VII. WIE UNSER

SELBSTBEWUSSTSEIN ZU

VERSCHIEDENEN ARTEN

VON BEWUSSTSEIN WIRD

Gerold Prauss, „Die Welt und wir“ Metzler, Seite 883

(Zeitmodell)

§ 22. Wie unser Selbstbewußtsein zum

Bewußtsein unserer Fremderkenntnis von Objekten wird

Was wir nunmehr zu versuchen haben, werden Sie nur mitverfolgen können, wenn Sie schon von vornherein voll überblicken, welcher Problematik wir uns damit stellen müssen. Kann es doch nicht fraglich sein, daß Selbsterkenntnis eines Selbstbewußtseins auftritt, nämlich jedesmal, wenn ein Subjekt durch »ich« sich auf sich selbst bezieht. Denn was auch immer diesem »ich«, das ja recht eigentlich ein »Ich ...« bedeutet1, dann im einzelnen noch folgen mag, - in jedem Fall nimmt ein Subjekt dadurch Bezug auf sich als Selbstbewußtsein jener in sich dreistufigen Absicht oder Intention. Nur nimmt als diese oder dieses ein Subjekt erst einmal ausschließlich auf etwas Anderes als sich Bezug, auf ein Objekt, um es als den Erfolg für sich auch zu erwirken. Deshalb ist ein Subjekt ein thematisierendes Bewußtsein dabei auch ausschließlich als das Fremdbewußtsein einer Fremderkenntnis vom Objekt als diesem Anderen, wogegen ein Subjekt das Selbstbewußtsein von sich selbst dabei noch nicht als ein thematisierendes Bewußtsein von sich selbst ist. Vielmehr ist genau in diesem Sinn das dreistufige innere Intentionalitätsg<?/Mge jeder Absicht oder Intention auch förmlich ein Intentionalitätsge/aV/e, nämlich weg vom Intendieren hin zum Intendierten: zum Erfolg als dem durch Intendieren erst noch zu verwirklichenden Objekt.

Deshalb heißt es, um im Bild zu bleiben, dann genau in diesem Sinn auch förmlich gegen einen Strom zu schwimmen, wie er reißender nicht sein kann, wenn ein Subjekt nicht mehr nur nach

l Vgl. oben § 15, S. 606 ff.

 

vorwärts auf ein Objekt, sondern zusätzlich auch noch nach rückwärts auf sich selbst als ein Subjekt Bezug nimmt. Tut es dies doch jedesmal, wenn es nicht nur durch »Dies ...« zum Beispiel urteilt »Dies ist rund«, wodurch es ausschließlich ein Objekt intendiert, sondern durch »Ich ...« zum Beispiel noch des weiteren »Ich sehe, dies ist rund«, wodurch es auch sich selbst als das so intendierende Subjekt noch intendiert. Entsprechend gilt, um weiterhin im Bild zu bleiben: Nicht nur fließt es dabei als der Strom dieses Inten-tionalitätsgefälles bloß nach vorwärts, zum Objekt hin, sondern schwimmt zugleich auch umgekehrt und zusätzlich noch gegen diesen Strom nach rückwärts zu sich selbst als Subjekt hin. Und damit strebt es eben auch noch weiter, nämlich zusätzlich auch umgekehrt noch weg von dem ursprünglich intendierten Objekt hin zu sich als dem ursprünglich intendierenden Subjekt, um sich als das zunächst einmal doch nur nach vorwärts intendierende Subjekt auch seinerseits nach rückwärts noch zu intendieren.

Das geradezu nach vorwärts Reißende dieses ursprünglichen Intentionalitätsgefälles werden Sie denn auch wohl nicht als übertrieben ansehen wollen. Ist mit ihm doch nichts geringeres als das zunächst einmal naturwüchsigste Intendieren als ausschließliche Objektbezogenheit bezeichnet. Und das sind nicht nur die Tiere, sondern auch wir Menschen, weil auch wir zunächst einmal doch selber Tiere sind, aus denen Menschen dann erst immer durch das Wissen von sich selbst als Tieren werden, das mit einer Intention wie der durch »Ich ...« ja immer erst entspringt. Und wenn Sie das Naturwüchsigste dieses ursprünglichen Intendierens als Dynamik jener in sich dreistufigen Energieleistung auch weiterhin beachten, werden Sie verstehen: Erst recht kann dann ein zusätzliches Intendieren als die Umkehrung dazu auch seinerseits nur als Dynamik einer weiteren Energieleistung erklärbar werden, die desgleichen nur die Sache jener Spontaneität und Freiheit sein kann, auf die schon die erstere zurückgeht. Jedenfalls kann danach hinter einem Wissen von sich selber, wie ein Subjekt es durch »Ich ...« zustande bringt, von vornherein auch nur ein von sich selber Wissenwollen« stehen, das auch seinerseits in vollem Sinn ein Intendieren sein muß.

Innerhalb der Problematik, der wir uns zu stellen haben, ist daher als erstes problematisch: Dieses neue Rückwärtsintendieren muß aus eben diesem Grund im Zuge jenes alten Vorwärtsinten-

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dierens selber sich vollziehen; und dennoch kann es nicht als eine weitere zu den drei Stufen sich vollziehen, in denen jenes Vorwärtsintendieren sich vollzieht. Zum einen deshalb nicht, weil die drei Stufen jenes Vorwärtsintendierens alle Möglichkeiten für Verhältnisse von Punkt und Ausdehnung als Zeit und Raum im Sinn der Selbstausdehnung dieses Punktes schon erschöpfen. Und zum anderen auch deshalb nicht, weil dieses Rückwärtsintendieren sich schon innerhalb der dritten Stufe jenes Vorwärtsintendierens selbst vollziehen muß. Denn Wissen eines Subjekts von sich selbst muß ja für Wissen dieses Subjekts von einem Objekt als bloßem solchen oder von einem Objekt als einer anderen Person bereits bestehen2, weil das auch mindestens beim menschlichen Subjekt auf dritter Stufe schon der Fall ist. Vielmehr kann sich dieses Rückwärtsintendieren nur noch ohne eine weitere Ausdehnung von Zeit oder von Raum vollziehen und muß gleichwohl auch selbst in irgendeinem Sinn noch ein Verhältnis von der Art jener Verhältnisse ergeben, wie sie unter den Verhältnissen von Punkt und Ausdehnung bestehen. Trotzdem nämlich muß dieses Verhältnis wie ein jedes von den vorigen Verhältnissen als ein synthetisch-faktisches Verhältnis innerhalb von Subjektivität sich bilden. Schon von vornherein ist daher problematisch, wie sich noch ein weiteres Verhältnis dieser Art ergeben kann, weil feststeht, daß es sich ergeben muß.

Doch problematisch daran ist noch weiteres, das Sie vor Augen haben sollten: Dieses Rückwärtsintendieren muß nicht allein genau im Gegenzug zu jenem Vorwärtsintendieren erfolgen, sondern muß als dieses gegenzügliche dann auch noch aus ihm selbst heraus erfolgen. So gewiß es nämlich jenem Vorwärtsintendieren gegenüber als ein zusätzliches und auch gegenzügliches zu ihm ein anderes als es sein muß, so kann doch dieses Rückwärtsintendieren gleichwohl nicht ein solches sein, das zu dem ersten irgend-

2 Wo auch immer hier oder im folgenden die Rede ist von Wissen als Ergebnis von Erkennen, so gerade nicht, als wäre beides nur im Sinn von Wahrheit und Gewißheit aufzufassen. Denn die Umgangssprachen, die das nahelegen, können diesbezüglich einer Spraeh-Kritik nicht standhalten. Zumindest als empirisches kann nämlich beides etwas Wahres ebenso wie etwas Falsches sein. Insofern ist die umfangreiche Diskussion einer Definition für Wissen bisher auch nur deswegen ergebnislos, weil sie buchstäblich gegenstandslos ist, da sie solches Unhaltbare unkritisch voraussetzt. Vgl. dazu jetzt R. Enskat 2005.

wie von außen her hinzutritt. Vielmehr kann es nur ein solches sein, das dann in irgendeinem Sinn von innen her wie auch nach innen hin zu ihm hinzukommt. Denn es ist ja jeweils eines und dasselbe Subjekt, das dabei im einen wie im anderen begriffen ist, weil auch nur so verständlich werden kann, daß es sich dabei insgesamt um seine Selbsterkenntnis seines Selbstbewußtseins handelt, die ein Subjekt als ein Wissen von sich selbst durch »Ich...« zustande bringt. Und problematisch ist das eben nicht allein als ein Zusammenhang von je verschiedenem Intendieren, sondern auch noch insbesondere als ein Zusammenhang von je verschiedenem Bewußtsein.

Denn es kann ja keine Frage sein, daß auch ein Wissen von sich selbst, wie es durch Rückwärtsintendieren mittels »Ich...« zustande kommt, als Selbsterkenntnis eines Subjekts ein Bewußtsein und mithin zuletzt ein Selbstbewußtsein bilden muß. Bei diesem aber kann es sich dann auch nur um ein Selbstbewußtsein eines Selbstbewußtseins handeln. Denn auch dafür gilt, daß dieses zusätzliche Selbstbewußtsein eines Subjekts keines sein kann, das zum Selbstbewußtsein dieses Subjekts irgendwie von außen her hinzutritt. Vielmehr kann es sich auch hier nur um ein Selbstbewußtsein handeln, das in irgendeinem Sinn von innen her wie auch nach innen hin zum Selbstbewußtsein eines Subjekts noch hinzukommt. Ist es doch auch jeweils eines und dasselbe Subjekt, das dabei im einen wie im anderen begriffen ist, weil auch nur so verständlich werden kann, daß es sich dabei insgesamt um das Bewußtsein seiner Selbsterkenntnis seines Selbstbewußtseins handelt. Denn ein Selbstbewußtsein eines Selbstbewußtseins hat ein Subjekt ja desgleichen, wenn es auch von einem fremden Selbstbewußtsein, das ein anderes Subjekt von sich hat, noch ein eigenes Selbstbewußtsein hat, das dann jedoch die eigene Fremderkenntnis davon ist. Die aber bringt ein Subjekt als ein Wissen über dieses fremde Selbstbewußtsein eines anderen Subjekts desgleichen durch ein Vorwärtsintendieren zustande, nämlich durch ein personales »Du ...« bzw. durch ein personales »Er ...«, »Sie ...«, »Es ...«. Nur muß dann einem solchen Vorwärtsintendieren, das als Projizieren ergeht, wie Sie schon wissen, dieses Rückwärtsintendieren durch ein personales »Ich ...« auch immer schon zugrunde liegen, das es denn auch ihm vorweg erst einmal herzuleiten gilt. Als dasjenige Selbstbewußtsein eines Subjekts, das gerade das Bewußtsein seiner

Selbsterkenntnis seines eigenen Selbstbewußtseins ist, wird es sich daher gleichfalls nur als das Verhältnis einer Differenz von Selbstbewußtsein in sich selbst als der Identität von Selbstbewußtsein fassen lassen, ein Verhältnis, wie es sich von Anbeginn als wesentlich für Subjektivität ergeben hat. Denn jegliches Bewußtein eines Subjekts, auch ein jedes Fremdbewußtsein einer Fremderkenntnis, ist Bewußtsein überhaupt nur dadurch, daß ihm jenes ursprüngliche Selbstbewußtsein dieses Subjekts auf der ersten Stufe immer schon zugrunde liegt. Und so macht jenes auch noch das Bewußtsein jener Fremdvergegenständlichung auf zweiter Stufe aus wie auch noch das Bewußtsein jener Fremdverwirklichung auf dritter Stufe.

Damit aber stehen wir gewissermaßen unter einer Art willkommenem Systemzwang, weil er uns zur Überprüfung zwingt, ob diese dreistufige Systematik denn auch dies noch hergibt. Zwingt er uns doch aufzuweisen, welche Möglichkeit denn eigentlich bestehen soll für eine weitere Bewußtseinsbildung innerhalb von dieser dreistufigen Systematik. Müssen wir doch innerhalb derselben folgerichtig weiterhin zugrunde legen, daß dergleichen wie Bewußtsein grundsätzlich zurückgehen muß auf jenes ursprüngliche Selbstbewußtsein, so daß umgekehrt auch jedes andere Bewußtsein grundsätzlich durch Ableitung von ihm aus ihm hervorgehen muß. Denn folgerichtig gilt das insbesondere, wenn es sich dabei um das abgeleitete Bewußtsein einer Selbsterkenntnis eines Subjekts von sich selbst als jenem ursprünglichen Selbstbewußtsein handeln soll. Als dieses nämlich ist ein Subjekt ja zunächst einmal gerade keine Selbsterkenntnis von sich selbst, sondern gerade jene in sich dreistufige Fremderkenntnis vom Objekt im Sinn von etwas Anderem als sich selbst. Auch das Bewußtsein dieser Selbsterkenntnis eines Subjekts also muß dann folgerichtig abgeleitet sein aus jenem ursprünglichen Selbstbewußtsein als der in sich dreistufigen Fremderkenntnis dieses Subjekts vom Objekt. Infolgedessen muß wie das Bewußtsein dieser Fremderkenntnis auch noch das Bewußtsein dieser Selbsterkenntnis als Bewußtsein eine Komplizierung und Differenzierung innerhalb von solchem Selbstbewußtsein bilden.

Nur sollten Sie den Mut davor nicht sinken lassen: Dieser ganze Aufwand ist notwendig, weil es dabei um die Aufklärung der Art von Aufwand geht, den jedes Subjekt treiben muß, das nicht nur

vom Objekt, sondern auch von sich selbst als dem Subjekt noch wissen will. So muß es diesen Aufwand beispielsweise treiben, wenn es nicht nur über ein Objekt urteilen will, wie etwa »Dies ist rund«, sondern auch über sich als ein Subjekt noch, wie etwa »Ich sehe, dies ist rund«. Und dieser Aufwand ist doch immerhin so groß, daß keineswegs ein jedes Subjekt ihn erbringen kann, zum Beispiel nicht ein jedes tierliche Subjekt, ja daß auch ein Subjekt, das ihn erbringen kann, ein menschliches zum Beispiel, ihn nicht ohne weiteres erbringt, weil es nicht ohne weiteres auch von sich selbst noch wissen will. Doch wenn ein Subjekt ihn erbringt, weil es auch von sich selbst noch wissen will, so treibt es eben einen zusätzlichen Aufwand an Intentionalität und an Bewußtseinsbildung, der synthetisch-faktisch über jenen in sich dreistufigen grundsätzlich hinausgeht. Jenem gegenüber hat er dadurch dann auch eine Sonderstellung, und zwar nicht nur als ein Intendieren, nämlich als ein von sich Wissenwo/fo«, sondern auch noch als ein Selbstbewußtsein, nämlich als ein von sich Wissenwollen. Und die Sonderstellung eben dieses Aufwands gilt es nunmehr aufzuklären, wozu wir noch einmal in Kürze jene dreistufige innere Struktur von beidem zu durchlaufen haben, um aus ihr heraus dann auch noch diese zusätzliche Möglichkeit für beides herzuleiten. Und zwar mit dem Ziel, erst einmal wenigstens an einem Beispiel wie »Ich sehe, dies ist rund« die innere Struktur dieses Bewußtseins einer Selbsterkenntnis aufzuklären, was alles andere als einfach ist.

a) Selbstbewußtsein als Bewußtseinsursprung

Der Ausgangspunkt für jene in sich dreistufige Absicht oder Intention eines Subjekts wie »Dies ist rund« war jener Punkt der Zeit als erster Stufe, deren innere Struktur das Zeit-Modell verbürgt. Auch ohne Kreide, Schwamm und Tafel können Sie es konstruieren, wenn Sie zurückgreifen auf jenes Lehrstück, ein »bewegter« Punkt erzeuge eine Linie, und so erzeuge auch eine »bewegte« Linie eine Fläche und eine »bewegte« Fläche einen Körper3. Klar ist nämlich, daß dabei mit der »Bewegung« nur die Selbstausdehnung von etwas gemeint sein kann, wonach die Linie das Ergebnis einer ganz

3 Vgl. Aristoteles, De anima, 409 a 4-5.

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Selbstbewußtsein als Bewußtsein unserer Fremderkenntnis

bestimmten Selbstausdehnung eines Punktes sein soll und die Fläche das Ergebnis einer ganz bestimmten Selbstausdehnung einer Linie und der Körper das Ergebnis einer ganz bestimmten Selbstausdehnung einer Fläche.

Implizit enthält dies Lehrstück aber mindest zwei Voraussetzungen, die zu explizieren sind: erst einmal eine analytische, weil jede solche Selbstausdehnung eine Ausdehnung in irgendeine Richtung sein muß, durch die dann auch noch die zu ihr umgekehrte Richtung festgelegt sein muß; sodann eine synthetische Voraussetzung: Durch solche Selbstausdehnung (1) eines Punktes, (2) einer Linie oder (3) einer Fläche kommt es zur Erzeugung (1) einer Linie, (2) einer Fläche oder (3) eines Körpers nur, wenn beim Entstehen von Ausdehnung in einer Richtung es auch noch zu dem Bestehen von ihr und nicht etwa auch noch zu dem Vergehen von ihr in umgekehrter Richtung kommt. Das heißt: Durch solche jeweilige Selbstausdehnung kommt es zu der Ausdehnung von (1) einer Linie, (2) einer Fläche oder (3) einem Körper als der räumlichen nur dann, wenn sich an ihr Entstehen auch noch ihr Bestehen anschließt und nicht etwa auch noch ihr Vergehen.

Doch ist diese letztere, synthetische Voraussetzung erst einmal explizit gemacht, kann sie genauso explizit auch unterbleiben, um genauso explizit das Gegenteil derselben zur synthetischen Voraussetzung zu machen. Das bedeutet, es erfolge solche jeweilige Selbstausdehnung vielmehr so, daß dem Entstehen von Ausdehnung sich nicht auch das Bestehen von ihr noch anschließt, sondern auch noch das Vergehen von ihr in umgekehrter Richtung. Nunmehr dieses Gegenteil vorauszusetzen, ist nicht widersprüchlich, weil ihm diese Unterscheidung zwischen diesen beiden Richtungen zugrunde liegt. Von daher läuft das nicht etwa darauf hinaus, vorauszusetzen, diese jeweilige Selbstausdehnung soll erfolgen und auch nicht erfolgen, wodurch Ausdehnung entspringen und auch nicht entspringen soll, was widersprüchlich wäre. Wegen dieser dabei unterschiedenen Richtungen läuft dies vielmehr darauf hinaus, vorauszusetzen, diese jeweilige Selbstausdehnung soll auf eine ganz bestimmte Art erfolgen, wodurch Ausdehnung sehr wohl entspringt, nur eben Ausdehnung von einer ganz bestimmten Art: als zeitliche4. Im Fall der Selbstausdehnung (1) eines Punktes näm-

4 Und auch für Zeit bleibt dieser Unterschied der Richtungen gewahrt, indem er zum speziellen Unterschied der Richtungen von Zeit wird: Ihm zufolge ist die Ausdehnung von Zeit ausschließlich zum Entstehen hin gerichtet und in keinem Sinn auch zum Vergehen hin, womit die Herleitung der Anisotropie von Zeit gewonnen ist, nach deren Ursprung man bis heute noch vergeblich sucht.

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lich führt das absolut-exakt zur Konstruktion von jenem Zeit-Modell, die Sie durch Kreide, Schwamm und Tafel allenfalls veranschaulichen können\

Durch die Selbstausdehnung eines Punktes ist die Zeit danach die Ausdehnung von ihm, die er nur innerhalb von sich besitzt, und nicht etwa auch außerhalb von sich, wie diejenige irgendeines Raumes. Demgemäß ist es zunächst einmal auch dieser Punkt, der durch die Art der Ausdehnung, die er nur innerhalb von sich besitzt, fortwährend ebenso entsteht wie auch vergeht und damit eben Punkt und Ausdehnung der Zeit meinem ist. Und dadurch ist er ständig ebenso Identität wie Differenz, jedoch als Differenz in sich oder zu sich, bzw. ständig ebenso ein selbiger wie anderer, jedoch als anderer in sich oder zu sich. Daß er das widerspruchsfrei ist, liegt denn auch unter anderem an dieser seiner Selbstausdehnung, derzufolge er dies immer wieder nur dynamisch wird und so gerade niemals etwa statisch ist. Die Zeit ist danach eben nicht einfach nur Ausdehnung als Nacheinander, wie man bisher immer wieder fälschlich meinte, sondern eben Ausdehnung als Nacheinander eines Punktes, was das Zeit-Modell als widerspruchsfrei sicherstellt.

Was sich mit dieser inneren Struktur der Zeit als widerspruchsfrei halten läßt, ist dann das erste der Verhältnisse, das allen weiteren Verhältnissen von dieser Art zugrunde liegt, die miteinander insgesamt die jeweils dreistufige innere Struktur eines Subjekts als Absicht oder Intention wie »Dies ist rund« gestalten. Schon für diese Zeit als deren erste Stufe heißt das nämlich weiter: Widerspruchsfrei muß sie ihrer inneren Struktur nach ontologisch wie bewußtseinstheoretisch eine unlösbare Einheit einer Selbst-

 

5 Indem dieses Modell die Widerspruchsfreiheit für eine Selbstausdehnung sichert, setzt es auch noch einen Maßstab für die Rede unserer Kosmologen von der Selbstausdehnung unseres Weltalls. Wie es heißt, erfolge diese nämlich nicht in einen schon bestehenden Raum hinein, sondern gerade so, daß auch der Raum dabei durch Selbstausdehnung erst entstehe. Ist bisher doch alles andere als klar, wie auch noch für die letztere die Widerspruchsfreiheit gesichert werden könnte. Vgl. dazu C. Friebe 2004 c.

