oder haben zu können, was man eben so wenig von Substanz sagen kann, die es ohne Eigenschaft nicht geben kann, wie es auch keine Eigenschaft ohne Substanz geben könnte, so daß wir es hier nicht mit zwei Dingen zu tun haben, die miteinander bereits ein Verhältnis im Sinne von Ursache und Wirkung haben könnten.
 
 

Marginalien 172 ( Textmarke a) bis 182 Textmarke b
Marginalien 499(Textmarke c) bis 809 Textmarke d) (nicht vollständig!)
Margin2

Seite 172-174, Kritik .

I. Die hier als Argument - für was? - eingeflochtene Definition einer Erkenntnis als das, was einer Aussage vorweggeht, und nach Prauss dann gesprochen werden  "muß"(?), begründet sich auf eine allerorts eingenommene Ansicht, daß der Mensch nur in Sprache denkt, was meiner Ansicht nach einfach nicht stimmt. Selbst wenn man hier zugesteht, daß das Folgende sich nur auf solcher Art Erkenntnis beziehen soll, die der  Mensch in Sprache denkend denkt, so ist doch selten (- wenn überhaupt jemals -) das Gesprochene mit dem dabei Gedachten identisch, womit wir bei einer möglichen Vorstellung von der Funktion der Sprache angelangt sind, und ja  zuerst klären müßten, wie der heim Hören einer Aussage hervorgerufene Gedanke, nämlich  zuerst  bei dem angesprochenen Gesprächspartner zu unterscheiden ist von dem Gedanken des Sprechenden. Immerhin liegt hier ein Akzent der Definition von Subjekt oder allgemein von Subjektivät dann ja darauf, daß ein 2. Subjekt Vorbedingung von möglicher Subjektivität überhaupt ist.
Prauss kann diesen Problemkomplex hier nicht thematisieren und läuft aber genau dadurch hier Gefahr, daß man seine nun angestrebten Schlußfolgerung nicht für zwingend hält.
II. Mir legen sich diese beiden Argumente quer, von denen das erste also als Voraussetzung von mir nicht akzeptiert werden könnte, wenn es als eine allgemeine Prämisse für das Folgende gelten sollte, - wobei das zweite Argument ganz aus dem Thema herausführt.
 I. Ohne Zweifel ist die weltanschauliche Haltung oder Argumentation eines Menschen, also  irgend eine Veranlassung, zu irgend etwas zuzustimmen oder Argumente gegen etwas zu suchen, von der Aussage eines anderen Menschen einerseits bestimmt oder beeinflußt, aber auch von seiner eigenen Art oder Mentalität oder Denkweise oder eben veranlagte Tendenz, etwas zu sehen. Gedanken und  Argumente, also Sprache des einen Menschen rufen Gedanken und Argumente, also Sprache, des  anderen Menschen hervor, ein Prozess, der sicher für die geistige Entwicklung eines Menschen oder der Menscheit entscheident war und ist.
Man könnte die Ausschließlichkeit  der Ansicht, Denken sei immer das Vorhergehende einer Aussage, unterstreichen oder verteidigen durch das Argument, daß wir von einem unausgesprochenen Gedanken und also auch von keiner verschwiegenen Erkenntnis wissen und also von einer solchen auch nicht sprechen können.  Dem und auch solcher Gesamtdefinition kann man aber mit unwiderlegbaren Argumenten  entgegenhalten, daß der Lügner offensichtlich nicht das spricht, was er denkt, daß   im  Gegenteil die Möglichkeit der Lüge als negative Möglichkeit eines Nichtübereinstimmen von Erkenntnis und Aussage und neben dieser im positiven Sinn die Weisheit des Menschen, nicht alles auszusprechen, was man denkt und erkennt, souveräne, freie, nichtdeterminierte Subjektivität erst ausmacht, und in gleicher Weise siehe Seite174 (Mitte).
Soll man nun hier an dieser Stelle Prauss zur Rede stellen, wie dieses jetzt oder allgemein gemeint ist?
Wir erleben aus dem Vorhergegangenen jedoch deutlich, daß Erkenntnistheorie in solcher Konsequenz nahezu alle Bereiche menschlicher Existenz tangiert, d.h. alle Denkbarkeiten berührt, die nicht alle gleichzeitig zur Sprache kommen können.

Seite l74 (Verteidigung)

Zudem ist es ja auch unmöglich, womit sich ein weiterer Gedanke querlegt, sich Sprache als Zeitpunktgebilde vorzustellen, da an Sprache ja nichts so  augenfällig ist, als der mit ihr verknüpfte Zeitaufwand.  Man kann sich solches nur als derart gemeint denken, als daß das, was an Erkenntnis ausgesprochen wird, ja zumindestens solange irgendwo sein muß, bis der Satz oder das Wort ausgesprochen ist. Und in dieser Konzeption stehen die obigen Einwände der folgenden Schlußfolgerung schließlich auch nicht im Wege, wie immer Prauss darauf antworten würde
Es verlangt hier geradezu Humor, wenn wir sehen, daß bei der Aussage über das, was hier Prauss mit Erkenntnis meint, nämlich nicht die Sprache oder den Begriff selbst in der akustischen oder graphischen Manifestation, sondern die Erkenntnis in dem Gesprochenen oder das Gedachte, das einer Aussage vorweggeht und zu einer Aussage führt, zugleich die ganze Problematik menschlicher Existenz implizit seiner sozialen Situation nicht nur berührt, sondern immer auch droht, in eine mißverständliche Definition zu zwingen.
So man dagegen diese Argumente so versteht, daß hier Sprache nicht als ihre ganze Wirklichkeit gemeint ist sondern als Möglichkeit,  wobei sich das Sichbewußtwerden einer Erkenntnis in der Aussprechbarkeit deutlich macht, oder  als  etwas, das man in Erinnerung behalten kann, und damit durchaus ein Zeitpunktgebilde ist, (Zusatz, daß durch die Funktionsweise unseres Gedächtnisses länger aufbewahrt werden kann??!!) das  zu formulieren man unter Umständen Jahre benötigt, kann man darin natürlich auch die Art von Erkenntnis einbeziehen, die nicht einer Formulierung in Sprache vorhergeht, oder der nicht  das Aussprechen der Erkenntnis folgt.
In jedem Fall geht aber dem tatsächlich gesprochenen Wort etwas voraus, das zu einer Aussprache führt.
II. Man kann nachträglich sagen, daß dieses dann etwas war, daß zu einer Aussage führen mußte, und zwar mit dem Argument, weil es zu einer Aussage führte. Aus dem vorhergehenden geht allerdings nicht hervor, wo der Wille eines Menschen ansetzt, wenn er etwas sagen will. Ich nehme an, daß sich die Philosophen darüber einig sind, wie man sich dieses zu denken hat.
II. Es ist das, worunter Humboldt  (Seite 173, unten) eigentlich das Denken meint, wenn er von Sprache spricht, worunter Kant Sprache meint, wenn er von Denken spricht, was sich hier wie verschiedene Koordinaten ausmacht, die sich in einem Punkt finden, der bei Prauss so einerseits zur Definition und zur Verdeutlichung des Gemeinten angeführt wird, von dem wir hier auszugehen haben, in dem sich jedoch andererseits der Stand des bisherigen Denkens über dieses Phänomen der Erkenntnis zeigt und zusammenfaßt, von dem aus die folgenden Untersuchungen auszugehen haben. Wir sehen damit im Folgenden also nicht irgend eine These oder Idee, sondern die unausweichliche Schlußfolgerung, die sich aus den Formulierungen "Einheit oder Einfachheit" des Gedankens ergibt, in der zwingenden Kontinuität bisheriger Philosophie.
Man kann sich solches behelfsmäßig auch so vorstellen, daß die "wahre oder falsche" Erkenntnis der Aussage immer irgendwann während des Sagens erkennbar wird, und zwar nicht langsam, sondern zu einem bestimmten Zeitpunkt. Und man muß hier den obigen Einwänden - hier ebenfalls behelfsmäßig - entgegenhalten, daß ja auch die Zeit des Sprechens, die wir als mögliches Gegenargument anführten, ein Objekt der Erkenntnis ist, für das dann die Aufmerksamkeit vom Gesprochenen weg und auf die Sprechzeit gerichtet werden müßte, und darüber hinaus zugleich immer auch das Ergebnis, das Produkt der Erkenntnis ist, einer anderen Erkenntnis nämlich, um die es hier nicht geht, wobei natürlich das Gesagte auch auf diese andere Erkenntnis zutrifft. Mit anderen Worten: Die Erkenntnis, daß jemand für einen Satz lange Zeit benötigt, was sich oben performatorisch trefflich darstellt, ist eine andere Erkenntnis als die, die mit diesem Satz ausgesprochen wurde. (An irgend einer anderen Stelle hat Prauss dieses an einem Beispiel verdeutlicht)
In jeder normalen Rede ist eine Mitteilung in ihren Kontext eingebettet eine Summe von vielen Aussagen mit denotativen und konotativen Mitteilungen, oft mehr als tausend, ein Phänomen der Kommunikation, das hier nicht das Thema ist. Prauss betreibt Grundlagenforschung am Beispiel der elementaren Erkenntnis, die jeder weiteren Erkenntnis zugrundeliegt.

Seite l74, letzter Abschnitt "Erklärung"

Um das, wogegen  sich die obigen Argumente richten, geht es Prauss hier aber eben nicht, sondern um das Entstehen oder Erreichen von Gegenwart als der einzig möglichen Weise von Wirklichkeit, was ja immer nur Zeitpunkt sein kann, das apriorische Vorbedingung von Erkenntnis und zugleich auch immer von Subjekt ist, als sei  mit bewußter Erkenntnis das Auftauchen des Menschen in der Wirklichkeit von "Selbstsein", von Subjektivät oder von Aufwachen als einem Phänomen verbunden, das einmal nur in solcher  Einheit möglich ist und zum anderen zugleich nur in der dem Menschen erkennharen  Welt mit  seiner Zeit, mit seinem Raum, seinen Farben, Gerüchen,  Temperaturen und logischen Zusammenhängen.
II. Wir haben hier die Grundlage für eine einfache Denkformel:
1. Der Verstand, die Erkenntnis, die Gegenwart, die Wirklichkeit, das Bewußtsein ist immer als Jetzt etwas, daß wir im Folgenden als Zeitpunkt bezeichnet finden, unabhängig davon, wie und ob man sich einen Zeitpunkt vorstellen kann.
2. Sinnlichkeit erkennt Zeit als Zeitspanne, also als ein Kontinuum, als eine Ausgedehntheit.
I. Wie schon eingangs beschrieben, ist nur Gegenwart und damit nur Wirklichkeit derjenige Existenzbereich, in dem wir auch bewußt sein können. Zukunft und Vergangenheit sind uns verschlossen, wenn wir sie auch als Ahnung, Planung oder Ziel, bzw als Erinnerung in unser Denken und Erkennen einbeziehen. Das Wissen oder Erkennen darum, kann aber immer nur in der Gegenwart stattfinden.
(So ist die  Erkenntnis als Subjektivität zwar  ein Auftauchen in die Zeit und  damit in der Zeit und damit zugleich als Entstehen oder Verwirklichen eines neuen Zeitraums mit der Freiheit einer indeterminierten Denk- und Handlungsmöglichkeit, aber eben auch gebunden an seinen, dem  menschlich-subjektiven Zeitraum mit allen seinen Grenzen, die im Folgenden erst deutlich werden, über die hinaus nur der Glaube an  Gott hinausweist und hinausführt.

Zwei Fragen an Gerold Prauss: Die Null, die Grammatik und der Punkt. (Jan. 2002)

Seite l86.

Dieses Auftauchen in die Gegenwart durch  Erkenntnis und als Erkenntnis schafft zwar ein menschlich zeitliches und menschlich räumliches Erkennenkönnen, darf jedoch nicht so konkret bildlich verstanden werden, als sei  diese Ebene objektiv vorhanden und würde durch Erkenntnis damit beschritten, vielmehr wäre  hier der Vergleich angebracht mit dem Wachstum einer Pflanze, die aus der Erde heraus zwar  den Luftraum erreicht, für den Menschen sichtbar wird, selbst jedoch das Hervorragende, Raumergreifende nur ist, nicht aber erkennt. In anderer Weise könnte man unser Erkennen und das Erkannte vergleichen mit der einzigen Bewegung, die eine Pflanze dadurch ausführt, daß die Pflanze durch ihr Wachsen erst entsteht,  wobei man also die Aktivität der Pflanze als Bewegung verstanden zugleich als das Entstehen dessen sehen muß, dem man die Aktivität zuschreibt.
D.h.: Wenn wir uns also unser Bewußtsein als Selbsterkenntnis, und zwar als Wissen um sich selbst, als "Ich weiß, daß ich weiß", denken, und zwar verbunden mit einem "Jetzt" und "Hier", dann wäre analog zu unserem Pflanzenbeispiel unser Erkennen mit der Bewegung zu vergleichen, wobei das, was da erkennt identisch ist mit dem, was da erkannt wird, (wenn man an diesem Bild einschränkt, daß man die Erkenntnis eines Objekts in der Außenwelt immer noch unterscheiden muß von dem Objekt selbst, das natürlich von ganz anderer Art ist, als das Bild unserer Erkenntnis.)
Offen bleibt hier vorerst das Problem, wie wir ein Erkennen von Zeit mit dem Ergebnis einer "Zeiterkenntnis" zu unterscheiden haben von der Erkenntnis eines Steines z.B., als "Steinerkenntnis", was
Seite 175 ( Mitte)
nur undeutlich als Umschreibung der ganzen Komplexität erkenntlich wird.
II. Das bewußte Erkennen des Steines ist natürlich immer eine Selbsterkenntnis und eigentlich viel mehr eine solche, als ein Erkennen des Steines, der uns als Objekt nicht zugänglich ist. Ich erlebe mit der Erkenntnis mich, und erkenne, wie ich dort und jetzt einen Stein erkenne. Aber nicht nur das, sondern der Mensch " wird sich" dabei erst selbst. In der Fußnote wird diese Aktualität als "eine Verschärfung bis zum Äußersten" beschrieben.
I.  Wenn wir uns vorstellen,  daß die Pflanze um für Tier und  Mensch entsprechend sichtbar zu sein, also auf zweckmäßige Sichtbarkeit konstruierte Farben benutzt und  damit entsprechende Erfahrungen besitzt, so würde eine Logik der Pflanze solche Erfahrungen nicht auf die Farbe zurückführen, von der sie nichts wissen kann, weil sie keine Augen hat, sondern eine Kausalität auf  chemische Prozesse zurückführen, die einerseits der Wahrheit viel näher kommen, als es die  Wahrheit des Menschen mit der Erkenntnis tut, daß nämlich ein Schmetterling die weiße oder rote Farbe sieht und davon angelockt wird, während andererseits die menschliche Erkenntnisebene der Farbigkeit als Faktor der Befruchtungsfunktion zwar menschlich subjektiv ist und bleibt aber doch auch eine transzendente Ebene von Wahrheit schafft, die für Tier und Pflanze  unerreichbar ist, bzw. dann wäre, so daß wir davon sprechen könnten, wenn beide über ein zusätzliches menschliches Bewußtsein verfügten.
Hier wäre dann aber der Denkansatz der Pflanze ähnlich dem des Philosophen: Wer unsere Erkenntnis als substanzielle Wirklichkeit und damit als "Platonisch-substanziell-Reales" nimmt und nicht als sekundäre Indikation einer solchen, lebt damit in einer Scheinwelt, als es die Farbe der Blume faktisch an der Blume ja auch nicht gibt.
"Wahr oder falsch" jedoch ist und bleibt für den Menschen, daß jeweils diese oder jene Farbe von der Blume produziert und vom Tier gesehen wird,  wobei die Wirklichkeit der Farbe nicht   von gleicher objektiver und materieller Art ist, wie wir  sie empirisch meßbaren Ereignissen zuschreiben.
Natürlich ist der folgende, hier naheliegende Vergleich gefährlich  spekulativ in der Denkmöglichkeit, die jedoch zugleich faszinieren muß, als wäre die menschliche Realität das Jenseits der Pflanze,  so als wäre die schöne Farbe der Blume und seine lebende Umgebung, die ja nur für den Menschen erkennbar ist und nicht für die Blume selbst, die wahre Wirklichkeit der Blume,
so daß analog zu unserem Beispielvergleich von Bewegung und Bewußtsein die "wahre" Realität des Menschen für ihn selbst nicht, sondern nur von einer höheren "transzendenten" Stufe erkennbar ist, die nur Gott oder seine Engel und Geister sehen könnten, -
spekulativ aber deswegen, weil man bei einem solchen Vergleich übersieht, daß ja auch unser Denken von Gott erst Realität wäre durch den menschlichen Glauben, durch den oder über den er ja "seine" Erkenntnis von Gott für wahr hält.
 
 

Seite 175.

Aufgrund solcher Denkmodelle sind nun viele verschiedene Weltbilder und Theologien denkbar, die jeden Science-fiction-Fan begeistern würden. Wir stehen, wie Prauss warnend bemerkt, geradezu in einem Labyrinth von Irrwegmöglichkeiten.
Ganz frei von solchen  pekulativen Ausschweifungen benutzt Prauss die Begriffe Kants und schränkt dessen Überlegung ein, daß jenes Phänomen des gegenwärtigen Augenblicks als Zeitpunktgebilde im  Erkennen durch den  Verstand nicht Zeit bedeutet im Sinne von etwas unendlich klein Ausgedehntes, wobei es ja dann ein essenzielles Etwas wäre das hier oder dort nur für einen Augenblick  existierte,- wie Zeit ja dem Zenonschen Paradoxon zugrundeliegt - wärend sinnliche  Wahrnehmung das Objekt in zeitlicher Ausdehnung erfaßt, worin Prauss eine unhaltbare  Annahme sieht, denn für ihn ist in diesem Kontext jedenfalls die verstandesmäßige Erkenntnis  etwas, was der sinnlichen Wahrnehmung vorausgehen muß: wenn ich nicht erkenne, was ich  sinnlich wahrnehme, kann ich nicht von Sinnlichkeit sprechen, woraus sich ganz logisch  ergibt, daß Objektivität mit räumlicher und zeitlicher Ausdehnung z.B. eines Steines erst aus dem unzeitlichen oder zeitpunktförmlichen Gebilde der Erkenntnis erwachsen kann und mit ihr in  Abhängigkeit stehen muß.

Seite 176

Dieses Verhältnis von Zeitspanne und Zeitpunkt, wie es bei Zenon zu den bekannten Paradoxien führt, soll man sich nicht vorstellen, wie ein Geschehen oder wie eine Struktur, das sich, um wahrgenommen werden zu können, (- wie etwa die Bewegung in einem Film aus vielen Punkten oder Einzelbildern besteht, von denen wir über unseren Verstand wissen müssen) nur aus der Summe solcher Zeitpunktgebilde zu einer sinnlichen Wahrnehmbarkeit wird. Solche Punkte sind wie bei Zenon denkbar und führen zu Paradoxien, wenn man das Gedachte als sinnlich wahrnehmbares Äquivalenz zum Sinnlichen nimmt; aber es ist ja nicht die Bewegung, die die Erkenntnis ist, - wie es scheinen könnte, diese ist das Sinnliche! - das, was in diesem Zeitlichen zu verstehen, zu erkennen ist, nämlich das, was entweder wahr oder falsch ist, ( ist ja vielleicht etwas die Zeit betreffendes, was hier leicht verwirren könnte,) ist aber selbst nichts Zeitliches, sondern klammert zeitliche Ausdehnung geradezu aus, worauf es Prauss ankommt, deutlich zu machen.
Die erkannte Handbewegung ist als Erkenntnis ja nicht von der Bedeutung, daß sie aus Punkten zusammengesetzt sei oder nicht, sondern es ist ja die Bewegung, auf die sich bezieht, wenn etwas wahr oder falsch sein kann.

Seite 178
 
 

Seite l76-l78

Mit dem Konzept, Verstand und Sinnlichkeit, die miteinander untrennbar verwoben sind, zuerst getrennt voneinander "zu erwägen", wie Prauss sich vorsichtig ausdrückt, beginnt Seite l78 nicht nur ein neues Kapitel und ein weiterführendes  Thema "Wir als Einheit von Verstand und Sinnlichkeit", und nicht nur ein Ansatz zu  Überlegungen, die über Kant hinaus gehen, sondern, und dieses zeigt das ungeheure Wagnis des Folgenden, es beginnt ein neuer Abschnitt menschlichen Denkens überhaupt.
 Seite l78- 82 (Darstellung des neuen Denkansatzes)
Die von mir eindeutig spekulativ bereits als  methaphysische Dimension ausgemalte Gegenwärtigkeit des Gedankens als ein nahezu  außerzeitliches Zeitpunktgebilde, von dem sich erst im Nachhinein die Ausdehnung von Raum  und Zeit unserer Sinnlichkeit, und wonach erst über diese Sinnlichkeit die Objekte als zeitlich  und räumlich erscheinen, was Prauss die "Wirksamkeit" jener rezeptiven (also nur scheinbar  passiven) Sinnlichkeit bezeichnet, woraus der Begriff "Spontaneität" als Kennzeichen der  zeitpunktförmigen Struktur der Erkenntnis vorerst noch unverständlich bleibt, und damit eigentlich nur die  eine Seite des empirisch Unfaßbaren einer Erkenntnis darlegt, - denn wie sollte etwas  empirisch zu erkennen sein, wenn es nur unendlich kurze Zeit existiert? - so beginnt jener zweite Teil dieses Buches mit der  Kennzeichnung einer Erkenntnis als Aktivität des Subjekts zuerst in der Unterscheidung von der scheinbaren Passivität der Sinnlichkeit als Rezeptivität des Subjekts, wobei sich beides jedoch durch ein ebenfalls empirisch unfaßbares Phänom  von den empirisch wahrgenommenen Objekten der Außenwelt, z.B. der empirisch faßbaren  Aktivität eines fallenden Steines dadurch unterscheidet, daß sie aus sich heraus, also aus dem  Subjekt heraus aktiv ist und nicht als Folge auf eine andere Ursache zurückzuführen ist, wie der fallende Stein der Erdanziehungskraft und eines Anstoßes bedarf.
Während die Gegenwärtigkeit der Zeitpunktförmigkeit der Erkenntnis eigentlich jede Zeitlichkeit ausschließt und deswegen  empirisch nicht faßbar ist, erweist er sich nun auch als Aktivität ohne äußere Ursache als ein  Phänomen der Realität - denn Erkenntnis ist ja ohne Zweifel Realität - das sich der empirischen  Meßbarkeit entzieht.
Mag sein, daß diese bereits von Kant vorgedachten und als transzendent  gezeichneten Merkmale ursprünglich bei Prauss nur die Philosophie als eigene Wissenschaft für einen Bereich unserer Realität rechtfertigen sollte, die der rein logischen  Wissenschaft, die der Mathematik, und der empirischen Wissenschaft, wie der Physik nicht zugänglich sein kann. Mit dem Gelingen dieser Rechtfertigung wird jedoch nun nicht nur die Philosophie rehabilitiert, begründet, gerechtfertigt, sondern die Philosophie erscheint damit plötzlich in einem fast  erschreckenden Ausmaß auch die neue Dimension unserer elementaren, alltäglichen Wirklichkeit, die darzustellen es Prauss in diesem Buch geht. Es erscheint damit neben der mathematischen seit Pythagoras und der physikalischen seit Newton nun mit Prauss im 20. Jahrhundert eine neue Dimension  menschlichen Denkens und Bewußtseins, deren Ausmaß und mögliche Weiterführung bis jetzt nur erahnt werden kann, - . Da nun Philosophie im alten Sinne wohl weiter bestehen bleibt in ihrer unsicheren Selbstdefinition, wäre für den Prausschen neuen Ansatz eine grundsätzlich Unterscheidung angebracht.
War die Mathematik innerhalb der Philosophie zuerst eher ein Spiel mit seltsamen Effekten, die als  Logik eher spekulative, weltanschauliche oder religiöse Bedeutung hatte, wie nicht anders die  Physik und Chemie, die sich erst mit Newton als die eine Struktur aller Wirklichkeit in Übereinstimmung und Ergänzung mit der Mathematik, so zeigt sich nun diese Möglichkeit der Philosophie, die bis dahin eher allgemein, intuitiv, ethisch, moralisch, religiös oder spielerisch, weil nicht  erechenbar und meßbar, existierte, nicht   nur als ergänzende bislang übersehene oder nicht erkannte Notwendigkeit, sondern als ein drittes Komplementär, wenn nicht als das fehlende Fundament  jeder Wissenschaft. Die Mathematik könnte man als das Fundament der Physik bezeichnen, wobei die Bestätigung der Mathematik als Wissenschaft erst durch die Anwendbarkeit in der  Physik gelang.
Wie soll das aber gehen?
Nun erscheint in der Erkenntnistheorie Wahrnehmung des Physikalischen als eine als Rezeptivität mißverstandene Sinnlichkeit, der die gedankliche Erkenntnis zugrundeliegt, die zwar den Regeln der Logik gehorcht, denen aber nicht die physikalischen Grundvoraussetzungen zugrundeliegen, die bis zur modernen Physik immer räumlich und zeitlich meßbar waren, sondern deren Basis in der Subjektivität des Menschen einerseits außerzeitlich und andererseits Wirkung ohne Ursache von Außen ist. Ob nun Mathematik oder  Physik liegt beidem ja nicht nur Erkenntnis zugrunde, was sich ja nun nicht nur als eine Seite oder als ein Aspekt dieser Wissenschaften bezeichnen oder gar abtun läßt, sondern diese Wissenschaften sind ja nichts anderes als Erkenntnis, und wären nach jeder  Wissenschaftstheorie damit eigentlich nicht existent, d.h. sie sind in einer bisher nicht  wissenschaftlichen also eigentlich nur naiven Weise existent, einer Weise, die sie einerseits ohne Erkenntnistheorie in die Ungültigkeit verweist, andererseits nur durch Erkenntnistheorie im Prausschen Ansatz zu  ergründen und zu rechtfertigen vermag. Damit ist ja nicht etwa nur das Risiko der Fragwürdigkeit empirischer Erkenntnis gegenwärtig, sondern im Gegenteil eine Möglichkeit gegeben, sie aus dem Spekulativen herauszuführen und über die Subjektivität der Erkenntnis in der einzig legitimen Weise zu rechtfertigen und zu begründen. Dabei wird das, was wir im Überbegriff als Gedanke oder Erkenntnis und bei Prauss zudem noch als Satz oder Begriff bezeichnet wird, als ein Etwas betrachtet, wie wir einen Stein oder ein Stück Holz als Gegenstand betrachten können, indem wir z. . Farbe, Gewicht, Festigkeit, Temperatur, Geruch und Ausmaß bestimmen, ohne dabei zu berücksichten, aus was dieser Gegenstand besteht,  wobei wir praktisch Erkenntnis betrachten, ohne das darin enthaltene Erkannte, das dieses  der jenes sein könnte, zu berücksichtigen, wobei wir allerdings Gefahr laufen, Erkenntnis als  etwas ähnlich Substantielles aufzufassen, was Prauss Platonismus nennen würde, womit wir dann völlig auf den Holzweg gerieten.
Denn damit unterläge die Erkenntnis ja wiederum einer  physikalischen Determination und der Illusion einer empirischen Greifbarkeit.
Natürlich werden  hier die Skeptiker voraussagen, daß man eines Tages mittelt bestimmter Kurven den Gedanken eines Menschen unmittelbar aufzeichnen kann, ohne daß jener Mensch ihn auszusprechen braucht. Es ist sicher bereits in absebbarer Zeit möglich, mittels eines besonders konstruierten Elektroenzyphallogramms zu messen, wann ein Mensch die Farbe  Grün und wann die Farbe Rot sieht, wann er Liebe oder Haß empfindet, wobei aber das Grüne  selbst, oder der Hass, die Angst, der Schmerz  von den Meßingenieuren nur privat gemeint und erkannt sein kann.
 
 