Verwirklichung und eines Selbstbewußtseins dieser Selbstverwirklichung von sich sein, weil sie beide auch nur miteinander widerspruchsfrei sind, was erst durch die entsprechende Begrifflichkeit verständlich werden kann6. Je für sich selbst genommen nämlich scheinen Selbstverwirklichung und Selbstbewußtsein etwas in sich Widersprüchliches zu sein. Doch das liegt nur daran, daß man sie fälschlich auseinanderfallen läßt, weil sie recht eigentlich vielmehr eine ursprüngliche und unlösbare Einheit miteinander bilden.

So erscheint bisher die Selbstverwirklichung von etwas nur aus dem Grund widersprüchlich, weil man fälschlich annimmt, Ursache und Wirkung müßten dabei schlicht zusammenfallen, nämlich schlicht dasselbe sein, was aber gar nicht zutrifft. Denn in diesem Fall der Zeit als Punkt und Ausdehnung ineinem läßt sich innerhalb von ihr als dieser Einheit sehr wohl unterscheiden zwischen Ursache und Wirkung. Danach nämlich ist sie nur als Punkt die Ursache und nur als Ausdehnung die Wirkung. Denn auch nur durch deren grundsätzliche Unterscheidung, die ja keine Trennung ist, kann sinnvoll von der Selbstausdehnung eines Punktes als der Selbstverwirklichung von ihm zu Zeit die Rede sein. Entsprechend handelt es sich dabei eben nicht um einen Punkt, den es zunächst als einen nicht sich ausdehnenden geben müßte, weil er angeblich auch erst hernach noch zu einem sich ausdehnenden werden könnte, sondern umgekehrt: Es handelt sich dabei um einen Punkt, den es von vornherein und weiterhin nur gibt, indem er als sich ausdehnender auftritt, weil es auch nur in Gestalt von einem solchen Zeit gibt: Weder in Gestalt von einem Punkt, der nicht sich ausdehnt, noch auch in Gestalt von einer Ausdehnung, die nicht als ein sich ausdehnender Punkt zustande kommt, gäbe es Zeit.

Was es dabei schon immer geben muß, ist vielmehr nur der hochorganisierte Körper eines Subjekts als die Möglichkeit für solche Wirklichkeit von Zeit, die als etwas Mentales auf etwas Somatischem beruht, jedoch nicht in etwas Somalischem besteht. Und tritt sie auf, dann eben auch von vornherein und weiterhin als Wirklichkeit der Selbstverwirklichung durch Selbstausdehnung eines Punktes, worin dieser Punkt genauso ursprünglich zur Wirk-

6 Vgl.  hier und weiter die ausführlicheren  Herleitungen  oben  in  den

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lichkeit gelangt wie diese Ausdehnung. Und doch ist asymmetrisch eben er für sie die Ursache, nicht umgekehrt, und asymmetrisch eben sie von ihm die Wirkung, und nicht umgekehrt, was vielmehr beidemale sinnlos wäre. Innerhalb von solcher Zeit sind Punkt und Ausdehnung als Ursache und Wirkung also durchaus unterschiedlich, so daß sich dabei auch durchaus sinnvoll von der Selbstverwirklichung der Zeit als Subjekt sprechen läßt.

Doch diese Widerspruchsfreiheit von all dem hängt dann notwendigerweise auch mit einer weiteren Widerspruchsfreiheit von all dem noch zusammen, die daher als ein Zusammenhang entfaltet werden müssen. Daß durch Selbstverwirklichung zu Zeit ein Subjekt ontologisch zu sich kommt, das heißt: zur Wirklichkeit von sich gelangt, hängt unlösbar damit zusammen, daß es dabei auch bewußtseinstheoretisch zu sich kommt, das heißt: auch zum Bewußtsein dieser Wirklichkeit von sich gelangt und damit eben auch zum Selbstbewußtsein von sich als der Wirklichkeit der Zeit. Daß all dies widerspruchsfrei ist, liegt nämlich nicht nur an jener Dynamik von all dem, sondern mit ihr zusammen auch an dieser Asymmetrie von all dem, die nicht nur die von Punkt als Ursache und Ausdehnung als Wirkung ist: Im Sinn dieser dynamischen Asymmetrie bzw. asymmetrischen Dynamik hat auch noch der Punkt dabei den Vorrang und die Ausdehnung dabei den Nachrang, nämlich als die Ausdehnung, die er in sich hat, und nicht umgekehrt; und so hat auch seine Identität dabei den Vorrang und ihr gegenüber seine Differenz den Nachrang, nämlich als die Differenz, die er in sich oder zu sich hat, und nicht umgekehrt; entsprechend hat auch seine Selbigkeit dabei den Vorrang und ihr gegenüber seine Andersheit den Nachrang, nämlich als die Andersheit, die er in sich oder zu sich hat.

Dieser Vorrang aber, den der Punkt dabei vor seiner Ausdehnung besitzt, ist einer, den der Punkt dabei nicht einfach nur besitzt, sondern auch stetig neu besitzt, weil Ausdehnung dabei ja stetig neu aus ihm hervorgeht. Und das heißt, daß er den Vorrang gegenüber dieser stetig neuen Ausdehnung nicht einfach nur besitzt, sondern auch noch behält und nicht etwa verliert, wenn diese stetig neu aus ihm hervorgeht, und mithin auch stetig neu bekommt. In diesem Sinn jedoch ist dieser Vorrang eben nicht bereits dadurch verbürgt, daß dieser Punkt durch seine Selbstausdehnung Ursache für seine Ausdehnung als Wirkung von ihm ist. Denn das

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gilt auch für den Fall, daß es durch die Selbstausdehnung eines Punktes zu der Ausdehnung von einer Linie kommt als einer räumlichen. In diesem Fall besitzt er nämlich gleichfalls diesen Vorrang, weil in diesem Fall die Ausdehnung durch seine Selbstausdehnung gleichfalls stetig neu aus ihm hervorgeht.

Nur besitzt er diesen Vorrang dabei eben nicht auch noch in dem Sinn, daß er diesen Vorrang dabei auch noch stetig neu bekommt und so auch noch behält, weil er ihn vielmehr dabei ja verliert. In diesem Fall schlägt nämlich dieser Vorrang, den der Punkt dabei vor seiner Ausdehnung besitzt, indem er sie als zeitliche nur innerhalb von sich besitzt, in einen Nachrang um, indem er sie dabei als räumliche auch außerhalb von sich besitzt und so als Punkt gerade hinter ihr zurückbleibt. Nur muß solcher Ausdehnung, die er auch außerhalb von sich besitzt, der räumlichen, schon immer solche Ausdehnung zugrunde liegen, die der Punkt nur innerhalb von sich besitzt, die zeitliche. Denn daß er Ausdehnung dabei auch außerhalb von sich besitzt, als räumliche, setzt ja bereits voraus, daß er dann Ausdehnung dabei auch innerhalb von sich besitzt, als zeitliche; und so geht strukturell dabei die zeitliche, die er nur innerhalb von sich besitzt, der räumlichen, die er auch außerhalb von sich besitzt, bereits vorweg: Auch nur, weil letztere auf ersterer in diesem Sinn bereits beruht, geht erstere aus letzterer durch Konstruktion des Zeit-Modells für Reflexion darauf hervor.

Im Fall von seiner Ausdehnung zu Zeit als der nur innerhalb von sich, um die es demgemäß zuerst zu tun ist, bleibt der Punkt jedoch durchaus nicht hinter dieser seiner Ausdehnung zurück, weil er hier seinen Vorrang vor ihr als der stetig neuen stetig neu besitzt, ihn also stetig neu bekommt und so behält. Dies kann infolgedessen nicht nur daran liegen, daß durch seine Selbstausdehnung dieser Punkt die Ursache für seine Ausdehnung und sie die Wirkung von ihm ist, weil das in beiden Fällen gilt. Vielmehr muß darüber hinaus dann auch zumindest eine weitere Bedingung dafür noch erfüllt sein, und zwar eine, die dann dieser Punkt als solcher selbst noch zusätzlich dafür erfüllen muß. Denn innerhalb des Zeit-Modells ist das besondere Verhältnis zwischen Punkt und Ausdehnung ja nur durch die besondere Voraussetzung gewährleistet, die wir erbringen. Innerhalb der Zeit als solcher selbst dagegen muß das durch diese besondere Voraussetzung Vorausgesetzte dieser Punkt als solcher selbst erbringen, um dieses besondere Verhältnis

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zwischen sich und seiner Ausdehnung, die er durch seine Selbstausdehnung selbst hervorbringt, zu gewährleisten.

Nun aber einmal angenommen, daß auch die Erfüllung dieser weiteren notwendigen Bedingung dieser Punkt im Zuge dieser seiner Selbstverwirklichung als solcher selbst noch zu erbringen hätte. Dieses wäre gleichbedeutend mit der Annahme: Er hätte als die Wirkung seiner Selbstausdehnung nicht nur seine stetig neue Ausdehnung hervorzubringen, sondern auch noch sich als den entsprechend stetig neuen Punkt, so daß er dadurch diese Ausdehnung dann stetig neu als zeitliche nur innerhalb von sich besäße und entsprechend auch nicht hinter ihr zurückbliebe. Dies aber wäre für ihn unausführbar, weil auch gleich in mehr als einer Hinsicht widersprüchlich. Denn zum einen hieße das, es hätte ausgerechnet aus der Selbstausdehnung, aus der stetig neue Ausdehnung hervorgeht, dann auch stetig neuer Punkt als Nichtausdehnung noch hervorzugehen, was nur widersprüchlich sein kann. Und zum ändern hieße das vor allem auch noch, daß nun doch ein Selbiges sowohl die Ursache für sich als auch die Wirkung von sich wäre, eben Punkt von Punkt die Wirkung oder Punkt für Punkt die Ursache, was dann erst recht nur widersprüchlich sein kann. Preisgegeben wäre damit denn auch nichts geringeres als das, wodurch die Selbstverwirklichung von etwas widerspruchsfrei sein kann, nämlich daß sie als die Selbstausdehnung eines Punktes nur die Ausdehnung zur Wirkung hat und nur den Punkt zur Ursache.

Mit dieser Widersprüchlichkeit ist somit förmlich hergeleitet: Notwendigerweise muß an solcher Selbstverwirklichung noch etwas anderes beteiligt sein als bloße Selbstverwirklichung, das dennoch gleichfalls dieser selbe Punkt erbringen muß, und zwar noch zusätzlich zu seiner Ausdehnung als seiner Selbstausdehnung. Diese weitere Leistung muß darin bestehen, daß der Punkt sich dabei nicht nur ausdehnt, sondern daß er diese Ausdehnung als die durch sich bewirkte dabei auch noch durch sich als bewirkenden begleitet. Dies jedoch gerade nicht in dem Sinn, daß er auch noch sich als den begleitenden dabei bewirken müßte, weil das jenen Widerspruch bedeutete: Zumal der Punkt doch als der diese seine Ausdehnung bewirkende ja wirklich ist, weil wirksam ist. Auch noch begleiten muß er sie vielmehr als der genau in diesem Sinn schon wirkliche, und deshalb auch durch etwas anderes als eine eigene Verwirklichung von sich. Auch noch begleiten muß er diese

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seine Ausdehnung dann zusätzlich in dem Sinn, daß er sie nicht einfach nur aus sich heraus bewirkt, sondern gerade so aus sich heraus bewirkt, daß er sie dabei auch noch auf sich selbst als Punkt beschränkt bzw. auf sich selbst als Punkt begrenzt. Und dies in dem Sinn, daß er Ausdehnung zunächst nur innerhalb von sich erzeugt, so daß sie auch zunächst nicht über ihn hinausgeht und er somit auch zunächst nicht hinter ihr zurückbleibt, sondern sie begleitet.

Doch synthetisch-faktisch, wie das alles vor sich geht, erfolgt das letztlich nur, indem der Punkt dabei sich selbst beschränkt oder begrenzt auf diese Ausdehnung nur innerhalb von sich. Denn grundsätzlich ist ihm auch jene über ihn hinausgehende Ausdehnung durch Selbstausdehnung möglich. Deshalb kann dies letztlich nur bedeuten, daß der Punkt dabei sich selbst bewußt auf sie beschränkt oder begrenzt, indem er dabei eben auch noch zum Bewußtsein dieser seiner eigenen Ausdehnung gelangt und damit eben auch noch Se/febewußtsein dieser seiner Selbstverwirklichung zu Zeit wird. Daß er diese seine Ausdehnung dabei bewußt begleitet, heißt sonach, daß er dabei zu sich als dem sich ausdehnenden kommt und so hei sich als dem sich ausdehnenden ist, indem er dabei eben immer wieder zu Beivußtsein als dem Selbstbewußtsein von sich kommt und damit immer wieder bei Bewußtsein als dem .S'e/teibewußtsein von sich ist. Derselbe Punkt, der dabei wirklich ist, indem er dabei der sich ausdehnende ist, tritt dabei folglich auch noch dahingehend auf, daß er sich dabei seiner selbst als des sich ausdehnenden zusätzlich auch noch bewußt wird. Denn nur so vermag er es, bei seiner Ausdehnung sich selbst auch zusätzlich auf seine Ausdehnung nur innerhalb von sich noch zu beschränken oder zu begrenzen.

Daß die Selbstverwirklichung als Selbstausdehnung dieses Punktes widerspruchsfrei ist, liegt somit einmal daran, daß die Ausdehnung als Wirkung und der Punkt als Ursache dabei verschieden sind. Nur müßte, was von daher widerspruchsfrei ist, gleichwohl noch widersprüchlich werden, wenn der Punkt als der die Ausdehnung dabei begleitende auch seinerseits noch zusätzlich durch eine weitere Selbstverwirklichung als Selbstausdehnung aufzutreten hätte, wie schon aufgewiesen. Daß sie widerspruchsfrei nicht nur ist, sondern auch bleibt, liegt deshalb daran, daß es so gerade nicht ist. Vielmehr kommt der Punkt als der die Ausdehnung dabei auch noch begleitende gerade nicht durch eine zusätzliche SeVostver-

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zwischen sich und seiner Ausdehnung, die er durch seine Selbstausdehnung selbst hervorbringt, zu gewährleisten.

Nun aber einmal angenommen, daß auch die Erfüllung dieser weiteren notwendigen Bedingung dieser Punkt im Zuge dieser seiner Selbstverwirklichung als solcher selbst noch zu erbringen hätte. Dieses wäre gleichbedeutend mit der Annahme: Er hätte als die Wirkung seiner Selbstausdehnung nicht nur seine stetig neue Ausdehnung hervorzubringen, sondern auch noch sich als den entsprechend stetig neuen Punkt, so daß er dadurch diese Ausdehnung dann stetig neu als zeitliche nur innerhalb von sich besäße und entsprechend auch nicht hinter ihr zurückbliebe. Dies aber wäre für ihn unausführbar, weil auch gleich in mehr als einer Hinsicht widersprüchlich. Denn zum einen hieße das, es hätte ausgerechnet aus der Selbstausdehnung, aus der stetig neue Ausdehnung hervorgeht, dann auch stetig neuer Punkt als Nichtausdehnung noch hervorzugehen, was nur widersprüchlich sein kann. Und zum ändern hieße das vor allem auch noch, daß nun doch ein Selbiges sowohl die Ursache für sich als auch die Wirkung von sich wäre, eben Punkt von Punkt die Wirkung oder Punkt für Punkt die Ursache, was dann erst recht nur widersprüchlich sein kann. Preisgegeben wäre damit denn auch nichts geringeres als das, wodurch die Selbstverwirklichung von etwas widerspruchsfrei sein kann, nämlich daß sie als die Selbstausdehnung eines Punktes nur die Ausdehnung zur Wirkung hat und nur den Punkt zur Ursache.

Mit dieser Widersprüchlichkeit ist somit förmlich hergeleitet: Notwendigerweise muß an solcher Selbstverwirklichung noch etwas anderes beteiligt sein als bloße Selbstverwirklichung, das dennoch gleichfalls dieser selbe Punkt erbringen muß, und zwar noch zusätzlich zu seiner Ausdehnung als seiner Selbstausdehnung. Diese weitere Leistung muß darin bestehen, daß der Punkt sich dabei nicht nur ausdehnt, sondern daß er diese Ausdehnung als die durch sich bewirkte dabei auch noch durch sich als bewirkenden begleitet. Dies jedoch gerade nicht in dem Sinn, daß er auch noch sich als den begleitenden dabei bewirken müßte, weil das jenen Widerspruch bedeutete: Zumal der Punkt doch als der diese seine Ausdehnung bewirkende ja wirklich ist, weil wirksam ist. Auch noch begleiten muß er sie vielmehr als der genau in diesem Sinn schon wirkliche, und deshalb auch durch etwas anderes als eine eigene Verwirklichung von sich. Auch noch begleiten muß er diese

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seine Ausdehnung dann zusätzlich in dem Sinn, daß er sie nicht einfach nur aus sich heraus bewirkt, sondern gerade so aus sich heraus bewirkt, daß er sie dabei auch noch auf sich selbst als Punkt beschränkt bzw. auf sich selbst als Punkt begrenzt. Und dies in dem Sinn, daß er Ausdehnung zunächst nur innerhalb von sich erzeugt, so daß sie auch zunächst nicht über ihn hinausgeht und er somit auch zunächst nicht hinter ihr zurückbleibt, sondern sie begleitet.

Doch synthetisch-faktisch, wie das alles vor sich geht, erfolgt das letztlich nur, indem der Punkt dabei sich selbst beschränkt oder begrenzt auf diese Ausdehnung nur innerhalb von sich. Denn grundsätzlich ist ihm auch jene über ihn hinausgehende Ausdehnung durch Selbstausdehnung möglich. Deshalb kann dies letztlich nur bedeuten, daß der Punkt dabei sich selbst bewußt auf sie beschränkt oder begrenzt, indem er dabei eben auch noch zum Bewußtsein dieser seiner eigenen Ausdehnung gelangt und damit eben auch noch Selbstbewußtsein dieser seiner Selbstverwirklichung zu Zeit wird. Daß er diese seine Ausdehnung dabei bewußt begleitet, heißt sonach, daß er dabei zu sich als dem sich ausdehnenden kommt und so bei sich als dem sich ausdehnenden ist, indem er dabei eben immer wieder zu Bewußtsein als dem Selbstbewußtsein von sich kommt und damit immer wieder bei Bewußtsein als dem Selbstbewußtsein von sich ist. Derselbe Punkt, der dabei wirklich ist, indem er dabei der sich ausdehnende ist, tritt dabei folglich auch noch dahingehend auf, daß er sich dabei seiner selbst als des sich ausdehnenden zusätzlich auch noch bewußt wird. Denn nur so vermag er es, bei seiner Ausdehnung sich selbst auch zusätzlich auf seine Ausdehnung nur innerhalb von sich noch zu beschränken oder zu begrenzen.

Daß die Selbstverwirklichung als Selbstausdehnung dieses Punktes widerspruchsfrei ist, liegt somit einmal daran, daß die Ausdehnung als Wirkung und der Punkt als Ursache dabei verschieden sind. Nur müßte, was von daher widerspruchsfrei ist, gleichwohl noch widersprüchlich werden, wenn der Punkt als der die Ausdehnung dabei begleitende auch seinerseits noch zusätzlich durch eine weitere Selbstverwirklichung als Selbstausdehnung aufzutreten hätte, wie schon aufgewiesen. Daß sie widerspruchsfrei nicht nur ist, sondern auch bleibt, liegt deshalb daran, daß es so gerade nicht ist. Vielmehr kommt der Punkt als der die Ausdehnung dabei auch noch begleitende gerade nicht durch eine zusätzliche Selbstfer-

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wirklichung zustande, sondern durch das zusätzliche Selbstbewußtsein von sich als genau der Wirklichkeit, zu der er durch die Selbstverwirklichung als Selbstausdehnung wird: der Wirklichkeit von sich als Zeit. Was solche Selbstverwirklichung als Selbstausdehnung vollends widerspruchsfrei macht, ist somit das noch zusätzlich mit ihr einhergehende Selbstbewußtsein dieses selben Punktes, der sich als der selbe dabei nicht nur ausdehnt und dadurch verwirklicht, sondern sich als den sich ausdehnenden und dadurch verwirklichenden zusätzlich auch noch bewußt begleitet.