Seite 172-174 Kritik Die hier als Argument - für was? - eingeflochtene Definition einer Erkenntnis als das, was einer Aussage vorweggeht, und nach Prauss dann gesprochen werden  "muß'(?), begründet sich auf eine allerorts eingenommene Ansicht, daß der Mensch nur in Sprache denkt, was meiner Ansicht nach einfach nicht stimmt. Selbst wenn man hier (an den Anfang- wo Pflanze als Beispiel oder Analogon angeführt wird)  wobei man die Aktivität der Pflanze als Bewegung verstanden zugleic als das Entstehen dessen sehen muß- dem man die Aktivität zuschreibt
 Seite 172-174 Kritik Die hier als Argument - für was? - eingeflochtene Definition einer Erkenntnis als das, was einer Aussage vorweggeht, und nach Prauss dann gesprochen werden  "muß'(?), begründet sich auf eine allerorts eingenommene Ansicht, daß der Mensch nur in Sprache denkt, was meiner Ansicht nach einfach nicht stimmt. Selbst wenn man hier zugesteht, daß das Folgende sich nur auf solcher Art Erkenntnis heziehen soll, die der Mensch in Sprache denkend denkt, ist doch selten das Gesprochene mit dem dabei Gedachten identisch, womit wir bei einer Funktion der Sprache angelangt ja zuerst klären müßten, wie der heim Hören einer Aussage hervorgerufene Gedanke, nämlich erst  bei dem angesprochenen Gesprächspartner zu unterscheiden ist von dem Gedanken des Sprechenden. Immerhin liegt hier ein Akzent der Definition von Subjekt oder allgemein von Subjektivität darauf, daß ein 2. Subjekt Vorbedingung von möglicher Subjektivität überhaupt ist; und ohne Zweifel ist die weltanschauliche Haltung oder Argumentation eines Menschen, also seine Veranlassung zuzustimmen oder Argumente gegen etwas zu suchen, von der Aussage eines anderen einerseits bestimmt oder beeinflußt, aber auch von seiner eigenen Art oder Mentalität oder Denkweise oder eben veranlagte Tendenz, etwas zu sehen. Gedanken und Argumente, also Sprache, des einen rufen Gedanken und Argumente, also Sprache, des anderen hervor, ein Prozess, der sicher für die geistige Entwicklung der Menscheit entscheident war und ist. Man könnte die Ausschließlichkeit der Ansicht, Denken sei immer das Vorhergehende einer Aussage, unterstreichen durch das Argument, daß wir wir von einem unausgesprochenen Gedanken und also auch von keiner verschwiegenen Erkenntnis wissen. Dem und auch solcher Gesamtdefinition kann man aber mit unwiderlegbaren Argumenten entgegenhalten, daß der Lügner offensichtlich nicht das spricht, was er denkt, daß
 im Gegenteil die Lüge und neben dieser im posivitiven Sinn die Weisheit des Menschen, nicht alles auszusprechen, was er denkt und erkennt, souveräne, frei, nichtdeterminierte Subjektivität erst ausmacht, und in gleicher Weise siehe Seite ...
Seite l74 Verteidigung
Zudem ist es unmöglich, sich Sprache als Zeitpunktgebilde vorzustellen, da an Sprache ja nicht so augenfällig ist, als der mit ihr verknüpfte Zeitaufwand.
So man dagegen diese Argumente so versteht, daß hier Sprache nicht als ihre Wirklichkeit gemeint ist sondern als Möglichkeit, wobei sich das Sichhewußtwerden einer Erkenntnis in der Aussprechbarkeit deutlich macht, oder als etwas, as man in Erinnerung behalten kann, und damit durchaus ein Zeitpunktgebilde ist, das zu formulieren man unter Umständen Jahre benötigt, kann man darin natürlich auch die Art von Erkenntnis einheziehen, die nicht einer Formulierung in Sprache vorhergeht, oder der nicht das Aussprechen der Erkenntnis folgt.
Seite l74 letzter Abschnitt "Erklärung"
Um das, wogegen sich die obigen Argumente richten, geht es Prauss hier aber eben nicht, sondern um das Entstehen oder Erreichen von Gegenwart, was ja immer nur Zeitpunkt sein kann, das apriorische Vorbedingung von Erkenntnis und zugleich auch immer von Subjekt ist, als sei mit bewußter Erkenntnis das Auftauchen des Menschen in der Wirklichkeit von  "Selbstsein", von Subjektivität oder von Aufwachen als einem Phänomen verbunden, das einmal nur in solcher Einheit möglich ist und zum anderen zugleich nur in der dem Menschen erkennharen  Welt mit seiner Zeit, mit seinem Raum, seinen Farben, Gerüchen,  Temperaturen und logischen  Zusammenhängen. So ist die  Erkenntnis als Suhjektivität zwar  ein Auftauchen in die Zeit und  damit in der Zeit zugleich als  einem neuen Zeitraum mit der
 Freiheit einer indeterminierten Denk und Handlungsmöglichkeit, aber eben auch gehunden an seinem, dem menschlichsubjektiven Zeitraum mit allen seinen Grenzen, über die hinaus nur der Glaube an Gott hinausweist und hinausführt.
Seite l86
Dieses Auftauchen in die Gegenwart durch Erkenntnis und als Erkenntnis schafft zwar ein menschlich zeitliches und menschlich räumliches Erkennenkönnen, darf jedoch nicht so konkret bildlich verstanden werden, als sei diese Ebene objektiv vorhanden und würde durch Erkenntnis damit beschritten, vielmehr wäre hier der Vergleich angehracht mit dem Wachstum einer Pflanze, die aus der Erde heraus zwar den Luftraum erreicht, für den Menschen sichtbar wird, selhst jedoch das Hervorragende, Raumergreifende nur ist, nicht aber erkennt.  (Einfügung!!!) Wenn wir uns vorstellen,  daß die Pflanze für Tier und  Mensch auf zweckmäßige Sichtbarkeit konstruierte Farben benutzt und damit entsprechende Erfahrungen besitzt, so würde eine Logik der pflanze solche Erfahrungen nicht auf die Farbe zurückführen, von der sie nichts wissen kann, sondern eine Kausalit't auf chemische Prozesse zurückführen, die einerseits der Wahrheit näher kommen, als es die Wahrheit des Menschen mit der Erkenntnis tut, daß ein Schmetterling die weiße oder rote Farhe sieht und davon an elockt wird, während andererseits die menschliche Erkenntnisebene der Farbigkeit als Faktor der Befruchtungsfunktion zwar menschlich subjektiv ist und bleiht aher doch auch eine transzendente Ehene von Wahrheit schafft, die für Tier und Pflanze unerreichhar ist. Für die Pflanze wie auch für Prauss lebt somit der Mensch nämlich dann in einer Scheinwelt, wenn er seiner Erkenntnis etwas "platonischsuhstanziellesreales' unterstellt, als ob es die Farbe der Blume faktisch auch nicht gibt. Wahr oder falsch jedoch ist, daß jeweils diese oder jene Farbe von der Blume produziert und vom Tier gesehen wird, wobei die Wirklichkeit der Farbe nicht
 von gleicher ohjektiver und materieler Art ist, wie wir sie empirisch meßbaren Ereignissen zuschreiben. Natürlich ist solcher Vergleich gefährlich spekulativ, in der Denkmöglichkeit, als wäre das Jenseits der Pflanze die menschliche Realität, wie Gott dann erst Realität wäre durch den Menschlichen Glauben. Ganz frei von solchen spekulativen Ausschweifungen henutzt Prauss die Begriffe Kants und schränkt dessen Überlegung ein, daß jenes Phänomen des gegenwärtigen Augenblicks als Zeitpunktgebilde im Erkennen durch den  Verstand nicht Zeit bedeutet als etwas unendlich klein Ausgedehntes, wohei es ja dann ein essenzielles Etwas wäre das hier oder dort nur für einen Augenblick existierte,- wie Zeit ja dem Zenonschen Paradoxon zugrundeliegt - wärend sinnliche Wahrnehmung das Objekt in zeitlicher Ausdehnung erfaßt, worin Prauss eine uinhaltbare Annahme sieht, denn für ihn ist in diesem Kontext jedenfalls die verstandesmäßige Erkenntnis etwas, was der sinnlichen Wahrnehmung vorausgehen muß: wenn ich nicht erkenne, was ich sinnlich wahrnehme, kann ich nicht von Sinnlichkeit sprechen, woraus sich ganz logisch ergibt, daß Objektivität mit räumlicher und zeitlicher Ausdehnung z.B. eines Steines erst aus dem unzeitlichen oder zeitpunktförmlichen Gebilde der Erkenntnis erwachsen und mit ihr in Abhängigkeit stehen muß. Seite l76-l77 Mit dem Konzept, Verstand und Sinnlichkeit, die miteinander untrennbar verwoben sind, zuerst getrennt voneinander "zu erwägen", wie Prauss sich vorsichtig ausdrückt, beginnt Seite l78 nicht nur ein neues Kapitel und ein weiterführendes Thema "Wir als Einheit von Verstand und Sinnlichkeit", und nicht nur ein Ansatz zu Überlegungen, die üher  ant hinaus gehen, sondern, und dieses zeigt das ungeheure Wagnis des Folgenden, es beginnt ein
 neuer Abschnitt menschlichen Denkens überhaupt.
Seite l78-l82 (Darstellung des neuen Denkansatzes) Die von mir eindeutig spekulativ hereits als methaphysische Dimension ausgemalte Gegenwärtigkeit des Gedankens als ein nahezu außerzeitliches Zeitpunktgebilde, von dem sich erst im Nachhinein die Ausdehnung von Raum und Zeit unserer Sinnlichkeit, und wonach erst über diese Sinnlichkeit die Objekte als zeitlich und räumlich erscheinen, was Prauss die "Wirksamkeit" jener rezeptiven (also nur scheinbar passiven) Sinnlichkeit bezeichnet, woraus der Begriff "Spontaneität" als Kennzeichen der zeitpunktförmigen Struktur der Erkenntnis unverständlich bleibt, und damit eigentlich nur die eine Seite des empirisch (Unfaßbaren einer Erkenntnis darlegt, - denn wie sollte etwas empirisch zu erkennen sein, wenn es nur unendlich kurze Zeit existiert? - so beginnt jener zweite Teil dieses Buches mit der  Kennzeichnung einer Erkenntnis als Aktivität des Subjekts zuerst in der Unterscheidung von der scheinbaren Passivität der Sinnlichkeit als Rezeptivität des Subjekts, wobei sich beides jedoch durch ein ebenfalls empirisch unfaßbares Phänome von den empirisch wahrgenommenen Objekten der Außenwelt, z.B. der empirisch faßbaren Aktivität eines fallenden Steines dadurch unterscheidet, daß sie aus sich heraus, also aus dem Subjekt heraus aktiv ist und nicht als Folge auf eine andere Ursache zurückzuführen ist, wie der fallende Stein der
 Erdanziehungskraft und eines Anstosses bedarf. Während die Gegenwärtigkeit oder Zeitpunktförmigkeit der Erkenntnis eigentlich jede Zeitlichkeit ausschließt und deswegen empirisch nicht faßbar ist, erweist er sich nun auch als Aktivität ohne äußere Ursache als ein phänomen der Realität - denn Erkenntnis ist Ja ohne Zweifel Realität - das sich der empirischen Meßbarkeit entzieht. Mag sein, da diese bereits von Kant vorgedachten und als transzendent bezeichneten Merkmale ursprünglich bei Prauss nur die Philosophie als eigene Wissenschaft für einen Bereich unserer Realität rechtfertigen sollte, die der rein logischen  Wissenschaft, wie der Mathematik, und der empirischen Wissenschaft, wie der Physik nicht zugänglich sein kann. Mit dem Gelingen dieser Rechtfertigung wird jedoch nun nicht nur die Philosophie rehabilitiert, hegründet, gerechtfertigt, sondern es erscheint damit plötzlich in einem fast erschreckenden Ausmaß auch eine neue Dimension unserer Wirklichkeit, die darzustellen es Prauss in diesem Buch geht. Es erscheint damit neben der mathematischen seit Pytagoras und der physikalischen seit Newton nun mit Prauss Im 20. Jahrhundert eine neue Dimension menschlichen Denkens und Bewußtseins, deren Ausmaß bis jetzt nur erahnt werden kann. War die Mathematik innerhalb der Philosophie zuerst eher ein Spiel mit seltsamen Effekten, die als Logik eher spekulative, weltanschauliche oder religiäse Bedeutung hatte, wie nicht anders die Physik und Chemie, die sich erst mit Newton als die eine Struktur aller Wirklichkeit in Übereinstimmung und Ergänzung mit der Mathematik, so zeigt sich nun Philosophie, die bis dahin eher allgemein, intuitiv, ethisch, moralisch, religiös oder spielerisch, weil nicht berechenbar und meßbar, existierte, nicht
 nur als ergänzende hislang übersehende Notwendigkeit, sondern als ein drittes Komplementär, wenn nicht als das fehlende Fundament jeder Wissenschaft. die Mathematik könnte man als das Fundament der Physik bezeichnen, wobei die Bestätigung der Mathematik als Wissenschaft erst durch die Anwendbarkeit in der Physik gelang. Nun erscheint in der Erkenntnistheorie Wahrnehmung des Physikalischen als eine als Rezeptivität mißverstandene Sinnlichkeit der die gedankliche Erkenntnis zugrundeliegt, die zwar den Regeln der Logik gehorcht, denen aher nicht die physikalischen Grundvoraussetzungen zugrundeliegen, die bis zur modernen Physik immer räumlich und zeitlich meßbar waren, sondern deren Basis in der Subjektivitët des Menschen einerseits außerzeitlich und andererseits Wirkung ohne Ursache von Auen ist. Ob nun Mathematik oder Physik liegt beidem ja nicht nur Erkenntnis zugrunde, was sich ja nun nicht nur als eine Seite oder als ein Aspekt dieser Wissenschaften bezeichnen oder gar abtun läßt, sondern diese Wissenschaften sind ja nichts anderes als Erkenntnis, und wären nach jeder Wissenschaftstheorie damit eigentlich nicht existent, d.h. sie sind in einer bisher nicht wissenschaftlichen Weise existent, einer Weise, die sie einerseits ohne Erkenntnistheorie in die Ungültigkeit verweist, andererseits nur durch Erkenntnistheorie im Prausschen Ansatz zu begründen und zu rechtfertigen vermag. Damit ist ja nicht etwa nur das Risiko der Fragwürdigkeit empirischer Erkenntnis gegenwärtig, sondern im Gegenteil eine Möglichkeit gegehen, sie aus dem Spekulativen herauszuführen und über die Subjektivität der Erkenntnis in der einzig legitimen Weise zu rechtfertigen und zu begründen.
 Dabei wir das, was wir im Überbegriff als Gedanke oder Erkenntnis und bei Prauss zudem noch als Satz oder Begriff bezeichnet wird, als ein Etwas betrac tet, wie wir einen Stein oder ein Stück Holz als Gegenstand betrachten können, indem wir z. . Farbe, Gewicht, Festigkeit, Temperatur, Geruch und Ausmaß bestimmen, ohne dabei zu berücksichten, aus was dieser Gegenstand besteht, wobei wir praktiscb Erkenntnis betrachten, ohne das darin enthaltene Erkannte, das dieses oder jenes sein könnte, zu berücksichtigen, wobei wir allerdings Gefahr laufen, Erkenntnis als etwas ähnlich Substantielles aufzufassen, was Prauss Platonismus nennen würde, womit wir dann völlig auf den  olzweg gerieten. Denn damit unterläge die Erkenntnis ja wiederum einer physikalischen Determination und der Illusion einer empirischen Greifbarkeit. Natürlich werden hier die Skeptiker voraussagen, daß man eines Tages mittelt bestimmter Kurven den Gedanken eines Menschen unmittelbar aufzeichnen kann, ohne daß jener Mensch ihn auszusprechen braucht. Es ist sicher bereits in absebbarer Zeit möglich, mittels eines besonders konstruierten Elektrenzyphallogramms zu messen, wann ein Mensch die Farhe Grün und wann die Farbe Rot sieht, wann er Liebe oder Haß empfindet, wobei aber das Grüne selbst nur von den Meßingenieuren
 zugesteht, daß das Folgende sich nur auf solcher Art Erkenntnis heziehen soll, die der Mensch in Sprache denkend denkt, ist doch selten das Gesprochene mit dem dabei Gedachten identisch, womit wir bei einer Funktion der Sprache angelangt ja zuerst klären müßten, wie der heim Hören einer Aussage hervorgerufene Gedanke, nämlich erst  bei dem angesprochenen Gesprächspartner zu unterscheiden ist von dem Gedanken des Sprechenden. Immerhin liegt hier ein Akzent der Definition von Subjekt oder allgemein von Subjektivität darauf, daß ein 2. Subjekt Vorbedingung von möglicher Subjektivität überhaupt ist; und ohne Zweifel ist die weltanschauliche Haltung oder Argumentation eines Menschen, also seine Veranlassung zuzustimmen oder Argumente gegen etwas zu suchen, von der Aussage eines anderen einerseits bestimmt oder beeinflußt, aber auch von seiner eigenen Art oder Mentalität oder Denkweise oder eben veranlagte Tendenz, etwas zu sehen. Gedanken und Argumente, also Sprache, des einen rufen Gedanken und Argumente, also Sprache, des anderen hervor, ein Prozess, der sicher für die geistige Entwicklung der Menscheit entscheident war und ist. Man könnte die Ausschließlichkeit der Ansicht, Denken sei immer das Vorhergehende einer Aussage, unterstreichen durch das Argument, daß wir wir von einem unausgesprochenen Gedanken und also auch von keiner verschwiegenen Erkenntnis wissen. Dem und auch solcher Gesamtdefinition kann man aber mit unwiderlegbaren Argumenten entgegenhalten, daß der Lügner offensichtlich nicht das spricht, was er denkt, daß
 im Gegenteil die Lüge und neben dieser im posivitiven Sinn die Weisheit des Menschen, nicht alles auszusprechen, was er denkt und erkennt, souveräne, frei, nichtdeterminierte Subjektivität erst ausmacht, und in gleicher Weise siehe Seite ...
Seite l74 Verteidigung
Zudem ist es unmöglich, sich Sprache als Zeitpunktgebilde vorzustellen, da an Sprache ja nicht so augenfällig ist, als der mit ihr verknüpfte Zeitaufwand.
So man dagegen diese Argumente so versteht, daß hier Sprache nicht als ihre Wirklichkeit gemeint ist sondern als Möglichkeit, wobei sich das Sichhewußtwerden einer Erkenntnis in der Aussprechbarkeit deutlich macht, oder als etwas, as man in Erinnerung behalten kann, und damit durchaus ein Zeitpunktgebilde ist, das zu formulieren man unter Umständen Jahre benötigt, kann man darin natürlich auch die Art von Erkenntnis einheziehen, die nicht einer Formulierung in Sprache vorhergeht, oder der nicht das Aussprechen der Erkenntnis folgt.
Seite l74 letzter Abschnitt "Erklärung"
Um das, wogegen sich die obigen Argumente richten, geht es Prauss hier aber eben nicht, sondern um das Entstehen oder Erreichen von Gegenwart, was ja immer nur Zeitpunkt sein kann, das apriorische Vorbedingung von Erkenntnis und zugleich auch immer von Subjekt ist, als sei mit bewußter Erkenntnis das Auftauchen des Menschen in der Wirklichkeit von  "Selbstsein", von Subjektivität oder von Aufwachen als einem Phänomen verbunden, das einmal nur in solcher Einheit möglich ist und zum anderen zugleich nur in der dem Menschen erkennharen  Welt mit seiner Zeit, mit seinem Raum, seinen Farben, Gerüchen,  Temperaturen und logischen  Zusammenhängen. So ist die  Erkenntnis als Suhjektivität zwar  ein Auftauchen in die Zeit und  damit in der Zeit zugleich als  einem neuen Zeitraum mit der
 Freiheit einer indeterminierten Denk und Handlungsmöglichkeit, aber eben auch gehunden an seinem, dem menschlichsubjektiven Zeitraum mit allen seinen Grenzen, über die hinaus nur der Glaube an Gott hinausweist und hinausführt.
Seite l86
Dieses Auftauchen in die Gegenwart durch Erkenntnis und als Erkenntnis schafft zwar ein menschlich zeitliches und menschlich räumliches Erkennenkönnen, darf jedoch nicht so konkret bildlich verstanden werden, als sei diese Ebene objektiv vorhanden und würde durch Erkenntnis damit beschritten, vielmehr wäre hier der Vergleich angehracht mit dem Wachstum einer Pflanze, die aus der Erde heraus zwar den Luftraum erreicht, für den Menschen sichtbar wird, selhst jedoch das Hervorragende, Raumergreifende nur ist, nicht aber erkennt.  (Einfügung!!!) Wenn wir uns vorstellen,  daß die Pflanze für Tier und  Mensch auf zweckmäßige Sichtbarkeit konstruierte Farben benutzt und damit entsprechende Erfahrungen besitzt, so würde eine Logik der pflanze solche Erfahrungen nicht auf die Farbe zurückführen, von der sie nichts wissen kann, sondern eine Kausalit't auf chemische Prozesse zurückführen, die einerseits der Wahrheit näher kommen, als es die Wahrheit des Menschen mit der Erkenntnis tut, daß ein Schmetterling die weiße oder rote Farhe sieht und davon an elockt wird, während andererseits die menschliche Erkenntnisebene der Farbigkeit als Faktor der Befruchtungsfunktion zwar menschlich subjektiv ist und bleiht aher doch auch eine transzendente Ehene von Wahrheit schafft, die für Tier und Pflanze unerreichhar ist. Für die Pflanze wie auch für Prauss lebt somit der Mensch nämlich dann in einer Scheinwelt, wenn er seiner Erkenntnis etwas "platonischsuhstanziellesreales' unterstellt, als ob es die Farbe der Blume faktisch auch nicht gibt. Wahr oder falsch jedoch ist, daß jeweils diese oder jene Farbe von der Blume produziert und vom Tier gesehen wird, wobei die Wirklichkeit der Farbe nicht
 von gleicher ohjektiver und materieler Art ist, wie wir sie empirisch meßbaren Ereignissen zuschreiben. Natürlich ist solcher Vergleich gefährlich spekulativ, in der Denkmöglichkeit, als wäre das Jenseits der Pflanze die menschliche Realität, wie Gott dann erst Realität wäre durch den Menschlichen Glauben. Ganz frei von solchen spekulativen Ausschweifungen henutzt Prauss die Begriffe Kants und schränkt dessen Überlegung ein, daß jenes Phänomen des gegenwärtigen Augenblicks als Zeitpunktgebilde im Erkennen durch den  Verstand nicht Zeit bedeutet als etwas unendlich klein Ausgedehntes, wohei es ja dann ein essenzielles Etwas wäre das hier oder dort nur für einen Augenblick existierte,- wie Zeit ja dem Zenonschen Paradoxon zugrundeliegt - wärend sinnliche Wahrnehmung das Objekt in zeitlicher Ausdehnung erfaßt, worin Prauss eine uinhaltbare Annahme sieht, denn für ihn ist in diesem Kontext jedenfalls die verstandesmäßige Erkenntnis etwas, was der sinnlichen Wahrnehmung vorausgehen muß: wenn ich nicht erkenne, was ich sinnlich wahrnehme, kann ich nicht von Sinnlichkeit sprechen, woraus sich ganz logisch ergibt, daß Objektivität mit räumlicher und zeitlicher Ausdehnung z.B. eines Steines erst aus dem unzeitlichen oder zeitpunktförmlichen Gebilde der Erkenntnis erwachsen und mit ihr in Abhängigkeit stehen muß.
Seite l76-l77 Mit dem Konzept, Verstand und Sinnlichkeit, die miteinander untrennbar verwoben sind, zuerst getrennt voneinander "zu erwägen", wie Prauss sich vorsichtig ausdrückt, beginnt Seite l78 nicht nur ein neues Kapitel und ein weiterführendes Thema "Wir als Einheit von Verstand und Sinnlichkeit", und nicht nur ein Ansatz zu Überlegungen, die üher  ant hinaus gehen, sondern, und dieses zeigt das ungeheure Wagnis des Folgenden, es beginnt ein
 neuer Abschnitt menschlichen Denkens überhaupt.
Seite l78-l82 (Darstellung des neuen Denkansatzes) Die von mir eindeutig spekulativ hereits als methaphysische Dimension ausgemalte Gegenwärtigkeit des Gedankens als ein nahezu außerzeitliches Zeitpunktgebilde, von dem sich erst im Nachhinein die Ausdehnung von Raum und Zeit unserer Sinnlichkeit, und wonach erst über diese Sinnlichkeit die Objekte als zeitlich und räumlich erscheinen, was Prauss die "Wirksamkeit" jener rezeptiven (also nur scheinbar passiven) Sinnlichkeit bezeichnet, woraus der Begriff "Spontaneität" als Kennzeichen der zeitpunktförmigen Struktur der Erkenntnis unverständlich bleibt, und damit eigentlich nur die eine Seite des empirisch (Unfaßbaren einer Erkenntnis darlegt, - denn wie sollte etwas empirisch zu erkennen sein, wenn es nur unendlich kurze Zeit existiert? - so beginnt jener zweite Teil dieses Buches mit der  Kennzeichnung einer Erkenntnis als Aktivität des Subjekts zuerst in der Unterscheidung von der scheinbaren Passivität der Sinnlichkeit als Rezeptivität des Subjekts, wobei sich beides jedoch durch ein ebenfalls empirisch unfaßbares Phänome von den empirisch wahrgenommenen Objekten der Außenwelt, z.B. der empirisch faßbaren Aktivität eines fallenden Steines dadurch unterscheidet, daß sie aus sich heraus, also aus dem Subjekt heraus aktiv ist und nicht als Folge auf eine andere Ursache zurückzuführen ist, wie der fallende Stein der
 Erdanziehungskraft und eines nstoes bedarf. Während die Gegenwärtigkeit oder Zeitpunktförmigkeit der Erkenntnis eigentlich jede Zeitlichkeit ausschließt und deswegen empirisch nicht faßbar ist, erweist er sich nun auch als Aktivität ohne äuBere Ursache als ein phänomen der Realität - denn Erkenntnis ist Ja ohne Zweifel Realität - das sich der empirischen Meßbarkeit entzieht. Mag sein, da diese bereits von Kant vorgedachten und als transzendent bezeichneten Merkmale ursprünglich bei Prauss nur die Philosophie als eigene Wissenschaft für einen Bereich unserer Realität rechtfertigen sollte, die der rein logischen  Wissenschaft, wie der Mathematik, und der empirischen Wissenschaft, wie der Physik nicht zugänglich sein kann. Mit dem Gelingen dieser Rechtfertigung wird jedoch nun nicht nur die Philosophie rehabilitiert, hegründet, gerechtfertigt, sondern es erscheint damit plötzlich in einem fast erschreckenden Ausmaß auch eine neue Dimension unserer Wirklichkeit, die darzustellen es Prauss in diesem Buch geht. Es erscheint damit neben der mathematischen seit Pytagoras und der physikalischen seit Newton nun mit Prauss Im 20. Jahrhundert eine neue Dimension menschlichen Denkens und Bewußtseins, deren Ausmaß bis jetzt nur erahnt werden kann. War die Mathematik innerhalb der Philosophie zuerst eher ein Spiel mit seltsamen Effekten, die als Logik eher spekulative, weltanschauliche oder religiäse Bedeutung hatte, wie nicht anders die Physik und Chemie, die sich erst mit Newton als die eine Struktur aller Wirklichkeit in Übereinstimmung und Ergänzung mit der Mathematik, so zeigt sich nun Philosophie, die bis dahin eher allgemein, intuitiv, ethisch, moralisch, religiös oder spielerisch, weil nicht berechenbar und meßbar, existierte, nicht
 nur als ergänzende hislang übersehende Notwendigkeit, sondern als ein drittes Komplementär, wenn nicht als das fehlende Fundament jeder Wissenschaft. die Mathematik könnte man als das Fundament der Physik bezeichnen, wobei die Bestätigung der Mathematik als Wissenschaft erst durch die Anwendbarkeit in der Physik gelang. Nun erscheint in der Erkenntnistheorie Wahrnehmung des Physikalischen als eine als Rezeptivität mißverstandene Sinnlichkeit der die gedankliche Erkenntnis zugrundeliegt, die zwar den Regeln der Logik gehorcht, denen aher nicht die physikalischen Grundvoraussetzungen zugrundeliegen, die bis zur modernen Physik immer räumlich und zeitlich meßbar waren, sondern deren Basis in der Subjektivitët des Menschen einerseits außerzeitlich und andererseits Wirkung ohne Ursache von Auen ist. Ob nun Mathematik oder Physik liegt beidem ja nicht nur Erkenntnis zugrunde, was sich ja nun nicht nur als eine Seite oder als ein Aspekt dieser Wissenschaften bezeichnen oder gar abtun läßt, sondern diese Wissenschaften sind ja nichts anderes als Erkenntnis, und wären nach jeder Wissenschaftstheorie damit eigentlich nicht existent, d.h. sie sind in einer bisher nicht wissenschaftlichen Weise existent, einer Weise, die sie einerseits ohne Erkenntnistheorie in die Ungültigkeit verweist, andererseits nur durch Erkenntnistheorie im Prausschen Ansatz zu begründen und zu rechtfertigen vermag. Damit ist ja nicht etwa nur das Risiko der Fragwürdigkeit empirischer Erkenntnis gegenwärtig, sondern im Gegenteil eine Möglichkeit gegehen, sie aus dem Spekulativen herauszuführen und über die Subjektivität der Erkenntnis in der einzig legitimen Weise zu rechtfertigen und zu begründen.
 Dabei wir das, was wir im Überbegriff als Gedanke oder Erkenntnis und bei Prauss zudem noch als Satz oder Begriff bezeichnet wird, als ein Etwas betrac tet, wie wir einen Stein oder ein Stück Holz als Gegenstand betrachten können, indem wir z. . Farbe, Gewicht, Festigkeit, Temperatur, Geruch und Ausmaß bestimmen, ohne dabei zu berücksichten, aus was dieser Gegenstand besteht, wobei wir praktiscb Erkenntnis betrachten, ohne das darin enthaltene Erkannte, das dieses oder jenes sein könnte, zu berücksichtigen, wobei wir allerdings Gefahr laufen, Erkenntnis als etwas ähnlich Substantielles aufzufassen, was Prauss Platonismus nennen würde, womit wir dann völlig auf den  olzweg gerieten. Denn damit unterläge die Erkenntnis ja wiederum einer physikalischen Determination und der Illusion einer empirischen Greifbarkeit. Natürlich werden hier die Skeptiker voraussagen, daß man eines Tages mittelt bestimmter Kurven den Gedanken eines Menschen unmittelbar aufzeichnen kann, ohne daß jener Mensch ihn auszusprechen braucht. Es ist sicher bereits in absebbarer Zeit möglich, mittels eines besonders konstruierten Elektrenzyphallogramms zu messen, wann ein Mensch die Farhe Grün und wann die Farbe Rot sieht, wann er Liebe oder Haß empfindet, wobei aber das Grüne selbst nur von den Meßingenieuren

Aber zurück zu dem geraden Weg, den Prauss unbeirrt von allen Holperstellen weitergeht:

Von Seite 499 ( Band I, Seite 359 - 360 siehe 808)
an zeigt Prauss, in welcher Weise bisherige Philosophie bis heute in eine unlösbare Problematik von Form und Inhalt geriet, die wir bereits auf den ersten Seiten des 1. Bandes (Seite 31 bis 50) kennenlernten, die sich jetzt nach der Einsicht in die Systemstelle "Raum" der Raumerzeugung "mit einem Schlag" als Problem auflöst:
Nach einem langen Weg, auf dem wir anfangs das vertrackte scheinbar unverständliche Verhältnis von Ding und Eigenschaft sahen, können wir erst jetzt, nachdem mit der Raumerzeugung das Subjekt überhaupt erst in der Lage ist, ein Ding oder etwas, was es nicht selbst ist, wahrzunehmen und damit überhaupt erst Sprache und auch ein Selbstbewußtsein zu entwickeln, sind wir inzwischen von der Fixierung auf das Objekt ganz beim Subjekt angelangt, das ein Ding und seine Eigenschaften, ehe es über ihr Verhältnis nachdenken kann, ja erst mal wahrnehmen muß. Auch hier steckte die Philosophie bis heute in scheinbar unlösbaren und meist selbstgemachten Schwierigkeiten.
Hier unterschied Kant zwischen dem inneren Sinn, den Gefühlen wie Schmerz und dem äußeren Sinn, dem Gesichtssinn, also dem Auge. Mißverständlich blieb dieses bei Kant, so als ob der Mensch durch das Auge den Raum wahrnehme, während die anderen Sinne sich allein mit dem Apriori Zeit verknüpften.
Nach der Zeit- und Raumdefinition sind die einzelnen Gedanken der folgenden 20 Seiten einfach zu verstehen und sie wirken einmal verstanden wie reife Früchte, die einem nun in den Schoß fallen. Die Schwierigkeit dieser 20 Seiten ist aber gerade deswegen, den roten Faden in der Hand zu behalten, an dem Prauss sehr schnell und zielgerichtet bereits auf den "Begriff" zusteuert. Es ist schwierig und deswegen notwendig, die einzelnen Aussagen noch einmal selbst zu denken, sich zu eigen zu machen, sonst hat man am Ende eine Summe von einzelnen Gedanken, die wie die Sprossen einer auseinandergenommenen Leiter zwar alle auf einem Haufen liegen, aber ohne daß man sie zu einer Stiege benutzen könnte und weiterkäme. Denn am Horizont erscheint bereits jener Doppelpunkt, wenn zuerst auch nur als verwirrendes Problem:
Seite 507:
Die Objektbezugaufnahme (2. Absatz) besteht logischer Weise nach dem bisher gesagten aus Zweierlei so man falsch versteht: (3. Absatz)
1. Die Form von sinnlichem Gehalt, die ja in jedem Fall in der Zeit auftritt (Außereinander als Nacheinander) ist das Subjekt selbst, und damit zugleich punktförmig,
2. müßte auch noch als Raum und Räumliches und zwar als Selbstverwirklichung des Subjekts Form des Subjekts sein,

falsch nämlich deswegen, weil das Subjekt dieses Räumliche als etwas anderes seiner selbst nicht ist sondern dieses Räumliche nur hat.

Man begeht diesen Fehler nicht (  es sei denn  ), wenn man folgendes, nämlich folgende Bedeutungen voll unterscheidet:
1. Raum als Form eines Objekts der Außenwelt
2. Raum als Form eines Gehalts der Sinnlichkeit,
die ja beide miteinander verbunden sind.
Bei dem Ansatz von Überlegung, was sich an beiden unterscheidet und was dieses nun nicht bedeutet, nämlich obiges: Irgend ein Gegenstand der Außenwelt kann nicht zugleich das Subjekt sein, weil sonst ein Erkennen des Objekts nicht möglich ist, entdeckt man hinter dem Negativen durchaus auch etwas Positives:
Seite 508
"ein ganzes Feld von bisher noch ungeklärter Fakten findet dadurch wie auf einen Schlag seine Erklärung.":
Bei der Unterscheidung dessen, was an jener Form des Objekts reine Sinnlichkeit und was daran Außenwelt ist, geht Prauss hier an den Punkt zurück, wo Kant ungenau wurde:
Kant verglich ein Dreieck, das sich jemand vorstellt und ein Dreieck, das er z.B. aufgezeichnet sieht.
Seite 509
In beiden Fällen besteht die Ausdehnung, bzw. Eingrenzung des Dreiecks in Form von Sinnlichkeit des selbst gemachten Raumes, wobei natürlich nicht beide gleich sind, , weil das gesehene, d.h. affizierte schon in Farbe und Ausdehnung von Außen zugleich bestimmt wird.
Unsinn wäre also anzunehmen, das auch letzteres ganz und gar vom Menschen selbst erschaffen würde.
Ein weiterer Unterschied besteht zwischen dem vorgestellten Dreieck und dem gesehenen Objekt.: Kant meint bes. im Fall eines nur gedachten Dreiecks eine zweidimensionale Fläche, während aber im Unterschied dazu das gesehene Dreieck immer bereits durch die Farbe schon ein dreidimensionaler Körper ist, wenn auch deren Oberfläche. Wobei aber indirekt Kant in einer Beziehung richtig liegt, insofern, als in der Anschauung Raum gegen Punkt um eine Dimension verringert wird und wir von einem Körper z.B. immer nur die Oberfläche sehen bzw. bilden.

Seite 511
Eine weitere Irritation besteht in dem weiteren gravierenden Unterschied zwischen der Vorstellung von einem Dreieck und der Apprehension: Wir sehen in der Praxis dieses Dreieck wie auch jede andere Oberfläche niemals oder nur im Ausnahmefall in der tatsächlichen Form, sondern immer von dem jeweiligen Blickwinkel aus verzerrt, -
Seite 512 erster Abschnitt
was aber natürlich nicht derart mißverstanden werden darf, wie es scheinen könnte, als ob das gesehene Dreieck in jener Ausdehnung und Farbe dort in der Außenwelt diese oder jene Form habe, sondern es wird nur als Außenwelt gesehen, - wie immer auch hervorgerufen, - und in der Anschauung in uns erst gebildet und zwar als diese verschiedenen Ansichten.
Seite 513
Man darf das Bild von den losen Sprossen bei Prauss dabei nicht aus dem Auge lassen: An weiteren Fallgruben vorbei geht Prauss hier bereits in eine bestimmte Richtung. Es handelt sich bei den weiteren Fehlerquellen also nicht um eine reine zufällige Aufzählung, sondern um eine Weiterführung, - was man bei der jeweiligen Schwierigkeit der einzelnen Gedanken leicht übersieht:
Eine alltäglich Selbstverständlichkeit, die unsere Wahrnehmung täglich zigtausendfach leistet, nämlich von den unzähligen gesehenen verzerrten Formen eines Objekts wie einer runden Tischplatte aus auf die richtige kreisrunde Form zu schließen, die konkret wohl niemals wahrgenommen wird. Tatsächlich sehen wir verschiedene Ovalformen, die aber eindeutig nicht die Formen des Tisches sind, was ein Denkfehler wäre, obwohl es ja tatsächlich wahrgenommene Formen sind.
Und es wäre ein noch schlimmerer Denkfehler, anzunehmen, diese subjektive Sicht bedeute, daß es sich bei den Ovalformen um Formen des Subjekts handele, denn die veränderten, wahrgenommenen Ovalformen bleiben ja auf den Tisch bezogen.
Und nun, bevor Prauss die bereitstehende Lösung aufzeigen kann, wird es geradezu faszinierend, den bewundernswerten Scharfsinn vergangener Philosophie von Plato über Aristoteles und seine Interpreten bis zu Kant kennenzulernen, einem Scharfsinn, dem man natürlich mit eigener Konzentration erstmal folgen muß, und zwar bis zu den Stellen, wo der Scharfsinn schließlich bei allen irgendwo letztlich doch Ungenauigkeiten und Denkfehlern aufsaß, die wir, von Prauss an der Hand geführt, auffinden und durch größere Präzision und Genauigkeit überwinden, und wir wie bei der Mondbesteigung Neuland an Präzision auch der normalen Logik betreten, wobei zum anderen Plato und Aristoteles auch unter Vermeidung ihrer Ungenauigkeiten nicht weitergewußt hätten und im Metaphorischen hätten bleiben müssen, so sie nicht die Entwicklung von Zeit und Raum im oder zum Subjekt gekannt hätten.
Es geht also vorerst nicht um die Informationen über Richtig und Falsch, sondern um genaues Denken, das man nur durch eigenes genaues Denken begreift.
Es ist auch nicht ganz klar, ob jene Denkfehler der Vergangenheit durch die Ahnung des Unvermögens einer Lösung verursacht wurden; und es ist nicht klar, ob der bei Prauss mögliche Scharfsinn bezüglich der Klärung dieser Ungereimtheiten durch die Sicherheit oder die überlegene Warte einer bereitstehenden Lösung erst möglich wurde, - oder ob es der größere, an aller Vergangenheit zudem geschulte Scharfsinn ist, der nicht nur die Ungereimtheiten sondern eben auch die Lösung durch das Zeit-Raumverhältnis ermöglichte. Sicher spielt der heutige Lebensstandard und die moderne Informationstechnik keine geringe Rolle dabei.

Zurück zu der Denkfalle: Wo die seitlich gesehene Ovalform eines runden Tisches nun aber nicht die Form des Tisches also des Objekts ist, würde man fälschlich sagen können, daß die Ovalform subjektive Sicht sei: Wenn also nicht zum Tisch gehörend, aber als Form immer Form von etwas ist, dann eben zum Subjekt gehörend, also Form des Subjektes.

Natürlich weist man sofort die scheinbar dumme Unterstellung zurück, als meine man damit, daß sich der Mensch als das Subjekt jeweils in die verschiedene Ovalformen oder Farben verwandle. Die Verfehlung liegt aber genau in der Ungenauigkeit dessen, was wir den inneren subjektiven Eindruck nennen, wenn wir von der Seite aus der subjektiven Sicht heraus die runde Form des Tisches oval, nämlich als Subjekt oval wahrnehmen. Denn tatsächlich, d.h. faktisch geschieht dabei nämlich unbemerkt, und das heißt, seit Jahrtausenden unbemerkt, daß mit dieser Zuweisung das Ovale, wenn schon nicht als Form zum Objekt, dann eben als zum Subjekt gehörend betrachtet wird.
Und der grundsätzliche Fehler, den hier Prauss als Reflektionsverfehlung bezeichnet, viel schlimmer noch als der empirische Fehler, wenn man einen runden Tisch irrtümlich für einen ovalen hielte, ist nämlich der, das man dabei das Subjekt wie ein räumliches Objekt einstufte, also erst mal gar nicht so sehr, daß man dieses Subjekt für oval hielte, was natürlich gänzlicher Unsinn wäre.
Aber das hieße faktisch darüber hinaus, daß die Ovalform weiterhin oder überhaupt die Form eines Objekts sein müsse.
Seite 514
Prauss spricht am Ende der Seite von einem aufschlußreichen Unsinn. Denn offensichtlich ist an dieser üblich Art der Zuweisung des Ovalen oder Farbigen überhaupt etwas grundsätzlich falsch, wie er an absurden Beispielen demonstriert, (Absatz 2)
Was verstehen wir überhaupt unter Ovalerscheinung, oder Ovalempfindung, die ja irgendwohin gehören müssen, wobei wir auch von Ovalerscheinung sprechen können?, was nicht nur Ungenauigkeit, sondern auch noch folgenden Unsinn beinhaltet, weil solcher Gehalt an Oval- oder Rotempfindung oder Erscheinung, eben dann auch rote Erscheinung wie ovale Erscheinung sein müsse, "wie Rotwein", und dem Subjekt zugeschrieben wie ein rotes Subjekt.
Seite 515
Und man könnte den Unsinn noch verdeutlichen, wenn man auch noch von Tischerscheinung spräche.
Mit der Plausibilisierung des Unsinns durch die Beispiele ist aber noch immer nicht klar, was bei solcher Zuordnung falsch läuft, und Prauss wäre nicht Prauss, wenn er nicht das Problem am Schopf zu fassen bekäme, womit wir dann zu jener bereitstehenden Lösung gelangen: "Und das heißt nichts geringeres, als jenen Sinn zu finden, in dem nicht erst ein Objekt, sondern auch schon ein Subjekt als Raum auftritt." Das ist also der Lösungsschlüssel im Hintergrund.
Vorerst gilt es aber, noch größere Genauigkeit darüber zu bekommen, was denn das Problem ist, wenn man von der Form eines Objekts spricht, das z.B. tatsächlich rund oder oval ist, wobei wir uns nur scheinbar wieder vom Subjekt zum Objekt begeben:
Seite 516
Die geforderte Genauigkeit besagt nämlich, daß man, wenn man von seiner Rundform spricht, wenn es sich tatsächlich um eine Rundform handelt, eben nicht von diesem Objekt sondern von seiner Rundform spricht, - und das sollte dann auch klarmachen, daß Rundform eben nicht das Objekt selbst ist, sondern etwas, das dieses Objekt nur hat.
Umgekehrt heißt dieses, daß nur das rund oder oval ist, was diese Rundform oder Ovalform hat. Der Knackpunkt dabei ist,
(1. Gedankenschritt):
daß nicht die Rundform selbst das Objekt ist, so daß die Rundform nun rund wäre,
denn, wenn die Rundform rund wäre, dann wäre auch deren Rundform wieder rund u.s.w. also ein unendlicher Regreß. Vielmehr ist die Rundform nicht etwas wie ein Objekt, das diese Rundform nur hat, sondern das sie ist. Das ist in der Tat schwierig und muß selbständig durchdacht werden, - denn wir lösen uns damit bereits wieder vom Objekt und sehen genau dabei den bisher verworrenen Zusammenhang von Form und Objekt in besserer Genauigkeit, und zwar nicht nur sprachlich sondern gedanklich.
Seite 516 dritter Abschnitt:
Es bedeutet nämlich, daß ein Objekt, welches eine Form nur hat, diese auch verlieren und eine andere bekommen kann, so daß, - und dieses ist nun wichtig und schwierig, daß ein rundes Objekt auch entstehen oder vergehen kann, wenn aus einem ovalen Objekt z.B. ein rundes wird. Wobei der Übergang von einem zum anderen bei einem Gummitisch z.B. "ein Kontinuum von Zwischenformen zu durchlaufen hätte, deren Zahl wir nicht aufzählen könnten"
Die Form "rund" selbst aber kann nicht auch noch wie ein Objekt noch einmal rund oder oval sein, sondern die Form ist das Runde.
(2. Gedankenschritt)
Und das ist dann der nächste Schritt der Überlegung: Die Form kann auch nicht rund oder oval werden. " nur das, was rund oder oval ist, kann auch das sein, was oval oder rund wird, nämlich das Objekt, das diese Form nur hat und nicht die Form selbst, was wieder ein unendlicher Regreß wäre. "Hier gibt es einen ersichtlichen, unklösbaren Zusammenhang."
Seite 517
So wenig weltbewegend dieses scheinen mag, unterläuft einem dieser Fehler bereits, wenn man einfach von einem Dreieck wie von einem Objekt spricht, das sich z.B. berechnen, teilen, wenden läßt. Die Ungenauigkeit in dieser Gewohnheit läßt sich klarer nicht herausstellen, als es auf der Seite 517 geschieht. Würde nämlich ein Kreis oval, dann ergäbe dieses einen ovalen Kreis; und dergleichen geschähe bei jeder Formveränderung.
Hier führt also das sogenannte abstrakte Denken, das wir in der Schule fleißig und unreflektiert üben, - und was ja auch gut ist, - durch die Gewöhnung zur einer Art Blindheit für diese Ungenauigkeit(eine Art abstrakten Denkens, das wahrscheinlich mit Pythagoras und damals noch von religiöser Doktrin bestimmt, begann,), einer Blindheit aber, die dann leider, wie schon gesagt, auch zu einer weltanschaulichen Borniertheit verführen kann.
Seite 518
Wenn wir also bei der grundsätzlichen Frage nach dem Verhältnis von Form und Inhalt diesen Denkfehler vermeiden und nicht in diese Sackgasse oder diese Fallgrube geraten, sondern genau wissen, in welchem eingeschränkten Gültigkeitsbereich wir uns bewegen, wenn wir von einem Dreieck sprechen, das sich wenden, drehen, dehnen, teilen und berechnen läßt, und daß wir uns dabei, nämlich in der Geometrie weltanschaulich gesehen auf brüchigem Sumpfgebiet befinden,
(3. Gedankenschritt)
dann bleibt als einzige Möglichkeit nur der Weg übrig, den wir nun aber auch gehen können, daß bei einer Veränderung der Objektform, die Form jeweils nur ausgewechselt wird.
(4. Gedankenschritt)
Wieder müssen wir an einer Denkfehlerquelle, an einer Fallgrube vorbei: Die Formen, die bei einer Veränderung des Objekts nun jeweils ausgewechselt werden, können nicht vorher schon irgendwo dafür bereitgestanden haben, wo sie dann nachher, wenn sie wiederum ausgewechselt werden, wie Gegenstände wieder abgestellt werden. Dieses wäre Platonismus oder der ursprüngliche Idealismus. Also müssen sie jeweils entstehen und vergehen.
(5. Gedankenschritt)
Eine erneute Denkfehlerquelle:
Dieses Entstehen und Vergehen kann aber auch nicht bedeuten, daß sie aus etwas entstehen und in etwas vergehen, wie bei einem Objekt, bei dem aus einem Holzklotz ein Tisch entsteht und aus einem Tisch dann Brennholz wird, oder daß hier ein Kreis zu einer Ovalform würde und umgekehrt.
(6. Gedankenschritt)
Daraus folgt, daß jenes Entstehen ein Entstehen aus dem Nichts und jenes Vergehen ein Vergehen ins Nichts bedeutet. Eine negative Aussage insofern, als dieses heißt, "nicht aus etwas".
Seite 519
Genau das Verbleiben in solcher negativen Aussage verführt am Ende selbst Aristoteles, in diese platonische Fallgrube zu geraten, insofern, als er letztlich doch an die Unvergänglichkeit der Spezies glaubt.
Seite 520
"Und in der Tat ist dieses Problem der Form die ein Gegenstand tatsächlich hat, wie auch der Form, wie wir sie jeweils wahrnehmen bis heute ungelöst." Aristoteles scheitert, weil er am Objekt haften bleibt und dabei die Seite des Subjekts vernachlässigt,
Fußnote beachten !
(7. Gedankenschritt )
wie es später Kant anbietet, - was aber bis heute nicht recht zur Kenntnis genommen wird - , daß es nämlich die "nichtempirisch-innere Struktur des Unterschiedes zwischen Materie und Form" zu reflektieren gilt.
Seite 521
... denn "dieser Unterschied von Ding und Eigenschaft geht in der Tat auf das Subjekt zurück.", weil eben nicht, wie in der naiv-empirischen Konzeption vorausgesetzt, von der Anschauung als einem Abbild eines tatsächlich derart existierenden Dings der Außenwelt ausgegangen werden darf, wie wir uns das Entstehen eines Fotos vorstellen (keiner weiß, was dort wirklich ist), sondern von der beschriebenen Art, wie Erkenntnis davon in einem Menschen durch Bildung von Zeit und Raum erst zustande kommen kann. Mit dem Verständnis dieser Erkenntnisstruktur ist dann auch das problematische Verhältnis von Ding und Eigenschaft zu erklären.
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Seite 521, 3. Absatz
Form steht also in dem gleichen Verhältnis zum Objekt wie der Raum zum Objekt.
Das Objekt kann nur in der Form von Raum bzw. der Eingrenzung von Raum auftreten, wobei der Raum bzw. die Form oder die räumliche Eingrenzung selbst natürlich nicht zugleich jenes Objekt sein können.
Raum wie Form ist also nur erst sich selbst verwirklichende Subjektivität.
Seite 522
Genauer heißt dieses hinterfragt:, Wie verhält sich dieser Raum zu jener Zeit?
Prauss geht auf einem neuen Denkansatz zu, auf den wir schon lange warten, indem er zunächst "von dem Faktum der Erfahrung", wie wir z.B. die jeweilige Ovalform eines runden Tisches je nach Blickwinkel kaum als eine jeweilige Veränderung des Tisches oder an diesem Tisch denken, sondern als etwas sehen, das einmal so und einmal anders nur aussieht, wobei die eine Form mal so da ist, dann wieder weg ist und eine neue Form erscheint, je nach Blickwinkel, z.B. beim Vorbeigehen.
Wie eingangs bereits bemerkt (zu Seite 416) ist der Einstieg in die Reflexion als das eine Standbein immer das Faktum der Erfahrung, das oft die Konsequenz des Systems bestimmt, wo wir lieber auch solche Konsequenz aus der Logik des Systems heraus hätten, - wie ganz besonders bei jener dreifachen Negation in der Ableitung der Dimensionen.
Seite 523
Nur wer mit solchen Formen unbedingt etwas Objekthaftes verbindet, hat dann unweigerlich Schwierigkeiten, sich vorzustellen, daß die jeweiligen Ovalformen aus dem Nichts entstehen und ins Nichts wieder vergehen. Wer aber zugleich auf das sehende Subjekt mitreflektiert, kommt zu einem besseren Verständnis dessen, was dabei im Subjekt und von da aus, was dabei am Objekt passiert. Alles sehr einleuchtend und scheinbar selbstverständlich. Die Tragweite dieses Ausfluges aber liegt darin, daß sich genau damit diese sonst und bis heute unerklärliche Erscheinung in das bisher entwickelte System nun einfügen läßt. Nämlich sowohl der Raum, in dem sich der Tisch befindet wie auch die Begrenzung des Raumes, der als jeweilige Form des Tisches vom jeweiligen Blickwinkel aus wahrgenommen wird, hat als etwas, das dieses Subjekt aus sich selbst heraus erstmal entwickeln muß, sowohl also zum Subjekt und damit ebenso zur Zeit das gleiche Verhältnis.
Seite 523, dritter Absatz
Und hierbei könnte nun ein Mißverständnis auftauchen, daß den weiteren Gedankengang blockiert: Wenn wir nämlich diese Eingrenzung des Raumes als die Tischform bereits als das erzielte Objekt, nämlich als diesen Tisch selbst mißverstünden. Aber noch nicht einmal soweit nur geht hier die Möglichkeit eines Mißverständnisses, sondern, wenn wir auch nur den Raum, den der Tisch einnimmt, der also durch seine Form entsprechend begrenzt wäre, bereits als etwas anderes als das Subjekt hielten. (Einem philosophisch ungeschulten Leser muß an dieser Stelle ganz unverständlich und schleierhaft, ja gespenstisch vorkommen, wie Prauss diese feine gedankliche Variation überhaupt sprachlich zu fassen bekommt, und an ihr dann einen der fundamentalen Gedanken festzumachen, der auf der nächsten Seite entwickelt wird, der das Phänomen der Dauer des Raumes und des darin befindlichen Gegenstandes thematisiert. Man muß aber wissen, daß über dieses Phänomen Ding und Eigenschaft seit 3000 Jahren diskutiert und geschrieben wird, und daß damit im Folgenden ein neuer Denkansatz in der Philosophie nicht nur versucht wird, sondern auch gelingt.)
Wenn als Nichtnacheinander der Raum auch etwas grundsätzlich anderes als das Nacheinander der Zeit ist, so kann sich dieser Raum jedoch nicht wie eine Kopfgeburt vom Subjekt losmachen, durch das er ja geschaffen wird, und nun wie ein selbständiges Objekt unabhängig irgendwie existieren, sondern er bleibt auch als Raum immer weiter nur Subjekt, nur daß es sich "einmal zur Zeit und zum anderen zu Raum noch selbst verwirklicht". Wenn, wie wir gesehen haben, der Raum nur aus der Zeit heraus verständlich ist und aus seiner Entstehung mit ihr verknüpft bleibt. Sowohl das Außeinander Zeit, wie das Auseinander Raum geschieht immer letztlich aus jenem Punkt heraus, der aber eben auch Punkt der Zeit ist, ein immer anderer Punkt, - und jetzt kommt des Pudels Kern - also auch ein immer anderer Raum, eine immer andere Begrenzung des Raumes in der Form.
Wobei jetzt der Raum eine noch größere Dynamik erhält, als ein Nichtnacheinander, das immer mit jedem Zeitpunkt vergeht und neu entsteht und somit Subjektivität ist und bleibt. womit zugleich die Dauer des Raumes und die eines Gegenstandes seine Erklärung findet, aber auch der Begriff von Lebensdauer, ewiges Leben eine grundsätzliche Bedeutungsänderung erhält.
Seite 525
Dauer ist Nacheinander von Zugleich. Fußnote beachten! Dieses heißt ebenfalls: immer erneuter Raum und immer erneute Raumbegrenzung: wobei natürlich die Frage auftauchen könnte, wenn man sich dieses wie die einzelnen Bilder eines Filmes denkt, wie lange so ein einzelnes Nacheinander des Punktes dauert: einmal natürlich ganz grundsätzlich, ob man hierbei von Dauer sprechen darf, aber auch organisch-psychologisch könnte diese Frage bei der Speicherung in der Erinnerung von Belang sein.
Zur Sprache wird dieses sicher kommen und zwar als die generelle Schwierigkeit und Unmöglichkeit Raum wie Zeit als Apriori als empirische Objekte messen zu wollen, und zwar dann, wenn das Objekt selbst zur Sprache kommt ( wie die Fußnote 17 auf der folgenden Seite auch ankündigt).
Mit jenem Raum und mit jener Raumbegrenzung wird jenes Objekt z.B. Tisch jedoch noch nicht erkannt, denn dieses Auseinander sowohl der Zeit als nacheinander wie des Raumes wie der Dauer ist als Sinnlichkeit noch keine Erkenntnis, - "aber im vollen Sinne zur Vorstellung bzw. zum Entwurf von solchem Anderen" - und als Zeit ist es dieses erst als Selbstverwirklichung und zwar als Subjektivität, und hat diesen umgrenzten Gegenstand
Seite 526
Somit ist allgemein gesehen, gerade die Dauer das Subjektive der Zeit wie auch des Raumes, nämlich ein ständiges Entstehen und Verschwinden des Raumes wie der räumlichen Formen bzw. der Begrenzungen und zwar als ein ständig "substratloser Wechsel".
Seite 527 bis 529
Das nun folgende ist vom Vorigen so vorbereitet, daß ein Verstehen keine Schwierigkeiten mehr zu machen scheint, daß nämlich nicht nur die wechselnden Ansichten der jeweiligen Ansicht, sondern gerade auch die eigentliche beständige Form eines Objekts, die dann in immer gleicher Weise oder Form erscheint, in gleicher Weise immer erst nur Subjekt ist. Nur schreitet Prauss mit den folgenden Nachüberlegungen und der Reflexion auf vergangene Philosophie und deren Irrtümer mit großen Schritten bereits auf einen fundamental neuen Gedanken zu
Seite 530
Und natürlich kann weder der Raum noch die jeweilige Raumbegrenzung ein Objekt sein, das wie ein Behälter die später erkannten Gegenstände aufnimmt.
Bevor nun nämlich zur Sprache kommen muß, daß solche Formen nicht nur durch das Subjekt bestimmt sind, wenn es sich nämlich tatsächlich um ein Objekt der Außenwelt handelt, sondern natürlich ja auch durch diese Außenwelt, falls wir eine solche nicht nur träumen, gilt es jedoch festzuhalten, daß vom Raum, von der räumlichen Begrenzung als Form noch nicht auf ein wirkliches Objekt geschlossen werden kann, wenn das Subjekt auch damit immer bereits auf Wirklichkeit aus ist.
Seite 531
Wie leicht die Klarheit des Unterschiedes von Objekt und Form wieder verloren gehen kann oder überhaupt nicht erreicht wird, zeigt Prauss nicht nur daran, daß z.B. Aristoteles durch sein Kugelbeispiel gar nicht jene perspektivisch bedingten stets wechselnden Scheinformen erst thematisieren kann, sondern Prauss demonstriert geradezu in dem 2. Satz dieser Seite, wie daran die Klarheit aus den Händen gleitet, wenn er formuliert, daß das Bleibende jener Kugel - als ihr Wesen die wechselnde immer gleiche Form sei "im" oder "am" Objekt. - Was aber in den nächsten Sätzen wieder klargestellt wird, daß nämlich nur das Objekt das Bleibende ist und nicht die Form, - wobei natürlich verwirren und irritieren kann, wenn das "Wesen" des Bleibenden das immer Wechselnde ist, die Form als das Subjektive, nämlich "wir" als das Wesen der Welt.
Und weiter geht’s: Mit dem Verständnis der Form aus Zeit und Raum heraus "erfüllt das Subjekt bis jetzt nur eine weitere Bedingung, aber noch immer nicht die Erkenntnis des Objektes selbst, (woraus sich die mögliche Verwirrung und Unklarheit des Vorigen erklärt). Denn bei allem zielt das Objekt nicht etwa auf dieses Raum und auch nicht auf diese Form, sondern mittels beidem ausschließlich auf ein wirkliches Objekt, also auf etwas
Seite 532
"das in dieser Form in diesem Raum als ein wirklich anderes Objekt dieses Subjekts besteht.", dazu gehört noch ein weiterer Schritt, der sich erst im nächsten Kapitel ergibt, (Seite 542)..
Eine merkwürdige Art von Verständnis des gesuchten Objekts und zwar durch ein "negatives Verständnis" ( wie sie als Möglichkeit bei Prauss schon einige Male auftauchte) folgt nun: Denn mit der Form allein, der immer wechselnden wenn vielleicht auch immer der gleichen, ist dieses immer noch erst Subjekt und noch nicht Objekt. dabei ist denn jetzt "um so wichtiger": daß dieses Subjektive in Form von Raum "beispielsweise als Roterscheinung, Rotanschauung oder Rotempfindung im Prinzip das Gleiche ist wie Runderscheinung, Rundanschauung oder Rundempfindung, wie ebenfalls etwas komplexer auch Tischanschauung, Tischerscheinung oder Tischempfindung, wobei es sich bei allem gleich noch nicht um einen Tisch, um etwas Rundes oder Rotes handelt. Soweit ja klar. Unklar aber das Folgende: daß nämlich dann, wenn "Tischerscheinung" oder Tischform, bzw. Rundform nicht im absoluten Wechsel erscheint, es sich um ein tatsächliches Objekt handelt: unklar deswegen, weil die tatsächliche Form des Objekts ja nie etwas anderes als subjektive Form sein kann und also auch bei einem tatsächlichen Objekt im absoluten Wechsel bleibt, - soweit ich bis jetzt verstanden habe. Und es bleibt abzuwarten, wie Prauss diesen Widerspruch auflöst.: Die Lösung ist eben, daß wir nicht die Form des Objekts und auch den Vorgang des Erkennens erkennen wollen, sondern zuerst immer erst das Objekt selbst, nämlich den Gehalt, wobei diese Reflexion auf den Vorgang des Erkennens natürlich etwas anderes ist als der Vorgang des Erkennens selbst: So sehr man geneigt sein mag, diese und auch die folgenden Seiten bis zum nächsten Kapitel mehr wie eine Wiederholung zu überlesen und man nicht gleich versteht, daß diese nicht eine Klärung des Vorigen, sondern die verbleibende Schwierigkeit und auch die grundsätzliche Schwierigkeit betrifft, geht es bei diesem scheinbaren Seiltanz eigentlich um das  Seil oder um das Material des Steges, von dem aus wir hier Philosophie erleben oder machen: eine Reflexion auf die Reflexion der Reflexion, wenn man so will; wobei
Seite 539 bis 540
das, was in Empirie als Objekt immer intendiert wird, in der Reflexion als transzendente Philosophie bis zu diesem Punkt der Entwicklung einmal nur als die Bedingung des Objektserlebnisses bzw. des objektivierten Objekts, der objektivierten Zeit und des objektivierten Raumes zu sehen ist, und in diesem Sinne zu verstehen als den aus dem Subjekt und aus Zeit erzeugten Raum, - jedoch bisher auf Seiten der Zeit immer noch, was dort Subjekt als Form und Gehalt ist, und auf Seiten des Raumes was als solches erscheint aber noch Subjekt ist aber erst dadurch deutbar macht.
Seite 541
Denn nur, was in Form von Zeit als Subjekt "grundsätzlich schon verwirklicht, eben schon gemacht ist, läßt sich auch in Form von Raum noch verwirklichen," - und das alles als Stufen der Selbstermöglichung von Selbstverwirklichung" und vermag mit diesem Blick aufs Objekt bis dahin von Deuten oder Deutbarmachen noch nichts zu wissen.
Seite 542
Das dadurch erst Deutbare beinhaltet gerade in dieser Subjektivität sowohl innerhalb von Zeit wie auch noch innerhalb der Vorstellung im Räumlichen nun mit dem Blick zurück auf eben dies Subjektive als nächste Stufe der Selbstverwirklichung neben der Deutbarkeit des Objekts die Deutfähigkeit des Subjekts.

Seite 532 bis 542
Es ist dabei, und zwar bei den folgenden 10 Seiten unerläßlich, das Dargestellte ganz selbständig zu überdenken um gerade die Schwierigkeit auch zu erkennen. Eine Denkschwierigkeit läßt sich eben nicht auch leicht begreiflich machen, dadurch vielleicht, daß man sie in einfacher Klarheit darstellt, die sie bis zur bisherigen Entwicklung des Systems noch nicht hat. Dabei muß der Leser, die Leserin
1. Das System bis hierher in der Hand haben und verstehen,
2. Prauss verstehen,
3. das, was Prauss im folgenden meint und sagen will, verstehen,
4. eben auch das Gerüst oder den Laufsteg oder die Warte verstehen, von wo aus wir hier uns und die Welt betrachten.
Um mit dem 4. und dem 2. Punkt zu beginnen: wir sehen auf den folgenden beiden Buchseiten scheinbar nebenher das Geländer unseres Steges auftauchen, das andererseits für Prauss immer eine Sicherheitsorientierung bedeutet: daß nämlich eine echte Erkenntnis, um die es schließlich geht, niemals automatisch wahr sein kann, weil Automatik eben nur tote Reaktion und deswegen nicht wahr und nicht falsch und damit auch kein Erkennen sein kann. Siehe hier Seite 533, 16. Zeile, eine Aussage wie ein Sicherheitsgriff, deren Nachweiß unter anderem hier klar oder verdeutlicht werden soll.
Zu 3. Prauss will verdeutlichen, daß bis hierhin sowohl in Form von Zeit, wie auch in Form von Raum, und zwar in beidem ganz subjektiv bereits etwas geschieht, was zwar noch nicht das erkannte Objekt selbst ist, aber auf beiden Seiten zu den Vorbedingungen gehört, die dann zur echten Erkenntnis führen: jeweils unterschiedlich neben Zeit und Raum wird in der Zeit etwas anderes z.B. Roterscheinung als im Raum erzeugt, wie dort z.B. Rund oder Ovalerscheinung.
Verführerisch zu denken wäre hier der Vergleich, als liefen hier zwei unterschiedliche Filme, die dann auf der gleichen Leinwand gemeinsam so etwas wie eine wirkliche Darstellung ergeben sollen.  Nur daß es sich dabei nicht um zwei separate Vorgänge handelt, sondern daß beide letztlich ein auseinander resultierende Vorgang bleibt.
Zu Punkt 1.:Soweit uns Lesern selbst das System soweit d.h. bis hierhin klar geworden ist, können wir erkennen, daß auf Seiten des Raumes auch die Form, soweit sie auch dort noch ganz Subjekt ist, immerhin, wie auch immer, bereits auch durch die Außenwelt bestimmt, und zwar durch die Art der Raumbegrenzung. Denn es ist kaum vorstellbar, daß unsere Vorstellung quasi prophylaktisch und beliebig alle möglichen Formen zur Objektgewinnung bereitstellt. Prauss bringt dieses bisher auch nicht zur Sprache, weil dies ohnehin klar ist. Während aber auf der anderen Seite, auf der Zeitschiene nicht klar ist und auch von Prauss kaum wird beantwortet werden können, woher das Rot bzw. die ganze Farbpalette kommt, nämlich nicht vom Objekt, wenn auch in der Farbauswahl vom Objekt bestimmt.
Zu Punkt 2: Prauss begnügt sich hier mit der Erfahrungstatsache, daß es Rot gibt.
Beginnen wir mir der Seite 532 noch einmal: Noch bevor wir den nächsten Schritt in Richtung einer kompletten Erkenntnis tun, und zwar durch die Bildung des Begriffs im nächsten Kapitel, taucht dennoch bereits im ersten Absatz das wirkliche Objekt selbst auf, an dem Form und Gehalt gerade keinen absoluten Wechsel bilden. Prauss hat dabei das Faktum der normalen Erfahrung wieder als Einstieg vor Augen: das Objekt, das eben immer rund, rot und ein Tisch ist. Und zwar ganz einfach so als die normale empirische Festlegung oder Erfahrungstatsache!
Vorerst aber, - da eine solche dauerhafte Form noch gar nicht besteht, was erst im nächsten Kapitel entwickelt wird, kann es sich auch noch nicht um ein solches Objekt selbst handeln.
Und zwar ist dadurch, ob es sich auch um eine solche dauerhafte Form noch nicht handelt , wobei solche eben noch immer Subjekt ist, oder doch und ob damit dann die eines Objekts noch nicht entschieden, ob es sich nämlich um ein tatsächliches Objekt handelt.
Zu Punkt 1.: Unklar bleibt auf dieser Seite dann der letzte Abschnitt nur dann, wo Prauss nämlich feststellt, daß es sich erst dann um ein tatsächliches Objekt handelt, wenn es sich bei solchen Formen und dem entsprechenden Gehalt, womit übrigens bei letzterem das Sinnliche innerhalb der Zeit gemeint ist und bei ersterem die Form innerhalb des Raumes, nicht um solchen absoluten Wechsel handelt, - unklar nur dann, wenn man schon versucht, das hier wiederum unerwartet auftauchende Objekt als fertige Erkenntnis bereits aus dem bisherigen System heraus zu verstehen, - was ja noch gar nicht möglich ist. Das genannte Objekt ist auch hier nichts anderes als die einfache Erfahrungstatsache: daß nämlich ein runder Tisch immer rund ist, bzw. ein Tisch eben ein Tisch von Dauer, d.h. ein wirklicher Tisch ist.
Zu Punkt 2.: Daß nämlich das hier bereits auftauchende fertige Objekt dem Leser Schwierigkeiten bereiten kann, sieht Prauss nicht; es ist wenigstens nicht die Schwierigkeit, um die es Prauss hier geht.
Seite 533 ab Zeile 4:
Von der Erfahrungstatsache ausgehend, daß wir ja nun in der Tat ein Objekt erkennen können als etwas nicht wechselndes wie jene Ovalformen bei einem runden Tisch ständig wechselt und also auch als etwas, das nicht wir selbst sind, ist dazu im Gegensatz alles das, was bisher in der Systementwicklung an subjektiver Form und subjektivem Inhalt klargestellt wurde und zwar in dieser Reflexion, d.h. dieser Philosophie als "Intentio obliqua" etwas, das als Erscheinung, als Tisch-, Rund- oder Oval- oder Roterscheinung gelten muß. Das sehr bewußt gewählte Wort "gelten" besagt, daß "Erscheinung" als Begriff für das bisher entwickelte so festgelegt oder dem zugewiesen wird, - aber natürlich zugleich dieses Subjektive auch entsprechend kennzeichnen soll.
Wogegen innerhalb der zugrundeliegenden Erfahrungstatsache empirischer Erkenntnis als "Intentio recta" eine solche Reflexion erstmal nicht stattfindet und erst durch die Möglichkeit eines Irrtums aktuell wird, - womit Prauss zugleich darauf hinweist, daß er eine tatsächliche Erkenntnis meint.
Letzter Abschnitt:
"Wie immer" die bisher entwickelte Form innerhalb des Räumlichen dann auch solchen Gehalt bekommt, daß - nun wieder dem System folgend, - aus der Erscheinung ein Objekt wird, kann dann solches eben nichts anderes sein als ein Objekt.
Seite 534
bis zum letzten Abschnitt ist alles klar, wenn wir als Hilfsmittel uns zwei Filmapparate vorstellen, die beide laufen müssen, um ein erkennbares Bild zu erzeugen,  was sich vorzustellen erst die erste Schwierigkeit ist, der eine andere folgt, auf die Prauss hinaus will: Es ist nämlich dieser Unterschied der beiden Filme gemeint, die erst zusammen das richtige Bild ergeben, um bei unserer Denkhilfe zu bleiben: der 1. Filmapparat bedeutet die Sinnlichkeit, die Erscheinung innerhalb der Zeit und der 2. die wechselnde Form innerhalb des Räumlichen.
Seite 534 letzter Abschnitt.
Zu Punkt 1. und Punkt 2.
Prauss will auf etwas hinaus. Ich selbst muß hier offensichtlich meine zu enge Definition der Erscheinung, wie sie in Raum und Zeit auftritt, weiter fassen. Ich hatte Form als Raumbegrenzung nur innerhalb des Räumlichen angesiedelt. Prauss stellt in diesem Abschnitt Form jedoch im allgemeineren Sinne und ebenso "Gehalt" im allgemeineren Sinne aufgefaßt dar, und zwar beides erst nur als Erscheinung sowohl als in der Zeit wie als im Räumlichen befindlich, aber in unterschiedlicher Weise, wobei der Unterschied dieser beiden "Filme" darin besteht,
Seite 535
daß das Subjekt im Räumlichen jene Form und jener Gehalt eben hat und das Subjekt im Zeitlichen beides ist, wobei im Räumlichen das Objekt oder das objektivierbare erscheint oder im Falle eines tatsächlichen Gegenstandes erscheinen wird und im Zeitlichen eben das Subjekt erscheint, was beides zusammen erst eine Erkenntnis ermöglicht oder ermöglichen wird.
Die Schwierigkeit, auf die Prauss erstmal aufmerksam machen will, ist hier wieder ganz die Entwicklung des Systems und zwar durch Einbeziehung  der Schwierigkeit in dieses, daß nämlich im Räumlichen Form und Gehalt sich miteinander verbinden und damit zu einem Objekt gehören können, während sie im Subjektiven nebeneinander hergehen. Und dieses bedeutet, daß beides dort zusammen nicht "für etwas stehen" könnte, dem dieses stets Wechselnde im Zeitlichen zugeschrieben werden könnte.
Seite 536
Der positiven Aussage des radikalisierten Raumwechsels, die darin liegt, daß wir später überhaupt von Dauer eines Objekts und damit überhaupt von seinem Vorhandensein sprechen können, was wahrscheinlich später noch ausführlicher thematisiert wird, steht vorerst eine Denkschwierigkeit gegenüber, die man von
Seite 538 und auch schon von
Seite 542 an rückwärtslesend besser versteht, weil mit der Einbindung einer noch nicht vollständigen Intention oder Erkenntnis in das System, die ja bisher nur erst auf Erkenntnis aus ist, eben noch viele Punkte vorerst offen und damit undeutlich bleiben müssen: derart ist die Schwierigkeit jenes Dynamischen, das sowohl z.B. mit der subjektiven Ovalform des runden Tisches wie auch mit dem Gehalt als Tisch oder als Farbe noch ganz subjektives Erkennenwollen ist, und zwar als etwas, das zu einem Objekt und sonst zu nichts anderem gehören muß oder will oder kann bis hierin etwas, daß man wie ein ungeduldiges Drängen verstehen könnte.
Alles was auf den vorigen Seiten zusammengefaßt in dieses System einzeln eingeordnet wurde, muß dabei als diese 2. Stufe der Selbstverwirklichung (durch jenen bisher ebenfalls aber noch subjektiven Raum,) als ein Ganzes genommen werden, das einerseits auf das Objekt hinaus will und andererseits als das Wirklichwerdenwollen und nicht können dieses Dynamische ausmacht und dabei erst nur Vorbedingung oder Zwischenstufe ist.
Diese Einordnung in sein System nennt Prauss "die Tiefendimension als ihre nichtempirische Struktur".(Seite 541, 2. Absatz)
Würde aber gerade hier nun irgend ein Automatismus über jenes Subjektive zu Erkenntnis oder zu einem Bild des Objekts führen, wäre es eben keine bewußte Erkenntnis mehr , weswegen mein Vergleich mit den beiden Filmkameras nur als Denkhilfe genommen werden darf. Dieses letztendliche Erkennen erfordert eben Verstand, der immer auch noch etwas anderes als Sinnlichkeit ist und vor der Alternative steht, ob diese Erkenntnis nun wahr oder nicht wahr ist.
Das Verbleiben bei diesem Punkt auch noch auf der nächsten Seite rechtfertigt sich zudem durch die Auseinandersetzung mit anderen bestehenden und gescheiterten Versuchen bei Loke, Kant und Husserl, den Gegenstand innerhalb der Erkenntnis zu erklären.
Seite 540,
Der erste Absatz enthält denn auch eine fundamentale Aussage über den sog. objektiven also den empirisch meßbaren Raum, und zwar als den jeweils einzeln, individuellen an erkannten Objekten entlang entworfenen Raum, und zwar erst dann durch Einigung, d.h. letztlich durch die bestehende Übereinstimmung der Erfahrung mit anderen Menschen objektivierten Raum, der als transzendenter, subjektiver Raum, soweit er bis hierhin entwickelt ist, jeder sog. objektiven Erkenntnis zugrunde liegt.
Seite 542
Diese Zwischenstufe ist einerseits die Vorbedingung dafür, daß ein Anderes als Objekt gedeutet werden kann, wodurch also etwas deutbar wird, und andererseits als andere, parallele Vorbedingung zugleich die Fähigkeit vom Subjekt her, deuten zu können.