Doch zugleich ist es dabei auch umgekehrt gerade solche Selbstverwirklichung, was wiederum ein solches Selbstbewußtsein widerspruchsfrei macht, und zwar auch ohne jeden fehlerhaften Zirkel, weil in grundverschiedener Hinsicht. Eine solche Selbstverwirklichung wird nämlich widerspruchsfrei nur, weil das, was ihr zu ihrer Widerspruchsfreiheit noch fehlt, zu ihr nicht ebenfalls durch Selbstverwirklichung von diesem Punkt hinzukommt, sondern bloß durch Selbstbewußtsein dieses Punktes. Umgekehrt dagegen wird ein solches Selbstbewußtsein widerspruchsfrei nur, weil das, was ihm zu seiner Widerspruchsfreiheit noch fehlt, zu ihm nicht ebenfalls durch Selbstbewußtsein dieses Punktes beigesteuert wird, sondern desgleichen umgekehrt durch Selbstverwirklichung von diesem Punkt. Nur dadurch nämlich ist ein solches Selbstbewußtsein widerspruchsfrei, daß es das Bewußtsein dessen ist, was innerhalb von solcher Selbstverwirklichung zu Zeit verschieden voneinander ist und bleibt: Bewußtsein eines Punktes und Bewußtsein einer Ausdehnung als das Bewußtsein einer Ursache und das Bewußtsein einer Wirkung in Gesamtgestalt von Zeit und Zeitbewußtsein.

Um dies einzusehen, brauchen Sie sich nämlich nur noch einmal in Erinnerung zu rufen, weshalb man bisher nicht nur die Selbstverwirklichung von etwas, sondern auch das Selbstbewußtsein von etwas als widersprüchlich angesehen hatte. Müsse doch, so hatte man sich klargemacht, zum Sinn eines Bewußtseins wesentlich, das heißt: als solchem selbst, der Unterschied gehören zwischen etwas, das dabei bewußt, und etwas, dem dabei etwas bewußt sei, was in keinem Sinn zusammenfallen könne. Also könne ein Bewußtsein letztlich auch nur zwischen zueinander Anderem bestehen, von denen eines ein Bewußtsein von dem ändern habe, und nicht umgekehrt, doch keines ein Bewußtsein von sich selbst,

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was demnach letztlich widersprüchlich sei7. Nur setzt man dabei eben stillschweigend voraus, der Grundsinn von Bewußtsein sei der Sinn von Fremdbewußtsein, so daß Selbstbewußtsein dann nur wegen dieser selbstgemachten falschen Annahme unmöglich wird: Zumal doch auch ein Selbstbewußtsein ohne Zweifel möglich sein muß, weil es wirklich ist. Der Grundsinn von Bewußtsein ist vielmehr der Sinn von Selbstbewußtsein, welches allem Fremdbewußtsein immer schon zugrunde liegen muß. Und jener Unterschied, der zu Bewußtsein wesentlich gehören müsse, nämlich zwischen etwas, das bewußt, und etwas, dem etwas bewußt sei, ist im Rahmen dieses Selbstbewußtseins auch gewährleistet: wenngleich gerade nicht sofort als einer zwischen zueinander Anderem wie bei Fremdbewußtsein.

Was bis heute fehlt, ist eben jede Einsicht: Etwas derart Einzigartiges wie ein Bewußtsein hat gerade darin seine Einzigartigkeit, daß es die unlösbare Einheit eines ursprünglichen Selbstbewußtseins einer ursprünglichen Selbstverwirklichung in der Gestalt von Zeit und Zeitbewußtsein ist. Nicht zufällig sind deshalb alle drei auch noch bis heute die drei größten ungelösten Rätsel, weil noch immer unbekannt ist: Ohne Selbstbewußtsein keine Selbstverwirklichung und ohne Selbstverwirklichung kein Selbstbewußtsein sowie ohne beides keine Zeit und auch kein Zeitbewußtsein. Und der Unterschied von etwas, das bewußt, und etwas, dem etwas bewußt sei, ist dabei der durch die Selbstverwirklichung verbürgte Unterschied von Ausdehnung als Wirkung und von Punkt als Ursache, so daß Bewußtsein davon eben Selbstbewußtsein davon ist. Denn solche Ausdehnung ist dabei eben die des Punktes selbst, die deshalb, weil er sie von vornherein und weiterhin nur innerhalb von sich besitzt, die punktuelle Ausdehnung der Zeit ist. Dieser Ursprung von so etwas wie Bewußtsein ist daher auch unlösbar gebunden an die Punktualität von Ausdehnung der Zeit. Denn ihrerseits wird diese nur verbürgt, indem der Punkt dabei sich selbst bewußt auf solche punktuelle Ausdehnung der Zeit beschränkt oder begrenzt. Infolgedessen kann auch immer wieder nur entlang an solcher punktueller Ausdehnung so etwas wie

7 In dieser Hinsicht ist man über Kant (vgl. Bd. 20, S. 270) bis heute letztlich nicht hinausgekommen.

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Bewußtsein als ein Zeitbewußtsein oder Selbstbewußtsein dieses Punktes überhaupt erstehen. Entsprechend kann auch immer wieder nur als reines Zeitbewußtsein und mithin als reines Selbstbewußtsein so etwas wie ein Bewußtsein seinen Ursprung haben. Innerhalb von dieser in sich unlösbaren Einheit aber ist und bleibt der Unterschied von Punkt und Ausdehnung so ausgeprägt, daß überhaupt erst dadurch so etwas wie ein Bewußtsein als ein in sich einheitliches und auch in sich einsinniges seinen Ursprung haben kann. Denn in der Tat ist das dabei entspringende Bewußtsein das Bewußtsein eines Punktes ebenso wie das Bewußtsein einer Ausdehnung, weil dabei nicht nur diese Ausdehnung »etwas Bewußtes« ist oder »bewußt« ist, sondern auch noch dieser Punkt »etwas Bewußtes« ist oder »bewußt« ist. Und tatsächlich hat doch in »bewußt begleitend« (Punkt) und in »bewußt begleitet« (Ausdehnung) dieses »bewußt...« jeweils denselben einheitlichen Sinn. Doch die bisherige Auffassung, die zwischen etwas, das bewußt, und etwas, dem etwas bewußt ist, im genannten Sinn ja unterscheidet, müßte dies bestreiten. Denn sie könnte dabei als bewußt nur das betrachten, was dabei bewußt ist, nicht jedoch auch das noch, dem dabei etwas bewußt ist, weil das letztere dabei ja nicht das erstere sein kann, so daß das letztere dabei auch nicht im Sinn des ersteren bewußt sein könnte.

Vielmehr könnte dann das letztere, wenn dabei überhaupt bewußt sein, so auch nur in einem Sinn, der sich von dem des ersteren, das ja bewußt im Sinn von Fremclbewußtsein ist, auch nur als der von etwas unterscheiden könnte, das bewußt im Sinn von Selbstbewußtsein ist: Im Unterschied zu demjenigen Etwas, das dabei bewußt im Sinn von Frewcfoewußtsein wäre, könnte dasjenige Etwas, dem das erstere dabei bewußt im Sinn von diesem Fremdbewußtsein wäre, nur im Sinn von Se/fc&ewußtsein auch noch seinerseits bewußt sein. Denn tatsächlich ist Bewußtsein als ein Fremd- und als ein Selbstbewußtsein jeweils ein spezifisch unterschiedliches Bewußtsein. Nur kann dieser Auffassung, die zwischen etwas, das bewußt, und etwas, dem etwas bewußt ist, derart unterscheidet, ein spezieller Sinn von &/fe£bewußtsein eben prinzipiell nicht zur Verfügung stehen. Der spezielle Sinn des Selbstbewußtseins aber, das aus unserer Herleitung hervorgeht, stellt sich wie von selber zur Verfügung, weil sich trotz des Unterschiedes zwischen Punkt und Ausdehnung im Rahmen dieses

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Selbstbewußtseins ein Bewußtsein als ein einheitliches und auch einsinniges einstellt.

Ja recht eigentlich gerade wegen dieses Unterschiedes — der zu jenem Unterschied von etwas, das bewußt, und etwas, dem etwas bewußt ist, in Entsprechung steht — ist Selbstbewußtsein dabei als Bewußtsein einer Ausdehnung und eines Punktes als Bewußtsein jeweils einheitlich und einsinnig. Das heißt: Es ist gerade nicht etwa wie je spezielles Fremd- und Selbstbewußtsein als Bewußtsein jeweils zweiheitlich und zweisinnig. Denn voll und ganz genügt dem Unterschied von Punkt und Ausdehnung dabei bereits der Unterschied, wonach die Ausdehnung dabei bewußt begleitet und der Punkt dabei bewußt begleitend ist, nicht umgekehrt. Gerade deshalb nämlich ist sie dabei in demselben Sinn bewußt begleitet wie auch er dabei bewußt begleitend ist. Der Unterschied, der hier besteht, ist eben der zwischen »begleitend« und »begleitet«, also einer von »begleiten«, aber keiner von »bewußt«. Entsprechend ist dabei bewußt oder etwas Bewußtes dieser Punkt genauso wie auch diese Ausdehnung, weil so etwas wie ein Bewußtsein als ein Selbstbewußtsein sich auch nur durch beides miteinander bildet. Deshalb hängen innerhalb von ihm etwas Bewußtes als etwas Bewußt-Begleitendes sowie etwas Bewußtes als etwas Bewußt-ßfg/eztefes auch unlösbar zusammen. Und gleichwohl ist - diesem Unterschied zwischen »begleitend« und »begleitet« voll gemäß — die Ausdehnung das, was dabei dem Punkt bewußt ist, und nicht etwa umgekehrt, oder der Punkt das, dem dabei die Ausdehnung bewußt ist, und nicht etwa umgekehrt.

Anders nämlich als bei jenem Unterschied von etwas, das bewußt, und etwas, dem etwas bewußt sei, ist mit diesem Unterschied gerade nicht auch noch ein Unterschied zwischen »bewußt« im einen Fall verbunden und »bewußt« im ändern Fall, wie zwischen Fremd- und Selbstbewußtsein. Und dies eben weil hier zwischen Punkt und Ausdehnung ein Fremdverhältnis auch noch nicht besteht. Vielmehr besteht dazwischen nur das reine Selbstverhältnis einer Selbstausdehnung zu der punktuellen Ausdehnung der Zeit als Nacheinander eben dieses einen stetig neuen Punktes selber. Sein Bewußtsein davon ist entsprechend auch sein Selbstbewußtsein davon, das als ein ursprüngliches Bewußtsein auch ein in sich einheitliches sowie einsinniges ist. Ein andersartiges Bewußtsein wie sein Fremdbewußtsein kann der Punkt daher auch immer

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erst aus diesem seinem Selbstbewußtsein selbst heraus gewinnen, nämlich durch Bewußtseinsbildung als bestimmte Weiterbildung dieses seines Selbstbewußtseins selbst. Infolgedessen muß es in ein andersartiges Bewußtsein wie sein Fremdbewußtsein dann auch immer schon miteingehen, so daß jedes andersartige Bewußtsein wie sein Fremdbewußtsein ein -bewußtsein überhaupt nur sein kann durch den Anteil dieses seines Selbstbewußtseins.

b) Fremdvergegenständlichungsbewußtsein

Demgemäß erreicht der Punkt dies denn auch nur durch ganz bestimmte Weiterbildung seiner Selbstverwirklichung als seiner Selbstausdehnung selbst: nur dadurch nämlich, daß er sich nicht bloß zu Zeit und Zeitbewußtsein bildet, sondern daran anschließend sowohl wie darüber hinausgehend auch noch zu Raum und Raumbewußtsein. Und das ist dann eben ein Zusammenhang von erster und von zweiter Stufe seiner Selbstverwirklichung als seiner Selbstausdehnung selbst. Als unlösbar zusammenhängende erweisen diese beiden Stufen sich denn auch insofern, als der Raum dabei zunächst einmal nur Zeit-Raum sein kann und das Raumbewußtsein dabei auch entsprechend nur Zeit-Raumbewußtsein, jeweils also eine unlösbare Einheit beider. Denn die Ausdehnung des Raumes kann dann durch die weitere Selbstausdehnung dieses selben Punktes nur als eine Ausdehnung entspringen, die er nicht »nur innerhalb von sich« besitzt, sondern auch »außerhalb von sich«, so daß es eine Ausdehnung sein muß, die er auch »innerhalb von sich« besitzt, die also räumliche und zeitliche meinem sein muß.

Und das ist durchaus nicht widersprüchlich, wie Sie auf den ersten Blick vielleicht vermeinen könnten. Denn als Gegensatz zum Nacheinander bloßer Zeit muß Raum zwar ein Zugleich sein, nämlich eine Ausdehnung, von der ein jeder Teil zugleich mit jedem anderen sein muß. Doch ohne jeden Widerspruch kann dieser Raum so ein Zugleich durchaus auch als ein Nacheinander von Zugleich sein, in genau dem Sinn, in welchem jene bloße Zeit ein Nacheinander eines Punktes ist: im Sinn eines Zugleich, das gleich dem Punkt als einem stetig neuen auftritt als ein stetig neues. Denn nur ein Zugleich von Nacheinander wäre wider-

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sprüchlich, doch ein solches Nacheinander von Zugleich ist widerspruchsfrei. Förmlich schlagend nämlich können Sie sich das vor Augen stellen, indem sie mitverfolgen, inwieweit sich die besondere Voraussetzung, die unser Zeit-Modell herbeiführt8, weiterführen läßt, so daß sich dadurch dieses Zeit-Modell auch zum Zeit-Raum-Modell noch weiterbilden läßt. Denn das ergibt einen Gesamtzusammenhang von derart überwältigender Evidenz, daß dies Ergebnis schwerlich Zufall sein kann.

Dazu müssen Sie sich erst einmal im einzelnen verständlich machen: Was genau kann diese weitere Selbstausdehnung dieses Punktes zu der weiteren Ausdehnung des Raumes im genannten Sinn denn eigentlich bedeuten? Ist doch eine solche Ausdehnung durch Selbstausdehnung dieses selben Punktes schon erreicht, wenn er dabei sich selbst bewußt auf die Erzeugung eines Minimums an solcher Ausdehnung beschränkt oder begrenzt, sprich: auf das Minimum an Raum, zu dem er sich zumindest auszudehnen hat, um überhaupt zu Raum sich auszudehnen. Das muß nämlich mindestens der eindimensionale Raum der Linie sein9, und der ist in der Tat schon ein Zugleich in dem Sinn, daß ein jeder

8  Vgl. oben S. 888 ff.

9   Dem steht nicht im Wege, daß zum Beispiel die »Fraktale Geometrie«
nicht nur ganzzahlige Dimensionen kennt, sondern auch bruchzahlige.
Diese nämlich kann sie nur vertreten, weil sie Ausdehnung als »Punkt
menge« voraussetzt, was für uns nicht in Betracht kommt. Kann doch
Ausdehnung, wie sie als Selbstausdehnung eines Punktes auftritt, prinzipi
ell zu keinen Punkten führen, weil das widersprüchlich wäre: und zwar
nicht nur generell, was Punkte überhaupt betrifft, wie schon erwähnt;
vielmehr auch noch speziell, weil es den nächsten Punkt zu einem Punkt
nicht geben kann. Denn welchen ändern Sie auch wählen, - immer liegt
noch einer zwischen ihnen, der dem ersten näher als der andere ist, weil es
ja einen ändern Punkt zu einem Punkt nur geben kann durch eine Ausdeh
nung als Abstand zwischen ihnen. Doch sehr wohl gibt es die nächste
Ausdehnung zu einem Punkt, die nämlich, die als räumliche die an ihn
anschließende ist. Denn welche (und das heißt: eine wie große) Sie auch
wählen, - niemals liegt noch eine zwischen ihr und diesem Punkt, weil
eine, die als kleinere sie überlappt, für eine zwischen ihr und ihm nicht in
Betracht kommt. Ja als zeitliche ist eine Ausdehnung sogar so grundsätz
lich zu einem Punkt die nächste, daß er sie im Unterschied zur nächsten
räumlichen sogar zunächst besitzt, nämlich sogar nur »innerhalb von sich«.
Durch diese Einsicht in die Ausdehnung durch Selbstausdehnung eines
Punktes läßt sich denn auch erstmals diskursiv begründen, was bis heute
nur intuitiv verständlich ist, daß nämlich jede Auffassung der Kontinuität

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Teil von ihm zugleich mit jedem ändern ist. Insoweit hat der Punkt mit solcher räumlichen tatsächlich eine Ausdehnung aus sich heraus erzeugt, die einerseits schon derart über ihn als Punkt hinausgeht, daß er anderseits als Punkt insoweit auch schon hinter ihr zurückbleibt. Und genau insoweit steht der Punkt zu solcher räumlichen Ausdehnung, die er durch noch weiter gehende Selbstausdehnung aus sich selbst heraus gewinnt, denn auch zum ersten Mal in einem Fremdverhältnis.

Um dies Fremdverhältnis seiner Art nach zu erfassen, müssen Sie jedoch beachten, daß es sich bei diesem Punkt, für den das alles richtig ist und bleibt, gerade um den Punkt der Zeit als Nacheinander handelt. Nur aus sich als diesem Nacheinander dieser Zeit heraus erzeugt er nämlich durch noch weitere Selbstausdehnung die noch weitere Ausdehnung der räumlich-eindimensionalen Linie. Doch als dieses Nacheinander dieser Zeit bleibt dieser Punkt dabei durchaus nicht etwa hinter dieser seiner weiteren Ausdehnung zu dieser räumlich-eindimensionalen Linie zurück. Als dieses Nacheinander dieser Zeit geht dieser Punkt vielmehr in diese räumlich-eindimensionale Linie mitein.

Das sehen Sie nicht nur daran, daß die räumlich-eindimensionale Ausdehnung der Linie ja ihrerseits gerade eine punktuelle, eben die punktdünne Ausdehnung der Linie ist. Das sehen Sie vor allem auch noch daran, daß dies gar nicht anders sein kann, weil die räumlich-eindimensionale Ausdehnung der Linie eine punktuelle Ausdehnung gerade deshalb sein muß, weil sie nur eine aus diesem Punkt heraus erzeugte Ausdehnung sein kann. Als eine aus dem Punkt hervorgehende aber kann sie dann auch nur eine mit diesem Punkt einhergehendc sein. Sie muß daher, wie dieser Punkt ein stetig neuer ist, auch eine stetig neue Linie sein und damit eben Nacheinander von Zugleich als Zeit-Raum. Und dies einerlei, von welcher Länge diese Linie als räumlich-eindimensionale Ausdehnung sein mag.

Am klarsten sehen Sie das, wenn Sie zu diesem Zweck versuchen, diese Linie aus der Perspektive dieses Punktes zu betrachten,


Selbstbewußtsein als Bewußtsein unserer l:remderkenntnis

wozu Sie sich vorstellen müssen, daß er nur ein Auge habe, was noch weiter zu behandeln sein wird10. So gewiß es sich dabei um eine räumlich-eindimensionale Linie handelt, so gewiß erscheint sie diesem Punkt doch nur gleich einem Punkt, weil sie als Projektion von diesem Punkt für diesen Punkt um eine Dimension verdeckt bleibt: Nur das Punktuelle solcher Ausdehnung erscheint dabei für diesen Punkt, wogegen das Nichtpunktuelle dieser Ausdehnung als Linie für ihn verdeckt bleibt. Zum Erscheinen einer Linie kommen könnte es aus dieser Perspektive dieses Punktes nämlich nur unter der zusätzlich-speziellen Annahme, daß diese Linie eine krumme statt eine gerade sei. Und eine zusätzlichspezielle wäre diese Annahme ja deshalb, weil, »sich auszudehnen«, analytisch, »sich geradeauszudehnen«, heißt, so daß ein so erzeugter auch nur ein gerader oder ungekrümmter Raum sein kann, was auch für jede weitere Dimension noch gilt. Und aus der Perspektive dieses Punktes als des stetig neuen wird für Sie auch förmlich evident, daß die aus ihm heraus erzeugte Linie ebenfalls nur eine stetig neue sein kann.

Daß dies gleichfalls widerspruchsfrei ist, wird Ihnen denn auch gleichfalls durch unser Modell gesichert, das als Zeit-Modell sich ohne weiteres zum Zeit-Raum-Modell erweitern läßt. Sie brauchen dazu lediglich jene besondere Voraussetzung, die wir zunächst nur auf den Punkt anwendeten, nun auch noch auf die Linie anzuwenden. Denn verkürzt gesprochen, führt auch Selbstausdehnung (2) einer Linie zu (2) einer Fläche nur, wenn beim Entstehen von Ausdehnung in einer Richtung es auch noch zu dem Bestehen von ihr und nicht etwa auch noch zu dem Vergehen von ihr in umgekehrter Richtung kommt. Wenn aber doch, so die besondere Voraussetzung, dann kommt es dabei eben statt zu einer räumlichen Ausdehnung wie der Fläche nur zu einer zeitlichen Ausdehnung dieser Linie selbst, indem sie dadurch eine stetig neue Linie wird und damit eben Nacheinander von Zugleich als Zeit-Raum. Und genau in diesem Sinn ist solche räumliche Ausdehnung eben eine, die der Punkt auch »innerhalb von sich« besitzt, das heißt: auch innerhalb von sich als Nacheinander. Und

von Ausdehnung als »Punktmenge«, von welcher »Mächtigkeit« auch immer, grundsatzlich verfehlt ist. Demgemäß gestattet diese Einsicht auch nicht zufällig, zum ersten Mal sowohl die Zeit wie auch den Raum von Grund auf nachvollziehbar herzuleiten.

10 Vgl. unten S. 915.

wohl kaum noch evidenter können Sie vor Augen haben, wie unlösbar Zeit mit Raum hier immer wieder als die Einheit eines Zeit-Raums auftritt.