Der deutfähige Begriff.
Seite 542.
Neben der Deutbarkeit, was sich auf das Objekt bezieht, und dazwischen, nämlich neben der Deutfähigkeit, die das Subjekt haben muß, erscheint nun der Begriff als etwas, "durch den etwas deutbar wird" als etwas "Deutfähiges".
Seite 543
Anschauung als Deutbares und Begriff als Deutfähiges sind entsprechend auch ein voneinander "unlösbares Korrelat".
Was hier noch wie mehr fiktive Definition aussieht, es ist unser bereits angekündigter "Doppelpunkt", entpuppt sich auf den nächsten Seiten als die wahrscheinlich aufregendste und genialste Entwicklung der ganzen bisherigen Prausschen Arbeit, weil nun plötzlich alles wie ein Puzzle zusammenpaßt.
Anfangs mag man noch den Eindruck haben, als sei hier unter den vielen Konstellationen des Systems nun nur noch eine weitere zu beachten, aber, eben weil jener neue Aspekt bisher nicht beachtet wurde, weil "methodisch ausgeblendet wurde"(Seite 543, 2. Absatz.), um den anderen Aspekt der fast gleichen Sache, nämlich die deutbare Anschauung zu "behandeln" war. Aber in allem, was oft verwirrend komplex erscheinen muß, wird nun gerade dieser "Doppelpunkt" als Korrelat schon fast konkretes Endergebnis, schon fast Erkenntnis des Gegenstandes und tritt alles hinter sich zurücklassend in den Vordergrund.
Es ist wahrscheinlich notwendig, sich die Seiten 448 bis 450 jetzt noch einmal durchzulesen:
Dort wurden die zwei unterschiedlichen Systemteile der Zeit negiert, die in der Zeit eine Einheit bilden: und zwar
2.das Außereinander der Zeit als Hintereinander oder Nacheinander, das durch die Negation nun zu einem Außereinander als Zugleich räumliche Ausdehnung wird, wovon bisher die Rede war, und
1. der Punkt, der durch die Negation zwar Punkt bleibt und zwar als potenzierter Punkt, aber mit seinem Inhalt, oder besser mit dem, was er insgesamt ist zum "Begriff wird und zu Punkt 2, der ja mit dem gleichen Inhalt in die Negation, in die sinnlich-räumliche Vorstellung in Gegensatz tritt.
Ich stelle mir das praktisch so vor: was durch die Sinne an Affizierungsimpulsen da ist, ist über Punkt 2. zur objekthaften z.B. räumlichen und farblichen Anschauung und über Punkt 1. zur entsprechenden Bedeutung als Begriff oder Gedanke die Verwirklichung der Erkenntnis, und zwar nur, wenn eine Erkenntnis als wahre erreicht wurde. Natürlich wird alles, was bisher als die Vorbedingung einer Erkenntnis beschrieben wurde, nicht durch jene Affizierung ausgelöst oder gar bewerkstelligt, wie es bei dieser sehr praktischen Vorstellung scheinen könnte; dieses wäre dann eben ein Automatismus und keine Erkenntnis, sondern die Vorbedingung ist gewissermaßen als Fähigkeit oder Bereitschaft oder immer wache und aktive Intention schon da, - eben auch als möglicher Irrtum.
Es ist bei solcher praktischen Denkhilfe dann eben wichtig, sich die Tragweite der viel komplizierteren Komplexität immer wieder vor Augen zu halten, die auf der Seite 541 in der Reihe 2 bis 7 zusammengefaßt ist, weil es gerade diese Anschauung ist, die auf der anderen Seite dann zugleich als Begriff erscheint.
Seite 544
Richtig, wenn auch vereinfacht bleibt jedoch, daß sowohl Anschauung wie Begriff erstmal in Form von Zeit "wirklich werden", weswegen dieses Zeitliche auch weiterhin die "Obereinheit" bleibt, eben als das erkennende Subjekt.
Der letzte Absatz und erste von
Seite 545
strapaziert recht arg das Vorstellungsvermögen, da es hier praktisch um drei verschiedene Punkte und ihr Verhältnis zueinander geht: Punkt als Zeit und Subjekt insgesamt, Punkt innerhalb der Zeit, wenn auch ineins mit Nacheinander und Punkt in der Negation als Begriff in Gegensatz zu beiden, zu Raum und zu Zeit, - aber in Einheit mir Beiden.
Seite 546
Das Verhältnis von Objekt und Anschauung ist nun  entsprechend dem System folgendermaßen, wie es bereits Kant und nach ihm weniger präzise Frege schon aussagt, - und was einerseits deren Richtigkeit aber auch deren Übereinstimmung mit dem Resultat unserer, d.h. der Prausschen Sytementwicklung hat: Die Eigenschaften die ein Objekt hat, d.h. nur hat, sind eben die Eigenschaften, die die Anschauung oder Erscheinung ist.
Das Letztere muß man sich vergegenwärtigen: Die ist nicht nur weit mehr als Definition, sondern als Wirklichkeit noch viel mehr, als hier ausgesagt wird: Es ist praktisch ein bis heute noch verschlossenes Eingangstor zu einer anderen Welt jenseits von Zeit und Raum aus dem heraus nicht nur die Farben, sondern auch Wärme, Schmerz, aber auch Dauer und Weite herauskommen. Unheimlich geradezu, weil wir dieses Tor so greifbar vor uns haben.
-Aber ein entsprechendes besteht auch zum Begriff: im Verhältnis zur Anschauung und zum Objekt:
Natürlich fragt man sich manchmal, was das nun ist "Anschauung", "Begriff", als solche Systemteile oder Segmente, oder ob Begriffe wie "Sachgehalt", "Merkmal", "Eigenschaft", "Haben" oder "Sein" nur raffinierte Namengebungen sind oder eben tatsächliche Bedeutung, - und natürlich fragt man sich immer, was "Bedeutung" hierbei bedeutet? Die wahnsinnige Leistung all dieser Ausführungen von Prauss besteht jedenfalls - was immer hier tatsächlich geschieht, - in der Weiterführung und Richtigstellung von Denkversuchen, wie sie seit Jahrtausenden von den hellsten Köpfen der Menschheit unternommen wurden. Und dieses ist ein unschätzbares Verdienst, weil es ja gerade die Denkfehler und Ungenauigkeiten sind, die entsprechend auch zu fehlerhaftem Handeln und Verhalten führen und führten, wie sich an einer endlosen Aufzählung nachweisen ließe.
Kehren wir als zurück zum aktuellen Gedankengang: Während Anschauung Ausdehnung und Sachgehalt selbst ist, ist der Begriff solches eben nicht, sondern hat alles nur zum Merkmal. In welcher Weise wird gleich auf der nächsten Seite (2. Absatz) in genialer Weise begreiflich. Fragen wir aber zuerst noch mal:
Wieso ist der Begriff ein Punkt?: Zeit ist Außereinander und Punkt in einem; beides wird durch die Raumbildung negiert, wobei einmal zu diesem Außereinander als Nacheinander der Zeit ein Außereinander als Nichtnacheinander bzw. Zugleich, nämlich der Raum als Ausgedehntheit neu dazukommt, dieses ist die Anschauung, und zum andern durch die Negation des Punktes, ein weiterer Punkt entsteht, quasi als potenzierter Punkt aber dabei Punkt bleibt und praktisch nun den gesamten Sachgehalt von der Zeit her und von der Negation her nur mehr als "Merkmal" hat, was eben nichts anderes als der Begriff sein kann, weil dieses nun einmal Wirklichkeit ist, wie unser Begriff wirklich ist. Dieser Punkt kann einmal nicht zugleich all dieses als Eigenschaft haben; er kann weder ausgedehnt sein noch rot oder oval, noch kann er dieses alles selbst sein, eben weil er nicht ausgedehnt ist.
Seite 547
Genial in der letzte Satz des 2. Absatzes: Dieser Punkt besitzt diese Sachgehalte als Merkmale nicht, so als ob er als Träger oder Medium neben solchen Sachgehalten noch etwas anderes wäre, sondern er ist dieser Gehalt selbst, - quasi als Gedanke oder Verstand, eben als Begriff: er kann das deuten, was in der Anschauung jeweils deutbar ist.
Seite 548, 2. Absatz
Wie Prauss hier denkt und im folgenden denken wird, wird durch den Begriff "Inhalt" deutlich, vereinfacht etwa so: Durch die Sinnesorgane wie Auge, Ohr, Nase u.s.w. stehen eine Menge Impulse, insgesamt also die Affizierung auf der einen Seite. Bevor diese überhaupt beachtet werden können, baut sich all das auf, was bisher als das System entwickelt wurde, wobei sich bereits mit der 1. Stufe aus all diesen Daten eine Art Struktur ergibt, die als "Inhalt" bereits alles beinhaltet, was dann später auf der 2. Stufe im Räumlichen überhaupt erst zum Objekt werden kann und als Möglichkeit des Erkennens einerseits als deutbare Anschauung jener Inhalt erstmal selbst ist, nämlich als die Struktur des Inhalts und andererseits als deutfähiger Begriff all dieses zugleich als Merkmal hat, bzw. ist.
Man darf dieses nur nicht nur nicht so verstehen, als wenn in diesen beiden Formen der Zeit auf der ersten Stufe, dem Punkt also und dem Nacheinander bereits Anschauung und Begriff embriohaft vorhanden seien und so nur weiterentwickeln.
Seite 549 2. Absatz
Mit dieser säuberlichen Parallelisierung, die zu schön ist um wahr zu sein, ist genau dieses gemeint.
Denn dieses ließe außer acht, daß die Struktur samt Inhalt der ersten Stufe voll erhalten bleibt und gerade in ihrer ursprünglichen Form immer und zwar fundamental notwendig bleibt.
Seite 550
Gerade solche Ungenauigkeit führt dazu, daß man praktisch die Funktionen des Inhalte auf der ersten Stufe, also innerhalb des Punktes als Verstand und innerhalb der Ausdehnung als Sinnlichkeit und Anschauung nicht mehr in dem fundamental wichtigen Verhältnis zu den Inhalten auf der 2. Stufe sieht, nämlich der Anschauung und dem Begriff.
Um dieses aber klar machen zu können, soll man sich vergegenwärtigen, was "deutbare Anschauung" und "deutfähiger Begriff" zum Ausdruck bringen.
Das kommende nun sieht auf den ersten Blick aus wie ein rhetorischer Trick, wenn Prauss von "deutbarer Anschauung" als synthetischer Begriff auf die Anschauung zielt, wie sie bereits innerhalb der Zeit, also der auf der ersten Stufe existiert.
Seite 551
Anschauung der 1. Stufe innerhalb der Zeit und durch "deutbare Anschauung, die erst durch Raum zu einer deutbaren wird, nämlich auf der 2. Stufe, sind also etwas ganz anderes, der Zusatz "deutbar" macht aus der einfachen Anschauung etwas anderes, indem etwas hinzukommt, synthetisiert wird..
Entsprechen bzw. entgegengesetzt erweist sich der Begriff, nämlich als "deutfähiger Begriff" als analytischer, wobei deutfähig aus dem Wort "Begriff" nichts anderes an Bedeutung macht, sondern ihn nur analysiert.
Seite 552
Dies heißt also zuerst mal, daß der Ausdruck "deutbare Anschauung" auf die entsprechende Anschauung der ersten Stufe hinweist, während der Ausdruck "deutfähiger Begriff" nicht auf das quasi entsprechende der 1. Stufe hinweist, was also dort in der Zeit im Punkt an Inhalt besteht. Es sind also vier verschiedene Inhaltsformen miteinander zu vergleichen, die in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen.
Seite 553
Dieses heißt zum ersten, daß man aus dem Begriff "deutfähiger Begriff" bereits schließen kann, daß "Begriff" keinesfalls auch schon irgendwie auf dieser ersten Stufe besteht, sondern, daß dort der Punkt und sein Inhalt etwas anderes ist. Synthetisch formuliert hätte Begriff dann heißen müssen "deutfähiger Gehalt", denn jener Punkt auf der ersten Stufe ist nur Gehalt.
Das heißt also:  Ausdehnung und Punkt der 1. Stufe sind Anschauung und Inhalt bzw. Gehalt. zu beidem entsteht zusätzlich durch die Negierung, d.h. durch den Raum auf der 2. Stufe "deutbare Anschauung" und "deutfähiger Gehalt" bzw. Begriff.
Seite 554
Es ist nun zu fragen: Wie unterscheidet sich Anschauung von "deutbare Anschauung"?
Seite 555
Der Unterschied ist der, das ersteres nur gegeben ist und letzteres eben nicht gegeben ist, sondern gebildet bzw. gedeutet werden muß.
Seite 556
denn Gehalt ist auf der ersten Stufe noch nicht gegenständlich, noch nicht Objekt als etwas anderes als Subjekt.
Wenn nun der Gehalt auf der ersten Stufe einerseits in Ausdehnung und Punkt in einem gegeben ist, ist dieser aber in der Ausdehnung für sich gesehen gegebene, noch nicht deutbare Anschauung, in Form von Punkt jedoch bereits Verstand, was Kant den Begriff nannte,
Seite 557
was er aber keineswegs ist. Es handelt sich dabei ausschließlich um die Verstandesformen als die nichtempirischen Kategorien.
Man muß dabei zwischen Verstandesformen auf der 1. Stufe und Begriff auf der 2. Stufe unterscheiden, wobei Begriff immer nur empirischer Begriff sein kann, und sind also keineswegs "Abstraktionen" von Anschauungen, wie es noch bei Kant heißt,
Seite 558
der sie von den Kategorien abzuleiten versucht, wobei er den Begriffskarakter, das Deutfähige einfach voraussetzt, - und zwar deswegen auch noch zu Unrecht, weil die Verstandeskategorien der ersten Stufe noch keinen Begriffskarakter haben können, - sie sind weder deutfähige Anschauung noch besteht auf dieser Stufe der reinen Qualität eine deutbare Anschauung in Form eines Objektes, - so tut er dieses mit der Vorstellung, als übertrüge sich Gehalt oder Anschauung irgendwie einfach auf solchen Begriff, - die irgendwie schon bereitstünden.
Seite 559
Prauss dagegen leitet in der Weiterführung dieses Kantschen Ansatzes ab, daß der "Stoff" als der gegebene Gehalt, der auf der 1. Stufe erst nur als Kategorie auftritt und nicht Begriff ist, noch in Form einer weiteren Kategorie entspringt als der 2. Stufe.
Seite 559, 2. Absatz
Demnach besteht, mit der Sprache Kants zu reden aber in unserem Sinne abzuleiten ein Begriff immer zugleich aus zwei Kategorien entsprechend der beiden Stufen, nämlich zuerst der der Qualität und dann der der Quantität, und beide müssen in bestimmter Weise zusammenwirken, damit so etwas wie ein empirischer Begriff entstehen kann, - was noch zu klären gilt.
Seite 560
Nur auf dieser 2. Stufe, wo durch den Raum eine objekthafte, deutbare Anschauung besteht, kann auch erst ein empirischer Begriff sinnvoll und auch erst möglich sein. Zu unterscheiden und zu verstehen sind, - hier nicht ganz verständlich Begriffe, die es nach Kant als reine Verstandesbegriffe gibt, auf die Prauss auf Seite 630 eingeht, die eben etwas bezeichnen, dem keine sinnliche Anschauung zugrunde liegen, wie "Gott".
Hierauf aber nicht eingehend klärt Prauss, daß, "Gegenstand zu sein, nichts anderes bedeutet, als Gegenstand eines Begriffes zu sein oder für einen Begriff zu sein", - und man muß beides von dem empirischen Gehalt, wie er auf der 1. stufe besteht, unterscheiden.
Seite 561
Falsch und irreführend ist jedoch die Vorstellung, als würde der empirische Gehalt der ersten Stufe durch den Raum der 2. Stufe als in einem weiteren Arbeitsgang weiterentwickelt, einer Fehlvorstellung, die sich von der Weiterentwicklung des Systems leicht als Weiterentwicklung dieses "Stoffes" formulieren und dann auch denken läßt und bedeuten würde, daß die Formen und Kategorien der 1. Stufe praktisch überwunden oder umgeformt würden. Wichtig ist nämlich, daß alle die Formen der 1. Stufe voll erhalten bleiben und notwendig ist. Als Denkhilfe kann man nehmen, daß mit dem Raum ja nicht die Zeit verschwinden darf, weil ein Objekt ja nur  überhaupt da ist und zwar als Qualität, wenn es auch von Dauer ist, - worauf Prauss allerdings erst später ausführlicher als der 3. Stufe eingeht (Seite 675).
Im letzten Absatz erkennen wir abermals das Geländer unseres Steges. denn diese 2. Stufe muß in sich logisch und tragfähig sein als die Voraussetzung zur Erkenntnis, wenn auch noch nicht als endgültige Erkenntnis selbst.
Seite 562
Was auf der vorigen Seite wie eine Abstützung an jenes Geländer aussah, wird auf dieser Seite - und zwar mal wieder genial - ganz im Gegenteil mit dem ergreifen auch begreifbar, daß nämlich für den Begriff die deutbare Anschauung immer Objekt und damit gegenständlich ist, wenn auch noch nicht wirklich, also erst nur ein mögliches Objekt, - und dieses bliebe es auch, würde die Anschauung der 1. Stufe mit der Bildung der 2. Stufe praktisch aufgelöst.
Wenn also gilt, daß sämtliche empirischen Begriffe derart ursprünglich allein Begriffe möglicher Objekte sind,
Seite 563, 2. Absatz
und daß aber die Wirklichkeit des Gegenstandes letztlich Voraussetzung dafür ist, daß mit ihnen nicht nur die Anschauung, und sei es auch die deutbare Anschauung, und damit nur das Subjekt bezeichnet oder getroffen und gemeint ist, was dann eben nur Reflexionsbegriffe wären, sondern auch das wirkliche Objekt erreicht wird, muß also noch etwas hinzukommen, nämlich die Deutung der deutbaren Anschauung, - die bisher auf dieser 2. Stufe ja nur erst ermöglicht ist.
Seite 564
Das heißt aber auch: Die Ermöglichung ent- und besteht bereits auf der 2. Stufe und nicht erst auf der nächsten.
An jenem Geländer unseres Steges festhaltend, was bei Prauss immer bedeutet, daß eine Erkenntnis nur dann eine solche ist, wenn sie wahr aber auch falsch sein kann, sehen wir auf eine weitere notwendige Voraussetzung als den notwendigen nächsten Schritt, weil nämlich bisher der Begriff als das mögliche Objekt noch auf eine wenn auch deutbare Anschauung bezogen ist, bei der die Frage nach der Wirklichkeit des Objekts noch nicht aktuell ist und praktisch noch keine Rolle spielt.
Im Folgenden wird nun genau im Hinblick auf das letztlich Entscheidende einer 3. Stufe.
Ungenauigkeit des Ausdrucks und damit die Ungenauigkeit des Gedankens ist eine der häufigsten Fehlerquellen, die Prauss zu entwirren hat. Im 3. Absatz gibt er einen eigenen Fehler, bezw. eine selbst geschaffene Fehlerquelle in seinem 1. Band zu, und zwar aufgrund einer Ungenauigkeit, die ihm bei seinem Gebrauch des Begriffes "Bestimmen" unterlaufen ist, den er von Kant übernommen hat.
Bei der genauen Unterscheidung der drei Stufen durch Prauss
Seite 565
erscheint nun die Kantsche Formulierung "Bestimmung", mit der ganz fälschlicher Weise bereits die fertige Erkenntnis als Verbindung von Anschauung und Begriff bezeichnet und auch so verstanden ist, bereits auf der zweiten Stufe. Dieses heißt, daß eine fertige Bestimmung bereits mit dem Verhältnis von deutbarer Anschauung und Begriff vorliegt, ohne daß damit aber schon entschieden ist, ob es sich um ein tatsächliches Objekt handelt, d.h. ob es sich um wahre oder falsche Erkenntnis handelt.
Seite 566
Daß es sich bei dieser falschen Zuordnung, die zuerst nur wie eine sprachliche Angelegenheit erscheinen mag, auch um einen falschen Gedanken handelt, wird erst im 3. Absatz recht deutlich, und zwar durch den neuen Alternativbegriff "Festlegen", der hier durchaus nicht etwas ähnliches wie "Bestimmen" bezeichnet, wobei man etwa sowohl das Wort "Bestimmen" wie auch "Festlegen" verwenden könnte, sondern in dieser Entwicklung hat die Bestimmung bereits auf der 2. Stufe abgeschlossen zu sein und zwar in der Verbindung oder als die richtige bestimmte Verbindung von deutbarer Anschauung und Begriff. Die Festlegung all dessen aber auf das Objekt ist damit noch nicht gegeben.
Seite 567
Wir erkennen deutlich, wie wir an diesem Geländer nun einen Schritt weitergehen können und bezüglich der Bestimmung auch zurückblicken können:
Seite 569
An dieser Stelle ist eine Besinnungspause angebracht:
Genial: Daß nämlich noch nicht auf der 1. Stufe und erst auf der 2. Stufe und nicht erst auf der 3. Stufe die Bestimmung - und zwar durch die gegenseitige Korrelation von deutbarer Anschauung und Begriff, - gegeben sein muß, fast möchte ich sagen: durch die Gleichzeitigkeit, in der beides auf Grund der Affektion die Intention auf ein Objekt hin vorbereitet.
Es paßt alles zusammen.
Ganz sicher bedeuten die vielen Richtigstellungen und vor allen Dingen die Kriterien für solche Richtigstellungen eine ganz neue Stufe des menschlichen Denkens, zumindest der Philosophie und der Kunsttheorie, wenn nicht auch der Theologie, die nun das Handwerkzeug hat, um z.B. den Unterschied zwischen dem physikalischen, d.h. dem empirisch erkennbaren Raum und dem biblischen Himmel zu erklären, wie nicht anders das Verhältnis von meßbarer Zeit und biblischer Ewigkeit.
Und ganz sicher ist zu erwarten, daß die unvermeidlichen und zu erwartenden Einwände - gerade angesichts des naht- und fugenlosen Puzzles - , "das geradezu zu schön ist, um wahr zu sein," um eine Praussche Formulierung zu benutzen, auf den nächsten Seiten von Prauss selbst bereits aufgegriffen und vorweggenommen und widerlegt werden, wie es der Leser inzwischen gewohnt sein dürfte; - weil eben nicht alles zugleich gesagt werden kann.
Man ahnt insgesamt bereits das Endergebnis. Und wenn dieses eine neue Stufe oder eine neu erreichte Stufe bedeutet, wird diese aber kaum die letzte sein.
Auch Prauss deutet solches längst selbst an, - ob nun genau n diesem Sinne bewußt oder unbewußt, wenn er z.B. davon spricht, daß transzendentale Reflexion ein Geschehen der 1. Stufe betrifft.
Wenn man sich nämlich ausmalt, daß alle Physik, alle Geometrie, sogar die Chemie und Biologie eigentlich Wissenschaften sind, die letztlich sich nur mit der Arbeitsweise unserer Erkenntnis befassen, so daß das physikalische unseres Weltbildes als ein selbstgemachtes letztlich nur deswegen stimmt, weil sowohl die Physik wie das Weltbild aus dem gleichen Gehirn stammt.
Man wird nun sagen, daß solches auch und nicht anders für das Praussche System ebenso zutrifft. Das heißt, das Praussche System ist soweit richtig, wie es mit Prauss fehlerfrei übereinstimmt. Das heißt aber auch nichts weniger, als daß es mit einem und also mit dem Menschen überhaupt übereinstimmt und bisher nicht übereinstimmte und damit in Übereinstimmung gebracht wurde.
Daß es aber um eine solche geht, - wie immer man sich solche Übereinstimmung auch vorstellen mag, - wird in der Argumentation des letzten Absatz genau dieser Seite so deutlich wie sonst kaum, wenn Prauss sagt, "daß so etwas ja kein Zufall sein könne" oder "es vermag nicht anders **** als so zu sein," und noch deutlicher wird dieses, wenn Prauss auf der Seite 573 im letzten Satz des 2. Absatzes selbst seinem System einen Platz in seinem System zuweist.
Was man nun auch immer mit solcher Übereinstimmung anfangen wird; so ist doch damit die Möglichkeit zumindest gegeben, Denkfehler und Fehlverhalten auf Grund solcher Denkfehler zu vermeiden, die ja nun in großer Zahl, was Einzeleinsichten betrifft, ausgebügelt wurden und im Denkansatz oder in der Denkposition von dem Holzweg auf den Rechten Weg gebracht wurden.
Besonders, wo man sich auf ein Zusammentreffen mit Lebewesen anderer Welten, die durchaus nicht unbedingt von anderen Planeten kommen müssen, - selbst wenn sie nicht von der Erde sind, - wird man manche Naivität bisheriger Konzepte einsehen können, - wenn man nur an die Wasserstoffformel denkt, die man als Intelligenzmerkmal auf die lange Weltraumreise geschickt hat. Naiv insofern, wenn man damit Verständigung mit einer gänzlich anderen Intelligenzform erreichen möchte, für die ja z.B. statt unserem Zeit- und Raumgefühl für Außereinander etwas gänzlich anderes zugrunde liegen könnte, - selbst wenn im Sinne der Prausschen Systematik Objekterkenntnis auch da nach dem gleichen Schema entstünde. Dann wäre dort eben der Abstand von Elektron zum Kern nicht räumlich und die Umkreisungszeit nicht zeitlich, was sich beides ohnehin längst von der ursprünglichen Borschen Vorstellung emanzipiert und grundsätzlich relativiert hat. Solch andere Intelligenzform würde die Botschaft gar nicht erkennen, weil sie dann auch die Fläche jener Goldplatte nicht als Fläche sähe, und wir würden des ungeachtet eine Antwort nicht erkennen, - nicht einmal das Medium, mit dem oder über das die Antwort gegeben würde.

Seite 570 bis 572
einsehbar ist die Voraussetzung von Zeit und Raum und insbesondere letzteres, um überhaupt Farbanschauung haben zu können, worauf es hier ankommt. Dabei bleibt jedoch die Frage offen, da Rot oder Rotanschauung als Farbe sicher nicht auf die Affektion zurückzuführen ist, woher sie denn nun kommt, daß nämlich zwar eine bestimmte Affektion zu Rot führt, wobei das Rote aber nicht die Affektion ist, sondern etwas ganz anderes, das man auch nicht Subjektivität nennen könnte. Was dann auch für das Gefühl der Weite und Dauer, der Gerüche u.s.w. ausdehnbar ist, - was nicht aus diesem System des Zeit-Raum-Verhältnisses erklärbar ist.
Aber diese Seiten dringen nahe bis zu dieser Frage heran.
Wenn Prauss hier sagt, " daß dieses vielmehr schon zum Wesen des Gesichtssinns selbst gehört," bedeutet dieses soviel, daß dieses bereits ein anderes Thema ist,
wobei aber
Seite 573
Sehen und Gesichtssinn so untrennbar wie mit Raum auch mit Licht untrennbar verbunden ist.
Man spürt, wie hier, wie das sinnlich-inhaltliche wie Farbigkeit einmal ein ganz anderes Thema ist, - sich aber vielleicht sogar überhaupt der Logik dieses Systems entzieht.
Wenn hier Raum als Ursprung und Wesen der Bestimmtheit und zwar der empirischen Bestimmtheit bezeichnet wird, schließt dieses über den Begriff auch die Bestimmung ob Rot oder Blau mit ein, wobei das Verhältnis zu dem, was nun zum Wesen des Gesichtssinns gehört, ausgeklammert bleibt, wie ja auch gewissermaßen die Philosophie selbst. Es ist wieder dieser Doppelpunkt, der 1. nur als Zeit einmal Subjektivität und transzendentale Philosophie, und der 2. der Begriff ist, - wobei das Verhältnis beider Punkte auch das Verhältnis von Sprache und Philosophie bedeutet,
Seite 474
was erst im nächsten Kapitel zur Sprache kommt.
Ich will aber besonders auch meine persönliche kunsttheoretische Frage im Auge behalten, die mit der Frage nach der Farbe und ihrem Woher von dem Prausschen System nicht erreicht wird und dort insgesamt nur als Inhalt oder Gehalt genannt wird. Sicher ist die Bestimmung, "hier Rot und nicht Blau", da "Blau und nicht Rot" auch eine räumliche, und wahrscheinlich wird die andere Frage "jetzt Rot und nicht Blau" und "dann Blau und nicht Rot" innerhalb des Komplexes der Beharrlichkeit auftauchen, und ein weiterer, wesentlicher Teil der Bestimmung wird ohne die des Raumes aber auch ohne die der Zeit innerhalb oder mit diesem System nicht möglich sein; insofern bedeutet meine eigene Frage keine Infragestellung des Prausschen Systems. Nur habe ich eben darüber hinaus die weitere Frage wach zu halten, "ob überhaupt Blau", oder "ob überhaupt Rot" und zwar in der Unterscheidung nur der Farben als eine notwendige 3. Bestimmtheit über den Gesichtssinn, nämlich über den anderen Bestimmungen Zeit und Raum hinaus oder solchen vorweg. Es liegt hier also eine elementare Antwort in der Luft, die über dieses System noch hinausführt, - nicht anders natürlich auch bezüglich der Bestimmungen durch die anderen Sinne "Warm oder Kalt", "dieser oder jener Geschmack oder Geruch", wie sie ja auch "Hell oder Dunkel" und selbst die räumlichen und zeitlichen Gefühle "Weite und Nähe", "Kurzweil oder Langweil" betreffen, wie ich glaube. Dieses gehört, wie schon gesagt, bei Prauss zu dem anderen Thema der Sinnlichkeit oder der Sinne oder dem Wesen der Sinne,
Seite 575, 2. Absatz Ende
was aber als Inhalt oder Gehalt erst im Räumlichen der 2. Stufe Begriff werden kann und in der Bestimmtheit des Begriffs enthalten ist.
Seite 576
ich weiß nicht mehr, ob ich als Eselsbrücke quasi oder als Denkhilfe irgendwo im Vorigen genau im Sinne der Kantianer diese hier als fragwürdig markierte Parallelität "Verstand und Sinnlichkeit" mit "Begriff und Anschauung" so gebraucht habe, was auf der 1. Stufe auch weniger verfänglich war.
Seite 577
Eine Trennung der Gegenüberstellungen wie Verstand und Sinnlichkeit und Begriff und Anschauung bedeutet im Prausschen System jedoch dieses bestimmte Verhältnis zueinander als Einheit: Und zwar ist Verstand auf beiden Stufen an Sinnlichkeit und zwar als die "Kategorien" Qualität und Quantität oder als Zeit und Raum, oder Zeitlichkeit und Räumlichkeit beteiligt,
Seite 578
- und wieder als eine Genialität des Prausschen Systems, - ist diese Parallelität eben nicht die von etwas sich einfach "Entsprechendes", sondern als Verhältnis ""ist Begriff und Anschauung jeweils Verstand und Sinnlichkeit.""(1. Absatz)
2. Absatz
der 2. Punkt des Doppelpunktes, nämlich der Begriff enthält, wie noch zu entwickeln ist also durchaus auch die Zeit als die subjektive der 1. Stufe, aber darüber hinaus noch die Zeitform dieser 2. Stufe als eine abgeleitete Zeit (für das Objekt);
3. Absatz
"vorderhand" oder quasi nebenbei zu erwähnen, erscheint hier in der Folge des vorigen Gedankengangs noch die Feststellung, die jedoch eine fundamentale ist, daß, wie Hegel bereits feststellte, nicht nur die Reihenfolge von Qualität und -Quantität bei Kant unerklärt und nicht notwendig umgekehrt ist, sondern, daß hier mit dem Begriff oder zusätzlich zur Bestimmung auf der 2. Stufe das Verhältnis beider Kategorien eben nicht nur Reihenfolge ist, sondern daß mit der Bestimmung immer nur von der erst im Raum möglichen Quantität der Qualität als ein Verhältnis beider Kategorien zueinander zu sprechen ist, wodurch Mathematik und Geometrie erst möglich wird,
Seite 579
was ohne solches Verhältnis, - etwa beides gesondert, - wie Kant glaubt, - nicht möglich ist, wie das Beispiel mit den Äpfeln und Birnen zeigt und die Anmerkung 27 auf
Seite 580.
Auf den folgenden Seiten folgt nun quasi die Probe aufs Exempel (, obwohl Prauss damit eigentlich auf die Grundproblematik zusteuert, die im Verhältnis der unterschiedlichen Zeitpunkte der 1. und 2. Stufe zur Zeitspanne besteht.): Und dieses ist nun keine Rhetorik und auch nicht mehr Plausibilisierung oder Denkhilfe: sondern an der Satzkonstruktion "Dies ist ein Tisch." "Dies ist rot." oder "Dies ist oval." sehen wir nicht nur, daß das Praussche System bezüglich sowohl der deutbaren Anschauung wie auch des Begriffes paßt, sondern, daß ein solches System der Sprache in der Tat zugrunde liegt.
Was auf den ersten Blick wie oft nur wie eine Wiederholung erscheint, beinhaltet hier diesen wichtigen Nachweis zugleich aber bereits mit dem Hinweis auf diese eine Funktion der Zeit innerhalb des Begriffes. Zu schnell überlesen, hat man bereits den Faden verloren.
Man sieht und erkennt, daß in solcher Aussage "Dies ist ein Tisch." als einer fertigen Erkenntnis, Prauss präzisiert, wenn er diese hier "Außenweltobjektwahrnehmung" nennt, immer zugleich "Jetzt und Hier" als Zeit und Raum irgendwie mitgemeint. Ohne solches wäre diese Aussage nämlich keine, - wenn nämlich der Tisch nirgendwo und nirgendwann ein Tisch wäre.
Wie dieses "Irgendwie" aufzuschlüsseln ist, ergibt sich, wie darin
1. Anschauung enthalten und aufgeteilt ist, und wie
2. deutbare Anschauung,
3. der Begriff und in allem
4. Zeit und Raum.
Daß dieses überhaupt dann in der konkreten Sprache eindeutig wiederzuerkennen ist, erscheint einem nach der komplizierten Entwicklung des hochkomplexen Systems einmal gar nicht notwendig und dann auch gar nicht möglich, - weswegen man diesen Gegenbeweis der folgenden 2 Seiten leicht überliest und damit die geradezu verblüffende Bestätigung der vorigen 250 Seiten verpassen würde, - letzteres besonders deswegen, weil der professionelle Philosoph Prauss sich hier auf oder besser gegen bestehende Lehrmeinungen bezieht und wendet, die, sich auf Kant stützend, einfach von einer Verbindung von Anschauung und Begriff sprechen, die dann zu einer Aussage bzw. Erkenntnis führen. Wobei vieles ja unklar bleibt: Daß nämlich bei einer Aussage der Begriff wie "Tisch" oder "rot" oder "oval" benutzt wird, ist klar zu erkennen, nicht aber, in welcher Weise in dieser Aussage und oder in diesem ausgesprochenen Begriff: dann Anschauung, - nämlich die der 1. oder 2. Stufe enthalten ist, und wie dieses "Jetzt" und "Hier" des Tisches, des Roten oder des Ovalen zu verstehen ist, ist nämlich dem Satz "Dies ist ein Tisch." nicht ohne weiteres anzusehen.
Seite 581
Wenn aber genau um dieses Problem herum seit 3000 Jahren mit viel Scharfsinn diskutiert wurde, bleibt nicht aus, daß Prauss hier einen solchen Scharfsinn voraussetzt, wenn er ihn nun auch anwendet. Er spricht dabei einmal zu seinem Thema, dem zu folgen dem Leser kaum noch Schwierigkeiten machen dürfte, zum anderen aber gegen bestimmte, teils uralte Lehrmeinungen, die Extraüberlegungen erfordern.
"Jetzt" und "Hier" der Umgangssprache ist als Gegenwart und örtliche Bezeichnung gemeint, was in dem Wort "Dies" in dem Satz "Dies ist ein Tisch" als " was da jetzt ist, enthalten ist.
Aber genau verstanden und entsprechend in der Systementwicklung und auch überhaupt jedoch kann "Hier" nicht ein bestimmter Punkt , sondern nur der ausgedehnte Raum sein, den der Tisch einnimmt; dagegen besteht bei dem "Jetzt" zwischen dem ungenauen Verständnis der Umgangssprache, in der "Jetzt" mehr als die laufende, also ausgedehnte Gegenwart gemeint ist und der eigentlichen Aussage, in der Jetzt ein Zeitpunkt ohne Ausdehnung ist ein Unterschied, wobei selbst die etablierte Philosophie in ihrer Verlegenheit und zwar wegen der Unkenntnis der Struktur einer Erkenntnis, wie Prauss zurecht sagen kann, die Ungenauigkeit der Umgangssprache übernimmt und als Argument dafür benutzt, "Jetzt" und "Hier" als Zeit- und Raumpunkt aufzufassen.
In dieser leider zweispurigen gedanklichen Entwicklung (einmal für den in der weiteren Entwicklung des Systems mitgehenden Leser und zum anderen an die bestehende philosophische Argumentation gewandt;) ist nun einmal festzuhalten, daß "Jetzt" und "Hier" im "Dies" als Zeit und Raum auf Sinnlichkeit beruht, wie der Leser weiß, zum anderen, daß Anschauung bei Kant auch auf Sinnlichkeit beruht, wie jeder Philosoph weiß, und daß in solcher Aussage der Begriff wie z.B. "Tisch" zwar klar erkennbar ist (Seite 580, 3. Absatz), nicht aber, daß oder wie er nach Kant auf Anschauung beruht.
Dem Leser ist es jedoch möglich, "nach allem, was wir bis jetzt herausgefunden haben," durch den Begriff "Tisch" quasi hindurch auch die Anschauung der 1. und die deutbare Anschauung der 2. Stufe zu erkennen: womit jetzt die verblüffende Übereinstimmung der Theorie des Systems und der einfachen sprachlichen Aussage folgt:
Seite 582 bis 584
Die Polemik gegen bestehende Lehrmeinungen zeigt, wie sehr sich Prauss auf den folgenden Seiten seiner Sache sicher sein kann, die sich denn auch kaum kürzer und schlüssiger zusammenfassen läßt, (die Denkaufgabe, der man sich allerdings auch verweigern kann, besteht im Kern darin, daß man von der fertigen Erkenntnis, und zwar ausgehend von der Formulierung der 3. Stufe wie "Dies ist ein Tisch." schrittweise durch Weglassen von Wörtern und Bedeutungen zuerst auf die 2. Stufe gelangt, wenn man nämlich "Dies ist" wegdenkt, dabei aber Jetzt und Hier wie in der 2. Stufe gegeben bei jenem Tisch läßt, wobei man erkennt, daß hier zwar bereits der Begriff und auch die Zuordnung zur Anschauung bereits vollzogen ist, was aber noch ganz nur Subjekt ist, was dann nämlich heißen und meinen würde: "Jetzt und hier Tisch.")
Seite 585 2. Absatz
bis zu dem Zusatz auf der er einen neuen Gesichtspunkt ins Spiel bringt, der aber im 1. Band bereits ausgeführt wurde, daß sich nämlich in dem Fall, falls "Hier" als Zeit in der deutbaren Anschauung und in dem Begriff eine Zeitspanne bedeutete, z.B. bei den unterschiedlichen Ovalanschauungen eines runden Tisches, überhaupt keine eindeutige Bedeutung möglich wäre.
In der laufenden Argumentation bleibt jedoch der folgende durch jenes nur bestätigte Satz, daß in deutbarer Anschauung wie in Begriff Zeit und Raum nicht wie zwei gleiche additive Elemente wirken sondern durch die Negation im Verhältnis zueinander und auseinander sich als Grundverschiedenes gegenübertreten durch was Begriffsbildung wie deutbare Anschauung erst möglich wird.
Wie sehr aber dieser andere Gesichtspunkt nur Bestätigung oder aber Stütze des ganzen Systems sein muß und kann, würde sich erst erweisen, wenn z.B. der Gedanke, den ich zur Seite 569 einschob, dahin weiter gedacht würde, daß sich die Praussche Richtigkeit auch durch andere in sich geschlossene Richtigkeiten ersetzen ließe, - so oft vielleicht, wie es Menschen gibt, oder ob sich in Übereinstimmung mit der gemeinsamen Natur menschlicher Erkenntnis, auch die Reflexion auf diese nur durch eine Richtigkeit richtig darstellen und verstehen läßt.
Hier in der Weiterführung jedoch folgt schlüssig: "bestimmt" bedeutet also "zusammen" und "zusammen" ist Bedeutung.
Seite 589
Die Konsequenz der ganzen Entwicklung ist in der Tat immer noch überraschend, wenn nicht tatsächlich bestürzend:
1. daß Begriffe nicht wie es scheint, weil sie mit festen Bedeutungen im Wörterbuch stehen können, deswegen etwas Invariantes und also unveränderliches wären, und daß er trotzdem wegen der inhärenten Zeitstruktur also trotz seiner Invarianz etwas Bestimmtes sein kann.
2. Entgegen der geläufigen Vorstellung ist ein Begriff nicht etwas Abstraktes als Gegensatz zum sog. konkreten Objekt. Vielmehr ist der Begriff das eigentlich Konkrete, nämlich konkrete Subjektivität.
3. Auch die weitere geläufige Vorstellung muß aufgegeben werden, daß nämlich ein Begriff nur etwas "Allgemeines" sei, "worunter" etwas Individuelles als eben die Objekte der Außenwelt gelten, nur fällt. Das Gegenteil ist der Fall, weil es eben der Begriff ist, der das Individuum und damit das Reale, eben das Subjekt ist.
§2. Begriffsbildung als ursprüngliche Widerspruchsvermeidung.
Seite 592
Während im Vorigen die deutbare Anschauung und der Begriff Thema war, ist jetzt jener Doppelpunkt gemeint: 1. Die Zeit als Punkt wie 2. der Begriff als Punkt.