Diese Evidenz erstreckt sich nämlich noch viel weiter, weil genau Entsprechendes zu diesem eindimensionalen Raum der Linie auch noch für den zweidimensionalen Raum der Fläche gilt, der deshalb abgekürzt behandelt werden kann. Auch den erzeugt der selbe Punkt der Zeit als Nacheinander durch noch weitere solche Selbstausdehnung. Das erreicht er dadurch, daß er sich dabei nicht auf Erzeugung solcher eindimensionaler Ausdehnung der Linie beschränkt, sondern aus ihr heraus und über sie hinaus noch eine weitere Dimension von solcher Ausdehnung erzeugt, die dann die zweidimensionale Ausdehnung der Fläche ist, in der die eindimensionale Ausdehnung der Linie bruchlos schon enthalten ist. Bereits zum zweiten Mal und so erst recht steht daher dieser selbe Punkt zu solcher räumlich-zweidimensionalen Ausdehnung in einem Fremclverhältnis, weil sie als das räumliche Zugleich der Fläche über ihn als Punkt hinausgeht, so daß er als Punkt auch hinter ihr zurückbleibt.

Aber so gewiß es sich dabei bereits um eine weitere Dimension von Ausdehnung des Raumes handelt, so ist doch auch diese Ausdehnung noch immer eine punktuelle, nämlich so wie die punktdünne Ausdehnung der Linie die punktflache Ausdehnung der Fläche. Eben daher ist auch sie noch als die punktuelle eine stetig neue und mithin auch sie noch Nacheinander von Zugleich als Zeit-Raum. Auch als solche noch läßt sie sich deshalb nicht nur am Zeit-Raum-Modell als widerspruchsfrei konstruieren, sondern aus der Perspektive jenes Punktes auch mit Evidenz noch kontrollieren. Jene Linie nämlich blieb aus dieser Perspektive jenes Punktes als die Projektion von ihm um eine Dimension für ihn verdeckt, so daß sie ihm gleich einem Punkt erschien. Genau entsprechend aber bleibt jetzt diese Fläche als die Projektion der Linie, folglich als die Projektion der Projektion des Punktes, ebenfalls um eine Dimension für ihn verdeckt, so daß sie ihm gleich einer Linie erscheint. Erneut gilt also: Nur das Punktuelle solcher Ausdehnung erscheint dabei für diesen Punkt, wogegen das Nicht-punktuelle dieser Ausdehnung als Fläche für den Punkt verdeckt bleibt. Deshalb wird aus dieser Perspektive auch nicht minder evident für Sie: Als das Ergebnis einer zweiten solchen Selbstaus-

dehnung jenes Punktes ist auch noch die räumlich-zweidimen-sionale Ausdehnung der Fläche eine punktuelle und als solche eine Ausdehnung, die jener Punkt auch »innerhalb von sich« besitzt, das heißt: auch innerhalb von sich als Nacheinander. -

Wie auf einen Schlag — und damit schlagend evident — wird dies jedoch von Grund auf anders bei der dritten solchen Selbstausdehnung dieses Punktes, die genauso wie die erstere und zweitere erfolgt und damit einen dreidimensionalen Raum erzeugt, in dem der ein- und zweidimensionale bruchlos schon enthalten sind. Denn auf dieselbe Weise, wie aus jenem Punkt der eindimensionale Raum der Linie hervorging und aus diesem wiederum der zweidimensionale Raum der Fläche, so geht auch aus diesem wiederum der dreidimensionale Raum des Körpers noch hervor, sprich: als die Projektion der Fläche als der Projektion der Linie als der Projektion des Punktes und mithin zuletzt als (Dreifach-)Projektion des Punktes selbst. Bereits zum dritten Mal steht daher dieser selbe Punkt zu solcher räumlich-dreidimensionalen Ausdehnung in einem Fremdverhältnis, weil sie als das räumliche Zugleich des Körpers über ihn als Punkt hinausgeht, so daß er als Punkt auch hinter ihr zurückbleibt. Dennoch ist auch diese räumlich-dreidimensionale Ausdehnung noch eine, die durch Selbstausdehnung jenes Punktes und sonach aus jenem selben Punkt hervorgeht.

Schlagend anders als beim ersten und beim zweiten aber tut sie das bei diesem dritten Mal zum ersten Mal gerade so, daß dieser Punkt dabei auch noch in dem Sinn hinter dieser seiner Ausdehnung zurückbleibt, in dem er beim ersten und beim zweiten Mal durchaus nicht hinter ihr zurückblieb. Denn als jenes Nacheinander jener Zeit blieb dieser Punkt bei seiner ersten Ausdehnung zur eindimensionalen Linie und bei seiner zweiten Ausdehnung zur zweidimensionalen Fläche ja durchaus nicht hinter dieser seiner jeweiligen Ausdehnung zurück, ging dieser Punkt vielmehr in diese seine jeweilige Ausdehnung mitein: Als jeweils punktuelle war auch jede dieser räumlichen Ausdehnungen noch so wie er ein Nacheinander, nämlich als ein Nacheinander von Zugleich ein Zeit-Raum.

Diese nunmehr dreidimensionale Ausdehnung des nunmehr dreidimensionalen Raumes aber ist, obwohl auch sie gleich jenen beiden letztlich aus dem selben Punkt hervorgeht, keineswegs auch ihrerseits gleich jenen beiden nochmals eine punktuelle Ausdeh-

nung. Und dies sogar obwohl in solchem dreidimensionalen Raum die jeweils punktuelle Ausdehnung des ein- und zweidimensiona-len Raumes gleichfalls bruchlos schon enthalten ist. Denn in genau dem Sinn, in dem sowohl der ein- wie auch der zweidimensionalc Raum ein jeweils punktueller war, ist dieser dreidimensionale Raum jetzt schlechterdings kein punktueller mehr. Und damit ist er auch nicht mehr ein Nacheinander von Zugleich als Zetf-Raum, sondern nur noch ein Zugleich und damit nur noch Raum. Dagegen ist ein Zeit-Raum gegenüber diesem bloßen Raum und gegenüber jener bloßen Zeit ein Zwischen-Raum, den es von dieser bloßen Zeit und diesem bloßen Raum auch grundsätzlich zu unterscheiden gilt.

Auf diese Art ergeben sich sonach genau drei Grundverhältnisse, in denen dieser selbe Punkt zu dieser seiner Ausdehnung durch Selbstausdehnung stehen kann, von denen jedes sich als Grundverhältnis auch exakt bestimmen läßt. Die Ausdehnung der bloßen Zeit ist danach diejenige Ausdehnung, die er nur »innerhalb von sich« besitzt. Die Ausdehnung des Z<?#-Raums wiederum ist danach diejenige, die er nicht nur »innerhalb von sich«, sondern auch »außerhalb von sich«, mithin auch »innerhalb von sich« besitzt. Die Ausdehnung des bloßen Raumes wiederum ist danach diejenige Ausdehnung, die er nur »außerhalb von sich« besitzt. Gerade darin ist der dreidimensionale Raum kein punktueller mehr. Für solche Grundverhältnisse von einem Punkt zu einer Ausdehnung durch seine Selbstausdehnung sind daher mit diesen drei Verhältnissen auch alle Möglichkeiten schon erschöpft. Und evident für Sie wird dadurch: Dieser dreidimensionale Raum muß gegenüber dem bloß punktuellen ein- bzw. zweidimensionalen Raum dann das besondere Ergebnis einer dritten Stufe solcher Selbstausdehnung jenes selben Punktes sein, die sich von jener zweiten und von jener ersten Stufe solcher Selbstausdehnung auch von Grund auf unterscheiden muß.

Der dreidimensionale Raum tritt danach auf als einer, der zwar ebenfalls aus jenem selben Punkt hervorgeht, doch zum ersten Mal als einer, in den jener selbe Punkt in keiner Hinsicht mehr miteingeht, vor dem jener selbe Punkt vielmehr in jeder Hinsicht voll zurückbleibt. Dieser dreidimensionale Raum ist sonach einer, der mit diesem selben Punkt nur noch einhergeht und mit dem dann umgekehrt auch dieser selbe Punkt nur noch einhergeht, weil sie

zueinander sich zum ersten Mal wie Zweierlei verhalten, das als zueinander Wirklich-Anderes sich wechselseitig gegenübersteht. Entsprechend steht der selbe Punkt zu diesem dreidimensionalen Raum zum ersten Mal in einem Fremdverhältnis, das von jenem Fremdverhältnis, in dem er zu einem punktuellen Raum stand, sich dann ebenfalls von Grund auf unterscheiden muß, was Sie sich gleichermaßen evident vor Augen führen können.

Dazu müssen Sie zunächst einmal sich vergewissern, daß tatsächlich dieser dreidimensionale Raum kein punktueller Raum mehr ist und deshalb auch kein Zeit-Raum mehr. Das können Sie am besten so erreichen, daß Sie prüfen, ob sich nicht auch noch auf diesen dreidimensionalen Raum jene besondere Voraussetzung anwenden ließe, um auch ihn noch dem Zeit-Raum-Modell zu unterwerfen. Denn sobald Sie das versuchen, sehen Sie förmlich vor sich, daß dies ausgeschlossen ist, gerade weil es für diese besondere Voraussetzung am dreidimensionalen Raum von vornherein schon keine Ansatzmöglichkeit mehr gibt. Bestand doch jeweils eine Ansatzmöglichkeit für sie nur darin, daß es jeweils Punktuelles gab, das sich auch noch bei seiner Selbstausdehnung durch diese besondere Voraussetzung als Punktuelles aufrechthalten ließ: Gerade dadurch wurde jenes Punktuelle einer Linie statt zu einer weiteren räumlichen Ausdehnung vielmehr zu der zeitlichen Ausdehnung dieser Linie selbst; entsprechend wurde auch gerade dadurch jenes Punktuelle einer Fläche statt zu einer weiteren räumlichen Ausdehnung vielmehr zu der zeitlichen Ausdehnung dieser Fläche selbst. Gerade dadurch nämlich wurde auch all dem zuvor schon jenes Punktuelle eines Punktes statt zu einer ersten räumlichen Ausdehnung vielmehr zu der reinen zeitlichen Ausdehnung dieses Punktes selbst. Im Rückblick darauf wird für Sie denn auch noch evident, daß wie das Zeit-Modell auch das Zeit-Raum-Modell an Punkt bzw. Punktuelles unlösbar gebunden ist und bleibt.

Dergleichen aber liegt beim dreidimensionalen Raum nicht vor. Sie dürfen nämlich dieses Punktuelle einer Ausdehnung - das es in ein- und zweidimensionaler gibt, in dreidimensionaler aber nicht mehr - nicht etwa verwechseln mit der Grenze einer Ausdehnung. War doch die eindimensionale Ausdehnung der Linie und die zweidimensionale Ausdehnung der Fläche eine punktuelle Ausdehnung nicht dadurch, daß die Linie oder Fläche eine Grenze

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hatte, sondern als die jeweilige Ausdehnung gerade diesseits jeder Grenze. Solches Diesseits jeder Grenze aber ist beim dreidimensionalen Raum jetzt eben eine Ausdehnung, die keine punktuelle Ausdehnung mehr ist und sich daher auch nicht jener besonderen Voraussetzung mehr unterwerfen läßt. Entsprechend würde es auch niemals das Zeit-Raum-Modell für ihn herbeiführen, mit jener besonderen Voraussetzung ersatzweise beim Punktuellen einer Grenze von ihm anzusetzen. Auch im Fall der eindimensionalen Ausdehnung der Linie und der zweidimensionalen Ausdehnung der Fläche nämlich wäre das Zeit-Raum-Modell nicht dadurch zu bewerkstelligen, daß jene besondere Voraussetzung bei einer ihrer Grenzen ansetzte. Sie setzt vielmehr bei demjenigen Punktuellen einer Linie oder Fläche an, das keineswegs die Grenze dieser Linie oder Fläche ist, sondern das Punktuelle ihrer jeweiligen Ausdehnung im ganzen, und gerade solches Punktuelle fehlt der Ausdehnung des dreidimensionalen Raumes von Grund auf.

Das schlagend Evidente daran sehen Sie vollends, wenn Sie noch miteinbeziehen: Für jenen selben Punkt, aus dem auch dieser dreidimensionale Raum hervorgeht, bleibt auch er um eine Dimension verdeckt. Wie aus der Perspektive dieses Punktes jener eindimensionale Raum der Linie nur gleich einem Punkt für diesen Punkt erscheinen kann und jener zweidimensionale Raum der Fläche nur gleich einer Linie, so auch dieser dreidimensionale Raum des Körpers nur gleich einer Fläche. Trotzdem aber unterscheidet letzterer sich von den beiden ersteren grundsätzlich. Denn in deren Fall erschien für diesen selben Punkt jeweils das Punktuelle dieses ein- bzw. zweidimensionalen Raumes, während das Nicht-punktuelle ihrer Ausdehnung für ihn verdeckt blieb. Doch obwohl auch dieser dreidimensionale Raum um eine Dimension für diesen selben Punkt verdeckt bleibt, kann in diesem Fall für ihn nicht mehr das Punktuelle einer Ausdehnung erscheinen, sondern nur noch das Nichtpunktuelle dieser Fläche, das in diesem Fall für ihn erscheint. Im Unterschied zu jener Fläche nämlich, von der nur das Punktuelle ihrer Ausdehnung gleich einer Linie für diesen selben Punkt erscheinen kann, kann diese Fläche nur als das Nichtpunktuelle ihrer Ausdehnung für ihn erscheinen: eben nur als Fläche. Kommt es zum Erscheinen dieser Fläche doch für einen solchen Punkt gerade dadurch, daß auch noch das Punktuelle jener Fläche, das gleich einer Linie für ihn erscheint, durch seine Selbstaus-

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dehnung sich zu einer Fläche für ihn ausdehnt, so daß die nicht-punktuelle Ausdehnung von dieser neuen Fläche auch nicht mehr verdeckt für ihn sein kann.

Verdeckt für ihn bleibt dabei vielmehr nur, was hinter diesem neuen zweidimensionalen Raum von dieser neuen Fläche sich verbirgt, wohinter es ein dreidimensionaler Raum als Raum von einem Körper wäre, dessen Vorderfläche diese Fläche wäre. Und dies so grundsätzlich, daß es auch für jede Art von Gliederung noch gilt, die dabei innerhalb von solcher Fläche kontingenterweise sich noch mitergeben mag. Erst damit nämlich ist nunmehr durch Herleitung gewonnen, was als Form dafür in jedem Fall zugrunde liegen muß: als Fläche des »Gesichtsfelds«. Deshalb gilt das auch für jede Fläche, die sich dabei kontingenterweise als eine bestimmte Fläche gegenüber einer anderen bestimmten Fläche innerhalb von dieser Fläche des »Gesichtsfelds« mitergeben mag, und so auch noch für jede Linie als Grenze zwischen solchen Flächen wie auch noch für jeden Punkt als Grenze zwischen solchen Flächen oder solchen Linien: Nicht allein, was hinter einer solchen Fläche sich verbirgt, wenn sie als Vorderfläche eine »Oberfläche« eines dreidimensionalen Körpers wäre, bleibt dabei für jenen selben Punkt verdeckt. Für ihn verdeckt bleibt vielmehr auch, was hinter einer solchen Linie sich verbirgt, wenn sie als Vorderlinie etwa eine »Kante« eines dreidimensionalen Körpers wäre, oder was sich hinter einem solchen Punkt verbirgt, wenn er als Vorderpunkt zum Beispiel eine »Ecke« eines dreidimensionalen Körpers wäre.

Wie auf einen Schlag wird nämlich innerhalb von diesem dreidimensionalen Raum, der nur als Fläche in Erscheinung tritt und somit »Tiefendimension« derselben ist, auch jener eindimensionale Raum, der nur als Punkt erscheint, zur »Tiefendimension« desselben, wie auch jener zweidimensionale Raum, der nur als Linie erscheint, zur »Tiefendimension« derselben: Auch von jenem bloßen ein- bzw. zweidimensionalen Raum bereits als einer »Tiefendimension« zu sprechen, wäre ohne jeden Sinn, weil das bedeuten würde, fälschlich diesen dreidimensionalen Raum bereits vorauszusetzen, während er doch allererst aus jenem ein- und zweidimensionalen Raum heraus erzeugt wird. Und als diese »Tiefendimension« ist dieser dreidimensionale Raum denn auch gerade das, was hinter jedem solchen Punkt und jeder solchen Linie und

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jeder solchen Fläche dann für jenen selben Punkt verdeckt und damit grundsätzlich verdeckt bleibt. Was für ihn verdeckt bleibt, ist mithin auch nichts geringeres als dies, ob es zu dem, was er durch solche drittmalige Selbstausdehnung zu erzeugen unternimmt, das heißt: zu einem dreidimensionalen Raum als »Tiefendimension«, tatsächlich kommt. Denn daß auch diesen dreidimensionalen Raum noch jener selbe Punkt durch seine Selbstausdehnung zu erzeugen unternimmt, heißt eben nicht mehr, daß es dadurch wie zu jenem ein- und zweidimensionalen auch zu diesem dreidimensionalen Raum noch kommt.

Entsprechend heißt dies, daß selbst dann, wenn es dadurch tatsächlich auch zu diesem dreidimensionalen Raum noch kommt, auch dieser dreidimensionale Raum noch grundsätzlich für jenen selben Punkt verdeckt bleibt. Grundsätzlich für ihn verdeckt bleibt deshalb auch, wenn es dadurch gerade nicht auch noch zu diesem dreidimensionalen Raum kommt. Und das heißt: Verdeckt für ihn bleibt auch, wenn es sich bei der Ausdehnung von dieser neuen Fläche, hinter der dies alles sich in jedem solchen Fall verbirgt, gerade nicht um eine Vbrcferfläche als die »Oberfläche« eines Köpers handelt, sondern wenn es sich auch noch bei ihr vielmehr um eine bloße Fläche handelt, nämlich auch noch ihrerseits um einen bloßen punktnellen Raum. Genau entsprechend nämlich, wie das Dreidimensionale als das nicht mehr Punktuelle einer »Tiefendimension« zu dieser Fläche hinter ihr verdeckt bleibt, so in diesem Fall dann umgekehrt auch noch das Punktuelle dieser bloße Fläche. Denn von jener bloßen Fläche, die für jenen selben Punkt gleich einer bloßen Linie auftritt, unterscheidet diese bloße Fläche, die als Fläche für ihn auftritt, sich gerade dadurch, daß sie nicht mehr als das Punktuelle ihrer Ausdehnung erscheinen kann, sondern nur noch als das Nichtpunktuelle ihrer Ausdehnung: nur noch als Fläche. Bei dem Unternehmen der Erzeugung eines dreidimensionalen Raumes nämlich ist sie auch das Mindeste, was dieser Punkt durch seine Selbstausdehnung zu erzeugen hat, um dadurch diesen Raum als dreidimensionalen zu erzeugen. Diese bloße Fläche ist daher als das dadurch zunächst Erzeugte etwas, wozu es durch solche Selbstausdehnung dieses Punktes kommen muß, auch wenn es dadurch zur Erzeugung dieses dreidimensionalen Raumes nicht kommt, sondern nur zu diesem zweidimensionalen Raum als punktuellem dieser bloßen Fläche.

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Davon aber unterscheidet dieser dreidimensionale Raum sich dann von Grund auf, nämlich als das erstmalige nicht mehr Punktuelle gegenüber jedem Punktuellen: gegenüber jedem punktuellen Raum als bloßem Zeit-Raum wie erst recht auch gegenüber jenem Punktuellen jenes Punktes bloßer Zeit. Und diesen grundsätzlichen Unterschied erfassen Sie, wenn Sie sich überlegen, was genau es überhaupt bedeuten kann, daß jener selbe Punkt der Zeit auch diese dritte Ausdehnung des dreidimensionalen Raumes noch durch seine Selbstausdehnung zu erzeugen unternimmt. Was nämlich von der einen Seite diese drittmalige Selbstausdehnung ist, ist nach der ändern Seite eine erstmalige Selbstausdehnung. Unternimmt er doch durch sie nun erstmalig eine Erzeugung einer Ausdehnung, die nicht mehr wie die Ausdehnung des ein- und zweidimensionalen Raumes eine ist, die er auch »innerhalb von sich« besitzt. Erstmalig unternimmt er dadurch vielmehr die Erzeugung einer Ausdehnung, die er nur »außerhalb von sich« und so in keinem Sinn mehr »innerhalb von sich« besitzt. Und dies bedeutet eben, daß er diese Ausdehnung als die nur »außerhalb von sich« dadurch auch nicht mehr so wie die auch »innerhalb von sich« noch zu gewährleisten vermag.