In der veinfachten Vorstellung verlief die bisherige Entwicklung des Systems etwa so:

Was eben noch genial und schlüssig wie ein fertiges Puzzle zusammenpaßte, erweist sich in einem wesentlichen Punkt, als eben nur vorläufige Formulierung (Seite 598 unten) einerseits noch voller Problematik voll möglicher Denkfehler, andererseits ergibt die Klärung auf den folgenden 50 Seiten einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt des Begriffes, wie er in dem Untertitel angekündigt ist.
Die Schwierigkeit liegt in der Ähnlichkeit und Unterschiedlichkeit der beiden Punkte.
Seite 593
Neu ist hier die Formulierung, daß Begriff hier als Punkt von Ausdehnung, und Zeit als Punkt mit Ausdehnung bezeichnet ist, was man sich beim Begriff als Begriff eines immer ausgedehnten Gegenstandes und bei Zeit als der laufenden Zeit vereinfacht vorstellen kann.
Denn Begriff ist jedenfalls nicht einfach Zeit, aber auch nicht etwas wie eine zweite Zeit. Und natürlich kann der Begriff, der zwar Subjekt ist wie die Zeit, nicht noch ein 2. Subjekt ergeben.
Seite 594
Der (nur vielleicht) naheliegende und zu vermeidende Denkfehler ist einmal der, daß man sich zwei Negationen denkt, eine, die zum Raum führt und die andere zum Begriff.
Seite 595
Hier wählt Prauss mit deutlicher Absicht einen Umweg, d.h. er geht bewußt einen Irrweg, und er kommt auf diesem zu zwei neuen Formulierungen: "Punkt als zu sich anderer" für Zeit und durch die Negation zu "Punkt als mit sich selbiger" für Begriff. Erst als Letzteres kann Subjektivität des Begriffs, wie durch diese Formulierung klar werden soll, zu einer Bestimmtheit werden. Dies führt jedoch bei einer zweifachen Negation der Zeit, falls man mit einer solchen erst glaubt, einen Begriff erhalten zu können, zu einem überflüssigen, nämlich zu dem "Punkt als zu sich anderem," . Die Absicht dieses Umweges führt später dann dahin, daß wir in die Lage kommen, uns auch den Raum als eine Synthesis des Punktes vorzustellen. Der eigentliche, drohende Denkfehler, glaube ich, ist aber der, daß man meinen möchte in einen Bereich nerviger Beliebigkeit möglicher Definitionen der einen und selben Sache zu kommen. Denn eigentlich wissen wir, daß die Negation der Zeit nicht eben der Zeit als solcher gilt, und deswegen statt einmal zum Außereinander als Nichtnacheinander sondern Zugleich des Raumes mit dem jeweiligen Gehalt führt, und dann in einem damit auch zu Punkt als Begriff, den wir jetzt als "Punkt mit sich selbigen" bezeichnen, was dann später die Widerspruchsvermeidung des Begriffes begründen soll.
Wir können zudem sicher sein, daß Prauss ein fachkundiges und kritisches Forum vor sich weiß.
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Unterschiedliche Punkte würden zur Vorstellung einer Zeitlinie führen, was wir bereits als abwegig erkannt hatten. Vielmehr geht es insgesamt darum, diesen 2. Punkt, der trotz und wegen der Negation, und zwar als Begriff doch ja besteht, irgendwie in den Griff zu bekommen, da er ja neben dem anderen Punkt der Zeit einen Platz braucht, einerseits, und andererseits durch seinen Platz oder durch seine Eigenart ja eben eine Funktion ausübt, - und eben nicht und keinesfalls als eine Aufteilung der Zeit gemeint und verstanden werden darf, in der Zeit und Subjektivität als ungeteilte "unantastbar" fortfährt.
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Offensichtlich versucht Prauss hier, wie selten so deutlich erkennbar, beim Schreiben selbst Klarheit zu bekommen, - denn daß aus einer Negation der Zeit zweierlei entsteht, eben 1. Raum mit Inhalt als deutbare Anschauung und 2. Begriff als Punkt mit dem gleichen Inhalt, begründete sich bisher aus der Doppelnatur der Zeit, wobei praktisch durch die eine Negation des Gesamten jede Natur zu ihrem eigenen Ergebnis führt, wobei beide Ergebnisse jedoch weiter zusammengehören, - was als bisher "vorläufige" Formulierung aber einer weiteren Begründung bedarf. Was der 2. Absatz genau besagen soll, da eine doppelte Negation ja nicht zu drei sondern zu vier Ergebnissen führen würde, von denen zwei und nicht nur eines überflüssig wäre, ist nicht ganz klar und geht vielleicht auf die Denkmöglichkeit zurück, daß mit einer 1. Negation nur der synthetische Raum allein entstünde und so für den Begriff eine zweite Negation erforderlich sein müßte, die dann zu diesem unwillkommenen Doppelergebnis führt, oder aber, daß durch die erste Negation nur der Punkt als Begriff entstünde und für den Raum dann eine zweite Negation erforderlich sein müßte mit einem unerwünschten Nebenergebnis.
Seite 598
Der aber zurückgenommene oder zurückgegangene Gedankengang führt im 3. Satz mit den beiden kursiv gezeichneten Begriffen "bloß" und "auch" zu der alten Disposition zurück aber auch zu den beiden neuen Formulierungen beider Ergebnisse der nur einen Negation, wobei beide Ergebnisse, wie schon gesagt als entsprechende Wesenheit der negierten Punkte neu dargestellt werden. Vorerst im nächsten Satz nur den Raum als Ausdehnung "sprich, "von Punkt als Einfachheit gesondert zu erzeugen" muß dann bedeuten: Zeit ist der Zusammenfall aus 1. Punkt als mit sich selbigem und 2. Punkt als mit sich anderem: Raum entsteht aus demjenigen Punkt innerhalb der Zeit der erst nach der oder durch die Negation gesondert zu diesem Ergebnis führt, wobei "Punkt als Einfachheit" die Zeit überhaupt bezeichnet, also beide Wesenheiten von Punkt als Zeit gemeinsam ist.
Das bedeutet, daß wir der Einfachheit halber von zwei Punkten innerhalb der Zeit sprechen, die dann erst durch die Negation auf der 2. Stufe zu echt Zweierlei, nämlich zu Raum und Begriff werden.
Durch diese drei Punktformulierungen, von denen die beiden Punkte in der Zeit in den drei folgenden Absätzen insgesamt neun oder zehn Mal genannt werden, die zudem in der Reihenfolge wechseln, ist der laufende Gedankengang zu Beginn vielleicht etwas schwer verständlich.
1. Punkt als zu sich selbigem;
2. Punkt als zu sich anderem;
Man muß sich natürlich fragen, worauf sich das "Wozu" im letzten Satz des 1. Absatzes nun bezieht:
a) auf die Zeit, also dem Punkt als Einfachheit? was natürlich ohne Zweifel Sinn macht;
b) auf Punkt als zu sich anderem? wobei man schließen könnte oder müßte, daß aus genau diesem dann der Raum entsteht;
c) auf Punkt als zu sich selbigem? was nur grammatisch Sinn macht aber in Widerspruch zu Vorigem stünde.
d) auf Ausdehnung von Zeit, die sich nur aus beidem bilden kann, was genauso, wie Punkt als Einfachheit = a) Sinn macht.
Natürlich möchte man bestätigt haben, welcher Punkt nun durch die Negation zu Raum und welcher zu Begriff wird. Was erst auf der nächsten Seite als offenkundige Bestätigung des Vorigen wird.
Im laufenden Gedankengang innerhalb dieser Begriffshäufung sollte man die sehr fundamentale Feststellung nicht übersehen, daß Raum nicht durch die Zeitanalysis sondern durch Synthese, als durch etwas Zusätzliches entsteht bzw. verständlich ist.
Nachtrag Okt. 1997
Die Negation von Punkt

        ?   unerwünscht
zweite Negation         falsch
      führt zu Raum und Vorstellung

    Begriff          ?    unerwünscht (Seite 599)

    als Gegensatz zum ursprünglichen Punkt wäre ein Irrweg
da eines der offenen Negationsteile (?)dann über wäre. Man müßte das obere ? einfach ignorieren.

dem aber nicht der ursprüngliche Punkt gegenübersteht, der dann durch eine nochmalige Negierung zum Begriff führen müßte, was sich sowohl auf „zu sich selbigen" wie „zu sich anderen" bezöge, wobei dann etwas über wäre, - was aber erstmal so scheint, weil Prauss erst mal Raum und Vorstellung klären will, die aus der Negation entstehen, so daß der Umstand, daß nur durch die eine und einzige Negation

  zu sich selbigen    zu sich anderen

      Negation
 

     Zeit u. Begriff    Raum und Vorstellung (Seite 600)
beides entsteht.

Seite 599
Zurückgestellt wird die Lösung dieser Problematik, die aber darin liegen muß, daß eben Punkt als mit sich anderem durch die Negation zu Raum führt und Punkt 1. als zu sich selbigem zu Begriff. - was denn auch in den letzten Zeilen der Seite bestätigt wird.
Mit der "weiteren Bestätigung des ganzen Systems" durch diese beiden neuen Punktformulierungen ist denn auch auf der Seite 598 genau diese Sinnfälligkeit oder Offensichtlichkeit dieser jeweiligen Zugehörigkeit gemeint.
Seite 600
Ein neuer Begriff wird eingeführt: "Begriff als abgeleitet-subjektive Zeit".
Daß hier durch die Negation eine recht komplizierte Zwangsläufigkeit und Komplexität als Zeit plus Begriff plus Raum besteht, führt zu der Aufgabe und ist zugleich die Möglichkeit zum Verständnis einer Lösung der ganzen internen Verhältnisse.
Vor einem solchen neuen Ansatz fragt man natürlich wieder, wo man ist und was man eigentlich hier tut: Besonders wenn Prauss eine Formulierung verwendet wie anfangs des 2. Absatzes am Ende des ersten Satzes:" ****wie es **** kommen muß". Natürlich steht Prauss auch weiterhin mit dem 2. Bein in der Wirklichkeit insofern, als daß alle Struktur letztlich dahin führen muß, wie wir sie als Ergebnis im vorhandenen Menschen vorfinden und kennen.
Aber die Richtigkeit wird dennoch auch von einer Zwangsläufigkeit bestimmt, wie wir sie in der Mathematik benutzen, wenn wir z.B. die Formel lernen (a+b)² = a²+2ab+b² als etwas, wie es sein muß, damit es richtig ist, wobei aber beides zusammen, also beide Füße zwei unterschiedliche Kriterien sind. Entsprechend stellt sich unsere Frage auch in zwei Richtungen: Geht die Richtigkeit der Formel oder auch die des Prausschen Systems, selbst wenn er es an dieser bereits bestehenden Wirklichkeit orientiert entwickelt, letztendlich doch von einem Menschseinsollen aus, wobei die andere mehr logisch-mathematische Richtung der Frage von einem Menschseinkönnen, von einem notwendigen Berücksichtigen der Bedingungen bestimmt ist, wie solches nur sein kann, und zwar nur logisch sein kann? Gerade der letzte Beisatz, "wie es nur logisch sein kann" macht deutlich, daß solche Bedingungen letztlich nicht von einer Materie bestimmt werden, sowie man aus Eisen nur bestimmte Werkzeuge und Gebilde und aus Wachs eben nur andere formen kann, sondern nur von der logischen Richtigkeit her. Wobei aber die andere Richtung der Frage im Sinne des Menschseinsollens die Überlegung impliziert, daß die Weise, wie wir z.B. Materie sehen ehe Folge des Menschseinsollens aber auch wie des Menschseinkönnens ist, und nicht umgekehrt, als ob solche Richtigkeit und die Möglichkeit menschlichen Bewußtseins von der Art der Materie bestimmt ist. Woraus sich ein anderes Verständnis auch von Biologie ergibt. Das heißt, auch die biologische also empirische Richtigkeit ergibt sich letztlich aus jener logischen Richtigkeit des Lebensollens und -könnens.
Wenn an sich von dem Schwindelgefühl befreit hat - angesichts der Aussage so nebenher, - daß ohne Sprache kein Raum und ohne Raum keine Sprache bestehen kann, und ja auch nicht entstehen kann und auch nicht sein würde, einem Raum, in dem die sprachlosen Vögel ja auch ohne den Menschen mit seiner Sprache herumzufliegen scheinen, - gilt es erst recht, die notwendige Struktur, und zwar notwendig in beiderlei Sinn zu verstehen: denn mit der Ausdehnung des Raumes durch die Negation bleibt jener aktuale Punkt mit dem gleichen jeweiligen Inhalt wie der Raum aber im Wesen als mit sich selbigem weiterhin Punkt aber nicht innerhalb des Raumes mit dessen besonderer Korrelation zur Zeit, sondern in einer besonderen eigenen Korrelation zur Zeit, mit der beides ja in einer Einheit und Abhängigkeit bleibt.

Die Frage ist jetzt nach genau diesem Unterschied beider Korrelationen gestellt.
Seite 601
Daß der gleiche Gehalt wie in Zeit innerhalb des Raumes dann als Raumform wie Rot, Oval oder Tisch auftritt, wie dann notwendiger Weise auch in Begriff ist bis jetzt nur als Notwendigkeit verstanden, wobei es jetzt zu verstehen gilt, wie solches geschieht, was sich eben aus jenen Korrelationen ergibt oder was jene Korrelationen ausmacht und verdeutlichen wird, - und zwar von beiden Prausschen Gesichtspunkten aus, wobei der absolute eher ontische Gesichtspunkt unsere private Neugierde bleibt, für die sich Prauss erst später Zeit nimmt.
So sind es dennoch gerade die Einzelheiten, auf die man sich angesichts der fundamentalen Dimension des Grundsätzlichen kaum noch konzentrieren kann, die letzteres am Ende erst glaubwürdig machen.
Daß nämlich dann jener Gehalt als Rot oder Oval oder Tisch ein bestimmter oder bestimmbarer werden kann, muß ja irgendwie durch eine Abgrenzung geschehen, was man sich nicht als Grenzlinie vorstellen darf, die nichts anderes als Fläche ist, die ihrerseits dann wieder eine Abgrenzung benötigte, u.s.w., ist noch nicht klar.
Dabei müssen wird unterscheiden, wodurch etwas abgegrenzt wird und wogegen.
Es folgt die sehr einfach scheinende Schlußfolgerung, daß Fläche niemals durch Fläche abgegrenzt werden kann, was zu einem unendlichen Regreß führt, sondern immer nur durch eine Linie, wobei aber niemals etwa eine Linie auch gegen eine Linie abgrenzen kann, sondern nur gegen eine andere Fläche. Eine neue Überlegung, derentwegen ich im vorigen Satz eher das "andere" unterstreichen und betonen würde.
Seite 602
2. Absatz
Hier tauchen in neuer Funktion die Dimensionen wieder auf, die mir noch immer unverdaut und unverstanden unangenehm im Magen liegen, - und damit zugleich die Hoffnung, daß sich hier auch ein Verständnisweg eröffnet, die vielen offenen Fragen dazu neu zu sehen.
Vorerst aber gilt es festzuhalten, daß eine Form, ob Rot, Oval, Tisch oder auch Mensch nicht selbst die Abgrenzung nach Außen ist, - wie etwa durch die Haut, die wohl flächenartig aber letztlich immer noch Körper ist.
Grenze von Körpern ist also Fläche, Grenze von Fläche aber Linie.
Also kann Form der Grenze von Gehalt immer nur ideale Linie sein
 - mit der weiteren Schlußfolgerung,
daß Gehalt letztlich immer nur gegen Gehalt abgegrenzt und damit bestimmt wird.
Klar.
2. Absatz, 2. Satz
Hier jedoch tauchen die gleichen Bauchschmerzen wieder auf: Wieso soll ideale Linie, die ja durch Negation der Zeit mit Gehalt entsteht, keinen Gehalt mehr enthalten? Aber es ist ein Mißverständnis meinerseits. Im nächsten Satz verschwinden die Bauchschmerzen: sie muß also Gehalt enthalten, um die entsprechende jeweilige Grenzlinie überhaupt sein zu können, aber sie kann, da noch nicht Raum, keinen eigenen etwa linienförmigen Objektgehalt enthalten, und, und das ist der nächste neue Gedanke:
sie kann keinen eigenen Gehalt, also keinen linienförmigen Gehalt etwa enthalten, sondern sie ist immer nur mit dem anderen Raumgehalt zusammen dessen jeweilige Grenzlinie.
Eine sehr wichtige Feststellung.
Begrenzung kann ebenso nur von Gehalt gegen anderen Gehalt stattfinden. Man ahnt, daß, angesichts der Bauchschmerzen bezüglich der Dimensionen, hier eine ganz grundsätzliche Vertiefung möglich sein müßte. Man müßte oder könnte von dem eingegrenzten und ausgegrenzten Gehalt sprechen, - wobei hier bei Prauss noch offen ist, was als Nichtgehalt ausgegrenzt sein könnte und was und ob nicht.
Wir gehen davon aus, daß ausgegrenzter Gehalt immer auch ein anderer Gehalt ist,
3. Absatz
der immer auch ein qualitativ anderer sein muß und nicht nur ein quantitativ anderer, weil solche Grenzlinie in diesem Fall einen eigenen qualitativen Gehalt haben müßte, was in dieser Eindimensionalität nicht möglich ist.
Seite 603
Und was für Gehalt oder Inhalt gilt, gilt entsprechend für die Form.
Der Unterschied zwischen der Abgrenzungsproblematik wird deutlich, wenn man geradlinige Formen unterscheidet, was nur möglich ist, wenn sich deren Inhalt unterscheidet,
wobei man bei einem Dreiecksinhalt in der Geometrie die Figur als eben nicht geradlinig nicht als gleich verstehen kann.
(Aber ich kann mir das Ausgegrenzte z.B. bei einem geradlinien Dreieck nicht als nichtgeradlinig vorstellen sondern nur begrifflich als Gegensatz denken.)
 

Ein Quadrat kann natürlich nicht durch ein Quadrat begrenzt werden.
Seite 604
Eine Vertiefung der Dimensionsproblematik findet nicht statt, sondern die Weiterführung des Gehalts und der Form durch den Raum, in dem nur Form und Gegenform, Gehalt und Gegengehalt eben bedingt durch die Eindimensionalität der Linie sich unterscheiden läßt, wobei sowohl Form wie Gegenform durch die Affektion bereits in der Zeit gegeben sein muß, und nicht etwa durch die Begrenzung erst entsteht.
Seite 605
Die irrige Überlegung, daß jeweils Form und Gegenform, Gehalt und Gegengehalt durch die Struktur der Zeit als Punkt mit sich selbigem und Punkt mit sich anderem entstünde,
 
 

Seite 606
führte dahin, Gehalt und Form innerhalb des Raumes als Folge einer Zeitanalyse und nicht als Synthese von etwas Neuem zu verstehen, was ja gegen die Einsheit von Zeit und gegen die Unteilbarkeit der Subjektivität überhaupt verstoßen würde.
Darüber hinaus oder dem vorweg kann innerhalb der Zeit, also der ersten Stufe trotz vollständiger Affektion so etwas wie Grün, Süß, Hell und was immer an Gehalt später erst auch im Raum auf der 2. Stufe Form annimmt noch gar nicht erscheinen und entsprechend auch noch nicht voneinander unterschieden werden.
2. Absatz
Wieder habe ich gegen ein Schwindelgefühl anzugehen angesichts der fundamentalen Grundsätzlichkeit dieser Einsicht: ist doch gerade all das, was durch die Koordinaten Zeit und Raum jedem Affektionsgehalt erst hinzugetan wird, auch genau das, wodurch unsere Wahrnehmungen erst berechenbar werden, nicht nur betreffs aller Gesetze, die wir z.B. in einem Dreieck kennen, sondern auch die Frequenz der Töne in der Musik wie die Effekte der Farben, und dies nicht nur auf jedem Bild, im Regenbogen und überhaupt als Licht und Gesicht, sondern als die eigentliche Orientierung in dieser Welt.
Aber konkret ist schließlich alles, was sich messen läßt, als "Zugleich in irgendeiner Form gebunden.
Selbst in Zeit.
3. Absatz
Die Frage nach unserer noumeaischen Wirklichkeit leuchtet in diesem ersten Satz auf: In welchem Sinn auch immer diese Affektionsergebnisse entsprechend grundverschiedene sein sollten ** *", wie sie dies dann in Form eines materielosen Punktes tatsächlich sind, ist eben nicht vorstellbar; ganz sicher aber nicht
und damit kehren wir zum Prausschen Gedanken zurück, als Farb- oder Formgehalt.
Seite 607
Der erste Absatz drängt, von einem widersinnigen Zugleich in einem aktualen Punkt von Zeit zu sprechen, nämlich Zugleich von Form und Gegenform, Rund- und Nichtrundform, was Prauss natürlich nicht tut und bloß vermeidet, wobei er aber meint, daß hier im aktualen Zeitpunkt Form und Gegenform eben nicht räumlich auseinander sein könnten, was überhaupt nicht zu denken ist, eben etwas "unauflösbar Widersprüchliches.
Worauf es hier aber ankommt ist, daß alles, was sich auf der 2. Stufe als Gehalt in Form und Gegenform bildet, "irgendwie" im aktualen Punkt der Zeit als Affektionsergebnis erst vorhanden sein muß, und immer auf solches in der Zeit zurückgeht.
Wenn man „Rot" sagt oder denkt ist ja darin oder damit zugleich immer gesagt oder gedacht Nicht-nicht-Rot, (obwohl damit nicht hergeleitet ist warum, sondern erst nur, daß, und warum dies nicht aus der analysierten Struktur der Zeit resultieren kann und nur erst im Raum sinnvoll und real sein kann und nicht schon auf der 1. Stufe.)

Seite 608
Im 1. Absatz grammatisch etwas kompliziert verpackt bedeutet "****nichts anderes als, sondern dasselbe wie ****", daß irrtümlich angenommen innerhalb der Zeit Form und Gegenform als zwei Gehalte bereits so voneinander getrennt wären wie auf der 2. Stufe, und dort nicht etwas anderes, sondern bereits dasselbe sind, wie auf der ersten Stufe, ein Mißverständnis, das dadurch entstehen, da natürlich der Gehalt der 1. Stufe wie der Gehalt der 2. Stufe auf das gleiche "Affektionsergebnis" zurückgeht, was im
2. Absatz klar wird, und zwar in dem Sinne, daß erst durch diese Trennung von Form und Gegenform jener Gehalt ein Bestimmter wird.
3. Absatz: Was aber eben erst im Raum möglich ist. Abgrenzung von anderem als Bestimmung kann also erst auf der 2. Stufe stattfinden. Wenn man sich fälschlicher Weise denkt, daß die Abgrenzung bereits in der 1. Stufe also bereits in der zeitlichen Gehaltsform und noch vorher, bereits in der Affektion enthalten ist, also durch die Affektion vorgegeben, gerät man in die typisch illusionäre, zirkuläre, empiristische Widersprüchlichkeit, als seien Zeit und Raum nur Entschlüsselungsprogramme durch die uns eben diese Zeit und dieser Raum analytisch als etwas innerhalb der Affektion entschlüsselt würde und was dann entsprechend auch für Form und Gegenform zu gelten hätte.
Seite 609
Bestimmbares ist also immer etwas Synthetisches.
1. Absatz
Betont wird hier, daß eben nicht nur der Gegenstand oder die Form, sondern auch das, wogegen sich solches Abgrenzt, zur Bestimmung gehört.
2. Absatz von Unten
"**** wenn Anschauung in Form auch noch von Raum zur deutbaren wird ****, bei all diesen Formulierungen ist das Verhältnis des Gehalts in der Zeit zum dem deutbaren Gehalt auf der 2. Stufe, die ja beide zusammengehören, erst später, wenn es um die Beharrlichkeit geht, das Thema und ist hier noch erst ausgeklammert und muß bei allem als anstehende Frage beiseite gelassen werden. Wie gerade in diesem Absatz deutlich in gleicher Weise die nächste Stufe: Denn die bis hierhin entwickelte nur "deutbare Anschauung" ist natürlich schwer vorstellbar, wenn Rot, Rund, Tisch oder Mensch bereits als Deutbarkeit entwickelt ist, obwohl noch nichts Rotes, Rundes, und noch kein Tisch oder Mensch da ist, wohl aber dies Teilergebnis der Affektion. Man kann sich dieses eben nicht wie einen mechanischen Vorgang denken, sondern, wie Prauss bereits beschrieb, eher wie die Struktur von logischer Richtigkeit, wie wir sie uns in einem Dreieck denken, wo z.B. die Halbierung einer Höhe logisch erst nach der Konstruktion einer Höhe möglich ist, obwohl alle Dreiecksgesetze zeitlich in einem und nicht erst nacheinander da sind und gelten.
Das die Anschauung „Rot" selbst nicht rot ist, also kein Gegenstand ist, der rot angestrichen ist,
Daß es sich bei solcher Unterscheidung durchaus nicht um eine unwirkliche Kunstwelt handelt sondern um unsere Wirklichkeit, demonstriert Prauss hier wiederum sehr schön, wie eigentlich mit seiner ganzen Entwicklung des Systems, daß er klarlegt, wie der feine und doch ganz prinzipielle und grundsätzliche Unterschied zum normalen Bestandteil der Alltagssprache gehört: daß z.B. das Attribut als das Gegenständliche nicht auch der Gegenstand selbst ist, sondern erst nur sein könnte, sondern daß beides ganz unterschiedlicher Bedeutung und sprachlicher bzw. gedanklicher Funktion aber als solches Wirklichkeit unserer Sprache und gedanklichen Orientierung ist, wie anders Zuckrigkeit eben nicht gleich Zucker ist.
Die Frage bleibt, ob die Struktur, soweit und sowie sie auf der 2. Stufe entwickelt ist, auch in unserem Denken und Sprechen auftritt, - da ja von hier aus die großen philosophischen Kontroversen und Mißverständnisse ihren Anfang zu nehmen scheinen.
Seite 610
Gegenständlichkeit als deutbare Anschauung hier auf der 2. Stufe ist nicht der Gegenstand jener 3. Stufe, ist aber auch nicht der Gehalt innerhalb der Zeit, also der ersten Stufe, wo solcher eben noch nicht deutbar ist. Die Deutbarkeit entsteht eben nicht durch die Analyse des Gehalts der 1. Stufe, sondern synthetisch durch das im Raum durch Räumlichkeit Gegenständlichseinkönnen.
Hier im Zusammenhang erklärt Prauss, daß gerade solche Unbestimmtheit auf der Grundstruktur von Bestimmtheit, Nichtgrün eben auf möglichem Dochgrün basiert.
Zugleich eben dadurch, - und das ist für das Spätere wichtig, ist Wahrheit im Sinne von Erkenntnis überhaupt nur möglich, womit wir das Sicherheitsgeländer unseres Steges wieder anfassen: Zuckrigkeit bedeutet nicht schon Zucker und Gegenständlichkeit kann auch Malerei sein, - derart ist Bestimmbarkeit der 2. Stufe eben erst deutbare Anschauung und deutfähiger Begriff, die aber eben zur Bestimmtheit wie zur Unbestimmtheit führen kann.
Seite 611
(Letzter Absatz 611 bis 612 Einfluß auf unser Denken:„ . . die ursprüngliche Möglichkeit für das, was Ihnen implizit als Widersprüchlichkeit zu gelten pflegt.")
Hier spricht Prauss deutlich aus, daß und wie die Struktur der Erkenntnis auch die Weise von weit komplexeren Gedankengängen bestimmt, bzw. erst möglich macht, wie z.B. die Denkmöglichkeit, daß ein Ding nicht existiert.

Und an der feinen Nuance in den Formulierungen sehen wir, daß Prauss hier nicht einfach einige weitere Betrachtungen aneinanderreiht, sondern weiter zielstrebig zum Kern der Sache treibt: Denn nicht nur das Bestimmtseinkönnen, sondern gerade das zugleich Unbestimmtseinkönnen ist hier das Tor, womit dem Menschen die Frage nach der Wahrheit nicht nur immer gestellt bleibt, sondern ja auch erst möglich wird.
Denn auch diese Reflexion als Einsicht und weitere Frage, daß die Gesetze der Mathematik und der Geometrie wie nicht anders die der Physik und der Biologie nur Regeln unseres Denkens sind, gehört am Ende mit zu dem, was wir gerade durch die Offenheit auf dieser 2. Stufe wie durch ein Tor oder Fenster hindurch sehen oder zumindest fragen können - oder auch nur unsicher sein können.
Was auch am Ende des 2. Absatzes hier wie auch bereits auf Seite 573 auch dort am Ende des 2. Absatzes anklingt.
Leicht mißverständlich ist dies hier jedoch nicht gemeint. Mit der Negation wird nach meinem bisherigen Verständnis ja nicht die Zeit mit ihrem Gehalt aufgelöst und in die räumliche Form verwandelt, sondern sie bleibt mit ihrem unbestimmbaren, undeutbaren Gehalt zwar nicht als Dauer aber als immer neuer bestehen. Zu diesem hinzu kommt mit jener Negation als jene Synthese nun Raum und der darin nun deutbare Gehalt auf der einen Seite und der entsprechend aber in Punktform deutfähige Begriff auf der anderen Seite.
Dieser deutbare Gehalt "tritt in der "Grundform von Bestimmtheit auf ".Er bleibt aber als ein nur bestimmbarer von möglicher Unbestimmtheit oder auch möglicher Unbestimmbarkeit.
3. Absatz
Ein neuer Begriff wurde damit eingeführt mit dem Wort "Grundform". Gemeint ist damit die durch Räumlichkeit prinzipiell mögliche Deutbarkeit die immer etwas Bestimmtes intendiert, auf Erfolg hin aus ist, solchen aber verfehlen kann.
Natürlich kommt der unbestimmte Affektionsgehalt aus der Zeit
Seite 612
und er behält - etwas schwach begründet - von da her die Möglichkeit zur Unbestimmtheit auch im Raum noch (Rechnung tragend), aber eben in der Grundform der Bestimmtheit.
Wenn Prauss hier dann im
2. Absatz letzter Satz
 von "muß" spricht, meint er aber eben nicht die Unbestimmtheit des Zeitgehaltes quasi als "rückverlegte" Vaterschaft, insofern als Gehalt und Gegengehalt von der ersten Stufe her bereits "gegeben" sein könnten, sondern die Logik von Bestimmbarkeit überhaupt, die letztlich dann sowohl von der Wirklichkeit des Objekts wie von der Richtigkeit der Intention abhängt.
Seite 613
Im Vorverweis deutet Prauss die Tragweite dieser prinzipiellen Offenheit an, in der gerade durch die Bestimmbarkeit auf der 2. Stufe das Urteil über Bestimmtheit und Unbestimmtheit zwar auf einer nächsten Stufe notwendig, aber zugleich ja auch erst möglich wird.

Die bisher schwache Begründung dieser Möglichkeit wird jetzt im 2. Absatz
und auf den folgenden 40 Seiten von ihrem "Ursprung her" angegangen.
2. Absatz
Bestimmbarkeit setzt also die mögliche Bestimmtheit ebenso wie die mögliche Unbestimmtheit voraus, wobei die Bestimmtheit oder die Widerspruchsfreiheit den "Vorrang" hat, das heißt bei Prauss: immer zuerst angenommen wird.
Die rein logisch begründete Struktur einer Bestimmung und zwar
1. als Unterscheidung von Anderem, wie rot gegen nicht rot und
2. als Abgrenzung gegen anderes,
wie es in der dadurch deutbaren Anschauung erst im Räumlichen möglich ist, wobei das jeweils andere als Gegengehalt zum Gehalt dazugehört, muß eine Entsprechung auch im Begrifflichen haben, wobei die Entsprechung aber nicht das Räumliche als das Zugleich sein kann, als das Zugleich von Form und Gegenform, weil Begriff wie Verstand keine räumliche Ausdehnung hat, und deswegen wie die Zeit punktförmig ist. Das entsprechende Begriffliche müßte also irgendwie in der Form des Zeitlichen auftreten.
Seite 614
Als Irrweg würde sich die Vorstellung erweisen, daß solche Entsprechung als ein Zugleich von Form und Gegenform als z.B. rot und nichtrot auch im Begrifflichen möglich wäre. Es müßte dann jeweils zusammen mit dem Widerspruch quasi als Doppelbegriff auftreten, was aber auch dann als Zugleich nur im Räumlichen möglich und denkbar wäre, was aber für den Begriff nicht möglich ist.
Seite 615
Begriff als das andere punktförmige Pendant der räumlichen, deutbaren Anschauung muß also eine in anderer Weise weiter ausgestaltete Struktur des Zeitlichen sein. Das bedeutet von der Grundstruktur der Zeit her, daß auch Begriff im Wesen sowohl als zu sich selbigem wie auch als zu sich anderem aufzutreten hat, weswegen sich beides eben nicht auf zwei Begriffe wie Rot und Nichtrot wie auf zwei Punkte zu verteilen.
Letzter Absatz, 3. Satz
Was hier nicht zutrifft, bezieht sich auf "von vornherein" und jenes "nur widersprüchlich", als Form und Gegenform als der Widersprüchlichkeit wie in der Anschauung immer auftritt.
Ohne Zweifel ist dies sehr leicht mißverständlich formuliert, wenn anschließend ohne genauen Rückverweis und nur mit einem "wie bereits erwähnt" begründet, jenes dennoch dann als zwar möglich quasi wieder eingeräumt wird mit der Einschränkung "doch nicht notwendig".
Die Problematik wird jedoch sofort umrissen, daß solche Widersprüchlichkeit innerhalb des Begriffs nur auf Widerspruchsfreiheit beruhen könne.
Und die weitere erst allgemeine Begründung geht nun wieder aus von dem 2. Prausschen Standbein, nämlich mit der "Herleitung" (Seite 617, 2. Absatz) der bekannten sprachlichen Wirklichkeit als dem sichtbaren Ergebnis, - und weniger von der Ableitung aus der Struktur des Systems, insofern nämlich, als Bestimmtheit nur auf Widerspruchsfreiheit beruhen kann, die als Grundform von Bestimmtheit jeder Widersprüchlicheit noch zugrunde liegen muß, weil es sonst zu einem unendlichen Regreß käme, nämlich zur ständigen Widersprüchlichkeit.
Seite 616
Unheimlich und zugleich faszinierend ist, daß hier am Ende einer derart hochkomplexen Struktur schließlich eine ganz einfache Logik zum Ergebnis führt:
Daß nämlich deutbare Anschauung im Raum zur Bestimmung den jeweiligen Gegengehalt benötigt, während der Begriff eben nur ohne einen solchen Gegenbegriff zur Bestimmung, d.h. genauer zum Bestimmen taugen kann aber als diese ursprüngliche Bestimmtheit nur zusammen mit Anschauung,
        Gegenanschauung
     nichtrot wie ein Schalter
     rot   Anschauung
Seite 617
und so nur indirekt als z.B. "rot" und nicht "nichtrot" den Gegengehalt mitbetrifft, wobei Letzteres gegenüber dem genannten oder gemeinten "rot" in den Hintergrund tritt, und zwar nicht als Gegenbegriff, sondern nur als Gegengehalt der deutbaren Anschauung.
Seite 618
Unheimlich einfach letztlich jedoch deshalb, weil Prauss hier vom uns vertrauten Ergebnis ausgeht, als dem wir mit dem Begriff in der Praxis eben nur das meinen, was der jeweiligen deutbaren Anschauung entspricht, wohin wir aber erst kommen müssen. Offen ist ja noch, inwiefern der Begriff als Bestimmung den Gehalt und z.B. nicht den Gegengehalt oder die Abgrenzung trifft, was wir ja durchaus alles auch formulieren können, und auch, wie solches zugeht.
Und in weiter Beziehung ergibt sich entsprechend - nunmehr wieder aus dem System heraus - daß ein Übergang zu einem Gegenbegriff des jeweiligen Gegengehalts, d.h. dann auch immer zu einem anderen Begriff kommen muß und dazu Zeit benötigt, wie es der Grundform des Begriffes, dem Punkt als Nacheinander entspricht.
Seite 619
Der erste Satz klingt wie eine Mutmaßung, - als wie es nicht anders sein kann: nämlich, daß Begriff als dieser aktuale Punkt nur etwas innerhalb der Zeit sein kann - und nicht nur Zeitform hat; - was sich später mit vorigem decken wird, insofern, als Begriff eigentlich Verstand ist.
Nur daß hier, bei dieser Stufe der Prausschen Entwicklung ein wenig mechanistisch der bestimmte also aktuale Zeitpunkt mit seinem bestimmten aber noch unbestimmbaren Gehalt samt Gegengehalt als die Affektion durch die nur diesen Zeitpunkt mit dieser Affektion betreffende Negation zu der Räumlichkeit führt für eben auch nur für diese dann aber bestimmbare Vorstellung einerseits und andererseits zugleich als Gegensatz zu dieser bestimmten Ausdehnung zu dem genau passenden Begriff führt, der diese Anschauung bestimmen kann. Was nun als Thema ansteht.
Prauss sagt dieses kürzer und leichter verständlich, nur daß ich hier die Betonung sofort bereits auf den vom Ursprung her überall gleichen Affektionsgehalt lege, was Prauss erst im nächsten Satz
Seite 620, 2. Absatz
tut.
Nun vergleicht er den unbestimmten und unbestimmbaren Affektionsgehalt innerhalb der reinen Zeit mit dem bestimmenden oder deutfähigen Begriff, der aber nur dadurch deutfähig ist, weil auf der Gegenseite im Raum jener Gehalt deutbar zur Verfügung steht.
Solches Verhältnis darf man sich zur Vereinfachung als ein räumliches Gegenüber vorstellen, was es natürlich nicht ist. Hier steht der Begriff dem Räumlichen gegenüber! Er befindet sich also im Außerräumlichen, was eben nicht vorstellbar sondern nur denkbar ist. Trotzdem denke ich hier an die mögliche Gedankenübertragung, die unabhängig von jeder Entfernung ohne Zeitverzögerung stattfindet, wie nicht anders der Mensch seit Menschengedenken das Gebet zu einem fernen Gott im Himmel spricht, ohne auch nur im geringsten an eine Laufzeit der Informationsübertragung zu Gott hin zu denken. Es handelt sich also um keine weltfremde Theorie, sondern um eine uns Menschen seit immer benutzte, vertraute Denkkonstellation. Wenn Prauss überhaupt mit einem Standbein immer wieder von der Wirklichkeit ausgeht, die von der Theorie her ganz unwahrscheinlich ist, nicht nur von solcher vielleicht ja fragwürdigen Denkgewohnheit, aber grundsätzlich z.B. von der Tatsache eines möglichen Gedankens überhaupt, dann geht er natürlich unvermeidlich von einem quasi vorweggenommenen Ergebnis aus, das aber keinesfalls damit bloß ein Wunschergebnis ist, sondern kaum bestreitbare Wirklichkeit. Natürlich sollten wir uns hüten, über diesen Weg die Wirklichkeit Gottes etwa beweisen zu wollen, sondern, wir könnten derart bestenfalls den Beweis einer Nichtexistenz Gottes entkräften.
Unvermeidlich und kaum mehr aufzuhalten oder zu verhindern ist dagegen eine anstehende neue Definition von Raum, Bewegung und Geschwindigkeit und zwar auf dem Fundament der Prausschen Definition, wozu dann auch ein neues Verständnis der Lichtgeschwindigkeit und zwar als eine menschliche Eigenschaft gehören wird.
Dem Gedankengang könnte die Vorstellung zugrunde liegen, daß es sich jeweils um einen Ablauf oder um jeweils einen in sich geschlossenen Vorgang handelt. Affektion bedeutet die Summe aller Sinneseindrücke, die jedoch in der Zeit noch unbestimmt und unbestimmbar sind und als Verstand nur erst Bewußtsein bedeuten, - wobei man sich praktisch von einem Teil des gesamten Vorgangs ( über die Stufen ) zum anderen keinen Zeitablauf denken darf, aber eben auch nicht, daß es sich bei diesen Sinneseindrücken, also der Affektion bereits um gewisse Bilder handelt, sondern, was dort an Affektion ist, werden wir nicht wissen können. Und zwar nicht nur deswegen, wie im folgenden Absatz betont wird, weil auf der ersten Stufe noch keine Bestimmung möglich ist, weil gewissermaßen für die fertigen Bilder noch kein passendes Vorführgerät zur Verfügung stünde, sondern, weil sowohl die zeitliche wie die räumliche Ebene in der Affektion noch nicht enthalten ist, so daß wir uns Daten ohne Zeit und Raum vorstellen müßten, was nicht geht. Ohne aber dieses Noumena zu meinen, wenn Prauss von der Unbestimmbarkeit und Widersprüchlichkeit spricht, wäre auch die bereits in der ersten Stufe gewissermaßen zeitlich aufgenommene Affektion, die noch unbestimmbar ist, niemals von der 2. Stufe durch Rückschlüsse in ihrer Unbestimmbarkeit zu erkennen, insofern nämlich, als es hier noch nicht eine bestimmte Art von Unbestimmbarkeit geben kann.
Seite 621
Dem Gedankengang der folgenden drei Seiten legt sich nun ebenfalls unvermeidlich eine Hilfsvorstellung zugrunde, die nur dann und zwar zu den Zenonschen Fehlschlüssen und Widersprüchen führt, wenn sie nicht als solche wieder zurückgenommen wird: Die ganze Entwicklung bei Prauss strebt nun immer mehr auf das tatsächliche Objekt hin, das sich einerseits im Sinne der bisherigen Entwicklung herausbildet, das andererseits als gelungene Deutung der Außenwelt wahr ist. Und zwar handelt es sich um die Vorstellung von durchgehenden Affektionssegmenten, nennen wir ein solches Segment Nr. X "Tisch, rot, rund samt Kontext", das uns
1. aus der Außenwelt erreicht, wobei wir uns aber nicht einen roten und runden Tisch zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort als Ursprung der Affektion vorstellen dürfen, dessen Daten wir bekommen, sondern das unbekannte Noumena noch ganz außerhalb von oder ohne Zeit und Raum. Die Affektion ist weder spürbar noch wahrnehmbar noch deutbar, sie enthält aber alle Voraussetzungen aus denen später Tisch und Nichttisch, rund und nichtrund, rot und nichtrot gebildet werden kann.
2. 1. Stufe in Form von Zeit: Diese Affektion wird nun quasi in einen Zeitpunkt verpackt, womit ein Bewußtsein als Ich und Nichtich entsteht, aber noch ohne Vorstellung von einer Außenwelt sondern nur von "Ich" als "wirklich werden Wollen und nicht Können", wobei dieses "nicht" ein erstes "Nichtich" ist.
3. 2. Stufe, a in Form von Raum und Zeit: Die Affektion erhält durch die spezifische Negation Räumlichkeit und als solche erst auch Zeitlichkeit in Form von Jetzt und zwar noch immer erst als deutbare Anschauung als Möglichkeit einer Außenwelterkenntnis.
4. 2. Stufe, b in Form von Zeit als Gegensatz zu Raum: Zugleich wird die gleiche zeitverpackte Affektion durch die gleiche Negation auch noch zu Begriff.
5. 3. Stufe: Bei einer gelungenen Deutung dann zu der Erkenntnis: "Dies dort an jenem Ort und zum jetzigen Zeitpunkt ist ein roter, runder Tisch."

Dieses Segment Nr. X bestehend aus 1. bis 5. hat also eine Affektionseinheit, ein Bewußtsein, eine Zeit und einen Raum und verschwindet nach einem solchen Vorgang, um von einer neuen Affektion Nr. Y samt einem neuen Vorgang Nr. Y abgelöst zu werden.
Mit solcher Vorstellung wird die widerspruchsfreie  Zuordnung einer deutbaren Vorstellung zu einem deutfähigen Begriff logisch verständlich, denn für diesen Begriff kann es praktisch gar keine andere Vorstellung geben und für diese Vorstellung keinen anderen Begriff.
Im Sinne dieser Hilfsvorstellung müssen wir auch die Formulierung "mit der Zeit einhergehend" verstehen, wobei wir die Segmentierung jedoch spätestens vom Nr. 2 an wieder zurücknehmen müssen, falls wir nicht widersinniger Weise das Vorzeitliche bereits in Zeitsegmente einteilen wollen.   Anschauung
      Raum Rot  Nichtrot
622
  Zeit     quer der Schalter
       rot
    zweite Stufe  Begriff  3. Stufe
Seite 623
Entsprechend wird von Prauss denn auch jener Doppelpunkt zurückgenommen, den ich als Kennzeichnung für den Begriff genommen hatte: Als nur ein Punkt bedeutet dieses, daß mit der Negation der Zeit Zeit zu Raum auf der einen Seite Zeit zu Begriff auf der anderen Seite wird.
2. Absatz.
Die Auflösung, die man irgendwie nicht anders erwartet hat, und eigentlich viel komplizierter strukturiert ist, vereinfacht sich durch eine neue Formulierung, die allerdings ein Umdenken erfordert. Wenn bisher "jeweils Raum und Gehalt mit Zeit einhergeht", geht nun das negierte Zugleich der Zeit - und zwar als Begriff, - mit der negierten Ausdehnung der Zeit (als Nichtzugleich), also dem Raum (als Zugleich) einher: also dem immer neuen Raumgehalt ein immer entsprechend neuer Begriffsgehalt.

Somit vollkommen zurecht "geht jetzt Zeit mit Raum einher" - natürlich weiterhin mit der Einschränkung, daß solches eine Hilfsvorstellung ist.
Seite 624
Begriff als Punkt schließlich nur noch als mit sich selbiger, - mit Raum einhergehender.
2. Absatz
Zeit, Raum und Begriff nunmehr als Einheit und somit auch nicht mehr als Vorgang.
Seite 625
1. Absatz
Wie sieht in dieser komplexen und nun mehr statisch zu verstehenden Struktur an jeder Stelle der Gehalt aus? "Denn daß Gehalt in bloßer Form von Zeit nur unbestimmt ist, liegt gerade daran, ************, daß er wie sie selbst nur ebenso entsteht wie vergeht, indem er wie sie selbst nur Nacheinander bildet, sprich: nur aktualen Punkt mit aktualer Ausdehnung ineinem oder aktualen Punkt als mit sich selbigen wie zugleich als zu sich anderem  ************".

In der Gesamtstruktur erscheint dann durch die Negation der Gehalt praktisch als Mehrfachpiegel- oder Prismabild und wird dadurch erkennbar oder deutbar. Was im Folgenden genauer und vor allen Dingen in Relation zu bestehenden Theorien aufgeschlüsselt wird.
Wichtig ist mir dabei vor allen Dingen, daß nun die Begriffe "Punkt" und "Negation" nicht mehr derart mathematisch und geometrisch erscheinen, die als solche leicht mißverständlich und überstrapaziert wirken, sondern nun eher wie Scheide- oder Bruch- oder Projektionsstellen als logische Folgerungen oder Funktionen wirken.
2. Absatz
Genau dieses wird hier nun konsequent angewandt: Der so also räumlich gestalteten Anschauung z.B. von Rot und dieses dort getrennt von Nichtrot, tritt nun in Zeitform der passende Begriff "rot" gegenüber und zwar zugleich als unpassender, nicht gemeinter, entsprechend und zwar zeitlich "gesondert" von Nichtrot der gleichen Anschauung als dem dafür notwendigen anderen Begriff, und ist damit als rot bestimmbar, wenn man das Rote meint. Natürlich fehlt zur letzten Bestimmung nun die 3. Stufe.
Worauf es hier jedoch vorerst ankommt, ist die widerspruchsfreie Bestimmbarkeit und noch nicht die Bestimmung selbst, - wie es auf Seite 527 im 1. Absatz ausgeführt wird.
Seite 526
Neu ist die Formulierung, daß Begriff nicht nur in Zeitform sondern als Zeit auftritt.
2. Absatz
bis hierhin ist alles klar und schlüssig, wenn man voraussetzt, wie ich es tue, daß erst auf einer 3. Stufe durch die Intention recta entschieden werden muß, was ich von Anschauung und Gegenanschauung begrifflich meine.
Widersprüchlich - nämlich ohne solche Voraussetzung - ist diese Zuordnung insofern, als das Zugleich von Anschauung und Gegenanschauung im Raum ja mit der gleichen Zeit und dem gleichen Gehalt des Begriffs in Zeit und Punkt auftritt, so daß bei einer zeitlichen Unterscheidung und damit Trennung der Begriffe für Gehalt und Gegengehalt jeweils mindestens 2 Begriffszeiten für die eine gleiche d.h. entsprechende, räumliche Anschauung bestünden, - in der Praxis dann aber viel mehr, weil der gesamte Kontext begrifflich jeweils einzeln meinbar ist. Das heißt, daß letztlich das, was ich erkenne, nicht nur passiv durch jene Affektion mit mir geschieht, sondern und zwar nicht nur durch mich in Zeit und Form und Gehaltweise, wie Farbe, Temperatur, Geschmack erst gestaltet wird, sondern durch den Begriff als Zeitpunkt von allem gesondert auf der nächsten Stufe aktiv gewollt erkannt wird, wie es "intentio recta" beinhaltet.
Seite 627.
Unabhängig davon, daß solches ungenannt noch irritieren könnte, behält der letzte Abschnitt der vorigen Seite mit dem 1. Absatz dieser Seite seine ungeheure, copernikanische Wucht: Denn erst jetzt erscheint die Zeit und zwar mit dem festen Bezug zum Raum und durch den festen Bezug zur Anschauung im Raum als Begriff und Zeitpunkt oder mit dem Begriff in der Wirklichkeit oder als vertraute Wirklichkeit oder Gegenwart, einer Zeit, die wie Prauss im letzten Satz ausführt, natürlich in der "intention obliqua" als abstrakte nicht erfahrbare als ursprüngliches Fundament als Bewußtsein der 1. Stufe schon "von .Anbeginn " thematisiert ist.
2. Absatz
Aber in dieser Zeit ist neben dem Begriff und neben dem aus ihr durch diese Negation bestehenden Raum mit deren jeweiliger Zuordnung "Rotanschauung" zu "Rot-Begriff" zugleich immer noch auch der Gehalt in der ursprünglichen Unbestimmbarkeit als das Gegebene enthalten.
Daß der Gegenstand als wirklich anderes als Anschauung und Begriff dann rot, rund und Tisch ist, klingt natürlich sehr ungenau und mißverständlich und wird später als "das Objekt" sicher noch genauer bezeichnet. Gelten lassen kann man, daß der Gegenstand etwas anderes ist als Begriff und Anschauung, worum es hier auch geht, als das nämlich, was beiden gemeinsam als das in Anschauung und durch Begriff Deutbare.
Die Lösung, daß beide Punkte zusammenfallen, ist die bestdenkbare Formulierung: wo oder wie sollten zwei Punkte bestehen? Klar ist, daß zugleiche beide Funktion oder Eigenarten erhalten bleiben müssen. Und so muß man sich dieses "vor" und "hinter" weder räumlich noch zeitlich denken, sondern vielleicht prismaartig als Scheitelpunkt; wie ja auch Punkt und die räumliche Anschauung nicht räumlich oder zeitlich voneinander getrennt sind, was ja einen zusätzlichen Raum oder/und eine zusätzliche Zeit erfordern würde, sondern sie sind realiter nur logisch unterschieden.
Seite 628
2. Absatz
Genauer ausgedrückt finden wir dieses hier im 1. Satz: "daß aus ihm Gegenstand" für beides "wird", und nicht etwa bereits dort als das nur aufzufindende vorhanden wäre. Natürlich geht man auch von einer noumenaischen Wirklichkeit aus, die, wenn auch nur im Kleid unserer Wahrnehmung erkennbar, aber doch bereits dort und jetzt irgendwie ist, selbst wenn wir auch das Hier und Jetzt streichen, so doch in Bezug als Lebenkönnen vor, in oder um uns ist.
3. d.h. Letzter Absatz
Beim Leser mag hier auch weiterhin der Eindruck entstehen oder bestehen bleiben, als habe er vielleicht etwas im Vorigen nicht verstanden oder überlesen: Wieso nämlich Prauss so sicher bereits von unlösbarer Zuordnung sprechen kann, wo doch die sichere Zuordnung noch gar nicht klar ist, daß mit dem Begriff der Gehalt z.B. "rot" und nicht der in der gleichen Anschauung ebenfalls enthaltene "Nichtrotgehalt" unlösbar verbunden ist, den ich ja durchaus auch meinen kann, und der dann ja nicht mit dem gleichen Begriff "rot" unlösbar verbunden sein dürfte.
Daß für Prauss dieses nicht als Problem besteht, liegt einmal natürlich an dem bisherigen Verlauf der Entwicklung, in dem es ganz klar ist, daß das Gemeinte gemeint ist, nämlich "rot", was sich im späteren dann auch thematisieren wird. Nur unter dieser Voraussetzung fügt sich die ganze Deduktion nahtlos und genial aneinander.
Wenn dieser Absatz dann auch noch den Eindruck erwecken könnte, als enthielte er nichts weiter als eine weitere Variation des bisher bereits 10 Mal gesagten, ja vielleicht sogar noch der, als wolle Prauss eine bestehende Unsicherheit durch Widerholungen totstampfen, so ist der Eindruck ganz falsch, weil mit ihm übersehen würde, daß Prauss ganz im Gegenteil mit Gewalt und geradezu offensichtlicher Ungeduld auf einen neuen Gesichtspunkt hinaus will, der ihm praktisch unter den Nägeln brennt, und den er mit dieser neuen Formulierung dieses letzten Absatzes quasi so recht in die Zange nehmen möchte. Sicher besteht hierfür auch die Schwierigkeit der Formulierung, wie die vielen Kursivbeihilfen zeigen. Gerade diese im Gegenteil drängende Ungeduld ist es denn auch zum anderen, die ihn hier für die mögliche Unsicherheit des Lesers blind macht, so daß Prauss den sonst üblichen Verweis z.B. auf ein späteres Kapitel vielleicht deswegen ausläßt. Vielleicht aber auch, weil diese Problematik indirekt genau in diesem Absatz ja mit thematisiert wird, wenn nämlich das "Andere" (11. und 12. Zeile von Unten) als der "gemeinsame Bezug" von Begriff und Anschauung, als "intentio recta" (letzte Zeile)
Seite 629
als die Überschreitung der Innenwelt als Anschauung und Begriff zur Außenwelt als das gemeinte Objekt in der Gedankenführung mit enthalten ist. Im letzten Absatz der vorigen Seite wird zugleich noch eine Klarstellung ausformuliert, die von ganz grundsätzlicher Bedeutung ist und wegen der Vielschichtigkeit dieses Absatzes leicht zu überlesen ist: Begriff als Zeit und deutbare Anschauung als Raum sind Formen des Gehaltes, keinesfalls aber der Gehalt selbst, - weder einzeln noch gemeinsam, etwa als Summe, obwohl nur beides zusammen eine spätere Deutung des Gehalts ermöglichen, obwohl beide zusammen die Voraussetzung für eine Deutung bilden. Was aber ansteht ist auf dieser Seite 629, daß der Begriff keineswegs etwa wie im Lexikon immer schon bereitsteht und nur auf eine passende Anschauung wartet, worauf er passen könnte, bis dahin aber nur ein Begriff ist wie "Gott" (Seite 630) ohne empirisch wahrnehmbares Objekt.
Ursprung solcher Mißverständnisse mag sein, daß die Bedeutung von Bedeutung, Begriff, Wort, Verlautbarung, Sprache und Schrift nicht klar genug definiert ist, wie es bei Frege zum ersten Mal in der für ihn noch unauslotbaren Tiefe begonnen wurde. Ohne solche Definition, die hier bei Prauss ebenfalls noch aussteht, sollte man vorsichtiger Weise zuerst nur davon ausgehen, daß im Lexikon nur Druckerschwärze auf Papier und genaugenommen nicht einmal Schwärze zu finden ist. Mit dem punkt- und zeitförmigen Begriff kann gleicherweise keinesfalls eine bestimmte Reihenfolge von Buchstaben gemeint sein, und auch nicht der Klang oder die entsprechende Reihenfolge bestimmter Vokal- und Kehllaute.
Wenn im 2. Absatz davon die Rede ist, daß Begriffe nicht analytisch, wie von Kant behauptet, sondern synthetisch hervorgehen oder kommen oder entspringen, wie von Praus deduziert, kann das immer nur in Bezug oder als der Bezug auf das mit ihnen Gemeinte gemeint sein. Daß nämlich hier aus Gehalt und Zeit gebildet und zugleich gesondert von räumlicher Ausdehnung und trotzdem nur in unlösbarem Zusammenhang mit der aus Raum und dem gleichen Gehalt gebildeten und damit deutbaren Anschauung der Begriff nur als hochkomplexe Form eben nur synthetisch sinnvoll verstanden werden kann und als Begriff tauglich ist, ist inzwischen einleuchtend. Analytisch würde eben nicht z.B. der "Tisch", sondern bestenfalls als intentio obliqua die Entwicklung der vorigen 629 Seiten resultieren können, in der "Tisch" nur als beliebiges Beispiel genommen wurde, aber eben als ein beliebiges. Rein verstandesmäßig nämlich ist die Praussche Deduktion als Analyse.
Seite 630, 3. Absatz
Ein neuer Aspekt taucht auf, wenn Prauss von zwei Arten von Begriffen spricht, einer Unterscheidung, bei der die erstere Art, der bisher gemeinte empirische Begriff, nur über die Anschauung Bezug auf ein Objekt hat und auch erst durch die Anschauung entsteht, während es sich bei der anderen Art eben "nur" um ein Wort handelt, auf dessen Art der Herkunft und Funktion, - der "Idee allenfalls" noch nicht eingegangen wird.
Seite 631
Wenn der nicht unberechtigte Eindruck entsteht, daß solche Einführung einfach einer anderen Begriffsart recht unvermittelt und nur so begründet erscheint, weil diese ganz und gar nicht in die bisherige Entwicklung und auch nicht in das System paßt, dann hat man übersehen, daß Prauss, wie gesagt, schon seit 3 Seiten ungeduldig zu der längst fälligen Auseinandersetzung mit der uralten und insbesondere der Kantschen Aussage anhebt und sich damit unter Fachleuten weiß.
Und der letzte Satz zur nächsten Seite zeigt in Zusammenhang mit den Fußnoten, daß selbst in die psychisch/physische Argumentation hinein das Praussche System Hand und Fuß hat, weil nämlich eben auch als bestehendes Wort benutzt im Falle des Nichtgelingens einer Intention, Deutbarkeit und Deutfähigkeit niemals Eigenschaften eines Wörterbuchs sein könnten, die entscheiden könnten, ob etwas nun rund oder oval, ein Tisch oder ein gemaltes Bild von einem Tisch ist. Es ist ja gerade die Erfahrbarkeit eines Gelingens wie genau auch eines Mißlingens von Deutung, wodurch das Empirische des Begriffs gegeben oder bestimmt ist.
Seite 632, 2. Absatz
Gibt eine Erklärung, wie nichtempirische Begriffe gebildet werden: nämlich so, als wären sie empirische Begriffe und als bestünde dort ein empirisches Objekt im Raum.
Und nun, wie unvermeidlich, die Auseinandersetzung nicht nur mit bestehender Philosophie, die für den Laien in der Tragweite und öffentlichen Brisanz kaum zu ermessen sein dürfte, sondern es beginnt jetzt quasi als eine Art "Anwendung", die zugleich Prüfung oder ein Probieren des Prausschen Systems ist einerseits, damit aber ebenfalls zugleich eine Prüfung aller bestehenden Denkgewohnheiten andererseits, und nicht nur Prüfung, sondern Überprüfung mit neuen Kriterien und ist damit nichts weniger als eine Revolution.
Anders und im Alltagsverständnis und leicht mißverständlich formuliert erleben wir auf den folgenden Seiten den Beginn der Anwendung eines neuen Weltverständnisses, was aber insofern mißverständlich ist, als wir unsere gewohnte Schulweisheit, die ja in der Tat als Grundlage unseres Denkens und Handelns ganz reale und damit quasi wertfreie Wirklichkeit ist, als Maßstab für die Richtigkeit des neuen Prausschen Denkens nehmen könnten oder sollten. Und ohne Zweifel unheimlich und schwindelerregend ist es, wenn die oft doch recht verstiegen wirkende hochkomplizierte Theorie nun im gewohnten Geometrieunterricht um einen angemessenen Platz zu kämpfen scheint, als müsse sie sich jetzt an der "Wirklichkeit" messen lassen. Noch elementarer erscheint genau dieses ohne Zweifel schwindelerregend, wenn wir diese philosophische Theorie über Empirie in den empirischen Alltag hineinverlegen, wo wir den lichten, farbigen Raum außer uns sehen und denken, wo wir die Zeit  über unsere private Lebenszeit als hinausgehend und von vor unserer Zeit herreichend erleben, und nun denken sollen, daß Licht und Raum und Farbe wie auch Zeit und Ewigkeit nicht außer uns ist. Und daß auf diesem Hintergrund nicht unsere Schulweisheit die Gültigkeit der Prausschen Gedanken messen könnte, sondern daß umgekehrt unsere Alltags- und Schulweisheit auf den Prüfstand gerät.
Wenn die Gegenargumentation zur bisherigen Theorie des Zweiecks ohne Wissen um den philosophiegeschichtlichen Hintergrund als 1. Beispiel geradezu unpassend scheint, als zudem die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten auch auf einer Kugel eine einzige Gerade ist, nämlich nur durch diesen Kugelraum hindurch und nicht - eben krumm - zweifach auf der gekrümmten Oberfläche der Kugel, es sei denn unter "künstlichen" Voraussetzungen einer nichteuklidischen Geometrie, die "künstlich" beliebig sein können, so betrifft aber - abgesehen von jenem Philosophenstreit - die ganze Argumentation die ungeklärte Grundlage unserer Schulgeometrie, die Prauss auf Kant zurückführt.
Seite 636
Noch immer hoffe ich, daß Prauss seine Entwicklung der drei Dimensionen im Zuge der weiteren Argumentation weiter auszuführen gezwungen wird. Aber ganz ohne solches ergibt sich eine neue und sinnfällige Definition der Geraden überhaupt, und man ahnt eine Widerlegung der seit Euklid und Archimedes (Seite 634, 2. Absatz) gültigen und in sich widersprüchlichen Definition durch die Praussche Begriffs- und Anschauungstheorie:
Die Gerade ist die räumlich eindimensionale Ausdehnung, die ihre Richtung beibehält.
Seite 637, 3. Absatz
Der Vorwurf der Zirkelhaftigkeit, als eine Gerade immer auch eine bestimmte gerade Richtung haben müsse, wobei durch "Richtung" die Gerade bereits vorweggenommen sei, ist insofern unberechtigt, als bei Prauss dabei nicht von einer Richtung die Rede ist, die eine Gerade hat, was natürlich zirkelhaft wäre, sondern, die sie beibehält, wobei der Gegengehalt eben nicht diese Richtung oder eine andere ist, sondern viel grundsätzlicher das Nichtbeibehalten einer Richtung.
Obwohl hier diesem Begriff ganz normal eine Vorstellung entspricht, spürt man bei dieser elementaren Bezeichnung mit der Prausschen Definition im Ohr, die Punktartigkeit oder Zeitförmigkeit des Begriffes in der "Beibehaltung" ebenso wie die erst in der Anschauung mit dem Begriff zugleich oder in Korrelation entstehende Räumlichkeit der Linie überhaupt.
Seite 639 bis 645
In der nun wieder überraschenden Schlüssigkeit einer ganz neuen Definition geometrischer Realität, zu der nun auch die Entwicklung der drei Dimensionen wieder zur Sprache kommt, passen die Prausschen Strukturen wie ein Puzzle, als sei die Geometrie dazu passend gemacht worden, - was natürlich einerseits wiederum auf den Gedanken aufmerksam macht, daß sowohl Geometrie wie auch die menschliche Logik über sie Produkte der gleichen Gattung intelligenter Lebewesen sind, und daß sie eben deswegen passen, - andererseits kann jene Logik über Geometrie trotz allem fehlerhaft sein, wie Prauss auf solche Fehler aufmerksam macht, die seit 3000 Jahren meist unerkannt und unverstanden eben auch dieser Gattung entspringen, - und sie können typische Gattungsfehler sein. Was eine Richtigstellung nun im Wesen d.h. im Sinne von Wahrheit bedeutet, nämlich in diesem Sinne Übereinstimmung von Wesen und Denken herstellen, oder ob nicht mit einer solchen Richtigstellung, wie sich ja z.B. die gesamte "Aufklärung" als Prozeß von Richtigstellung verstand und bis heute versteht, vielmehr nur eine Veränderung des menschlichen Wesens geschieht, was ebenfalls ohne Zweifel seit den vergangenen 300 Jahren der "Aufklärung" zu beobachten ist, deren Dynamik ohne Zweifel auf handfeste Denkfehler beruht, wie Prauss heute feststellen kann. Und dieses, ohne daß Prauss eine solche ja ohne Zweifel positive Entwicklung bestreiten würde noch verhindert haben wollte.
Ersehen läßt sich jedenfalls, daß sich mit Prauss nicht ein Ende der Philosophie abzeichnet, sondern im Gegenteil als der Ausweg aus einer Sackgasse vielmehr der angedeute Beginn mit ganz neuen Aspekten.
Daß der Punkt in der eindimensionalen Ausdehnung nur eine gerade Richtung hat und nicht die Richtung ist und demzufolge zur Gattung eindimensionaler Linie oder zum eindimensionalen Raum gehört und in jedem Punkt die Art der krummen Linie selbst ist, ist vieles auf einmal: Daß aber beides die Gerade und die Krümmung, ersteres als Verständnis und letzteres in der Wahrnehmung keinen Widerspruch bedeutet, ergibt sich aus der Herleitung der Dimensionen: daß nämlich überhaupt die Bildung des Raumes in der Anschauung durch die Negation der Zeit nur einen euklidischen Raum ergeben kann, deren Dimensionen nur gerade zu denken und nur so überhaupt sinnvoll sind, als die Form, in der dann die Anschauung meist oder nur gekrümmte Formen überhaupt wahrnehmen kann.
Und nun kommen endlich Aspekte, die in der Entwicklung der Dimensionen bereits hätten genannt werden müssen und auch hier noch- wie nicht anders in der Fußnote 35 - einer Erweiterung bedürfen, die sich aber immerhin bereits erahnen läßt: wie das immer gedachte 90Grad-Verhältnis der Dimensionen zueinander Voraussetzung für die unendlich vielen Richtungen einer Krümmung ist: wobei als die Voraussetzung unendlich vieler Richtungen euklidischer Raum eben nicht von Geraden aus gedacht werden darf, wie sie bei einem Würfel, der immer nur ein Körper innerhalb des Räumlichen sein kann, zur Definition der drei Dimensionen benutzt werden, und wobei die 90 Grad der aufeinanderstoßenden Kanten nur zufällig oder nur im Sonderfall des Würfels bestehen, sondern als "Ausdehnung ohne Richtungsänderung". Hierbei kann die "Ausdehnung ohne Richtungsänderung" eben nicht als Länge und entsprechend nicht als endliche Länge gedacht werden, wobei dann für die nächsten Dimensionen praktisch auch kein Platz d.h. nichts anderes denkbar ist, als nur die euklidische nichtendliche Ausdehnung, - und zwar auch nicht statisch, sondern als immer geschehende Negation des Punktes oder des Nichtausgedehnten innerhalb der Zeit.
Der letzte Satz des 2. Absatzes wäre als Grundsatz der Empirie überhaupt natürlich überfordert und ist auch so nicht gemeint, sondern nur zur Erklärung des Geraden als das immer für alles Krumme, d.h. für jede Wahrnehmung bzw. Anschauung vorausgehende Apriori des Räumlichen, das eben ein euklidisches ist und entsprechend kein anderes sein kann.
Seite 640
Anschauung in solchem Raum nämlich der Krummen mit Begriff als dem entsprechenden Pendant ist empirische Bestimmung, während der Hintergrund, nämlich der nicht wahrnehmbare Raum in der Geradheit der Ausdehnung eben nichtempirisches, d.h. nur philosophisch zu verstehende Fundament jeder Wissenschaft sein kann und muß.
2. Absatz, 2. Satz
Leicht zu überlesen: "So sind Begriffe wie 'Gerade' letztlich nur Begriffe dessen", die aktual wie auch das Krumme dadurch auftritt, daß es deren Richtung selber aktualisiert "und damit auch im Gegensatz zu ihnen beibehält." z.B. als Tangente oder eben als ideale Gerade. Nichtempirische Begriffe wie "Gerade" (aber eben nicht alle nichtempirische Begriffe, - was einer weiteren Ausführung bedarf, die wahrscheinlich auf den nächsten Seiten im folgenden Kapitel zu erwarten ist.) erhalten ihre elementare Bedeutung durch das Grundverhältnis von Räumlichkeit und Zeitpunkt als Begriff.
Zurecht werden hier neben Kant David Hilbert und Gottlieb Frege genannt. Denn es geht hier im Grunde nicht um Geometrie, sondern bereits mit dem Blick auf das nächste Kapitel um  "ursprünglich bestimmte Begriffe" (wenn dieses auch in solcher Formulierung in der 3. Zeile der Seite 640 in einem anderen Sinne gemeint ist, nämlich mehr in dem der ursprünglichen Bestimmtheit,) anschaulich zumindest soweit, als gerade bezüglich des abstrakten Raumes und wohl auch der Zeit das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis von Begriff und Anschauung fast greifbar zu erkennen ist, weil es sich nämlich dabei um die Aufbaustücke jeder Anschauung selbst handelt.
Dies würde sicher klarer wenn auch breiter formuliert sein, wenn solche Gedanken über eine Sprech-Schreibautomatik in den Komputer gesprochen würden.
So ist Linie nur als Länge im Raum anschaulich, in solcher "ursprünglichen Begrifflichkeit" dann eben als eindimensionaler Raum selbst. Obwohl Prauss nicht ganz dieses meint, wäre im vorletzten Satz des 2. Absatzes "sinnvolle nichtempirisch reine Anschauung" das entsprechende Pendant.
Seite 641
So sehr einsichtig ist, daß die Definition einer Geraden als die kürzeste Verbindung zweier Punkte nicht mehr als eine Verlegenheitsverabredung ist, - wo und wie sollte ein Anfangspunkt sein und in welcher Weise sollten beide festgelegt sein, was ja eine Voraussetzung wäre, und in welcher Art sollte eine Gerade dort beginnen und mit welcher Struktur der Richtung, und wie will man längere und kürzere Längen miteinander vergleichen, um die kürzeste herauszufinden? - kann dort natürlich nicht von Anschauung und viel weniger von Anschaulichkeit die Rede sein, selbst wenn man sich eine straff gespannte Schnur vorstellt; die Raumkrümmung am Beispiel einer Kugeloberfläche als Gegenargument dagegen kann meines Erachtens eher verwirren, weil man versucht sein könnte oder gerade darauf fixiert wird, daß gerade als Schnitt durch die Kugel eine kürzeste Verbindung die Gerade sein würde. Während die kürzeste Verbindung in sich weit ab von einer grundsätzlichen oder logischen Analyse unserer räumlichen Anschauung nicht nur diesen Raum bereits voraussetzt und darin setzbare Punkte, sondern vor der Geraden bereits die Länge als ein abgeleitetes weil gemessenes oder zu messendes Kriterium, wozu schließlich noch ein Instrumentarium gedacht werden muß.
Prauss bezieht sich hier aber zurecht auf eine reale Praxis des Geometrie- und Wissenschaftsbetriebes, den ich natürlich nicht kenne.
Seite 642
Und in der Tat ist selbst bei der Vorstellung des gekrümmten Raumes die "Krümmung" ein abgeleiteter Begriff, nämlich auch dann vorstellungsmäßig wie begrifflich immer an einer Geraden gemessen, wie der Ausdruck Krümmung sich schließlich auf die Gerade bezieht als nicht gerade.
Seite 644
Daß Prauss scheinbar doch die Vorstellung hat, daß hier im Apriorischen, rein Logischen die Begrifflichkeit und die Anschauung "ursprüngliche Begrifflichkeit" dann eben als eindimensionaler Raum bei der Geraden oder als Punkt der Zeit selbst zu entsprechend "sinnvoller aber eben nichtempirisch reiner Anschauung" gehört aber als Sonderfall, läßt vermuten, daß er auf eine entsprechende Definition der rein logischen Wissenschaften als Sonderfall und von da aus vielleicht sogar als Grundlage jeder anderen Wissenschaft zusteuert.
Seite 645, 1. Absatz
Solcher Punkt, von dem eine kürzeste Verbindung zu einem anderen auszugehen hätte, besteht dabei als Vorstellung nicht allein als Raumpunkt, sondern ebenso und zwar in Abhängigkeit, und zwar in gegenseitiger Abhängigkeit von dem Begriff "Punkt", der eben kein Raumpunkt ist, sondern der nur als Begriff in Form der Zeit einen solchen Punkt überhaupt nur setzten könnte.
Derart sind dagegen in diesem "reinen" Grenzbereich Linie, Fläche oder Körper zwar keine Punkte als Anschauung aber jeweils in gleicher Abhängigkeit als die Begriffe "Linie", "Fläche" oder "Körper" in Form von Punkt zugleich Zeitform.