Bloß das vielmehr vermag er dabei zu gewährleisten, was er dabei in jedem Fall erzeugen muß, und das ist eben diese neue Fläche, die dabei in jedem Fall für ihn erscheint. Bloß die Erzeugung einer Ausdehnung, die er zumindest auch noch »innerhalb von sich« besitzt, ist es, was er dabei allein durch seine Selbstausdehnung aus sich selbst heraus noch zu gewährleisten vermag, und somit bloß noch diese neue Fläche. Und gleichwohl ist es ausschließlich dreidimensionaler Raum, was jener selbe Punkt durch die Erzeugung dieser neuen Fläche zu erzeugen unternimmt und was er zu erzeugen ja auch überhaupt nur dadurch unternehmen kann. Sie tritt infolgedessen auch noch dann auf, wenn der dreidimensionale Raum, den dieser selbe Punkt durch die Erzeugung dieser neuen Fläche zu erzeugen unternimmt, dabei gerade nicht auch seinerseits noch auftritt. Auch noch diese neue Fläche bleibt daher in diesem Fall ein zweidimensionaler als ein punktueller Raum und damit eine Ausdehnung, die jener selbe Punkt dann immer noch auch »innerhalb von sich« besitzt. Denn als aus diesem selben Punkt der Zeit heraus erzeugte ist wie jene bloße Fläche dann auch diese bloße Fläche des »Gesichtsfelds« noch ein bloßes

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Nacheinander von Zugleich als bloßer Zeit-Raum. Und das gilt entsprechend auch für jede Einzelfläche innerhalb von dieser Fläche und für jede Linie als Grenze zwischen solchen Flächen. Ja das gilt sogar auch noch für jeden Punkt als Grenze zwischen solchen Linien oder Flächen, der dann seinerseits wie jener Punkt der bloßen Zeit ein Nacheinander ist, nur eben jetzt zum ersten Mal in einer räumlichen Umgebung. Dem genau gemäß läßt sich daher auch diese neue, zweite Fläche dem Zeit-Raum-Modell noch unterwerfen und mit ihr auch alles innerhalb von ihr.

Denn damit ist auch sie noch eine Ausdehnung, die jener selbe Punkt als räumliche zwar außerhalb von sich besitzt, doch keineswegs nur außerhalb von sich, sondern als zeitliche auch innerhalb von sich. Entsprechend liegen Punkt und Ausdehnung auch dabei noch nicht wechselseitig außerhalb einander, stehen sich mithin auch hier noch nicht wie zueinander Wirklich-Anderes gegenüber, sondern erst im Fall eines tatsächlich dreidimensionalen Raumes. Und das heißt zuletzt: Zu einer Ausdehnung, die jener selbe Punkt nur außerhalb von sich besitzt, wird diese Fläche erstund ««runter einer Bedingung, welche jener selbe Punkt hier nicht mehr, wie bisher, durch seine bloße Selbstausdehnung zu erfüllen vermag. Denn dazu wird sie erst und nur, wenn ihre Ausdehnung, die von der einen Seite her aus jener Selbstausdehnung jenes selben Punktes herrührt, nach der ändern Seite hin tatsächlich auch noch zu der Vorderfläche als der »Oberfläche« eines Dreidimensionalen wird, weil sie auch erst und nur als solche dann in dieses Dreidimensionale eingeht und sonach zu diesem selbst gehört. Und das Entsprechende gilt dann auch noch für alle Einzelflächen innerhalb von ihr und damit auch für alle Linien oder Punkte als die Grenzen innerhalb von ihr, die erst und nur in diesem Fall in etwas Dreidimensionales eingehen und so zu ihm selbst gehören. Erst und nur in diesem Fall läßt sich all dies daher auch nicht mehr dem Zeit-Raum-Modell oder dem Zeit-Modell noch unterwerfen. Denn das könnte nur noch heißen, mit jener besonderen Voraussetzung bei einer dieser Grenzen eines Dreidimensionalen anzusetzen, was jedoch bei keiner dieser Grenzen möglich ist, wie ausgeführt, weil jedes solche Punktuelle als die Grenze eines Dreidimensionalen jedem solchen Zugriff prinzipiell entzogen bleibt. Entsprechend ist auch erst und nur mit solchem dreidimensionalen Raum ein reiner Raum gewonnen, der sich gegenüber bloßem

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Zeit-Raum wie erst recht auch gegenüber bloßer Zeit von Grund auf unterscheidet.

Denn gewonnen ist er dann - sofern er dadurch überhaupt gewonnen ist - auch nur in einem ganz bestimmten Sinn, was wir auf diese Weise nunmehr rein formal, das heißt: durch Vollentfaltung rein formaler Zeit- und Raumstrukturen, hergeleitet haben. Denn was Ihnen hier mit letzter Evidenz geradezu ins Auge springt, ist nichts geringeres als das Gesamtverhältnis zwischen einer Intention auf einer Seite und ihrem Erfolg bzw. Mißerfolg auf anderer Seite, das hier seinen Ursprung hat. Und das ist eben das Gesamtverhältnis eines intendierenden Subjekts und eines dadurch intendierten Objekts, dessen Fremdverwirklichung zu etwas Wirklich-Anderem als diesem Subjekt durch die Selbstverwirklichung von diesem Subjekt selber intendiert wird. Und als Selbstausdehnung jenes selben Punktes reicht die letztere denn auch bis einschließlich der durch sie noch gewährleisteten zweiten Fläche, so daß sie als Selbstverwirklichung bis einschließlich von dieser zweiten Fläche dann auch eine unfehlbare ist.

Nur intendiert sie dadurch, daß sie ihrer inneren Struktur nach solche Selbstausdehnung ist, als solche Selbstverwirklichung gerade Fremdverwirklichung von etwas Wirklich-Anderem. Denn durch Erzeugung auch noch dieser zweiten Fläche unternimmt sie, auch noch etwas Dreidimensionales zu erzeugen, und genau von hier ab ist sie dann als Fremdverwirklichung auch keine unfehlbare mehr, sondern gerade eine fehlbare Verwirklichung. Denn ist auch die Erzeugung dieses Zweidimensionalen dieser zweiten Fläche dabei noch gewährleistet, so ist doch dadurch keineswegs auch die Erzeugung eines Dreidimensionalen noch gewährleistet, die dadurch vielmehr nur noch intendiert ist, aber nicht mehr garantiert ist. Kommt es dabei auch noch zur Erzeugung dieses dadurch intendierten Dreidimensionalen, so auch nur als einem faktischen Erfolg für solches Intendieren, das genauso faktisch auch zu einem Mißerfolg führen kann; und dabei bleibt das durch es intendierte Dreidimensionale eben aus, so daß es dann beim Zweidimensionalen dieser zweiten Fläche bleibt als dem, wodurch zuletzt das Dreidimensionale intendiert wird. Denn tatsächlich wäre solches Dreidimensionale als die Ausdehnung, die jener selbe Punkt nur »außerhalb von sich« besitzt, ein reiner Raum. Und damit wäre es tatsächlich etwas Wirklich-Anderes gegenüber jenem bloßen Zeit-

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Raum oder gegenüber jener bloßen Zeit als einer Ausdehnung, die jener selbe Punkt auch »innerhalb von sich« oder sogar nur »innerhalb von sich« besitzt.

Das Fremdverhältnis, in dem jener selbe Punkt zu solchem dreidimensionalen Raum als reinem Raum steht, unterscheidet sich daher grundsätzlich von dem Fremdverhältnis, in dem er zu einem bloßen Zeit-Raum steht. Zum dreidimensionalen Raum steht nämlich dieser selbe Punkt danach im Fremdverhältnis einer Fremdverwirklichung. Denn hat er dadurch etwas Dreidimensionales in der Tat erzielt, so hat er dadurch eben etwas Anderes als sich verwirklicht und mithin durch seine Selbstverwirklichung auch eine Fremdverwirklichung erreicht. Durch seine Selbstverwirklichung zu einem bloßen Zeit-Raum aber, wie bis einschließlich von dieser zweiten Fläche, steht dann dieser selbe Punkt zu diesem Raum zwar ebenfalls bereits in einem Fremdverhältnis, weil er ihn als Ausdehnung grundsätzlich »außerhalb von sich« besitzt, indem er hinter ihm als Ausdehnung zurückbleibt. Im Vergleich zu jenem aber ist dann dieses noch kein Fremdverhältnis einer Fremdwr-wirklichung von etwas Anderem, sondern vorerst nur ein Fremdverhältnis einer Yremdvergegenständlichung von etwas Anderem, die einer fiemdverwirklichung von etwas Anderem auch immer schon zugrunde liegen muß. Gerade hier besteht denn auch der grundsätzliche Unterschied von zweiter Stufe solcher Selbstausdehnung jenes selben Punktes und von dritter, nämlich zwischen seinem Fremdverhältnis einer bloßen Fiemdvergegenständlichung von etwas Anderem und seinem Fremdverhältnis auch noch einer Vremdverwirklichimg von solchem Anderen zu etwas Wirklich-Anderem.

Was nämlich dieser selbe Punkt bis einschließlich von dieser zweiten Fläche als dem zweidimensionalen Raum aus sich heraus erzeugt, ist nichts geringeres als die Form, durch die ihm etwas Dreidimensionales als ein Wirklich-Anderes überhaupt erscheinen kann: die Fläche als die Grenze dieses Dreidimensionalen oder Wirklich-Anderen. Das gilt denn auch entsprechend noch für jede Gliederung, die kontingenterweise innerhalb derselben auftritt, wie durch Linien oder Punkte. Denn gerade die Erzeugung dieser Form ist es, durch die dann dieser selbe Punkt zuletzt auch etwas Dreidimensionales noch als etwas Wirklich-Anderes zu erzeugen unternimmt, so daß auch erst durch beides miteinander der Ge-

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samtsinn von Verwirklichung als der intentionalen sich ergibt. Durch eben diese Form, durch die er als der hinter ihr zurückbleibende etwas Anderes als sich schon immer vor sich hat, eben vergegenständlicht hat, versucht er dieses Andere auch zu verwirklichen, indem er es durch diese Form als etwas Dreidimensionales hinstellt und mithin als etwas Wirklich-Anderes hinstellt, um es dadurch als ein solches Dreidimensionales herzustellen.

Deshalb kann es auch nur so, das heißt: nur hingestelltenveise und dadurch dann faktisch auch nur hergestellterweise für ein Subjekt ein Objekt als etwas Wirklich-Anderes geben. Und tatsächlich ist, wenn ein Subjekt mit dieser seiner Intention erfolgreich ist, ein solches Gegenständlich-Anderes auch noch ein Wirklich-Anderes gerade dann, wenn solche Form das Zweidimensionale eines Dreidimensionalen ist und eine Gliederung in ihr entsprechend die von etwas Dreidimensionalem ist. Die Drei-dimensionalität von solchem Anderen ist so geradezu Kriterium der Wirklichkeit von solchem Anderen, weshalb es auch kein Zufall ist, daß einem Wirklich-Anderen wie seine Wirklichkeit auch seine Dreidimensionalität nicht einfach angesehen werden kann. Vielmehr kann beides immer erst im größeren Zusammenhang des weiteren Umgangs mit ihm sich ergeben, der recht eigentlich ein Experimentieren mit ihm ist. Und Ursprung davon ist bekanntlich der Versuch, das eine und das andere unserer beiden Augen, die wir nur empirisch-faktisch haben, abwechselnd zu öffnen und zu schließen, um durch solchen Perspektivenwechsel11 eine zweidimensionale Flächengliederung als die Erscheinungsform von etwas Dreidimensionalem zu ermitteln12.

Die drei Stufen dieser inneren Struktur von jedem Subjekt als dem ursprünglichen Intendieren eines dadurch intendierten Ob-

Vgl. oben S. 903.

Dabei sollten Sie beachten, daß wir mit der Dreidimensionalität jetzt
ein Kriterium  für Wirklichkeit von Außenwelt gewinnen, das von der
Beharrlichkeit als dem Kriterium derselben unabhängig bleibt. Das ist nicht
unwichtig, weil das Beharren als das Überdauern einer Zeit als Spanne
allenfalls für makroskopische Objekte gilt. Dagegen gilt es nicht mehr
ohne weiteres auch noch für mikroskopische Objekte, wie sie durch die
Quantentheorie behandelt werden und sich nicht mehr als Zeitspannen-,
sondern nur noch als Zeit/wn&fobjekte fassen lassen (vgl. C. Friebe 2001,
Kap. 2 und 3). Etwas Objektives waren sie danach nicht dadurch, daß auch
solche Punkte für sich selbst noch jeweils als Substanz und Akzidens eine

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jekts haben wir bisher rein ontologisch hergeleitet: in Begriffen einer Selbstverwirklichung zur Fremdverwirklichung, wodurch allein das Ganze daraus das Gesamtverhältnis des Erfolgs bzw. Mißerfolgs von einer Intention ist. Die mit solcher Wirklichkeit von Subjekt und Objekt verbundene Evidenz jedoch verstärkt sich noch einmal entscheidend weiter, wenn wir nunmehr dazu übergehen, diese Herleitung auch noch bewußtseinstheoretisch durchzuführen. Diesbezüglich hatten wir sie nur bis einschließlich der ersten Stufe durchgeführt, auf der ein solches Subjekt vorerst bloßes Selbstbewußtsein seiner bloßen Selbstverwirklichung zu bloßer Zeit und bloßem Zeitbewußtsein ist und damit bloßes Selbstverhältnis. Dies war allerdings gerechtfertigt, weil in der Tat so etwas wie Bewußtsein nur als solches Selbstbewußtsein solcher Selbstverwirklichung zu Zeit und Zeitbewußtsein seinen Ursprung hat und damit auch nur im Subjekt als einem so sich aufbauenden Selbstverhältnis.

Dann jedoch gilt es erst recht noch herzuleiten, daß und wie aus einem so sich aufbauenden Selbstverhältnis eines Subjekts auch ein Fremdverhältnis dieses Subjekts noch hervorgeht; und dies eben nicht nur ontologisch, wie schon durchgeführt als jene Fremdverwirklichung durch Eremdvergegenständlichung von etwas Anderem als sich: vielmehr auch noch als das Bewußtsein davon, das als Fremdbewußtsein sich daher genau entsprechend gliedern müßte. Eben dies ergibt sich denn auch Zug um Zug, wenn Sie mitein-beziehen, daß und wie dann auch mit jedem solchen Fremdverhältnis jenes Selbstbewußtsein noch einhergehen muß, wodurch dann

komplexe innere Struktur besäßen. Vielmehr wären sie das nur, wenn sie als solche Punkte grundsätzlich die Grenzen eines Dreidimensionalen bildeten: sei es auch nur die Grenzen, die durch jeweilige Messung als die Teilung (vgl. G. Friehe 2004 b) eines Dreidimensionalen allererst in ihm geschaffen würden. Denn bloß dadurch wären sie auch nicht sogleich wie »Ecken« eines Korpers Grenzen, sondern etwa Grenzen eines »Feldes«, das dann aber mindestens als das Geteilte auch bestehen müßte. Oder muß etwas beharren, um geteilt werden zu können? - Von Bedeutung aber ist die Dreidimensionalität des Raumes als Kriterium der Wirklichkeit von Außenwelt auch für die Relativitätstheorie. Denn es kann dann offen, nämlich der Empirik überlassen bleiben, ob nun innerhalb von solcher grundsätzlichen Dreidimensionalität des Raumes das Zugleich des Zwei-dimensionalen dieser zweiten Fläche auf das Dreidimensionale dieses Raumes einfach übergeht, wie man bis Einstein meinte, oder nicht.

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auch ein jeweiliges Fremdbewußtsein noch aus ihm hervorgehen muß, so daß entsprechend unterschiedliche ßewußtseinsarten unterschieden werden müssen. Aus dem reinen Selbstverhältnis auf der ersten Stufe nämlich geht das erste Fremdverhältnis auf der zweiten Stufe so hervor, daß jene Selbstausdehnung jenes selben Punktes nicht allein zu Zeit, sondern aus Zeit heraus auch noch zu Raum als Zeit-Raum führt, wie er bis einschließlich von jener zweiten Fläche auftritt. Solche Ausdehnung von Raum als Zeit-Raum nämlich hat dann jener selbe Punkt als zeitlich-räumliche zum ersten Mal auch »außerhalb von sich« und bleibt insofern erstmals hinter ihr zurück, wenngleich er sie als 2«Y/zc/7-räumliche dann immer noch auch »innerhalb von sich« besitzt, so daß auch sie noch immer eine punktuelle ist.

Mit jener Zeit auf jener ersten Stufe muß nun aber auch das Zeitbewußtsein als das Selbstbewußtsein jenes selben Punktes noch einhergehen. Folglich muß, wenn aus der Zeit heraus auf dieser zweiten Stufe dann auch Raum als Zeit-Raum noch hervorgeht, das mit ihr verbundene Zeitbewußtsein als das Selbstbewußtsein jenes selben Punktes auch noch übergehen auf diesen Raum, weil er ja Zeit-Raum ist und damit das entsprechende Bewußtsein auch Zeit-Raum-Bewußtsein. Dadurch aber muß dann jenes Selbstbewußtsein dieses selben Punktes von sich selbst auch noch zu einem Fremdbewußtsein dieses selben Punktes werden, wodurch er auch noch von etwas Anderem als von sich selbst Bewußtsein ist. Ergab doch jenes Selbst- als Zeitbewußtsein dieses selben Punktes auf der ersten Stufe sich gerade dadurch, daß er auftritt als der seine Ausdehnung, die er als Zeit nur »innerhalb von sich« besitzt, bewußt begleitende und sie sonach als die durch ihn bewußt begleitete.

Gerade diese Ausdehnung der Zeit ist es nun aber, was auf zweiter Stufe dann genausoweit, wie hier auch Ausdehnung des Raumes noch aus ihr hervorgeht, auch in diese Ausdehnung des Raumes noch miteingeht, da er ja gerade Zeit-Raum ist. Genausoweit entspringt daher aus jenem Zeit-Bewußtsein jenes selben Punktes hier dann auch noch Raum-Bewußtsein als Zeit-Raum-Bewußtsein dieses selben Punktes. Denn als ein bewußt begleitender tritt er dann eben auch noch weitergehend auf, das heißt, als ein auch diese Ausdehnung des Raumes noch bewußt begleitender und so auch sie noch als eine durch ihn bewußt begleitete. Und das

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obwohl er diese weitere Ausdehnung durch seine Selbstausdehnung jetzt nicht mehr nur »innerhalb von sich« besitzt, wie reine zeitliche, sondern als zeitlich-räumliche bereits auch »außerhalb von sich«.

Gerade dadurch aber geht aus bloßem Zeit- als bloßem Selbstbewußtsein dieses Punktes von sich selbst dann eben auch ein solches Selbstbewußtsein noch hervor, das als ein Selbstbewußtsein auch ein Fremdbewußtsein dieses Punktes noch von etwas Anderem als von sich selbst ist. Denn indem es dadurch auch noch dieser Raum als Zeit-Raum ist, was diesem Punkt dabei bewußt ist, wird ihm dadurch auch noch solche Ausdehnung bewußt, die er auch »außerhalb von sich« besitzt. Und dadurch wird ihm eben auch noch eine Form bewußt, die nur die Form für etwas Anderes als ihn sein kann, weil er als Nacheinander ja gerade Zeit ist, auch wenn dieses nunmehr auch noch Nacheinander von Zugleich als Zeit-Raum ist. Kann doch ein Nacheinander von Zugleich gerade kein Zugleich von Nacheinander sein, sondern nur ein Zugleich von etwas Anderem als Nacheinander, weil ein Nacheinander von Zugleich ja widerspruchsfrei ist, wogegen ein Zugleich von Nach-einader widersprüchlich wäre. Und genauso widerspruchsfrei, wie sonach die unlösbare Einheit dieses Nacheinander von Zugleich als Zeit-Raum ist, wird auch die ihm entsprechende Bewußtseinsbildung als die unlösbare Einheit jenes Selbstbewußtseins, das dann auch noch dieses Fremdbewußtsein ist. Denn auch nur scheinbar stehen dabei »Selbst...« und »Fremd...« im Widerspruch.

Genausoweit, wie Raum dabei gerade Zeit-Raum ist, ist das entsprechende Bewußtsein nämlich Selbstbewußtsein, das jedoch genausoweit, wie Zeit dabei als Nacheinander von Zugleich gerade Zeit von Raum ist, auch noch Fremdbewußtsein ist. Und daß dies auch bewußtseinstheoretisch widerspruchsfrei ist, macht die damit verbundene Evidenz auch nur noch schlagender, weil eben dies für die erforderliche Unterscheidung von verschiedenen Bewußtseinsarten unentbehrlich ist. Soweit dieses Bewußtsein innerhalb von seiner in sich unlösbaren Einheit nämlich Fremdbewußtsein ist, ist es ein fremdvergegenständlichungsbewußtsein, für das etwas Anderes gerade in dem Sinn bewußt wird, daß es gegenständlich für es wird. Soweit dieses Bewußtsein innerhalb von seiner in sich unlösbaren Einheit aber Selbstbewußtsein ist, ist es gerade nicht etwa

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auch seinerseits bereits ein Selbstvergegenständlichungsbewußtsein, innerhalb von dem das, was dabei bewußt wird, etwa auch schon seinerseits wie etwas Anderes bewußt im Sinn von gegenständlich würde, was vielmehr nur widersprüchlich werden könnte.

Gilt das doch bereits für jene erste Stufe jenes reinen Selbstbewußtseins, innerhalb von dem die Ausdehnung als die bewußt begleitete dem Punkt als dem bewußt begleitenden bewußt wird, aber eben ohne daß sie ihm wie etwas Anderes als er etwa bewußt im Sinn von gegenständlich würde. Denn als Ausdehnung durch ursprüngliche Selbstausdehnung, die der Punkt als zeitliche nur »innerhalb von sich« besitzt, ist sie gerade keine, die er »außerhalb von sich« besäße, nämlich nicht einmal auch »außerhalb von sich«, wie zeitlich-räumliche. Und zu etwas Bewußtem wird er dadurch auch nur als die innerliche Zweiheit von etwas Bewußt-Beglei-tendem und von etwas Bewußt-Begleitetem, wodurch etwas Bewußtes allererst entspringt, und zwar als etwas Selbstbewußtes. Denn indem er auftritt als ein Punkt mit Ausdehnung nur »innerhalb von sich«, muß er dabei auch zum ursprünglichen Bewußtsein von sich selbst als Zeit und so zum Zeit- als Selbstbewußtsein von sich werden13. Und als das in diesem Sinn notwendige Bewußtsein solcher ursprünglichen Selbstausdehnung dieses Punktes ist es eben auch ein reines Sdbstverwirklichungsbewußtsein, das als Selbstvergegenständlichungsbewußtsein nicht verständlich werden kann. Als jenes nämlich ist es das Bewußtsein einer Selbstverwirklichung, die, eben weil sie eine ursprüngliche ist, als Selbstvergegen-ständlichung nur unverständlich bleiben könnte. Denn im Fall von einem Selbstverhältnis hat das Selbstbewußtsein seiner Selbstver-wirklichung dem Selbstbewußtsein seiner Selbstvergegenständli-chung schon immer strukturell vorauszugehen. Sonst könnte es in diesem Fall doch etwas zu Vergegenständlichendes gar nicht geben. Reines Selbstbewußtsein, wie wir es als reines Selbstverwirklichungsbewußtsein hergeleitet haben, ist daher im Sinn einer begrifflichen Bestimmung festzuhalten, die jetzt weiterführt zur Abgrenzung von jeglichem Vergegenständlichungsbewußtsein, das als solches überhaupt erst herzuleiten ist. Und wirklich herleitbar sein kann es eben auch nur aus einem Bewußtsein, das wie dieses Selbstbewußtsein kein Vergegenständlichungsbewußtsein ist, weil

13 Vgl. oben S. 888 ff.

umgekehrt ein Selbstbewußtsein aus einem Vergegenständlich-ungsbewußtsein herleitbar nicht sein kann, da es so nur widersprüchlich werden kann.

Das gilt jedoch auch noch für diese zweite Stufe dieses nicht mehr reinen Selbstbewußtseins, das vielmehr auch noch ein Fremdbewußtsein ist. Als Selbstbewußtsein ist es nämlich gleichfalls eines, innerhalb von dem die Ausdehnung als die bewußt begleitete dem Punkt als dem bewußt begleitenden bewußt wird, aber eben ohne daß sie ihm wie etwas Anderes als er etwa bewußt im Sinn von gegenständlich würde. Und das könnte Sie zunächst einmal befremden, weil doch hier auf zweiter Stufe nunmehr in der Tat etwas bewußt im Sinn von gegenständlich werden soll. Dies nämlich könne doch nur das sein, was als das Bewußt-Begleitete dem Punkt als dem Bewußt-Begleitenden bewußt wird, und das sei die Ausdehnung als nunmehr zeitlich-räumliche, so überlegen Sie vielleicht. Sei sie doch auch das Einzige, was auf der zweiten Stufe dafür überhaupt in Frage kommen könne, weil hier außer dieser Ausdehnung ja auch noch überhaupt nichts dafür zur Verfügung stehe.

Damit aber hätten Sie etwas Entscheidendes verfehlt, das auch der Überlieferung bisher entgangen ist und das hier erstmals wirklich greifbar für Sie werden kann. Denn so gewiß auch diese Ausdehnung auf dieser zweiten Stufe etwas ist, das hier durch diesen Punkt als den bewußt begleitenden bewußt begleitet wird, so ist sie doch gleichwohl nicht etwas, das bloß deshalb auch sogleich als solches selbst schon gegenständlich wird. Das müßte sonst aus diesem Grund auch schon für jene Ausdehnung von Zeit auf jener ersten Stufe gelten, die ja ihrerseits durch jenen Punkt als den bewußt begleitenden bewußt begleitet wird. Durchaus nicht aber wird sie dadurch schon bewußt im Sinn von gegenständlich, was daher auch noch für diese weitere Ausdehnung von Raum auf zweiter Stufe gilt, der ja gerade Zeit-Raum ist. Als solcher nämlich ist er zwar schon eine Ausdehnung, die dieser Punkt als zeitlich-räumliche nunmehr auch »außerhalb von sich« besitzt. Als zeitlich-räumliche jedoch ist sie noch immer eine, die er grundsätzlich auch »innerhalb von sich« besitzt, weil innerhalb von sich als Nacheinander dieser Zeit. Nur deshalb nämlich ist auch diese Ausdehnung von Raum als Zeit-Raum noch bis einschließlich von jener zweiten Fläche eine punktuelle.

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Miteinander miteinhergehend sind sonach dieser Punkt sowohl wie diese punktuelle Ausdehnung von Raum als diesem Zeit-Raum jeweils nur ein Nacheinander, und das heißt: wie dieser Punkt ein stetig neuer, so auch diese mit ihm miteinhergehende Ausdehnung von Raum als diesem Zeit-Raum eine stetig neue. Also steht dabei die Ausdehnung dem Punkt zwar gegenüber, weil der Punkt die Ausdehnung dabei auch »außerhalb von sich« besitzt, so daß er auch insofern hinter ihr zurückbleibt. Dieses Gegenüber zu ihm bildet sie jedoch gerade als ein Gegenüber innerhalb von grundsätzlichem Nacheinander beider, nämlich innerhalb von Zeit und damit innerhalb von Subjektivität, mithin auch innerhalb von deren grundsätzlicher Selbstverwirklichung und deren grundsätzlichem Selbstbewußtsein. Beide miteinander stehen somit auch noch gänzlich innerhalb von Subjektivität — und stehen eben darum innerhalb von Subjektivität auch beide miteinander schon für etwas Anderes als Subjektivität, das dadurch umgekehrt dann für sie als die innere Struktur aus beiden miteinander auch bewußt im Sinn von gegenständlich wird. Indem durch diesen Punkt als den bewußt begleitenden nun auch noch diese Ausdehnung als zeitlich-räumliche bewußt begleitet wird, ist dadurch nämlich auch noch eine Form bewußt, die nur die Form für etwas Anderes als Subjektivität sein kann, und dadurch eben auch noch solches Andere bewußt im Sinn von gegenständlich. Wie schon jene Ausdehnung als bloße zeitliche ist deshalb auch noch diese Ausdehnung als zeitlich-räumliche nur in dem Sinn von Selbstbewußtsein als dem Selbstverwirklichungsbewußtsem dieser Subjektivität bewußt, das SelbsWergegenständlichungsbewußtsein aus genanntem Grund nicht sein kann, was daher noch weiter wichtig bleibt.

Nur wird die Selbstverwirklichung, indem sie nunmehr auch noch die zu Raum als Zeit-Raum ist, als eine Selbstvenvirklichung auch noch zu einer Fremdvergegenständlichung von etwas Anderem: dies aber eben ohne daß sie damit auch schon eine Fremd-verwirklichung von diesem Anderen sein würde; vielmehr ist sie nach wie vor nur eine &/fe£verwirklichung. Und das mit ihr verbundene Selbstbewußtsein wird denn auch entsprechend noch zu einem Fretndbewußtsein davon, das ein fremdvergegenständ-lichungsbewußtsein davon ist: dies aber eben ohne daß es damit auch bereits ein Fremdverwirklichungsbcwußtsein davon wäre. Vielmehr ist es auch als Fremdvergegenständlichungsbe'wußtsein

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davon nach wie vor nur ,Selbstverwirklichungsbewußtsein Handelt es sich doch bei all dem nach wie vor auch nur um Selbst-verwirklichung und somit auch bei diesem Anderen nur um ein Gegenständlich-Anderes, nicht etwa auch schon um ein Wirklich-Anderes. Und in der Tat ist ja bis einschließlich von jener zweiten Fläche diese Selbstverwirklichung als Selbstausdehnung dieses Punktes eine unfehlbare. Demgemäß ist auch ihr Selbstbewußtsein noch bis einschließlich von diesem Fremdbewußtsein als Bewußtsein dieses Gegenständlich-Anderen ein unfehlbares Selbst- und Fremdbewußtsein. All dies nämlich muß zunächst einmal zugrunde liegen, weil es auch allein auf Grund von all dem dann auch noch zu einer fehlbaren Verwirklichung und einem fehlbaren Bewußtsein von ihr kommen kann. Denn nur auf Grund von all dem kann es dann auch noch zur Fehlbarkeit der Fremdverwirklichung von etwas Gegenständlich-Anderem zu etwas Wirklich-Anderem sowie zur Fehlbarkeit des Fremdverwirklichungsbewußtseins davon kommen, was dann aber als ein in sich vollständiges Intendieren mit Erfolg bzw. Mißerfolg erst auf der dritten Stufe auftritt. Erstmals greifbar für Sie wird mit all dem denn auch in der Tat gerade jener »Gegenstand« als der »transzendentale« (Kant) oder »intentionale« (Husserl) wie vor allem auch seine »intentionale Inexistenz« innerhalb von Subjektivität (Brentano): Womit man bis heute noch nicht wirklich etwas anzufangen weiß, ist danach nämlich als der Zeit-Raum mit Zeit-Raum-Bewußtsein herleitbar notwendig für den Ursprung eines Intendierens.

c) Fremdverwirklichungsbewußtsein

Die Gesamtstruktur von all dem ist denn auch bewußtseinstheoretisch in sich widerspruchsfrei, weil verschiedene Bewußtseinsarten innerhalb von ihr zu unterscheiden sind. So ist das reine Selbstbewußtsein auf der ersten Stufe reines Selbsiverwirklichungs-bewußtsein, das noch nicht ein Selbstvergegenständlichungsbe-wußtsein bilden kann und deshalb widerspruchsfrei ist. Doch auch das nicht mehr reine Selbstbewußtsein auf der zweiten Stufe, das auch noch ein Fremdbewußtsein ist, dem dieses Selbstbewußtsein von der ersten Stufe her zugrunde liegt, ist widerspruchsfrei. Denn auch noch ein Fremdbewußtsein ist es nur als Fremdvergegen-

ständlichungsbewußtsein, während es als Selbstbewußtsein nach wie vor ein reines Se\bstverwirklichungsbewußtsein ist, das noch kein Selbstvergegenständlichungsbewußtsem ist. Das gilt jedoch sogar auch noch für Selbstbewußtsein, wie es auf der dritten Stufe auftritt, wo es gleichfalls auch noch Fremdbewußtsein ist; doch ist es hier nun nicht mehr bloßes Fremdvergegenständlichungsbewußt-sein, sondern auch noch Fremdverwirklichungsbewußtsein. Denn auch dieses ist so etwas wie Bewußtsein nur durch seinen Anteil jenes ursprünglichen Selbstbewußtseins, dem auch dieses weitere Fremdbewußtsein noch entspringt, das nunmehr dieses Fremdver-wirklichungsbewußtsein ist. Gleichwohl ist jenes Selbstbewußtsein auch noch hier, wo es auch noch in dieses Fremdverwirklichungsbewußtsein eingeht, bloßes Selbstverwirklichungsbewußtsein. Also ist es hier nun &/fefSelbstverwirklichungs- und Fremdverwirklichungs-bewußtsein unlösbar ineinem, was dann aber ebenfalls nur scheinbar widersprüchlich ist. Denn so wie Selbst- und Fremd Verwirklichung dabei als eine unfehlbare und als eine fehlbare gerade nicht im selben Sinn Verwirklichung ist, so ist auch entsprechendes Bewußtsein als ein fehlbares und als ein unfehlbares nicht im selben Sinn Bewußtsein, worauf wir sogleich noch weiter eingehen werden. Jedenfalls sind schon von zweiter Stufe an, wo Selbstbewußtsein erstmals auch noch Fremdbewußtsein wird, die beiden nicht im selben Sinn Bewußtsein, so daß ihre in sich unlösbare Einheit auch kein Widerspruch sein kann.

Im Gegenteil: Mit dieser Einheit von Bewußtsein ist etwas gewonnen, was nach Kant als das Bewußtsein von »Begriff und Anschauung« notwendig ist und nur verständlich werden kann als das Bewußtsein dieser zweiten Stufe. Denn indem aus jenem selben Punkt nicht nur die Ausdehnung der Zeit hervorgeht, sondern auch die Ausdehnung von Raum als Zeit-Raum noch, ist zwischen diesem Punkt als dem sich bloß zu Zeit verhaltenden und dem sich auch zu Raum als Zeit-Raum noch verhaltenden zu unterscheiden. Das wird klar, wenn Sie miteinbeziehen: Als jener Punkt kann ein Subjekt sich schon durch seine Selbstausdehnung bloß zu Zeit in deren Ausdehnung hinein dann diesen oder jenen Inhalt zuziehen. Das Agieren dieser seiner Selbstausdehnung nämlich ruft je nach jeweiliger Beschaffenheit des Körpers, dem es je und je entspringt, auch dieses oder jenes Reagieren dieses Körpers auf dieses Agieren noch hervor und damit auch noch diesen oder

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jenen Inhalt in ihm. Innerhalb von bloßer Zeit jedoch muß solcher Inhalt in genau dem Sinn ein unbestimmter bleiben, daß er hier noch keine Form annehmen kann, worin er je und je auf einmal als ein Etwas gegenüber einem ändern Etwas auftritt, weil er hier ja nur als Nacheinander auftritt.

Das vermag er vielmehr nur, wenn er nicht bloß in Form von Zeit, sondern auch noch in Form von Raum als Zeit-Raum auftritt, nämlich auch in Form von ihm als dem Zugleich noch, auch wenn letzteres bloß Nacheinander von Zugleich ist. Denn gleichwohl vermag ein Inhalt in der Form dieses Zugleich dann je und je auf einmal als ein Etwas gegenüber einem ändern Etwas aufzutreten, nämlich als ein Inhalt gegen einen Gegeninhalt (so wie »rot« zu »nichtrot«) oder auch als eine Form zu einer Gegenform (so wie »konkav« gegen »konvex«), und damit jeweils als bestimmtes Etwas. Eben dabei nämlich treten innerhalb von jener zweiten Fläche dann auch jene Linien oder Punkte noch als jene Grenzen zwischen solchem Inhalt in Erscheinung. Nur ist all dies eben reine Kontingenz, die damit aber hergeleitet wird, wonach bereits als erstes reine Kontingenz ist, ob ein Inhalt nun in Form von bloßer Zeit oder auch noch in Form von Raum als Zeit-Raum auftritt. Das ist nämlich gleichbedeutend damit, ob ein Inhalt, wie etwa »Gefühle«, »Stimmungen« und »Wünsche«, als ein reiner subjektiver auftritt oder ob auch noch wie »Anschauungen«, die als etwas Subjektives auch noch etwas Objektives sind, indem sie »Sinnesdatenmaterial« für »Wahrnehmungen« von Objekten bilden. Grundlegend für diesen Unterschied von solchem Inhalt aber ist, daß er dabei in jedem Fall gerade nicht einfach nur innerhalb von Ausdehnung, sei es von bloßer Zeit oder auch noch von Raum als Zeit-Raum, auftritt, sondern eben damit jeweils auch noch innerhalb von Punkt. Nur dadurch nämlich kann für Sie erklärlich werden, daß es sich bei jedem solchen Inhalt um einen bewußten handelt oder um etwas Bewußtes.

So ist beispielsweise solch ein Inhalt überhaupt nur dann als ein »Gefühl« vorhanden, wenn er als ein solches auch »gespürt« wird, also auch bewußt ist. Ein »Gefühl«, das nicht »gespürt« wird, also nicht bewußt ist, wäre nämlich keines. Daß es eines ist, liegt somit auch nur daran, daß derselbe Inhalt dabei einer innerhalb von Zeit als Ausdehnung genauso ist wie einer innerhalb von Zeit als Punkt, weil Zeit gerade auftritt als die Ausdehnung, die jener Punkt nur

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»innerhalb von sich« besitzt. Und auch nur dadurch ist ein solcher Inhalt ein bewußter, nämlich ein in Form von dieser Ausdehnung bewußt begleiteter und ein in Form von diesem Punkt bewußt begleitender. Es geht mithin derselbe Inhalt dabei ebenso in diese Ausdehnung wie auch in diesen Punkt ein, nimmt sonach die Form von dieser Ausdehnung genauso an wie auch die Form von diesem Punkt. Bereits als so etwas wie ein »Gefühl« ist darum jeder Inhalt ein Gefübhbewußtsein, das als solches nicht allein ein Aus-dehnungsbewußtsein, sondern auch ein Pz/M&fbewußtsein ist. Vermag doch etwas als etwas Bewußtes auch nur innerhalb der innerlichen Zweiheit zu entspringen zwischen Punkt als dem Be-wußt-Begleitenden und Ausdehnung als dem Bewußt-Begleiteten. Als ein Bewußtsein ist dann ein Gefühl ein Punktgefühl genauso-sehr wie auch ein AusdehnungsgcKM, weil es Bewußtsein als Bewußtseins/7z<;z&/; oder als Funktbewußtsein dann genauso ist wie auch als Ausdehnungsbewußtsein oder als Rewußtseinsausdeh-nung. Nur bildet diese Ausdehnung zu diesem Punkt im Fall von bloßer Zeit, wo er sie noch nicht »außerhalb von sich«, nämlich noch nicht einmal auch »außerhalb von sich« besitzt, auch noch kein Gegenüber zu ihm. Dementsprechend ist ein Inhalt dabei auch gerade deshalb nur ein Inhalt von Gefühl, weil das mit ihm verbundene Gefühhbewußtsein eben reines Selbstbewußtsein ist; das heißt: Es ist in keinem Sinn auch noch ein Fremdbewußtsein, für das auch noch etwas Anderes als ein Subjekt bewußt im Sinn von gegenständlich würde. In der Form von bloßer Zeit ist so ein Inhalt deshalb im genannten Sinn auch nur ein unbestimmter Inhalt.

Davon aber unterscheidet sich ein Inhalt eben grundlegend, sobald er kontingenterweise nicht nur in die Form von bloßer Zeit, sondern auch noch in die von Raum als Zeit-Raum eingeht. Auch in diesem Fall gilt nämlich: Dabei tritt er nicht bloß innerhalb von Ausdehnung, das heißt jetzt: nicht bloß innerhalb der Ausdehnung von Zeit und Raum als Zeit-Raum auf, sondern desgleichen eben damit auch noch innerhalb von Punkt. Denn diese Ausdehnung von diesem Raum ist, weil sie die von ihm als ZezY-Raum ist, auch ihrerseits noch immer eine Ausdehnung, die jener Punkt dann »innerhalb von sich« besitzt, da er sie ja, wenngleich nicht mehr ;zz/r »innerhalb von sich«, so doch auch »innerhalb von sich« besitzt. Nur deshalb nämlich ist auch solche Ausdehnung von Raum als

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Zeit-Raum noch bis einschließlich von jener zweiten Fläche eine punktuelle. Und nur dadurch wird für Sie erklärlich, daß es sich dann auch bei jedem solchen Inhalt um einen bewußten handelt oder um etwas Bewußtes. Gleich einem Gefühl ist nämlich auch ein jeder solche Inhalt nur vorhanden, wenn er auch wie ein Gefühl »gespürt« wird, also auch wie ein Gefühl bewußt ist. Folglich muß er auch wie ein Gefühl etwas Bewußtes in dem Sinn sein, daß er als ein Punkt etwas Bewußt-Begleitendes ist und als eine Ausdehnung etwas Bewußt-Begleitetes, was er, wie schon gezeigt, tatsächlich ist. Derselbe Inhalt geht daher wie ein Gefühl auch hier noch in die Form von Ausdehnung genauso ein wie in die Form von Punkt.

Doch wohlgemerkt: nur so wie ein Gefühl, und nicht etwa auch dabei noch als ein Gefühl.

Sowohl in Punkt wie auch in Ausdehnung geht dabei dieser Inhalt nämlich so ein, daß er in die Ausdehnung von Zeit sowohl wie auch noch in die Ausdehnung von Raum als Zeit-Raum eingeht. Und so geht er zwar, indem er dabei in die Zeit eingeht, auch in den Punkt ein; doch indem er auch noch in den Raum als Zeit-Raum eingeht, geht er eben auch noch über diesen Punkt hinaus, der ihn dadurch dann ebenso wie innerhalb von sich zum ersten Mal auch außerhalb von sich besitzt. Und damit hat er diesen Inhalt ebenso wie in sich dann auch vor sich. Denn er hat ihn dadurch vor sich als ein Gegenüber zu sich oder für sich, vor dem er dann auch zurückbleibt, ja recht eigentlich zurücktritt, weil zuletzt dies alles insgesamt nur das Ergebnis seiner Selbstausdehnung ist. Tritt doch dies alles insgesamt nur innerhalb von Zeit als Nacheinander auf, das heißt: nur innerhalb von Subjektivität, so daß auch wie zuvor im Fall eines Gefühls derselbe Inhalt grundsätzlich nur innerhalb von Zeit als Nacheinander auftritt.