§ 22, Ursprung und Wesen der Sprache
Seite 645
Vor solchen Ansätzen einer Wissenschaftstheorie und vielleicht ganz ohne solche Ambitionen - wenn man nicht Wissenschaft als die ursprüngliche Sprache definieren will, -  ist im Folgenden als Conclusion des Bisherigen das Verhältnis von Anschauung und Begriff als Ursprung und Wesen der Sprache in der bis hierher überraschend und genial passenden und auch einsichtigen Struktur zusammengefaßt.
Aus der Art der Zeitstruktur ergibt sich und erhält sich dadurch durch die Negation die Art von Anschauung als Raum und Begriff als Punkt: Raum entsteht aus "Punkt als zu sich anderem" und Begriff aus "Punkt als zu sich selbigem".
Im letzten Absatz setzt Prauss zu einer Vertiefung des Verständnisss an. Denn die Einsichtigkeit, daß aus Punkt als zu sich anderem dann Raum wird und aus Punkt als zu sich selbigem der eindeutige Begriff wird, resultiert, wie schon gesagt, letztlich aus dem 2. Standbein der bisherigen Argumentation, insofern, als wir als die Ergebnisse
1. bei der Negation des "Punktes als zu sich anderem" zu dem Raum zu gelangen, und
2. bei der Negation des "Punktes als zu sich selbigem" zu dem Begriff zu finden,
eigentlich dadurch so plausibel ist, weil wir (bzw. Prauss) von dem Raum und Begriff ausgehen, den wir als unsere alltägliche Wirklichkeit und Erfahrung kennen.
Und es ist eine im Grund logische Arbeitsweise, Schritt für Schritt zu verfolgen und entsprechend das System zu vertiefen, wie es weiter in Richtung "nur noch vom System her" verständlich zu unserer alltäglichen Erfahrung erst kommt.
Die neuerliche Infragestellung bedeutet also, daß das Gewicht der Argumentation vom 2. Standbein auf das erstere, also auf das philosophische System weiter verlagert wird.
Seite 646
Der in der Tat reichlich überstrapazierte Begriff "Negation", durch den aus einem etwas anderes wird, nämlich aus dem Nacheinander des "zu sich anderem" der Zeit ein Nichtnacheinander des "zu sich anderem", woraus der Raum resultiert als ein immer wieder in alle Richtungen (bei Prauss durch mehrfache Negation) praktisch vor sich selbst davongelaufener Punkt, der als Zugleich dann die räumliche Ausdehnung ergibt, wobei die entsprechende Negation für die andere Wesenheit des Zeitpunktes, der von Prauss "als mit sich selbiger" gekennzeichnet ist eben nicht auch Raum werden kann, sondern in Korrelation zum Raum Begriff.
Und nicht anders der in gleicher Weise leicht als überstrapaziert erscheinende Begriff "Punkt", wird wohl kaum ersetzbar sein, erfährt jedoch im Laufe der nun ansetzenden weiteren Deduktion eine Stabilisierung in dem Sinne, daß er als Begriff zunehmend die Funktion einer logischen Funktion erhält.
Natürlich wird sich jeder gefragt haben, ob es sich bei dieser Zeitdefinition mit der folgenden Negation zu Raum und Begriff um eine Deduktion oder nicht vielleicht um eine geschickte Konstruktion handelt. Aber wie auch immer, selbst wenn Konstruktion statt Deduktion, würde "geschickt" nicht falsch bedeuten im Sinne eines Falschspielers, sondern eher Phantasie bei der Lösungs- und Auswegsuche aus einer Sackgasse, in die uns Cartesianismus wie dogmatischer Empirismus nachweislich hineingeführt haben. Im Gegenteil ergibt die Praussche Systematik bisher bereits nicht nur Antworten auf bis heute ungelöste Widersprüchlichkeiten, sondern zugleich Ausblick auf ein dann in der Tat emanzipiertes neues Welt- und Menschenbild. Und dieses ist nicht nur für Philosophie, Wissenschaft und Technik, sondern nicht minder als längst erforderliche Antwort auf Fundamentalismen, auf Ratlosigkeit in den Theologien, und nicht zuletzt in einer zunehmend künstlich gestalteten Welt eine unentbehrliche Grundlage für die Frage nach der Qualität der Gestaltung als erweitertes Kunstverständnis.
Negation als logische Funktion ist natürlich korrekt und ergab sich aus dem einfachen Vergleich des Außereinander der Zeit mit dem Außereinander des Raumes.
647 bis 661 3. Absatz
Sinn der auf diesen folgenden 14 Seiten engen Zusammenfassung ist es, die beiden Begriffe Verstand und Sinnlichkeit (deren Praussche Definition sich von Kant wesentlich unterscheidet, wie wir gesehen hatten;) nun nachträglich in alle Formulierungen der 2. Stufe des Systems einzufügen, was zugleich auch der Nachweis bedeutet, daß sie sich mit seiner Definition nahtlos einfügen lassen und in keinem Widerspruch zum zuletzt entwickelten Systemteil liegen und, wenn auch ungenannt, immer mitgemeint waren und nun beim Übergang vom reinen Begriff zur Sprache in den Vordergrund treten.
Während nämlich die Begriffe "Punkt und Außereinander", "Raum und Zeit", "Negation", "Länge" immer deutlicher vielleicht als sog. reine Begriffe zu rein logischen Funktionen wurden, führen die beiden Begriffe Verstand und Sinnlichkeit zurück zu dem Aspekt menschlicher Fähigkeit, nämlich die der lebendigen Sprache, was Prauss denn auch zurecht die erkennbare Oase nennt am Ende einer Durststrecke durch die Wüste der doch rein logischen Deduktion, was aber eben nicht bedeutet, daß wir zu Begriffen kommen,
Seite 661 3. Absatz
wie schon zu Seite 629 ausgeführt, die in ihrer Bedeutung lexikalisch festliegen, oder nach Prauss, wie Messer, Gabeln, Löffeln in einem Schubfach.
In neuer Formulieren ist Lesen als die Umkehrung des Schreibens ein neues und eigenes Denken.
Seite 662 bis 666,
Ein eigenes Kapitel hätte dem gedankenlosen Geschwätz gebührt, ein anderes der Lüge, - aber in der Tat denkt man nicht erst beim sprechen, und spricht keinesfalls, was man alles denkt.
Seite 667
Wenn Denken auch etwas anderes ist, als das hier thematisierte Erkennen eines Objekts, und wenn man sich hier auch bewußt wird, daß dieses hochkomplexe System nur ein dünnes Gerüst um unsere noch weit komplexere Wirklichkeit als Bewußtsein ist, wie weiter unten auch noch zur Sprache kommt, so ist doch die Erkenntnis als Verhältnis von Anschauung zu Begriff, mit dem natürlich nicht das festgelegte Wort als Buchstabenfolge gemeint sein soll, diese Grundstruktur von Bewußtsein als selbsterzeugte Zeit und selbsterzeugter Raum Vorbedingung, Rahmen und Kern jeder Erkenntnis und jeden Gedankens ja der Wirklichkeit des Menschen. Wenn beim Denken über Erkenntnis, das ja den Weg z.B. in der analytischen Philosophie in entgegengesetzter Richtung geht, dieses nicht mitgenannt wird, kann das rein sprachtechnische Absicht sein, wo dieses jedoch spätestens seit Prauss nicht gewußt und berücksichtigt ist, ist solches Denken naiv.
Seite 667 1. Absatz
Daß jede Bewegung bereits aufgrund von solcher Erkenntnis bereits als ihre Folge  auch schon Anwendung und damit Ausdruck solcher Erkenntnis ist, wurde peinlicher Weise erst jüngster Philosophie bewußt und bekam zumindest für ein Detail den Namen Illokution, wo nämlich Sprache etwas bewirkt, was aber, wie Prauss andeutet, viel allgemeiner und noch vor jeder Sprachäußerung und vor jedem sozialen Kontakt aufzufassen ist.
2. Absatz
daß also der Mensch Erkenntnis nicht nur hat sondern ist.
Seite 668
Was er keinesfalls aber haben kann als etwas, was er nicht selbst ist.
Den letzten Absatz bis
Seite 669
geht Prauss wahrlich auf dem Meer, obwohl er die tausend Fragen, die hier ein Versinken oder vielleicht sogar ein Zusammenbrechen des ganzen Systems bedeuten können, nur assoziativ und nicht wirklich berührt. Und es ist die ganz besondere Qualität der Prausschen Philosophie, daß er natürlich diese Fragen und Abgründe kennt; und sein Darüberhinweggehen bedeutet keineswegs ein Ignorieren, sondern ist Antwort in mehrerer Beziehung: Zunächst in dem Sinne, daß Richtigstellung von bestehenden Irrtümern seine Absicht wie die Aufgabe als Pflicht und Schuldigkeit jeder Philosophie ist, zum anderen, daß Möglichkeiten der Erkenntnis nicht nur eine Frage von Genialität, Scharfsinn, Phantasie und Mut sind, Mut insofern, als man auch bereit sein muß, liebgewordene Konventionen aufzugeben und sich der Kritik und dem Neid von Kollegen auszusetzen, so daß von ihm damit zugleich eine ethische Qualität beansprucht wie gefordert wird.
So ging es mir beispielhaft bei der allerersten Prausschen Lektüre, als ich noch weder seinen Namen noch seine philosophische Konzeption kannte, daß ich beim oberflächlichen Durchblättern glaubte, in einem Paulusbrief zu lesen, obwohl er weder dessen Gedanken aussprach noch meinte aber trotzdem praktisch auf 2. Ebene, wenn man alle Worte in paulinischer Bedeutung las, auch in dieser logisch richtig antwortete, - wenn auch diese Richtigkeit auf zweiter gar nicht gemeinter Ebene vielleicht ja glücklicher Zufall sein mochte oder sein mag, was ich bisher nicht nachprüfte. So ist z.B. im vorletzten Satz des
1. Abschnittes
der Mensch nicht als Raum im Sinne seines Volumens gemeint und wohl auch nicht gedacht, wenn Prauss formuliert: "Und als Raum in diesem Sinne sind wir dann auch recht eigentlich nur immer wieder jenes bloße Auf- und Abtreten von solchem Raum und darin eben vorerst immer wieder nur Entwurf als bloße Vorstellung von Äußerem als Anderem." Hier zeigt sich auch noch eine dritte Ebene:
1. Natürlich ist hier Raum und Räumlichkeit der Anschauung im Verhältnis zum Begriff als diese Weise der Zeit auf 2. Stufe gemeint.
2. Aber wie dieses für die Vorstellung "Tisch" wie für den Begriff "Tisch" zutrifft, trifft dieses nicht minder auch für unseren Körper als Raumvolumen zu und zwar in jeder Beziehung, die innerhalb des Prausschen Systems auch für Tisch besteht, nur mit Konsequenzen, die weiterzudenken tatsächlich schwindelnde Abgründe offenlegt.
3. Kann man diesen Satz als Aussage über das menschliche Schicksal in nahezu buddhistisch anmutender Philosophie aufnehmen.

Marginalien ab Seite 714

Seite 714/ §24 (hier Seite  )
Keinesfalls also ist die lateinische Satzstruktur „Subjekt, Objekt, Prädikat" etwa ein Spiegelbild von Innenwelt und Außenwelt.
716: Das Paar Subjekt und Prädikat in dem Satz: „Dies ist ein Tisch" ist auch nicht identisch etwa mit Anschauung und Begriff, als sei etwa die Anschauung der Indikator und Subjekt einerseits und andererseits der Begriff bzw. noch falscher und irriger „der Tisch" als räumlicher Gegenstand Prädikat oder gar der Prädikator, - als käme das Behauptete der Behauptung über das Subjekt oder durch das Subjekt mit seiner Anschauung von jenem Tisch. Damit würde sich alles wieder auf den Kopf stellen und völlig unverständlich werden und hieße dann in der Tat, daß sich der Gegenstand selbst uns zu erkennen gäbe. Da „· · · · · Tisch" der zeit- oder punktförmige Begriff ist, müßte dann „Dies ist" die räumliche Anschauung sein, womit aber nicht die Räumlichkeit des Begriffsmaterials - also etwa die Länge eines Wortes oder Satzes gemeint sein kann; wobei aber auch die beiden Wörter zusammen zudem nichts sind, das man als Anschauung auffassen könnte.
 

Seite 716 2. Absatz
In „Dies ist rot." ist in „rot" sicher Begriff enthalten, und wie wir wissen, verbunden mit Anschauung, wobei unklar bleibt, in welcher Weise beides

Handschriftliche Marginalien in allen möglichen Heften müssen nachgetragen werden.
Seite 792
Bei „dies hier" denkt man automatisch auch „jetzt" dazu. Wenn etwas nicht zu einer bestimmten Zeit irgendwo ist, ist es gar nicht.
„Das ganze Praussche Konzept stellt sich infrage, wenn sich nicht dieses objektive Jetzt aus dem bisherigen ebenso ergibt.
Seite 793, 2. Absatz bringt das anstehende Problem auf den Punkt:
Wenn ich einen Tisch wahrnehme, muß er nicht nur als etwas Räumliches im Raum, nämlich hier sein, um objektiv dasein zu können, sondern er muß auch objektiv jetzt hier sein, wobei also auch die Zeit des „Jetzt" noch objektiv da sein muß, d.h. objektiviert werden.
Nicht ausgesprochen wird ein anderes Problem, das sich aber damit zugleich ergibt, daß nämlich nicht nur das Jetzt sondern auch das »Ich« stabil sein muß und zwar überhaupt. Aber für Letzteres ist wohl ein gesonderter Ansatz nötig.
794, 795,  bis
796 erster Absatz wird praktisch 604 bis 610 wiederholt, - wobei ich aber jetzt verwirrt bin, und ich erkenne noch nicht, worauf Prauss hinaus will: denn gedacht habe ich im vorigen immer, wenn Beharrlichkeit als Zugleich nach innen mit Nacheinander und wie dann auch nach außen gegen Nacheinander Zeit auftritt,

 absoluter Wechsel       verschiedene Anschauung innerhalb
     des eines absoluten Wechsels  eindeutiges Objekt
(Graphik: Praussystem jpg in eigene)

daß Beharrlichkeit bis zur bisherigen Ausführung eben auf immer gleiche Affektion beruht, die bei jedem »Entstehen« und »Vergehen« auch zugleich neue Affektion ist oder enthält, was Prauss ja bis zur
Seite 798 auch nochmals bestätigt,
worauf sich die Wahl, ob Form oder Gegenform (bzw. Inhalt) quasi aus dem Kontext, aus Erfahrung und Wahrscheinlichkeit ergibt. Allerdings bereitet mir die Vorstellung, wenn ich statt Wirklichkeit zu erkennen z.B. nur geträumt habe, ich ja nicht statt z.B. beharrliche Eckform etwas anderes als Eckform nämlich Rundform, statt konvex konkav geträumt habe, sondern gerade ja diese Eckform, von der ich anschließend nur weiß, daß sie nicht Wirklichkeit sondern nur geträumt war. Genau betrachtet und verallgemeinert allerdings kann ich sagen, wenn ich z.B. von einem Gespenst geträumt habe, das mich angreift: Nicht- Gespenst und Nichtangriff. Allerdings setzt dieses nachträgliche Urteil ein stabiles Subjekt voraus, das nach dem Schlafen das gleiche wie vor dem Schlaf ist und sich als solches auch sicher ist, - wobei ich diese Kontinuität als eine Art eigener Objektivität mit dem verbinde, was als »Jetzt« zu jedem »Hier« eines Objektes dazugehört. .
Prauss führt einen neuen Begriff ein: statt substanzlos sagt er substratlos. Da nämlich die verführerische Vorstellung aller früherer Philosophie von einer Substanz ausging, die dann quasi zusätzlich noch eine bestimmte Eigenschaft habe, haben wir gesehen, daß Substanz + Eigenschaft ein einziges Substrat, bzw. eine hochkomplexe Erkenntnisstruktur ist, die bis zur 2. Stufe erst nur verwendbare Vorstellung und noch nichts ist, was man früher als Substanz auffaßte und was heute Prauss als Substrat bezeichnet.
(Seite 797, 2. Absatz ?)
Das vielleicht etwas umständlich formulierte der Seiten bis 800 wird aber deutlich, wenn man sich vor Augen hält, worauf Prauss jetzt hinsteuert, - was allerdings auch aus der Überschrift zu ersehen gewesen wäre - daß nämlich noch gar nicht die Beharrlichkeit meines Ich’s oder das Jetzt von etwas, das da ist, anvisiert ist, sondern,
Seite 800, 2. Absatz:
daß Beharrlichkeit ja auch da ist, wenn sich ein Gegenstand bewegt, obwohl man dabei nicht von gleicher Affektion auf erster Stufe sprechen kann. (erst 808 1. Absatz zum ersten Mal erwähnt). Aber auch soweit sind wir noch nicht.
Es geht vorerst erst darum, jenen Widerspruch von Form und Gegenform, was sich auf der 2. Stufe (am Schalter) bildet, (nicht von der Entstehung her [was mir ohnehin unklar blieb - wenn es auch logisch ist, siehe Geländer!] ) sondern in der Auswirkung auf Begriff und Beharrlichkeit und deren Eindeutigkeit zu verstehen
Bis dahin aber muß ich annehmen, daß jener Schalter, den ich bisher als quasi automatische Widerspruchsvermeidung zwischen Form und Gegenform bzw. Gehalt und Gegengehalt von mir aus eingeführt hatte, von Prauss nicht so gemeint war.
Richtig verstanden bzw. aufgrund früherer Aussagen nur angenommen hatte ich, daß jener Schalter quasi von der 3. Stufe her durch Erfahrung und Vergleich in die 2. Stufe hin zurückbedient würde, wodurch der immer eindeutige Begriff wie »rot« auch einem Rot zugeordnet wird.
Jene beiden mathematischen Kategorien 1+2 sind nach Kant konstitutiv
1.
Der Quantität
Einheit
Vielheit
Allheit
                 2
Der Qualität
Realität
Negation
Limitation

die beiden dynamischen Kategorien 3+4 sind nach Kant regulativ.
      3
Der Relation
der  Inhärenz und Subsistenz
(substantia et accidens)
der  Kausalität und Dependenz
(Ursache und Wirkung)
der  Gemeinschaft (Wechselwir-
kung -zwischen dem Handeln-
den und Leidenden)

1
Der Modalität
Möglichkeit - Unmöglichkeit
Dasein - Nichtsein
Notwendigkeit - -Zufälligkeit

Seite 808
Der Text über das Punktmodell von Zeit sowie die Kategorien von Kant sollte man jetzt vor Augen haben, um die letzten und die folgenden Seiten verstehen zu können, die von Prauss ab Seite 808 so klar formuliert sind, daß es keines Kommentars bedarf
Was bei Prauss nicht nur seit jetzt, sondern von Anfang an bei der Zugrundelegung der Zeit für alles Erkennen passiert, ist, daß man immer, indem man das Brillenglas bzw. ein Fernglas beschreibt, eigentlich zugleich das beschreibt und meint, was man dadurch sieht z.B. das Wann wie auch das Wo und auch das Wie und Was und ebenso das Wer und Was. (Siehe auch Seite 27 bei Prauss und A 158B197 bei Kant: "Die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung überhaupt sind zugleich Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung."
§ 16 Die Zeit als erste Stufe sich verwirklichenden  Intendierens
Seite 358
Die Einsicht in den Sinn, in welchem dies tatsächlich ohne Widerspruch und Dialektik möglich, ja sogar notwendig ist, wird Ihnen sich am ehesten ergeben, wenn Sie vorerst das Kontinuum der Zeit beiseite lassen, um sich auf die Linie, und zwar auf die gerade, als Kontinuum des Raumes zu beschränken. Sie brauchen sich nur klar zu machen, daß sie als ein solches überhaupt nicht hinreichend bestimmt ist, um zu sehen, daß gerade als Kontinuum die Linie sich ohne Punkt nicht zureichend bestimmen lassen kann. Denn als Kontinuum ist sie von anderen Kontinua, zum Beispiel dem der Fläche. überhaupt nicht unterschieden, hat sie vielmehr ihren Unterschied und damit ihr Spezifisches gerade darin, daß sie nicht allein Kontinuum, sondern auch ebensosehr Punkt ist, nämlich Punktkontinuum oder Kontinuum von Punkt: So wesentlich gehört der Punkt als Aufbaustück von ihr zur Linie mit hinzu, daß sie allein durch ihn auch überhaupt erst ihre ganz spezielle Art der Ausdehnung besitzt: eben die punktartige Ausdehnung der Linie. Allein auf Grund von diesem Punkt läßt das Kontinuum der Linie sich von dem der Fläche beispielsweise unterscheiden, die in diesem Sinne ebenfalls nicht nur Kontinuum ist, sondern ihrerseits speziell Kontinuum von Linie oder Linienkontinuum, da sie als wesentliches Aufbaustück nun wie -
(Fußnote: 1 Wohlgemerkt : als Aufbaustück der Linie, will sagen, in die Linie als Kontinuum selbst bruchlos integrierter Punkt, und nicht etwa als aktual-diskreter, als der Punkt in ihr stets erst durch Schnitt in ihr auftreten kann, weil Linie als Kontinuum gerade nicht etwa „Punktmenge" ist. Und diese Punktualität von ihr als Kontinuität meint auch der Geometer, wenn er beispielsweise sagt, die Linie sei unendlich dünn« (O. Perron, Nichteuklidische Elementargeometrie der Ebene. Stuttgart 1962, S. ll). 2 Dafür gilt die letzte Anmerkung entsprechend.)
359

derum die Linie hat und daher auch spezifisch linienartig ausgedehnt ist. Gleichsam anschaulich vor Augen führen können Sie sich diesen Punkt als wesentliches Aufbaustück der Linie selber als Kontinuum, sofern Sie davon ablassen, sie stets nur einseitig, nämlich nur von der Seite ihrer Ausdehnung zu sehen. Gehen Sie stattdessen dazu über, eine Linie auch einmal unter Drehung nach und nach in solchen Lagen vorzustellen, wo die Seite ihrer Ausgedehntheit nach und nach und schließlich ganz verschwindet, ist ja damit nicht bereits die Linie als solche selbst für Sie verschwunden, sondern Ihnen jetzt auf einmal von der Seite ihrer Unausdehnung in den Blick gekommen. Denn gerade wenn Sie dabei geometrisch-streng von einer idealen Linie ausgehen, stellt sie sich von dieser gegenüber jener prinzipiell verschiedenen Seite gleich-streng wie ein idealer Punkt dar, der von andern solchen Fällen, die tatsächlich Punkte und nicht Linien von dieser Seite sind, auch prinzipiell nicht unterscheidbar ist. (Fußnote 3 Nicht allein von Mathematikern und Geometem, sondern selbst von Physikem wird solches Auftreten von Linie als Punkt geradezu als eine Selbstverständlichkeit betrachtet (vgl. z. B. H. Weyl, Raum, Zeit. Material: 6. Aufl., Berlin 1970, S. 173f.). Und in der Tat: Weil er sie letztlich nur als ideale Stellvertreter für empirische Objekte unserer Außenwelt ansieht, gehört es sozusagen zu des Geometers täglichem Brot, geometrische Gebilde sich auch in Bewegung wie zum Beispiel Drehung und Verschiebung vorzustellen und die Folgen davon zu erwägen. Was dem Geometer recht ist aber muß dem Philosophen billig sein. - Vgl. dazu auch schon Platon, Parmenides 137 E 3 f.)
 Diese Einsicht aber kann Ihnen - auf umgekehrtem Wege sozusagen - sofort weiter zu der für die Linie entscheidenden verhelfen. Sollten Sie Ihr Wissen, daß es bei dem einen dieser Punkte sich um keinen bloßen Punkt, sondern um eine Linie handelt, durch ausschließliche Bezugnahme auf diese Ihnen einzig vorliegenden Punkte formulieren, könnten Sie nämlich nur sagen : Dieser Punkt ist ausgedehnt, die anderen dagegen nicht. Und diese Formulierung wäre auch tatsächlich gleichbedeutend mit der folgenden : Dieser Punkt ist eine Linie, die anderen dagegen keine. Die für Linie entscheidende ist diese Einsicht aber, weil erst sie Ihnen die einzig zureichende und allein informative Grundbestimmung für sie liefert: Ganz gewiß ist eine Linie ein Fall von Ausdehnung oder von Kontinuität, jedoch der Ausdehnung oder der Kontinuität wovon ? Doch nicht von sich. Denn von der Linie zu sagen, sie
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sei ausgedehnt oder kontinuierlich, heißt zuletzt nur tautologisch zu behaupten, daß ein Ausgedehntes ausgedehnt sei oder ein Kontinuum kontinuierlich. Statt dieser bloß analytisch-uninfonnativen Aussage kann vielmehr die entsprechende informativ-synthetische nur lauten: Linie ist Ausdehnung oder Kontinuum von Punkt, wie Fläche dementsprechend Ausdehnung oder Kontinuum von Linie. Überhaupt nur als des Punktes Ausdehnung oder Kontinuum kann Ihnen diese Linie nämlich auch als »eindimensionale«, das heißt einfach-ausgedehnte, eben punktartig-gestreckte noch verständlich werden. Und sofern Sie mit hinzunehmen, daß Kant zufolge wie der Raum als solcher auch das Räumliche der Linie als etwas stets durch Synthesis erst zu Erzeugendes zu gelten hat, bedeutet dies zuletzt: Allein indem ein Punkt sich ausdehnt oder sich erstreckt, auf Grund von seiner eigenen Einfachheit mithin sich auch nur einfach ausdehnt, eindimensional erstreckt, entspringe eine Linie (Fußnote 4. Dem genau entsprechend werden Sie allein aus diesem Punkt heraus auch die ursprüngliche sowie informativ-synthetische Bestimmung der geraden Linie noch geben können : Zu einer geraden Linie dehnt ein Punkt sich selbst genau dann aus, wenn er die Richtung seiner Ausdehnung auch beibehält. Im Zuge unserer Überlegungen zum (eindimensionalen) Raum wird Ihnen das noch klarer werden. Vgl. s 18 und s 21.)
Was dies ursprünglich, nämlich für den Ursprung nicht allein von Raum als solchem, sondern auch bereits von Zeit als solcher heißt, wird uns im weiteren noch eingehend beschäftigen, besonders was dabei den Punkt und seinen Grund betrifft, sich nicht nur überhaupt, sondern auch noch in dieser oder anderer Weise selber auszudehnen. Vorerst sollten Sie nur soviel festhalten: Es gibt mithin tatsächlich einen Sinn, in welchem Linie ohne Punkt weder bestehen noch verstanden werden kann, in welchem also beide, und zwar ohne Widerspruch und Dialektik wesentlich und notwendig zusammen nicht allein gehören, sondern auch zu denken sind : Als sich erstreckender oder sich ausdehnender Punkt ist Linie sozusagen Punkt am Stück, Punkt auf der ganzen Linie. In Gestalt von ihr ist jeweils Ausdehnung und Punkt als Unausdehnung oder Einfachheit so bruchlos und auch unlösbar vereinigt, daß Sie diese Linie ebenso als Ausdehnung von Einfachheit wie umgekehrt als Einfachheit von Ausdehnung verstehen können, ja verstehen müssen, ohne daß Sie dabei auch nur die geringste Sinnentstellung oder Sinnverschiebung der dazu gebrauchten Wörter zu besorgen hätten.
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Blicken Sie von hier aus aber noch einmal zurück auf Linie und Punkt, wie Aristoteles sie für die Reflexion auf Zeit heranzieht, müßten Sie jetzt sehen : Es handelt sich dabei um ein Verhältnis zwischen ihnen, welches Sie von dem zuletzt erörterten, worin der Punkt bereits das Aufbaustück der Linie selbst als Ausdehnung oder Kontinuum ist, prinzipiell zu unterscheiden haben. Denn im letzteren Verhältnis steht der Punkt zur Ausdehnung oder zur Kontinuität der Linie, da sie ja im Grunde seine ist, auch keineswegs im Gegensatz, weil er sie ja mitaufbaut; während er im ersteren Verhältnis zu ihr gegensätzlich sehr wohl ist, weil er sie darin nicht nur nicht mitaufbaut, sondern gerade abbaut, nämlich teilt, was für das letztere Verhältnis zwischen Punkt und Linie eben schlechterdings nicht gelten kann : In prinzipiellem Unterschied zu jenem Linienpunkt bei Aristoteles, der sich jetzt endgültig als Linienteilungspunkt erweist, ist dieser Linienpunkt als Aufbaustück der Linie selber prinzipiell kein Linienteilungspunkt, weder im Sinne einer potentiellen noch gar aktualen Teilung. Denn ein Punkt als Teilungspunkt von ihr setzt diese Linie, und sei es auch allein in jenem Sinne potentieller Teilung, immer schon voraus, während der Punkt als Aufbaustück von ihr die Linie nicht nur nicht voraussetzt, sondern sie durch seine Selbstausdehnung sogar allererst erzeugt. Damit aber sind nun wie mit einem Schlage auch die Aussichten für Sie gewachsen, diese Linie als Stellvertreterin für Zeit als solche zu benutzen. Denn was dem bisher im Wege stand, war ja gerade, daß die Linie als Kontinuum sich dabei immer wieder in den Punkt als Diskretion zersetzte, weil ein Punkt in ihr sich, wie es schien, auch immer nur als Teilungspunkt von ihr und damit auch allein als Gegensatz zu ihr verstehen ließ. Doch wie inzwischen aufgewiesen, bildet letztere Alternative zwischen Punkt und Linie als sie ausschließenden Gegensätzen zueinander keineswegs das einzige Verhältnis zwischen ihnen, ja nicht einmal das ursprüngliche. Denn dieser Punkt, der eine Linie teilt, setzt dabei nicht nur diese Linie, sondern mit ihr auch schon jenen andern Punkt als Aufbaustück von ihr voraus, demgegenüber als ursprünglichem er selbst mithin als bloßer Teilungspunkt der Linie bloß abgeleitet ist. Dieser Alternative als bloß abgeleitetem Verhältnis zwischen Punkt und Linie liegt als ihr ursprüngliches vielmehr schon immer jenes andere zugrunde, in dem Linie und Punkt sich nicht nur nicht als Gegensätze ausschließen, sondern in dem sie wesentlich und notwendig sogar zu-
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sammengehören: Im Kontinuum der Linie als solchem selbst ist danach jener Punkt so wesentlich und notwendig enthalten, daß er es auch keineswegs wie dieser Teilungspunkt etwa in Diskretion zersetzte, sondern umgekehrt sogar als eben dies spezifische, nämlich als Punktkontinuum der Linie allererst gewährleistet.
Für Sie gewachsen aber sind die Aussichten auf eine Stellvertretung dieser Linie für die Zeit als solche, weil Sie unter dieser neuen Perspektive ihrer prinzipiellen Punktualität auch den Gedanken Kants vom »Ziehen« einer Linie noch in einem neuen Sinn verstehen können, den Kant sicher nicht mehr mit im Auge hatte, der es aber für die Stellvertretung dieser Zeit erst eigentlich geeignet macht. Sofern Sie ihre Punktualität im Blick behalten, brauchen Sie sich nämlich nur noch vorzustellen, was bei solchem »Ziehen« eigentlich für Sie zum Vorschein kommt, wenn Ihnen eine Linie als »gezogene« dabei ausschließlich und genau von dieser Seite ihrer reinen Punktualität begegnet : Abermals natürlich nur ein Punkt, wie Sie soeben sich verdeutlicht haben, doch ein Punkt in einem Sinn, der ihn von dem zuletzt betrachteten, der Anfang oder Ende einer Linie von der Seite ihrer Unausdehnung war, grundsätzlich unterscheidet. Denn selbst dann, wenn Sie sich diese Linie in Bewegung vorstellen, dahingehend, daß sie von genau der Seite dieses ihres Anfangs oder Endes und mithin tatsächlich einem bloßen Punkt gleich auf Sie zukommt, handelt es sich durchwegs doch um einen und denselben. So indes, als würde dabei eine Linie im ganzen lediglich »gezogen« wie im vorigen das Zelluloidband, ist das "Ziehen« jener Linie sicher nicht gemeint; allein schon deshalb nicht, weil Kant auf diesen Punkt der Linie von der Seite ihrer Unausdehnung oder als ein wesentliches Aufbaustück von ihr dabei in keiner Weise reflektiert. Er meint damit vielmehr das »Ziehen« einer Linie in dem Sinne, daß durch eben dieses »Ziehen« diese Linie allererst erzeugt wird, letztlich also, wenn auch eben nicht mehr reflektiert, jenes Sichausdehnen von Punkt zu Linie.
Tritt jedoch in diesem Sinn, in dem sie allererst erzeugt wird, eine Linie als »gezogene« ausschließlich und genau von jener Seite ihrer reinen Punktualität und damit einem Punkt gleich für Sie in Erscheinung, handelt es sich dabei gerade nicht so wie im letzteren Fall durchwegs um denselben Punkt, sondern im Gegenteil vielmehr durchwegs um einen andern. Solch ein durchwegs anderer ist dieser Punkt dabei jedoch durchaus nicht mehr im Sinne jener unlösbaren