Nur tut solcher Inhalt dies jetzt nicht mehr wie im Fall eines Gefühls nur einfach, sondern eben zweifach. Tut er dies doch nunmehr nicht nur dahingehend, daß er innerhalb von bloßer Zeit als einem Nacheinander eines Punktes auftritt. Vielmehr tut er dies jetzt auch noch dahingehend, daß er auch noch innerhalb von Raum als Zeit-Raum auftritt. Und das heißt, daß solcher Inhalt nunmehr innerhalb von einem Nacheinander auftritt, das als solches selbst auch Nacheinander noch eines Zugleich vor diesem Punkt oder für diesen Punkt ist. Und als eines vor ihm oder für ihn ist es denn auch eines, das dann mit ihm miteinhergehend gerade

so, wie er ein stetig neuer ist, auch selbst ein stetig neues ist. Und dabei ist es eben dieser Punkt als solcher selbst, der sich durch seine Selbstausdehnung zu ihm dies Zugleich als Gegenüber vor sich oder für sich selber schafft; und dadurch stellt er eben etwas Anderes als sich, wie es zurecht dann heißt, sich vor, wodurch er es für sich zu jenem Gegenstand als jenem Gegenständlich-Anderen gewinnt.

In Form von einem Punkt und einer Ausdehnung in dieser Art von unlösbarer Einheit miteinander aber ist ein Inhalt dann gerade der eines »Begriffs« und einer »Anschauung« von etwas eben dadurch Gegenständlich-Anderem. In Form von Punkt als Punktfo?-wußtsein nämlich ist dabei derselbe Inhalt dann gerade das Begriffsbewußtsein und in Form von Ausdehnung als Ausdehnungs-bewußtsein auch das Anschauungsbewußtsem innerhalb von einer in sich unlösbaren Einheit von Bewußtsein. Deren Bildung nämlich bildet dann gerade das Gesamtbewußtsein einer Vorstellung als der Vergegenständlichung von etwas Anderem, die damit erstmals Selbst- als Fremdbewußtsein von ihm ist. Denn der Begriff als das Bewußt-Begleitende ist hier zusammen mit der Anschauung als dem Bewußt-Begleiteten dann dasjenige Selbstbewußtsein, dem ausschließlich solches Andere bewußt im Sinn von gegenständlich ist: Als ein Begriff und eine Anschauung desselben Inhalts ist etwa ein »rot«-Begriff und eine Rotanschauung oder auch ein »rund«-Begriff und eine Rundanschauung ausschließlich die Anschauung und der Begriff von etwas Gegenständlich-Anderem, weil auch nur etwas Anderes als beide etwas Rotes oder Rundes sein kann. Ist doch dabei weder der Begriff als solcher selbst etwa ein roter oder runder, noch die Anschauung als solche selber etwa eine rote oder runde, sondern beides  eben nur Begriff und Anschauung von etwas Rotem oder Rundem als dem Gegenständlich-Anderen für beides. Und dies auch bis einschließlich von jener zweiten Fläche noch, in deren zweidimensionaler Ausdehnung ein Inhalt jeweils eine Anschauung als Gegenüber zu einem Begriff als Punkt ist. Dadurch ist dann etwas Anderes als beide für sie beide auch bewußt im Sinn von gegenständlich, nämlich etwas Anderes, das etwas auch noch Wirklich-Anderes als beide erst als etwas auch noch  Dreidimensionales  sein  kann.  Denn  als letzte punktuelle Ausdehnung tritt auch noch diese zweite Fläche und so auch noch diese Anschauung in Form von ihr nur auf als etwas innerhalb von

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Zeit als Nacheinander und mithin auch nur als etwas innerhalb von Subjektivität. Doch innerhalb von sich tritt dadurch diese eben auch noch so weit in sich auseinander, daß sie als ein Selbstbewußtsein in Gestalt der in sich unlösbaren Einheit von Begriffs-und Anschauungsbewußtsein eben erstmals auch noch Fremdbewußtsein wird, so daß ihr erstmals etwas Anderes als sie bewußt im Sinn von gegenständlich wird.

Was über diese zweite Stufe noch hinaus als dritte Stufe auftritt, unterscheidet sich von ihr dann aber nicht nur ontologisch, sondern auch bewußtseinstheoretisch. Ontologisch hatten Sie sich diesen Unterschied bereits in ersten Zügen klargemacht: Jene Verwirklichung des Zweidimensionalen jener zweiten Fläche ist das Unternehmen der Verwirklichung von etwas Dreidimensionalem durch sie. So eine Verwirklichung ist dann auch erstmals eine fehlbare Verwirklichung. Denn sie ist erstmals eine Fremdverwirklichung von etwas Gegenständlich-Anderem zu etwas Wirklich-Anderem, dessen Verwirklichung sich dadurch nur noch intendieren, aber nicht mehr garantieren läßt. Dagegen ist jene Verwirklichung bis einschließlich des Zweidimensionalen jener zweiten Fläche eine unfehlbare. Denn auch sie ist noch ein Aufbaustück der tS'e//«fverwirklichung zum Intendieren selbst, wie es mit ihm als letztem Aufbaustück zum in sich vollständigen Intendieren wird, das allererst ein durch es zu verwirklichendes Anderes als es zu seinem Intendierten hat. Und solches Intendieren der Verwirklichung von etwas Gegenständlich-Anderem zu etwas Wirklich-Anderem geht eben dahin, dieses je und je bestimmte Gegenständlich-Andere hinzustellen als etwas Wirklich-Anderes: dahin also, jenes Zweidimensionale jener zweiten Fläche hinzustellen als etwas Dreidimensionales wie das eines Körpers oder Feldes. Und wenn, solches Andere in diesem Sinn als wirklich hinzustellen, dazu führt, es auch als wirklich herzustellen, nämlich zu verwirklichen, ist solches Wirklich-Andere dann eben auch der faktische Erfolg von solchem Intendieren, das jedoch genauso faktisch auch zum Mißerfolg führen kann. Und das ist eben insgesamt auch in der Tat ein ontologisch zu beschreibendes Verwirklichungsgeschehen, nämlich das Geschehen jener Selbstausdehnung jenes Punktes.

Das zu diesem Ontologischen entsprechende Bewußtseinstheoretische hat es dann aber noch viel weitergehend in sich als bisher

entfaltet. Denn zunächst einmal erwächst daraus die allergrößte Problematik. Diese ist denn auch erst einmal durchzustehen, um schließlich weiter herzuleiten, daß und wie für ein Subjekt auch noch die Möglichkeit zu einem Fremdi/erw'/VMc^ttMgsbewußtsein von etwas besteht, das heißt: auch noch von etwas Wirklich-Anderem als von sich selbst und nicht etwa nur von sich selbst. Denn auch sein Fremdvergegenständlichungsbewußtein von etwas als etwas Gegenständlich-Anderem ist ja noch immer Selbstbewußtsein dieses Subjekts von sich selbst, weil auch noch immer Selbstverwirklichungsbewußtscin. Daß von etwas Anderem als von sich selbst für ein Subjekt so etwas wie Bewußtsein als ein Fremd-bewußtsein überhaupt entspringen könne, sei es auch nur als ein Fremdvergegenständlichungsbewußtsein, war daher auch überhaupt nur dadurch zu erklären, daß es sich dabei grundsätzlich um ein Selbstbewußtsein als ein Selbstverwirklichungsbc'wuiltsem handle. Und so etwas wie Bewußtsein war es dabei eben nur, weil mit der fortschreitenden Selbstausdehnung jenes Punktes, kurz gesprochen, auch das Selbstbewußtsein jenes Punktes noch mit fortschritt, nämlich sich auch auf die Ausdehnung von Raum als Zeit-Raum noch mit ausdehnte, indem der Punkt als der bewußt begleitende auch diese Ausdehnung noch mit bewußt begleitete. Dies aber eben auch nur so weit, wie auch sie als Ausdehnung noch eine punktuelle war, weil jener Punkt auch sie noch mindestens auch »innerhalb von sich« besaß. Und dies war ja bis einschließlich von jener zweiten Fläche auch tatsächlich noch der Fall. Denn all das hing ja - und hängt auch noch weiter - davon ab, daß nur bezüglich von grundsätzlich punktueller Ausdehnung der Ursprung von so etwas wie Bewußtsein als dem Selbstbewußtsein für die Widerspruchsfreiheit von Selbstverwirklichung notwendig wird14.

Dann aber wird von Grund auf problematisch: Wie denn soll auch noch bezüglich einer Ausdehnung, die keine punktuelle Ausdehnung mehr ist, Bewußtsein als ein grundsätzliches Selbstbewußtsein möglich werden können? Ist und bleibt doch dieses notwendigerweise nur ein Se/fe/verwirklichungsbewußtsein, das jedoch als ein Bewußtsein, welches nunmehr auch noch das von dieser nicht mehr punktuellen Ausdehnung sein soll, auch noch ein

14 Vgl. oben S. 888ff.

Frcwdverwirklichungsbewußtsein bilden müßte. Denn die Ausdehnung von etwas Anderem im Sinn von etwas nicht bloß Gegenständlich-, sondern auch noch W/V&fc^-Anderem, ist als die erstmals nicht mehr punktuelle Ausdehnung gerade diejenige, die der Punkt nur »außerhalb von sich« besitzt, und so auch diejenige von etwas gerade Dreidimensionalem. Zum bewußtseinstheoretischen Verständnis dieses Unterschiedes zwischen Selbst- und FrewJverwirklichungsbewußtsein reicht es deshalb auch nicht, er-steres als unfehlbares gegenüber letzterem als fehlbarem Bewußtsein aufzufassen. Denn so richtig dieser Unterschied auch ist und bleibt, so ist und bleibt dies ursprünglich doch auch nur eine Unterscheidung, die spezifisch ontologisch ist, weil sie Verwirklichung betrifft. Und so gewiß dann dieser Unterschied von daher auch auf das entsprechende Bewußtsein übergeht, so ist die bloße Übertragung dieser Unterscheidung auf dieses entsprechende Bewußtsein doch nicht auch sogleich bewußtseinstheoretisch noch

spezifisch.

Bloßer Verbalismus wäre es daher, etwa zu sagen: Die Verwirklichung von  etwas Dreidimensionalem  unternehme jener Punkt gerade mittels der Verwirklichung von etwas Zweidimensionalem: jener zweiten Fläche; deshalb gehe sie in etwas Dreidimensionales, wenn es dadurch in der Tat verwirklicht wird, als dessen Oberfläche dann auch in der Tat mit ein; infolgedessen gehe auch das diese Fläche noch begleitende Bewußtsein jenes Punktes, das sein Selbstbewußtein seiner Selbstverwirklichung als seiner Selbstausdehnung zu ihr bilde, dann auch noch auf dieses Dreidimensionale über, weil der Punkt als der bewußt begleitende dann eben auch die Ausdehnung von diesem Dreidimensionalen noch bewußt begleite. — Denn das gilt von jener zweiten Fläche eben ausschließlich als derjenigen Ausdehnung, die jener Punkt noch mindestens auch »innerhalb von sich« besitzt. Als diejenige Ausdehnung dagegen, die dann in der Tat die Oberfläche eines Dreidimensionalen ist, ist diese Fläche dann auch ihrerseits wie dieses eine Ausdehnung, die jener Punkt nur »außerhalb von sich« besitzt. Als Grenze dieses Dreidimensionalen nämlich ist sie dann mit ihm zusammen etwas Wirklich-Anderes als jener Punkt. Infolgedessen sind mit ihr auch alle Grenzen innerhalb von ihr, wie Linien oder Punkte zwischen Flächen, dann die Grenzen dieses Dreidimensionalen, wie etwa die »Kanten« oder »Ecken« von ihm, und sonach mit ihm zusammen

etwas Wirklich-Anderes als jener Punkt. Und die Erklärung dafür, daß auch davon so etwas wie ein Bewußtsein als ein Fremdver-wirklichungsbewußtsein möglich werde, hätte deshalb auch noch ihrerseits eine speziell bewußtseinstheoretische zu sein, die dann auch noch speziell bewußtseinstheoretisch miterklären müßte, daß dieses Bewußtsein nur ein fehlbares sein könne.

Jenen bloßen Verbalismus können Sie sich denn auch evident vor Augen stellen, indem Sie einmal wirklich ausführen, was das heißen müßte. Daß angeblich jener Punkt auch dieses Dreidimensionale noch bewußt begleite, könnte nämlich nur bedeuten: Ebenso, wie jener Punkt auf erster Stufe jene Ausdehnung von Zeit und auch auf zweiter Stufe jene Ausdehnung von Raum als Zeit-Raum noch bewußt begleitet, nämlich noch bis einschließlich von jener zweiten Fläche, ebenso bewußt begleite er auch noch die Ausdehnung der dritten Dimension von diesem Dreidimensionalen, wie sie über das bloß Zweidimensionale dieser zweiten Fläche noch hinausgeht: letztlich also auch noch diese dritte Dimension als solche selbst. Und das ist eben nicht der Fall. Denn diese dritte Dimension geht über diese Zweidimensionalität durchaus nicht etwa ebenso hinaus, wie diese Zweidimensionalität über die Ein-dimensionalität der Linie hinausging, gleich der jene erste Fläche in Erscheinung trat, und wie auch diese Eindimensionalität hinausging über jene Nulldimensionalität des Punktes, gleich dem jene erste Linie in Erscheinung trat.

Genau in diesem Sinn geht vielmehr diese Ausdehnung der dritten Dimension gerade nicht als solche selbst auch über diese zweite Fläche noch ein weiteres Mal hinaus und tritt mithin gerade nicht auch ihrerseits in diesem Sinn noch einmal in Erscheinung. Etwas also, das in diesem Sinn sich noch einmal bewußt begleiten ließe, gibt es dabei überhaupt nicht mehr, so daß sich diese Ausdehnung der dritten Dimension, wenn überhaupt, dann auch nur noch in einem anderen und neuen Sinn bewußt begleiten lassen kann. Verglichen mit all dem, was im genannten Sinn tatsächlich in Erscheinung tritt, ist etwas Dreidimensionales nämlich seiner dritten Dimension nach seinerseits etwas grundsätzlich Anderes und Neues: eben erstmals etwas W/VMc/;-Anderes, nicht mehr nur etwas Gegenständlich-Anderes. Verglichen damit nämlich tritt all das, was im genannten Sinn tatsächlich in Erscheinung tritt, dann als die Form von diesem Dreidimensionalen auf und macht da-

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durch an ihm als etwas Wirklich-Anderem dann auch das Inhaltlich-Bestimmte von ihm aus. Und wenn durch jenes Unternehmen einer Selbstausdehnung jenes Punktes bis zu jener zweiten Fläche eine dritte Dimension zu ihr sich faktisch einstellt, so ist dadurch in der Tat genauso faktisch diese Fläche und auch jede Gliederung von ihr durch Grenzen, wie durch Linien oder Punkte, eine Form und damit etwas Inhaltlich-Bestimmtes an dem oder von dem Dreidimensionalen als dem Wirklich-Anderen: Aus eben diesem Grund ist letzteres mit ihm zusammen dann etwas durch es als Form Erformtes, sprich Erwirktes: ist mithin auch nur als der Erfolg von jener Selbstausdehnung als dem Intendieren etwas Wirklich-Anderes als es.

Und wie grundsätzlich dies auch gar nicht anders sein kann, wird für Sie noch weiter evident, wenn Sie noch mit in Rechnung stellen: Zu all dem Inhaltlich-Bestimmten als der Form dieses durch sie Erformten kann es bei so weit ergehender Selbstausdehnung ja nur kontingenterweise kommen, nämlich nur, indem sich jener Punkt dabei all dies durch jenes Reagieren seines Körpers auf dieses Agieren seiner Selbstausdehnung faktisch selber zuzieht. Und das gilt für alles, nämlich auch für das im engsten Sinn dann Inhaltlich-Bestimmte, wie etwa für Farbgehalte: Anders als jene Gefühlsgehalte treten alle diese kontingenterweise auch noch innerhalb von jener zweiten Fläche in Erscheinung und sind hier als zueinander unterschiedliche genauso kontingenterweise dann durch Linien oder Punkte voneinander abgegrenzt. Doch so gewiß all dies auch noch in jene zweite Fläche eingeht, so gewiß geht es dann auch nur noch in jene zweite Fläche ein, und nicht etwa auch noch in diese Ausdehnung der dritten Dimension von etwas Dreidimensionalem.

Denn als ein Ergebnis, das sich jener Punkt durch seine Selbstausdehnung faktisch selber zuzieht, kann ein jedes solche Inhaltlich-Bestimmte eben nur in solche Ausdehnung noch eingehen, die der Punkt noch mindestens auch »innerhalb von sich« als Zeit besitzt, und das ist eben nur noch jene zweite fläche als die letzte punktuelle Ausdehnung des letzten Zetf-Raums. Schlechthin ausgeschlossen ist es deshalb, daß ein solches Inhaltlich-Bestimmte etwa auch noch in die Ausdehnung der dritten Dimension von etwas Dreidimensionalem eingehen könnte oder sogar eingehen müßte: etwa weil es auch nur so das Inhaltlich-Bestimmte eines

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solchen Dreidimensionalen bilden könnte. Das ist vielmehr so verfehlt, daß es geradezu grotesk absurd ist. Denn das wäre gleichbedeutend mit der Forderung, es könne etwas beispielsweise eine Statue nur sein, wenn dieses Etwas, beispielsweise Marmor, seine Form nicht bloß zu seiner zweidimensionalen Oberfläche habe, sondern darüber hinaus auch jeweils noch hinein in seine dritte Dimension. Und das ist eben schlechthin widersinnig: Seine Form als seine Oberfläche ist und bleibt vielmehr nur etwas Zweidimensionales, auch wenn es »in« etwas Dreidimensionales »eingebettet« ist, weil es durchaus nicht auch noch selbst dadurch zu etwas Dreidimensionalem wird.

Deshalb gilt das auch für jedes Inhaltlich-Bestimmte, so daß es unmöglich ist, es könnte eines davon etwas sein, das auch oder gar nur in dieser dritten Dimension das Inhaltlich-Bestimmte eines Dreidimensionalen bildete. Denn als etwas durch eine Form Er-formtes und mithin durch sie Erwirktes hat ein jedes Dreidimensionale als ein Wirklich-Anderes sein Inhaltlich-Bestimmtes eben immer nur in seiner Form und nicht in etwas über diese Form hinaus. Und dennoch ist es dieses und nur dieses Dreidimensionale, das durch seine jeweilige Form ein inhaltlich-bestimmtes ist: zum Beispiel eine Statue oder etwas Rundes oder etwas Rotes. Somit hat es dieses Inhaltlich-Bestimmte auch grundsätzlich nur in seiner Form als seiner Grenze, und das heißt bei ihm als etwas Dreidimensionalem eben: nur in seiner zweidimensionalen Oberfläche oder einer eindimensionalen Linie oder einem nulldimensionalen Punkt in ihr. Und welches Inhaltlich-Bestimmte Sie als Beispiel auch herausgreifen, Sie werden immer finden, daß es sich in irgendeinem solchen Sinn als bloße Form an oder von etwas erweist15: auch solches wie die Farben. Denn die Farbe eines Drei-

15 Diese Voraussage ist als Behauptung eine notwendige Folge dieser ganzen Theorie, die deshalb mit ihr steht und fällt und sonach an ihr überprüfbar ist: Der Nachweis eines Inhaltlich-Bestimmten für die dritte Dimension als solche brächte diese Theorie zu Fall. Doch nicht einmal die Masse ist ein Gegenbeispiel. So gewiß sie nämlich die von etwas Dreidimensionalem ist, so ist sie etwas Inhaltlich-Bestimmtes doch grundsätzlich nur an seiner Oberfläche: wo zum Beispiel eine Waage an es angrenzt, die es wiegt, indem sie seine Schwere feststellt (»schwere Masse«); oder dort, wo es gegen Beschleunigung den Widerstand der Trägheit leistet (»träge Masse«), zwischen denen ja »Äquivalenz« besteht.

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dimensionalen unterscheidet sich von seiner Form nur wie unaufgelöste Form von aufgelöster, weil die Farbe für die Kristallisationsstruktur von seiner Oberfläche steht, deren Unaufgelöstheit eben gleichsam nebelhaft als Farbe auftritt.

Was aus diesem  Grund an dieser Stelle systematisch seinen Ursprung hat, ist somit, daß ein jedes Inhaltlich-Bestimmte dabei stets nur eine »Eigenschaft« bzw. einen »Zustand« bilden kann, sprich: stets nur eine Eigenschaft bzw. einen Zustand von oder an etwas, das dann diese Eigenschaft bzw. diesen Zustand auch nur hat, nicht etwa diese Eigenschaft bzw. dieser Zustand ist. Und das ist eben insgesamt der Ursprung des Verhältnisses von Ding und Eigenschaft oder Substanz und Akzidens. Doch wirklich hergeleitet ist dies Grundverhältnis freilich auch erst hier als das Verhältnis zwischen etwas Dreidimensionalem und der Grenze als der Form desselben, welche maximal nur etwas Zweidimensionales an ihm sein kann, nämlich höchstens eine Oberfläche an ihm, aber minimal auch etwas Nulldimensionales an ihm sein muß, nämlich mindestens ein Punkt an ihm. Denn auch erst so ist dieses Grundverhältnis von der einen Seite her dann wirklich rein formal und apriori nur aus Subjektivität heraus gewonnen und auch so erst nach der ändern Seite hin dann wirklich allgemeingültig für jede Objektivität: nicht bloß für die des Makroskopischen. Erst so ist nämlich dieses Grundverhältnis auch von aller Materialität bzw. Stofflichkeit sowie von jeglicher Beharrlichkeit des Makroskopischen noch unabhängig und gilt dann erst so  auch noch für Mikroskopischstes. Kann doch auch dieses grundsätzlich nur Fläche oder Linie oder Punkt als Grenze von oder an etwas Dreidimensionalem sein, und sei es auch nur als die Grenze, die durch Messen als das Teilen eines Dreidimensionalen die durch uns gesetzte Grenze darin ist. Und dieses Dreidimensionale ist hier eben grundsätzlich nur noch ein Wellenfeld, von dem es keinen Sinn mehr hat, zu sagen, es beharre, und auch nicht mehr, daß es wie ein Körper etwas Stofflich-Materielles sei.