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Schwierigkeit der Zeit, daß er allein durch einen Abstand zum vorherigen ein anderer sein könnte, so daß Linie, sprich Zeit, als ein Kontinuum auch durchwegs in die Diskretion von solchen Punkten sich zersetzen müßte. Als ein Aufbaustück der Linie selbst ist er dabei vielmehr tatsächlich abstandlos, ununterbrochen und mithin kontinuierlich ,derer, und dies auch ohne jeden Anfug eines Widerspruchs oder von Dialektik. Dies jedoch, so könnte Ihnen scheinen, liege nur daran, daß dieser Punkt genaugenommen gar nicht Punkt sei, sondern eben Linie, von der Sie also auch in diesem Falle wieder abzusehen hätten. Denn wie kurz oder wie lang, nämlich wie weit auch immer sie jeweils »gezogen« sei, genau so weit sei sie dabei Zugleich, nicht Nacheinander. Folglich stehe damit abermals in Frage, ob zu angemessener Stellvertretung dieses letzteren als eigentlicher Zeit nicht wieder eine Auflösung ihres Kontinuums in Diskretion von Punkten nötig werde. Doch bevor Sie diese letzte Folgerung tatsächlich ziehen, sollten Sie bei der vorangegangenen Voraussetzung für sie, gerade weil sie mit ihr richtig sehen, zu noch weiterer Reflexion auf sie verweilen. Ganz gewiß gilt es für Sie dabei desgleichen, nämlich aus der Perspektive ihrer Punktualität beim »Ziehen« einer Linie ebenfalls von ihr als räumlichem Zugleich auch wieder abzusehen. Nur hat Ihre Lage sich in dieser Hinsicht mittlerweile gleichermaßen grundlegend, und zwar zum Positiven hin verändert. Jene Frage nämlich, was von jener Linie eigentlich noch übrigbleiben könne, wenn von ihr als räumlichem Zugleich doch abgesehen werden müsse, die Kant ohne Antwort läßt, schien allenfalls die eine zuzulassen, daß dies höchstens noch der Punkt sein könnte, der indes auch jene Schwierigkeit bereitet. Doch auch ungeachtet dessen bliebe diese Antwort unhaltbar, sofern Sie unter diesem Punkt mit Aristoteles noch einen Teilungspunkt der Linie verstehen wollten. Denn als solcher setzt er diese Linie notwendig voraus und muß mithin beim Absehen von ihr als räumlichem Zugleich auch notwendig mit ihr verschwinden, so daß dabei wegen seiner Abhängigkeit von ihr überhaupt nichts übrigbleiben und die Zeit vertreten könnte.
Diese Abhängigkeit aber kehrt sich um, sobald Sie diesen Punkt als jenes Aufbaustück der Linie selbst verstehen, als den Punkt, durch dessen Ausdehnung die Linie allererst erzeugt wird. Dabei nämlich       setzt die Linie notwendig den Punkt und nicht etwa der Punkt die    Linie voraus, hängt also umgekehrt nicht Punkt von Linie, sondern
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Linie von Punkt ab, so daß auch beim Absehen von ihr als räumlichem Zugleich zwar Linie notwendig verschwindet, doch mit ihr durchaus nicht auch der Punkt, der Ihnen dabei vielmehr in der Tat noch übrigbleibt. In diesem Sinn jedoch, in dem Sie ihn dabei zurückbehalten, kann er auch als durchwegs anderer, wie er im vorigen beim »Ziehen« einer Linie von der Seite ihrer Punktualität zum Vorschein kam, von vornherein nicht die Zersetzung dieser Linie als Kontinuum zur Folge haben. Denn auch überhaupt nur als Punkt selber, als sich ausdehnender nämlich, und das heißt, gerade als ein durchwegs anderer Punkt auftretender, tritt dabei das Kontinuum der Linie auf, und zwar auch dann, wenn Sie dabei vom räumlichen Zugleich desselben ab- und nur noch auf sein Nacheinander Zeit hinsehen. Denn von hier aus ist es für Sie in der Tat nur noch ein Schritt zur Einsicht in den Sinn, in welchem Linie und Punkt ineinem die gesuchte Stellvertretung für die Zeit zu übernehmen in der Lage sind. Sie brauchen dazu nämlich nur noch zu versuchen, sich so anschaulich wie möglich vorzustellen, was es heißen könnte, jenen Punkt als Aufbaustück von ihr, wie er bei jenem »Ziehen« einer Linie nach der einen Seite durchwegs als ein anderer zum Vorschein kommt, als den sich ausdehnenden also festzuhalten und gleichwohl von dem, wozu er sich in dieser Weise ausdehnt, nämlich von der Linie als räumlichem Zugleich auch wieder abzusehen. Denn mag es auf den ersten Blick für Sie auch noch so sehr den Anschein haben, daß zumindest dies jetzt aber endgültig unmöglich, weil nunmehr auch unvermeidlich widerspruchsvoll und mithin tatsächlich unvorstellbar sei, - die Möglichkeit zu einer solchen anschaulichen Vorstellung besteht sehr wohl und interessanterweise, wenn ich richtig sehe, lediglich als eine einzige, die trotz einer gewissen Kompliziertheit ohne Widerspruch und Dialektik ist und somit das Modell für Zeit schlechthin. Denn dazu brauchen Sie nur weiterhin von jenem Punkt, wie er beim »Ziehen« einer Linie nach der einen Seite durchwegs als ein anderer auftritt, auszugehen und sich zusätzlich noch vorzustellen: Es handle sich dabei um einen solchen Punkt, der durchwegs zwar zur Linie sich ausdehnt, aber durchwegs auch in einem und demselben »Zuge« eben das, was er nach dieser Seite seiner Ausdehnung zu ihr an Linie gewinnt, nach der entgegengesetzten wiederum verliert, - so als sei hier unermüdlich-unmittelbar Linienfraß am Werk. Und mag die anschauliche Vorstellung von einem solchen Punkt auch
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noch so kompliziert und schwierig sein, sie ist es keinesfalls, weil ihre Schwierigkeit etwa auf ihre Widersprüchlichkeit zurückzuführen wäre, sondern lediglich, weil eben dies die Schwierigkeit der Sache selbst ist, die wir unter der Bezeichnung »Zeit« als etwas Wirkliches nur kennen, weil sie unter keiner Hinsicht irgendeinen Widerspruch enthält. Eben dies Modell der Zeit, an Hand von dem wir sie nun auch als solche selbst begrifflich noch entfalten können, sollten Sie dabei durchwegs vor Augen haben, oder doch zumindest immer, wenn ihre begriffliche Entfaltung kompliziert und schwierig bis zur Unverständlichkeit zu werden droht, sich abermals vor Augen stellen. So werden Sie zunächst sich ohne weiteres verständlich machen können: Mittels anschaulicher Vorstellung von solchem Punkt vermögen Sie von Linie als räumlichem Zugleich tatsächlich restlos abzusehen - allerdings nur insofern Sie es vermögen, ihn als einen vorzustellen, der in der Tat in einem und denselben Zug durchwegs genau dasjenige, was er nach jener Seite seiner Ausdehnung zu ihr an Linie gewinnt, nach der entgegengesetzten wiederum verliert, so daß es im ganzen dabei zur Erzeugung einer Linie als räumlichem Zugleich von vornherein und durchwegs überhaupt nicht kommt. Um diesen Punkt als solchen vorzustellen, haben Sie mithin auch jede Vorstellung von einem auf verschiedene Züge sich verteilenden Gewinn an Linie im einen und Verlust an Linie im andern Zug hintanzuhalten, zu vergleichen etwa der bekannten Fortbewegungsart des Wurmes, der nur Zug um Zug den Vorderkörper vor- und dann den Hinterkörper nachschiebt. Denn als ein so vorgestellter brächte jener Punkt, wenn auch nur als im andern Zug wieder getilgte, Linie grundsätzlich zustande, hätten Sie von ihr mithin auch nicht grundsätzlich abgesehen.
Halten Sie dagegen streng an einem und demselben Zug seines an Linie Gewinnens und Verlierens fest und sehen gleichstreng von der Linje als räumlichem Zugleich infolgedessen ab (Fußnote 5: Daß ich Sie damit keineswegs zu etwas Unvorstellbarem, weil Widersprüchlichem auffordere, ersehen Sie zum Beispiel daraus: Trotz der Selbigkeit des Zuges, worin sie erfolgen sollen, widersprechen sich der Zuwachs und der Wegfall dieser Linie deshalb nicht, weil sie ja keineswegs auf einer und derselben Seite vor sich gehen, sondern gerade auf entgegengesetzten (vgl. dazu unten Seite 384f.). Dementsprechend können Sie auch ohne grundsätzliche Schwierigkeit ein Schreibzeug bauen und benutzen, derart, daß unmittelbar im Anschluß beispielsweise ein Schwamm sein Werk vollbringt, indem er es in einem und demselben Zug von vornherein zur Zeichnung einer Linie gar nicht kommen, sondern immer wieder unmittelbar lediglich die eines Punktes zuläßt.)- , so sehen Sie, daß es
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auf diese Weise in der Tat bei einem Punkt bleibt; allerdings bei einem, der es wahrlich in sich hat, der aber, was er alles in sich birgt, als nunmehr grundsätzlich ermittelter für Reflexion auch Schritt für Schritt noch zu erkennen gibt. So werden Sie des weiteren sich ohne Schwierigkeit verständlich machen können, daß es sich bei dem so vorgestellten Punkt zwar nach wie vor allein um einen ständig andern handeln kann, daß aber die mit ihm zunächst verbundene Bewegungsart durch dieses strenge Absehen von Linie als Zugleich entfallen muß. Denn als der durchwegs andere, als welcher er vor solchem Absehen beim »Ziehen" einer Linie von der Seite ihrer Punktualität für Sie zum Vorschein kam, war er insofern in Bewegung, als die Linie dabei immer länger wurde, also in Beziehung auf ihr zunehmendes räumliches Zugleich in räumlicher und damit äußerer Bewegung. Doch für eben diese Art der äußeren als räumlichen Bewegung ist durch dieses strenge Absehen von Linie als räumlichem Zugleich auch jede Möglichkeit einer Beziehung darauf weggefallen. Deshalb kann es sich dabei jetzt prinzipiell nicht mehr um räumliche als äußere Bewegung handeln, sondern in der Tat nur noch um zeitliche als ihr entgegen nur noch innere: Als das Modell für Zeit ist der so vorgestellte Punkt als ständig anderer zugleich auch als Modell für so etwas wie innere Bewegung aufgefunden; und als eben dies Modell erlaubt er nunmehr ohne Widerspruch und Dialektik auch den Sinn von Zeit als eben dieser Art von innerer Bewegung noch begrifflich zu entfalten (6. Fußnote: Das können Sie sich vorläufig daran verdeutlichen, daß diese nur noch innere als nur noch zeitliche recht eigentlich Bewegung ist in ihrem ursprünglichen Sinn von schlechterdings nichts anderem als von Bewegung nur als solcher selbst. Denn dieser Sinn, den sie durchaus besitzt, schließt jenen weiteren und anderen noch gänzlich aus, in dem Bewegung dann auch eine meßbare Geschwindigkeit besitzen muß. Die letztere vermag sie nämlich immer erst als die von etwas nicht allein in Zeit, sondern auch noch in Raum zu haben, eben als Bewegung durch den Raum in solcher Zeit wie beispielsweise "Stundenkilometern" Überhaupt erst dadurch kann Bewegung als Geschwindigkeit denn auch noch meßbar werden, und das heißt: allein auf solche Weise, daß Physik dazu rein zeitliche oder rein innere Bewegung selber immer schon voraussetzt, aber niemals definiert. Vgl. dazu unten S. 382ff.  ) Was nämlich im vorigen als Widerspruch
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und damit als Unmöglichkeit erschien, erweist vielmehr an ihm sich jetzt als das zwar schwierige, weil komplizierte, doch nicht im geringsten widersprüchliche Wesen der Zeit. Behalten Sie nur immer klar vor Augen, daß es sich bei dem so vorgestellten Punkt auf keinen Fall um einen Linienteilungspunkt, der Linie schon voraussetzt, handelt, sondern um den Punkt, aus welchem Linie allererst hervorgeht, wenn auch nur, um in demselben Zug wieder in Punkt zurückzugehen, müßte Ihnen nunmehr deutlich werden : Ohne jeden Widerspruch ist dieser Punkt ein ständig anderer nicht etwa in dem Sinn, daß nur an Stelle von ihm und deswegen nur in irgendeinem Abstand zu ihm stets ein anderer aufträte, dem er wiche und der ihn ersetzte. Solch ein ständig, aber widerspruchsfrei anderer ist er vielmehr gerade darin, daß er selber auf der Stelle sozusagen (nämlich ohne äußere, allein in innerer Bewegung) als derselbe stets als anderer auftritt, der infolgedessen abstandlos, ununterbrochen und mithin kontinuierlich mit sich selbst, weil aus sich selbst heraus gleichwohl zum ständig andern wird. Sonach besteht in diesem Fall nicht der geringste Grund für Sie zu der Befürchtung, daß etwa auch hier sich dies Kontinuum in Diskretion von Punkt oder unendlich vielen Punkten aufzulösen drohte. Denn zu einem Punkt im Sinne einer Diskretion in ihm und damit einer Teilung des Kontinuums kann es dabei so wenig kommen, daß vielmehr der einzigartige und einmalige Fall hier vorliegt, in dem widerspruchsfrei und im strengsten Sinn Kontinuum selbst Punkt und umgekehrt Punkt selbst Kontinuum ist. Denn wie Sie gewiß erinnern werden, galt das vorhin keineswegs in dieser höchsten Strenge. In jenem Fall der Linie als räumlichem Zugleich dehnt jener Punkt sich zu einem Kontinuum aus, das als solches selbst durchaus nicht etwa Punkt ist, sondern lediglich punktartig. Doch nach Ihrem strengen Absehen von Linie als räumlichem Zugleich dehnt dieser Punkt in diesem Fall sich zwar desgleichen zu einem Kontinuum aus, welches aber, wenngleich immer wieder anderer, doch immer wieder bloßer Punkt ist und auch überhaupt nur daran das Kontinuum der Zeit als Nacheinander darstellt. Statt als jeweils selbiger stets irgendwoher kommend und auch irgendwohin gehend einem anderen als gleichfalls irgendwoher kommendem und irgendwohin gehendem diskret zu weichen, kommt und geht er vielmehr auf der Stelle als der selbige gerade so, daß Punkt hier immer wieder ursprünglich entsteht wie auch vergeht und immer
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wieder neu entsteht und damit ebenso Punkt im Kontinuum ist wie Kontinuum im Punkt und eben darin Ursprung wie auch Wesen jenes Nacheinander Zeit. Bei dieser Linie nämlich als in einem Zuge ständig aus ihm selbst entstehender wie in ihm selbst wieder vergehender bleibt es bei bloßem Punkt gerade in dem Sinn, daß dabei auch nichts anderes als ständiges Entstehen und Vergehen bloßen Punktes selbst im Gange ist und damit das von Zeit als Nacheinander. Als solches aber läßt sie sich, das sollten Sie beachten, in der Tat weder mit Linie noch mit Punkt in jenem Sinn vergleichen, in dem diese sich als Gegensätze gegenüberstehen, nämlich als Kontinuum und Diskretion einander ausschließen. - Nicht mit jenem Punkt, der als ein aktualer jene Linie teilt, aber nur teilen kann, indem er sie bereits voraussetzt. Denn der Punkt, in dem oder als der Zeit immer wieder allererst entspringt, setzt sie als ein Kontinuum nicht nur nicht schon voraus, sondern als solches vielmehr immer wieder allererst aus sich heraus. - Jedoch auch nicht mit jener Linie, die als aktuale zwar Voraussetzung für ihn, als solche aber keinesfalls wie er auch selber aktualer Punkt oder Unendlichkeit von aktualen Punkten ist. Der aktuale Punkt bei Aristoteles, von dem geteilt angeblich Nacheinander überhaupt erst zu entstehen vermöge, weil es nur bezüglich eines solchen Punktes jeweils auch zu einem Vorher oder Nachher oder einem Früher oder Später kommen könne, ist infolgedessen übeflüssig, weil vielmehr gerade umgekehrt als solch ein aktualer Punkt, nämlich aus ihm als ständig anderem heraus ein Nacheinander allererst entspringt. Denn als Kontinuum von Punkt als ständig anderem und eben darin auch als Nacheinander tritt die Zeit sehr wohl als immer wieder aktualer Punkt auf, wie er aktualer sich kaum denken läßt. Mit Punkt und Linie vergleichbar ist die Zeit für Sie vielmehr allein in jenem Sinn, in dem der Punkt als Aufbaustück der Linie selbst zugrunde liegt, indem er sie als ein Kontinuum von räumlichem Zugleich durch Selbstausdehnung allererst erzeugt. Doch anders als in diesem Fall des Raumes handelt es sich bei Erzeugung von Kontinuum als Nacheinander Zeit eben um Selbstausdehnung eigener Art, bei der es nämlich zum Kontinuum als etwas Anderem zu Punkt noch gar nicht kommt, ja bei Kontinuum als Punkt und umgekehrt vielmehr noch bleibt. In diesem Sinne der Vergleichbarkeit von Raum und Zeit jedoch, in dem sie beide als Kontinua auf Punkt als
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den, wenngleich auf jeweils andere Art, sich selbst ausdehnenden zurückzuführen sind, setzen sie beide mithin diesen Punkt nicht nur voraus. In eben diesem Sinn muß vielmehr umgekehrt sich dieser Punkt von beiden auch noch unterscheiden lassen, eben weil er sich auf diese beiden grundverschiedenen Arten und deswegen zu zwei grundverschiedenen Kontinua ausdehnen kann.

Ich glaube, daß Prauss hier - reichlich nebenläufig - den Dreh- und Angelpunkt seiner folgenden Ableitung oder Philosophie formuliert hatte, was man sich vereinfacht etwa so vorstellen kann: daß sich nämlich mit diesem
Immerwieder
das Kontinuum Zeit ergibt und mit dem Immerwoanders als
Imerwoandershin
das Kontinuum Raum.
Obwohl die Zeit als das Kontinuum des Nacheinander nichts als, wenngleich immer wieder anderer, aktualer Punkt ist, muß infolgedessen auch in ihrem Fall noch zwischen Punkt als solchem und als sich zu immer wieder anderem ausdehnendem ein Unterschied bestehen: denn Punkt als solcher kann sich nicht allein zum Nacheinander dieser Zeit als des Raumes wie etwa der Linie als Anderem zu Punkt. Die Verpflichtung aber, diesen Unterschied begrifflich zu entfalten, offenbart, daß wir trotz aller umfänglichen Reflexion auf Zeit, nein, durch sie gerade nach wie vor im Mittel- wie auch Gipfelpunkt der bisher von uns aufgebauten Systematik stehen. Auferlegt sie uns doch nichts geringeres, als innerhalb des Punktes selbst noch, nämlich zwischen ihm als einerseits diskretem und als solchem selber anderseits auch noch kontinuierlichem zu unterscheiden: zwischen ihm als einfachem und doch als solchem selbst auch ausgedehntem, und dies widerspruchs- und dialektikfrei. Denn spätestens an dieser Stelle unseres Systems muß eine Frage, die sich Ihnen längst schon stellen dürfte, unaufschiebbar dringlich werden, nämlich was denn eigentlich hier unter Punkt verstanden werden soll, und zwar bereits seitdem wir »Ziehen« jener Linie selbst als eines räumlichen Zugleich nunmehr als ein Sichausdehnen von Punkt zugrunde legen. Seit jeher nämlich ist es gerade eine - und bis heute auch noch nicht beantwortete - Frage voller Schwierigkeit, ob so etwas wie Punkt, selbst wenn es ihn in unserer Welt in irgendeinem Sinne geben sollte, für uns jemals gegenständlich werden könnte; insbesondere wo es sich dabei um Punkt im strengsten Sinne handeln soll : um Punkt als idealen, als den wir ihn in der Tat durchwegs in Anspruch nehmen. Vollends nämlich müßte Ihnen nunmehr deutlich werden: Was wir dabei zum Gegenstand besitzen, ist in Wahrheit jeweils nichts als eine Fläche; und nur dadurch steht sie uns für einen Punkt, daß sie, ob nun gezeichnet oder als gezeichnete bloß vorgestellt, relativ klein ist, nämlich relativ auf die Umgebungsfläche.
Ende 369
Seite 808
Meinen Schalter, den ich auf der 2. Stufe von mir aus eingebaut hatte, scheine ich nun wieder abbauen zu können. Er wurde für mich nötig, weil der Begriff Form und Gehalt wie Gegenform und Gegengehalt bereits in sich enthält, wie Praus sagte, weil Tisch eben immer zugleich bedeutet: „nicht was anderes", also „nicht Nichttisch" womit sich die Zugehörigkeit zu der entsprechenden Anschauung (über meinen Schalter) von selbst ergibt. Nun aber taucht für Prauss das Problem auf, das für mich noch nicht verständlich ist, - höchstens darin, daß es da ist, - daß eben auch Begriff und Gegenbegriff - rot und nichtrot - einer Anschauung und Gegenanschauung - Rot und Nichtrot - gegenübersteht oder stehen kann, wobei beides durchaus in einem Punkt der 1. Stufe auch zugleich gegeben sein kann, und dazu kommt nun - nicht ganz klar von dem anderen Wechsel getrennt, den ich vielleicht als externen Wechsel bezeichnen soll, wo z.B. rot und grün wie Rot und Grün als Unterschiedliches in einem Punkt auftreten kann, was dann zugleich auch nichtrot und nichtgrün (als Begriffe) bzw Nichtrot und Nichtgrün also als vier unterschiedliche Anschauungen zugleich auftreten könnten, wenn der Gegenstand sich in Bewegung oder der Gehalt sich in Veränderung oder Bewegung befindet, - wogegen die bisher erläuterte Beharrlichkeit auf immer die gleiche Affektion bezogen war.
Auch hier hatte ich für mich bereits die Lösung vorausgesetzt, daß die unterschiedlichen Affektionen bei einer Veränderung durch das Gedächtnis miteinander verknüpft werden und derart auf 3. Stufe zu einem Gesamtereignis verbunden und gedeutet werden, wie wir es aus dem alltäglichen Leben kennen, wie z.B. aus vielen Tagen Krieg oder Streit am Ende „der Krieg" oder „der Streit" wird, - wobei dann praktisch die Kategorien von Kant Gedächtnisfunktionen wären.
Aber soweit ist die Herleitung bei Prauss noch nicht gelangt.
Seite 809
Was Kant mit den Kategorien - wie immer er sie gefunden hat - als die Verstandesstrukturen einer Erkenntnis dahinsetzt, nach denen der Verstand nach seiner (in der Tat unhaltbaren Auffassung, wie ich Prauss folge;) den Sinneseindruck verarbeitet oder aufschlüsselt oder formt bzw. versteht, erzeugt in mir nun gar nicht das Gefühl von Kritik oder Klügersein, sondern im Gegenteil einen geradezu unheimlichen Respekt vor der Leistung, wie genial, umfassend und breit Kant dem Kern der ganzen Problematik nahegekommen ist, wobei mir bei der anstehenden Problematik, die Prauss nun angeht, geradezu schwindelig wird.

Die beiden ersten mathematischen Kategorien gelten nach Prauss bereits für die ersten beiden Stufen und sind deswegen konstitutiv, die dynamischen Kategorien kommen erst auf der 3. Stufe in Zusammenhang mit Bewegung ins Spiel, was eben eine objektive bzw. objektivierte Zeit voraussetzt, wobei der Zusammenhang von Bewegung und Zeit als Grundstruktur der Zeit oder des Punktes (siehe oben bei Prauss Seite 366 unten und 367; Marginalien Seite 51) nun als Voraussetzung ansteht, auch noch das objektive „Jetzt" erstellen zu können, was bei einer beharrlichen Welt, die immer starr und ohne Ereignis ist, auch noch nicht aktuell wäre. Wo sich nichts bewegt oder verändert, vergeht auch keine objektive Zeit.

Aber es ist bei Prauss keinesfalls das Gedächtnis gemeint, durch das Veränderung bzw. Bewegung einerseits und Anschauung wie Gegenanschauung andererseits im Begriff allesamt in einem Punkt - quasi als Rohstoff - enthalten sind bzw. durch ihn gebildet werden können, - als wenn ich das Hier eines Vorhins vergleiche mit dem Hier eines Jetzts: angelehnt an Aristoteles (glaube ich) denkt sich Praus eine Linie, die z.B. zu einem 1. Teil rot ist und zum anderen 2. Teil blau ist, wobei genau der ideale Punktdes Aufeinandertreffens auch die logische Voraussetzung besitzt, nämlich ohne Ausdehnung, wo Rot und Blau zugleich sowohl räumlich wie auch zeitlich zusammentreffen dann sowohl gemeinsam als Voraussetzung für die Begriffe Rot und Blau als Punkt der Veränderung von Rot zu Blau wie auch für die räumliche Vorstellungen Rot und Blau einerseits wie auch für Nichtrot und Nichtblau andererseits zu bilden und damit auch die richtige Reihenfolge „von Rot zu Blau" als Veränderung und „von Hier zu Dort" als Bewegung enthält, - denn in dem idealen Zeitpunkt ist „Vorher Rot und Nachher Blau" bzw. „erst Hier dann Da" während in der Vorstellung „hier" Rot und „da" Blau ist.
Natürlich fragt man sich, ob diese geniale Lösung des Problems der Bewegung durch diese
Verknüpfung der synthetischen Linie von Prauss und der analytischen von Aristoteles tragfähig ist, oder ob es Prauss nur auf den Nachweis der Denkbarkeit oder dem Zugang zu einer solchen Denkbarkeit ankommt.
Seite 823
Hier greift Prauss genau diese Problematik auf, dabei muß ich mir nun entweder das Verb des Prädikats Rutschen als der punktförmige Begriff denken und (vielleicht) erstmal absehen von dem Subjekt z.B. „Tisch" in dem Satz „Der Tisch rutscht." oder in dem bisherigen System denken und beides verbinden in dem Satz „Die ist ein rutschender Tisch.". Man muß dieses wohl erstmal offen lassen um die Logik des Folgenden verstehen zu können.

Aber genau diesen Denkansatz bezeichnet Prauss denn auch als Sackgasse, weil damit die Komplexität des Bewegungsprädikats „Rutschen" verdeckt wird, die es von Ruheprädikaten wie »Stehen«, »Liegen«, »Sosein«, »Rotsein« grundsätzlich unterscheidet.

Seite 825 Mitte
Ohne auf die von mir gespürte Problematik zu kommen, geht es Prauss erstmal darum - wie ja auch die Kapitelüberschrift besagt - den Unterschied von Ruhe- und Bewegungsprädikat zu zeigen, die in der zusätzlichen Komplexität des Letzteren besteht, daß sich also das Partizip eines Ruheverbs am Ende durch das Prädikat einer bestimmten Raumform ersetzen läßt, was bei einem Bewegungsprädikat nicht geht.

Seite 828, 2. Abschnitt
Die Analyse als Probe ( als Geländer)
Seite 835, 2. Absatz
Hier dürfte auch der Grund, der uralte Grund für diese Sackgasse in Erinnerung kommen, daß man keineswegs etwa das Subjekt als Begriff und das Prädikat als die Anschauung verstehen und derart unterscheiden darf; es sind alles Begriffe bei der Tisch ist rot

(zurück bis Seite 390)Ich glaube, daß Prauss hier - reichlich nebenläufig - den Dreh- und Angelpunkt seiner folgenden Ableitung oder Philosophie formuliert hatte, was man sich vereinfacht etwa so vorstellen kann: daß sich nämlich mit diesem
Immerwieder
das Kontinuum Zeit ergibt und mit dem Immerwoanders als
Imerwoandershin
das Kontinuum Raum.
Seite 808
Meinen Schalter, den ich auf der 2. Stufe von mir aus eingebaut hatte, scheine ich nun wieder abbauen zu können. Er wurde für mich nötig, weil der Begriff Form und Gehalt wie Gegenform und Gegengehalt bereits in sich enthält, wie Praus sagte, weil Tisch eben immer zugleich bedeutet: „nicht was anderes", also „nicht Nichttisch" womit sich die Zugehörigkeit zu der entsprechenden Anschauung (über meinen Schalter) von selbst ergibt. Nun aber taucht für Prauss das Problem auf, das für mich noch nicht verständlich ist, - höchstens darin, daß es da ist, - daß eben auch Begriff und Gegenbegriff - rot und nichtrot - einer Anschauung und Gegenanschauung - Rot und Nichtrot - gegenübersteht oder stehen kann, wobei beides durchaus in einem Punkt der 1. Stufe auch zugleich gegeben sein kann, und dazu kommt nun - nicht ganz klar von dem anderen Wechsel getrennt, den ich vielleicht als externen Wechsel bezeichnen soll, wo z.B. rot und grün wie Rot und Grün als Unterschiedliches in einem Punkt auftreten kann, was dann zugleich auch nichtrot und nichtgrün (als Begriffe) bzw Nichtrot und Nichtgrün also als vier unterschiedliche Anschauungen zugleich auftreten könnten, wenn der Gegenstand sich in Bewegung oder der Gehalt sich in Veränderung oder Bewegung befindet, - wogegen die bisher erläuterte Beharrlichkeit auf immer die gleiche Affektion bezogen war.
Auch hier hatte ich für mich bereits die Lösung vorausgesetzt, daß die unterschiedlichen Affektionen bei einer Veränderung durch das Gedächtnis miteinander verknüpft werden und derart auf 3. Stufe zu einem Gesamtereignis verbunden und gedeutet werden, wie wir es aus dem alltäglichen Leben kennen, wie z.B. aus vielen Tagen Krieg oder Streit am Ende „der Krieg" oder „der Streit" wird, - wobei dann praktisch die Kategorien von Kant Gedächtnisfunktionen wären.
Aber soweit ist die Herleitung bei Prauss noch nicht gelangt.
Seite 809
Was Kant mit den Kategorien - wie immer er sie gefunden hat - als die Verstandesstrukturen einer Erkenntnis dahinsetzt, nach denen der Verstand nach seiner (in der Tat unhaltbaren Auffassung, wie ich Prauss folge;) den Sinneseindruck verarbeitet oder aufschlüsselt oder formt bzw. versteht, erzeugt in mir nun gar nicht das Gefühl von Kritik oder Klügersein, sondern im Gegenteil einen geradezu unheimlichen Respekt vor der Leistung, wie genial, umfassend und breit Kant dem Kern der ganzen Problematik nahegekommen ist, wobei mir bei der anstehenden Problematik, die Prauss nun angeht, geradezu schwindelig wird.

Die beiden ersten mathematischen Kategorien gelten nach Prauss bereits für die ersten beiden Stufen und sind deswegen konstitutiv, die dynamischen Kategorien kommen erst auf der 3. Stufe in Zusammenhang mit Bewegung ins Spiel, was eben eine objektive bzw. objektivierte Zeit voraussetzt, wobei der Zusammenhang von Bewegung und Zeit als Grundstruktur der Zeit oder des Punktes (siehe oben bei Prauss Seite 366 unten und 367; Marginalien Seite 51) nun als Voraussetzung ansteht, auch noch das objektive „Jetzt" erstellen zu können, was bei einer beharrlichen Welt, die immer starr und ohne Ereignis ist, auch noch nicht aktuell wäre. Wo sich nichts bewegt oder verändert, vergeht auch keine objektive Zeit.

Aber es ist bei Prauss keinesfalls das Gedächtnis gemeint, durch das Veränderung bzw. Bewegung einerseits und Anschauung wie Gegenanschauung andererseits im Begriff allesamt in einem Punkt - quasi als Rohstoff - enthalten sind bzw. durch ihn gebildet werden können, - als wenn ich das Hier eines Vorhins vergleiche mit dem Hier eines Jetzts: angelehnt an Aristoteles (glaube ich) denkt sich Praus eine Linie, die z.B. zu einem 1. Teil rot ist und zum anderen 2. Teil blau ist, wobei genau der ideale Punktdes Aufeinandertreffens auch die logische Voraussetzung besitzt, nämlich ohne Ausdehnung, wo Rot und Blau zugleich sowohl räumlich wie auch zeitlich zusammentreffen dann sowohl gemeinsam als Voraussetzung für die Begriffe Rot und Blau als Punkt der Veränderung von Rot zu Blau wie auch für die räumliche Vorstellungen Rot und Blau einerseits wie auch für Nichtrot und Nichtblau andererseits zu bilden und damit auch die richtige Reihenfolge „von Rot zu Blau" als Veränderung und „von Hier zu Dort" als Bewegung enthält, - denn in dem idealen Zeitpunkt ist „Vorher Rot und Nachher Blau" bzw. „erst Hier dann Da" während in der Vorstellung „hier" Rot und „da" Blau ist.
Natürlich fragt man sich, ob diese geniale Lösung des Problems der Bewegung durch diese
Verknüpfung der synthetischen Linie von Prauss und der analytischen von Aristoteles tragfähig ist, oder ob es Prauss nur auf den Nachweis der Denkbarkeit oder dem Zugang zu einer solchen Denkbarkeit ankommt.
Seite 823
Hier greift Prauss genau diese Problematik auf, dabei muß ich mir nun entweder das Verb des Prädikats Rutschen als der punktförmige Begriff denken und (vielleicht) erstmal absehen von dem Subjekt z.B. „Tisch" in dem Satz „Der Tisch rutscht." oder in dem bisherigen System denken und beides verbinden in dem Satz „Die ist ein rutschender Tisch.". Man muß dieses wohl erstmal offen lassen um die Logik des Folgenden verstehen zu können.

Aber genau diesen Denkansatz bezeichnet Prauss denn auch als Sackgasse, weil damit die Komplexität des Bewegungsprädikats „Rutschen" verdeckt wird, die es von Ruheprädikaten wie »Stehen«, »Liegen«, »Sosein«, »Rotsein« grundsätzlich unterscheidet.

Seite 825 Mitte
Ohne auf die von mir gespürte Problematik zu kommen, geht es Prauss erstmal darum - wie ja auch die Kapitelüberschrift besagt - den Unterschied von Ruhe- und Bewegungsprädikat zu zeigen, die in der zusätzlichen Komplexität des Letzteren besteht, daß sich also das Partizip eines Ruheverbs am Ende durch das Prädikat einer bestimmten Raumform ersetzen läßt, was bei einem Bewegungsprädikat nicht geht.

Seite 828, 2. Abschnitt
Die Analyse als Probe ( als Geländer)
Seite 835, 2. Absatz
Hier dürfte auch der Grund, der uralte Grund für diese Sackgasse in Erinnerung kommen, daß man keineswegs etwa das Subjekt als Begriff und das Prädikat als die Anschauung verstehen und derart unterscheiden darf; es sind alles Begriffe bei „der Tisch ist rot"

Seite 922
Was zuerst wie ein Widerspruch zur Realität gerade des vergangenen Jahrhunderts "angewandter Aufklärung" erscheint, mit der Mensch, Fauna und Florra zum Material aus Materie und zur geistlosen Sache erklärt und als solche behandelt wurde, was aber auch dem primitiven Materialismus zu widersprechen scheint, als ginge es im Leben um nichts als Sachen, ist gewissermaßen also eine Fehlfunktion, bei der sowohl die Zeit wie derr Mensch als Sache objektiviert wird: "Deine Zeit ist abgelaufen."

Seite 928 Mitte
Die ständig zu erfolgende emanzipation zur Wissenschaftliochkeit würde und wird ohne philosophische Reflektion zum kindischen automatismus der Verleugnung jeder Subjektivität als etwas Geistiges.

Seite 929
Geist als Teil des Leibes, des Körpers, oder Geist als Teil oder Produkt der Welt zu denken, war also von Beginn aller Philosophie an ein Fehlansatz, der die Problematik des ganzen Mittelalters bestimmte und bis heute bestimmt. Der Geist ist erst verstanden, wenn er als Voraussetzung unserer menschlichen Existenz und auch der ganzen Welt verstanden ist.

Seite 930
Die drängende Frage, ob Geist nicht nur Zeitform ist, sondern das subjektiv Zeitliche oder die Zeit nicht selbst bereits Geist ist, stellt Prauss hier zurück, so als sei beides gemeint;
er verweist hier auf die Absurdität einer apriorischen Aposteriorität" als die gemeinhin Sprache als immer schon, also als bereits vor dem Auftauchen eines heutigen Individuums vorhanden gesehen wird, in die ein Mensch hineingeboren und hineinerzogen und durch die erst ein Mensch zum Denken gebracht werde.
Sicher hat diese Absurdität etwas Plausibles, insofern ein Kind in die Sprache der eltern und der sozialen Gemeinschaft hineingeboren wird, weswegen es unterschiedliche Sprachen und Dialekte gibt, was aber eben nur für die Verlautbarung von Erkenntnis gelten kann, die man nicht mit der Erkenntnis selbst und der Begrifflichkeit selbst verwechseln darf, - was eben auch zu der fehlerhaften Annahme verführt, als sei auch die Erkenntnis in dem Erkannten immer schon vorgegeben.
Hier zeigt sich nicht nur Prauss als Nichtlinker einer Ideologie, sondern erst recht die Schwierigkeit, die Ismen und Ideologien samt Ideale immer mit sich selbst und mit dem einzelnen Subjekt haben, das dabei eben nicht als Erkennendes sondern als Ungenauigkeit und gar als Hindernis und Störfaktor auf dem Weg zur Wahrheit empfunden wird, die im Objekt gesucht und dort als vorhanden vorausgesetzt wird.
Dieser andere Aspekt dieser Schwierigkeit liegt in der Erkenntnis, wenn man das vorher gegebene nicht als das Verstehen sieht, sondern - wie die Sprache - eben als vorgegebenes Objekt: Die Vergangenheit kann nicht vor der Erkenntnis, sonder als Folgerung aus der Erkenntnis des Früheren immer nur nachher erfolgen.
 
 
 

Seite 922
Was zuerst wie ein Widerspruch zur Realität gerade des vergangenen Jahrhunderts
"angewandter Aufklärung" erscheint, mit der Mensch, Fauna und Florra zum Material aus
Materie und zur geistlosen Sache erklärt und als solche behandelt wurde, was aber auch dem
primitiven Materialismus zu widersprechen scheint, als ginge es im Leben um nichts als
Sachen, ist gewissermaßen also eine Fehlfunktion, bei der sowohl die Zeit wie derr Mensch als
Sache objektiviert wird: "Deine Zeit ist abgelaufen."

Seite 928 Mitte
Die ständig zu erfolgende emanzipation zur Wissenschaftliochkeit würde und wird ohne
philosophische Reflektion zum kindischen automatismus der Verleugnung jeder Subjektivität
als etwas Geistiges.

Seite 929
Geist als Teil des Leibes, des Körpers, oder Geist als Teil oder Produkt der Welt zu denken,
war also von Beginn aller Philosophie an ein Fehlansatz, der die Problematik des ganzen
Mittelalters bestimmte und bis heute bestimmt. Der Geist ist erst verstanden, wenn er als
Voraussetzung unserer menschlichen Existenz und auch der ganzen Welt verstanden ist.

Seite 930
Die drängende Frage, ob Geist nicht nur Zeitform ist, sondern das subjektiv Zeitliche oder die
Zeit nicht selbst bereits Geist ist, stellt Prauss hier zurück, so als sei beides gemeint;
er verweist hier auf die Absurdität einer apriorischen Aposteriorität" als die gemeinhin Sprache
als immer schon, also als bereits vor dem Auftauchen eines heutigen Individuums vorhanden
gesehen wird, in die ein Mensch hineingeboren und hineinerzogen und durch die erst ein
Mensch zum Denken gebracht werde.
Sicher hat diese Absurdität etwas Plausibles, insofern ein Kind in die Sprache der eltern und
der sozialen Gemeinschaft hineingeboren wird, weswegen es unterschiedliche Sprachen und
Dialekte gibt, was aber eben nur für die Verlautbarung von Erkenntnis gelten kann, die man
nicht mit der Erkenntnis selbst und der Begrifflichkeit selbst verwechseln darf, - was eben auch
zu der fehlerhaften Annahme verführt, als sei auch die Erkenntnis in dem Erkannten immer
schon vorgegeben.
Hier zeigt sich nicht nur Prauss als Nichtlinker einer Ideologie, sondern erst recht die
Schwierigkeit, die Ismen und Ideologien samt Ideale immer mit sich selbst und mit dem
einzelnen Subjekt haben, das dabei eben nicht als Erkennendes sondern als Ungenauigkeit und
gar als Hindernis und Störfaktor auf dem Weg zur Wahrheit empfunden wird, die im Objekt
gesucht und dort als vorhanden vorausgesetzt wird.
Dieser andere Aspekt dieser Schwierigkeit liegt in der Erkenntnis, wenn man das vorher
gegebene nicht als das Verstehen sieht, sondern - wie die Sprache - eben als vorgegebenes
Objekt: Die Vergangenheit kann nicht vor der Erkenntnis, sonder als Folgerung aus der
Erkenntnis des Früheren immer nur nachher erfolgen.
 

Band 2, (endlich!)
Die grundsätzliche Frage wird auf die Unterscheidung hinausgehen zwischen einem
physikalischen Geschehen, aber auch zwischen der unbewußten oder unterbewußten
körperlichen Bewegung, - was man z.B. als Künstler als intuitiv, als Stil oder Duktus
bezeichnen kann, - einerseits, und andererseits der bewußten Handlung aufgrund einer Absicht.
Natürlich hoffen wir auch auf eine Antwort auf die Frage: Was geschieht bei jener doppelten
Kausalität von Absicht und Naturgesetz, wenn der Mensch z.B. Evolution nicht nur geschehen
läßt, sondern bewußt als Handlung selbst vollzirht, wie Hitler mit seinem Holocoust.
Theologisch gilt dieses zugleich für die Frage der göttlichen Vorsehung, des göttlichen Willens
oder seiner Handlung und dem menschlichen Folgen, Gehorchen, oder der menschlichen
Nachhilfe, wie es zur Zeit im Islam zur Diskussion steht. Wir erkennen die Verwandschaft von
Kunst bzw. Kunsttheorie und Theologie.

Band 2, Seite 1, 1. Absatz
Theorie und Praxis stehen beide als das Subjekt, als das Intendieren dem Objekt gegenüber;
beide, nämlich Theorie und Praxis werden dadurch Wirklichkeit und Erfolg, soweit sie das
Objekt als etwas anderes zu beidem verwirklichen.
2. Absatz
Daß Handlungstheorie bislang im Argen liegt, hat seine Ursache genau darin, daß man den
Unterschied von Theorie und Praxis

 Marginalien zu Band 2 neu am 18. April 2001wecheln zur Seite "http://people.freenet.de/Praussdiskussion"

(dort sind alle Texte !)




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