Und damit haben wir jetzt nicht nur diese Dreidimensionalität zugleich als das Kriterium für Substanzialität und Wirklichkeit von etwas Anderem, die der Beharrlichkeit als des Kriteriums für sich nicht mehr bedarf. Wir haben damit vielmehr erstmals auch noch die Begründung einer wesentlichen Einsicht, die Kant selbst nur als Behauptung aufstellen konnte, aber unbegründet lassen mußte:

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»Sein ist [...l kein reales Prädikat«16, wobei »real« soviel wie »inhaltlich« und »Sein« soviel wie »Dasein«, »Existenz« und »Wirklichkeit« bedeutet. Daß das in der Tat so ist, ergibt sich nämlich für die Wirklichkeit von etwas Wirklich-Anderem der Außenwelt als Dreidimensionalität auch mit Notwendigkeit: Kann etwas Inhaltlich-Bestimmtes als die bloße Form von etwas Dreidimensionalem stets nur maximal in etwas Zweidimensionales an ihm eingehen, so gerade nicht auch noch in dessen dritte Dimension als Dimension der Wirklichkeit desselben, die sonach als solche selbst auch ohne jedes Inhaltlich-Bestimmte bleiben muß.

Und das liegt eben daran: Als das »Affektionsergebnis«, das sich jener Punkt durch seine Selbstausdehnung selber in sich zuzieht, kann sich etwas Inhaltlich-Bestimmtes eben stets nur maximal in eine solche Ausdehnung von Raum noch einstellen, die als punktu-elle Ausdehnung noch Zeit-Raum ist, und das ist eben stets nur maximal noch jene zweite Fläche. Schlechthin widersinnig nämlich ist, es könnte so etwas wie eine »Affektion« mit ihrem »Affektionsergebnis« auch noch in die nicht mehr punktuelle Ausdehnung hinein erfolgen, welche jener Punkt nicht einmal mehr auch »innerhalb von sich«, sondern nunmehr nur »außerhalb von sich« besitzt, wie die von dieser dritten Dimension. Das wäre nämlich gleichbedeutend damit, daß ein Subjekt auch noch gänzlich außerhalb von sich etwas »empfinden« oder »spüren« könnte, was absurd ist. Und so gilt: Als Wirklichkeit von etwas Wirklich-Anderem ist diese dritte Dimension von ihm als etwas Dreidimensionalem vielmehr das, was immer nur noch Sache eines bloßen Hinsteilens sein kann und niemals etwa ihrerseits noch einmal die eines Erscheinens, wie bis einschließlich von jener zweiten Fläche. Über letztere hinaus ist dieses Hinstellen vielmehr gerade der Versuch des Herstellern von etwas Wirklich-Anderem, dem etwas inhaltlich-bestimmtes Gegenständlich-Anderes, als das Ergebnis des Erscheinens innerhalb von dieser zweiten Fläche, immer schon zugrunde liegen muß. Und nur durch solches Zweidimensionale als das immer schon Zugrundeliegende wird solches Dreidimensionale dann, wenn dieses Herstellen durch dieses Hinstellen gelingt, auch seinerseits noch etwas Inhaltlich-Bestimmtes.

Nicht jedoch wird es dies etwa dadurch, daß auch darüber

16 Vgl. A 598 B 626.

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hinaus noch zusätzlich die dritte Dimension als Wirklichkeit von ihm dann ihrerseits zu etwas Inhaltlich-Bestimmtem würde. Diese ist und bleibt als solche selbst vielmehr nur etwas Unbestimmtes-Inhaltsloses, weil nur etwas innerhalb von etwas Dreidimensionalem. Und nur dieses ist dann etwas Inhaltlich-Bestimmtes als etwas durch eine Form erformtes und dadurch erwirktes Wirklich-Anderes. Denn insgesamt ist jene Selbstausdehnung jenes Punktes, der sich dabei etwas Inhaltlich-Bestimmt-Erscheinendes noch in sich selber zuzieht, ja gerade folgendes: Bis einschließlich von jener zweiten Fläche ist sie dann ein Z^w-Erscheinen-Bringen von etwas, um über dieses Inhaltlich-Bestimmt-Erscheinende und dadurch Gegenständlich-Andere hinaus auch etwas Wirklich- Anderes daraus noch zu verwirklichen: zu intendieren.

Dem entspricht denn auch genau der Sinn, in dem ein solches Intendieren insgesamt dann auch noch ein bewußtes oder ein Bewußtsein ist. Das ist es nämlich erstmals als thematisierendes Bewußtsein von etwas, das für dieses Bewußtsein erstmals als etwas thematisiert Bewußtes auftritt, was als eine eigene Weise von Bewußtsein und Bewußtem damit erstmals auch noch definierbar wird. Denn etwas zu thematisieren, heißt danach, zusammen mit Vergegenständlichung von etwas Anderem zu etwas Gegenständlich-Anderem, das dadurch noch kein Wirklich-Anderes ist, auch noch Verwirklichung von diesem Anderen zu etwas Wirklich-Anderem zu intendieren. Und als Ganzes ist das eben ein Zusammenhang der Se/fosZverwirklichung durch S'e/fefausdehnungen bis hin zu jener zweiten Fläche noch, durch deren letzte Selbstausdehnung jener Punkt dann erstmals auch noch eine Fremdverwirklichung von etwas Dreidimensionalem unternimmt. Nur kann er dadurch die Verwirklichung von ihm zu etwas Wirklich-Anderem auch nur noch intendieren, aber nicht mehr garantieren, wie der Punkt dabei noch die Verwirklichung des Zweidimensionalen dieser zweiten Fläche garantieren kann, weil sie als letzte punktuelle Ausdehnung noch ganz und gar nur eine Sache seiner Selbstausdehnung ist. Und insgesamt bedeutet dies dann eben, etwas Zweidimensionales hinzustellen als etwas Dreidimensionales, um es dadurch herzustellen, und damit die Verwirklichung von etwas Wirklich-Anderem zu intendieren.

Die Gesamtbedeutung davon, solches Gegenständlich-Andere hinzustellen als solches Wirklich-Andere, um dadurch die Verwirk-

lichung von ihm zu intendieren, ist dann aber nicht nur diese ontologische, sondern zugleich auch noch eine bewußtseinstheoretische. Denn nicht nur ontologisch, sondern auch bewußtseinstheoretisch handelt es sich dabei eben darum, etwas Zweidimensionales hinzustellen als etwas Dreidimensionales, um es dadurch herzustellen, und damit die Verwirklichung von etwas Wirklich-Anderem zu intendieren. Auch nur dies ist nämlich die Bedeutung des dabei auch noch entspringenden Bewußtseins, das als ein thematisierendes Bewußtsein von etwas dadurch thematisiert Bewußtem überhaupt nichts anderes als das Bewußtsein ist, das Sie als Urteil oder als Behauptung kennen1'.

Denn, etwas zu urteilen oder etwas zu behaupten, heißt ursprünglich und bei angemessener Definition, etwas als wirklich hinzustellen. Und das ist eben jenes Dreidimensionale, als das jenes Zweidimensionale jener zweiten Fläche hingestellt wird, welche zu verwirklichen gerade jene Intention ist, dadurch etwas Dreidimensionales zu verwirklichen. Und ein Bewußtsein als Behauptung oder Urteil bildet eine solche Intention dann auch genau in diesem Sinn als ein thematisierendes Bewußtsein. Denn durchaus nicht ist es etwa dieses Zweidimensionale, das etwa als solches selbst dabei thematisiert, nämlich als wirklich hingestellt wird, was auch widersinnig wäre, weil es dabei ja schon immer wirklich wird. Das Urteilen oder das Behaupten bleibt daher als solches Hinstellen auch nicht etwa solipsistisch stehen bei diesem Zweidimensionalen, was entsprechend widersinnig wäre, sondern geht gerade über es hinaus. Denn dieses Zweidimensionale ist dabei nur das, wodurch etwas thematisiert, nämlich als wirklich hingestellt wird, das daher auch etwas Anderes als es ist. Und das ist dabei ausschließlich dieses Dreidimensionale, weil ja auch erst dieses dann, wenn es dadurch tatsächlich wirklich wird, als etwas Anderes wirklich wird,

17 Dazu sollten Sie beachten: Ausdrücke wie »etwas Zweidimensionales hinzustellen als etwas Dreidimensionales« sind nur scheinbar widersprüchlich. Wirklich widersprüchlich wären sie nur dann, wenn dabei so wie dieses Dreidimensionale dieses Zweidimensionale ebenfalls bereits thematisiert bewußt sein würde, was jedoch nicht zutrifft. Denn das ist es erst und nur für Reflexion auf es. Das scheinbar Widersprüchliche daran ist vielmehr nur das wirklich Wagnishafte daran, das ein jedes solche Urteil in der Tat ist.

als das es in Gestalt von diesem bloßen Zweidimensionalen ja nur gegenstandlich wird.

Und das bestätigt Ihnen jede Wahrnehmung von Außenwelt als das ursprüngliche Bewußtsein von ihr, das als ein elementares in Gestalt von Urteil oder von Behauptung auftritt wie »Dies ist ein Baum« und »Dies ist rund« und »Dies ist rot«. Durch jedes solche Wahrnehmungsbewußtsein nämlich ist von vornherein nur etwas in der Außenwelt thematisiert. Denn indiziert durch »Dies ...« und prädiziert durch »... Baum« und »... rund« und »... rot« ist darin auch von vornherein nur etwas Außenweltliches, durchaus nicht etwa solipsistisch etwas Innenweltliches, das als Bewußtsein und Bewußtes dabei vielmehr bloß zugrunde liegt und somit auch nur unthematisiert bewußt ist. Und das gilt denn auch bis einschließlich des Zweidimensionalen jener zweiten Fläche, die als solche selbst dabei nur unthematisiert bewußt ist, weil thematisiert bewußt, nämlich als wirklich hingestellt nur jenes Dreidimensionale ist, dem dieses Zweidimensionale dabei nur zugrunde liegt. Und dieses Zweidimensionale dieser zweiten Fläche ist denn auch gerade das »Gesichtsfeld« als die Fläche einer »Anschauung«, was jeder Wahrnehmung von Außenwelt zugrunde liegt. Und dies heißt insbesondere, daß es auch solcher Wahrnehmung zugrunde liegt, die »Irrtum« ist, weil dabei dasjenige, was durch sie thematisiert, nämlich als wirklich hingestellt wird, dadurch nicht als wirklich auch noch hergestellt wird, also nicht verwirklicht wird und somit unverwirklicht bleibt. Und in der Tat ist jeder solche Fall von Urteil oder von Behauptung dann ein Irrtum, wenn das Inhaltlich-Bestimmte, das dabei thematisiert, nämlich als wirklich hingestellt wird, wie zum Beispiel als ein Baum oder als etwas Rundes oder Rotes, dabei wirklich gar nicht ist. Und damit, daß thematisierendes Bewußtsein sonach nur noch das einer Behauptung oder eines Urteils bilden kann, ist nun auch noch speziell bewußtseinstheoretisch hergeleitet, daß es nur noch fehlbares Bewußtsein bilden kann.

Denn darin unterscheidet es sich als Bewußtsein eben prinzipiell von dem Bewußtsein, das ihm selber immer schon zugrunde liegen muß: von dem Bewußtsein als »Begriff«. Muß dieses doch auch immer schon gebildet sein, weil immer erst aus ihm heraus dann das einer Behauptung oder eines Urteils noch gebildet werden kann. Und in der Tat muß jegliches Bewußtsein als Behauptung

oder Urteil auch genau einen »Begriff« enthalten, der als solcher aber eben noch kein fehlbares Bewußtsein, sondern noch ein unfehlbares ist. Nicht zufälligerweise aber stehen diese nun speziell bewußtseinstheoretische Unfehlbarkeit und Fehlbarkeit zu jener ontologischen auch in genauester Entsprechung. Die Verwirklichung des Zweidimensionalen jener zweiten Fläche nämlich, welche die durch den bewußt begleitenden »Begriff« bewußt begleitete und dadurch »anschauliche« ist, weil sie für ihn erscheint, ist ihrerseits noch immer eine unfehlbare. Kann doch eine nur noch fehlbare Verwirklichung erst immer die durch sie bloß intendierte eines Dreidimensionalen sein, dem dann auch seinerseits ein nur noch fehlbares Bewußtsein als Behauptung oder Urteil gilt. Und dies bedeutet eben, daß es einem Dreidimensionalen dann auch nur noch gilt, weil es als das Bewußtsein einer Intention auf die Verwirklichung von etwas Dreidimensionalem eben nur noch ausgeht, doch bloß dadurch dieses nicht auch schon erwirkt und somit nicht auch schon etwas bewußt bereitet.

Denn das tut es eben immer erst und immer nur, wenn es als das Bewußtsein einer Intention auch faktisch zum Erfolg führt, nämlich dieses Dreidimensionale als das Wirklich-Andere faktisch auch verwirklicht. Doch selbst dann tut es dies nicht etwa noch einmal in dem Sinn, in dem es jenes Zweidimensionale jener zweiten Fläche noch bewußt begleitet, nämlich als Bewußtsein des »Begriffs« zu ihr, wie sie als »Anschauung« für ihn erscheint. Genau in diesem Sinn erscheint die dritte Dimension von etwas Dreidimensionalem ja gerade nicht - auch dann nicht, wenn es faktisch als Erfolg und so als Wirklich-Anderes erzielt wird — und kann deshalb auch nicht mehr in diesem Sinn bewußt begleitet werden. Zum Bewußtsein als thematisierendem Bewußtsein von ihm kann es deshalb nur in dem Sinn kommen, daß das Zweidimensionale jener zweiten Fläche, die als »Anschauung« sehr wohl noch durch »Begriff« bewußt begleitet wird, dann im Erfolgsfall faktisch zu der Oberfläche dieses Dreidimensionalen wird, durch die es selbst dann faktisch ebenfalls bewußt begleitet wird: Nur eben ohne daß dadurch die Dreidimensionalität desselben auch für das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil noch erschiene, wie sehr wohl die Zweidimensionalität von jener zweiten Fläche noch für das Bewußtsein als »Begriff« erscheint. Denn auch, daß diese Fläche im Erfolgsfall eine Oberfläche eines Dreidimensionalen bildet, ist dann

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nichts mehr, was auch seinerseits noch zusätzlich zu ihr für das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil über es erscheinen könnte.

Vielmehr ist genau in diesem Sinn dieses thematisierende Bewußtsein von ihm als thematisiert Bewußtem eben nur noch ein intentionales, nämlich eines, das sich zum Bewußtsein der Vergegenständlichung von etwas Anderem nur bildet, um sich zum Bewußtsein der Verwirklichung von diesem Anderen zu bilden: Zum Bewußtsein von dem Zweidimensionalen dieser zweiten Fläche bildet es sich nur, um so sich zum Bewußtsein einer dritten Dimension zu ihr zu bilden, und als Ganzes somit zum Bewußtsein eines Dreidimensionalen, dessen Oberfläche diese Fläche sei. Und so, wie im Erfolgsfall diese Fläche als die Oberfläche dieses Dreidimensionalen in es eingeht, so geht dann auch das Bewußtsein von ihr als Bewußtsein des »Begriffs« zu ihr als dadurch »anschaulicher« ein in das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil über dieses Dreidimensionale, das allein dadurch als wirklich hingestellt und so thematisiert wird. Deshalb muß hier zwischen dem Erfolgsund Mißerfolgsfall auch ein grundsätzlicher Unterschied bestehen und entsprechend unterschieden werden.

Denn im Mißerfolgsfall ist es ja gerade dieses Dreidimensionale als das Wirklich-Andere, was ausbleibt. Und das heißt: Was ausbleibt, ist in diesem Fall recht eigentlich die dritte Dimension zum Zweidimensionalen dieser zweiten Fläche. Bleibt in diesem Fall doch diese Fläche selbst gerade nicht aus. Denn als letzte punktu-elle Ausdehnung gehört sie noch zum Intendieren selbst, das jener Punkt durch seine bloße Selbstausdehnung selbst noch zu gewährleisten vermag. Erst diese dritte Dimension als das durch solches Intendieren Intendierte nämlich ist es, die er als die nicht mehr punktuelle Ausdehnung, die er daher nur »außerhalb von sich« besitzt, durch seine bloße Selbstausdehnung selbst dann nicht mehr zu gewährleisten vermag. Infolgedessen geht in diesem Mißerfolgsfall, wo das Intendieren selbst ergeht, das Intendierte aber ausbleibt, nicht nur dieses Intendieren, sondern auch noch das Bewußtsein dieses Intendierens buchstäblich ins Leere. Nicht nur solches Intendieren nämlich führt in diesem Fall zu nichts, sondern auch das Bewußtsein solchen Intendierens ist dann eins von nichts, doch so, daß es das letztere im letztgenannten Sinn gleichwohl auch seinerseits bewußt begleitet. Denn als ein Bewußtsein ist es ja gerade ein intentionales, welches das, was ihm im letztgenannten

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Sinn thematisiert bewußt wird, nicht für nichts, sondern zunächst einmal durchaus für etwas hält und halten muß, das heißt: für etwas Wirkliches. Kann ein Bewußtsein als intentional thematisierendes doch auch nur dahin gehen, etwas zunächst einmal als wirklich hinzustellen.

Aus eben diesem Grund kann jegliche »Berichtigung« von »Irrtum« immer grundsätzlich nur nachträglich erfolgen, wie es ja auch in der Tat der Fall ist, und dann auch nur dahin gehen, an Stelle von etwas bereits als wirklich Hingestelltem etwas anderes als wirklich hinzustellen. Und genauer heißt das: Auch nur dahin kann sie gehen, dieses Etwas als ein inhaltlich-bestimmtes auszutauschen gegen etwas anderes Inhaltlich-Bestimmtes. Denn im übrigen gehen »Berichtigung« genauso wie »Berichtigtes« ja gleicherweise dahin, dieses oder jenes Etwas, welches immer schon ein inhaltlich-bestimmtes ist, als wirklich hinzustellen. Letztlich also muß »Berichtigung« gerade dahin gehen, dieses Inhaltlich-Bestimmte, wie es immer schon für das Bewußtsein als »Begriff« und »Anschauung« bewußt ist, auszutauschen gegen etwas anderes Inhaltlich-Bestimmtes, welches gleichfalls so bewußt ist. Und zuletzt kann sie mithin nur dahin gehen, »Begriff« und »Anschauung« als das Bewußtsein dieses Inhaltlich-Bestimmten selber auszutauschen gegen anderen »Begriff« und andere »Anschauung« und sonach gegen anderes Bewußtsein eines anderen Inhaltlich-Bestimmten. Denn insoweit das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil über das Bewußtsein als »Begriff« und »Anschauung« hinausgeht, unterscheiden das »Berichtigte« und das »Berichtigen« sich überhaupt nicht, weil sie als Behauptung oder Urteil gleicherweise nur noch dahin gehen, als wirklich hinzustellen. Und zwar gerade das, was dieses oder jenes inhaltlich-bestimmte Etwas dabei längst schon ist für das Bewußtsein als »Begriff« und »Anschauung«, das dem Bewußtsein als Behauptung oder Urteil dabei auch schon längst zugrunde liegt.

Auf solche Art entspricht dieses Bewußtsein als Behauptung oder Urteil aber auch genauestens diesem Bewußten, das durch es als ein thematisierendes Bewußtsein ein thematisiert Bewußtes ist. Denn das ist letztlich jene dritte Dimension von etwas Dreidimensionalem, als das jenes Zweidimensionale jener zweiten Fläche durch dieses Bewußtsein hingestellt wird und von ihm daher für etwas Wirklich-Anderes gehalten wird. Und alles Inhaltlich-Be-

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stimmte kann dabei, wie Sie bereits gesehen haben, prinzipiell nur diesseits dieser dritten Dimension von etwas Dreidimensionalem bleiben, nämlich prinzipiell nur innerhalb des Zweidimensionalen jener zweiten Fläche, und das heißt: auch wenn sie im Erfolgsfall eine Oberfläche dieses Dreidimensionalen ist. Zumal im Mißerfolgsfall diese dritte Dimension auch gar nicht vorliegt und mithin auch nichts, wohin dann etwas Inhaltlich-Bestimmtes über dieses Zweidimensionale noch hinaus- und eingehen könnte. Muß das Inhaltlich-Bestimmte doch im Mißerfolgsfall ebenso wie im Erfolgsfall vollständig beisammen sein, weil ja als wirklich hingestellt in jedem Fall dasselbe Inhaltlich-Bestimmte wird.

Und dem entspricht genauestens auch etwas am Bewußtsein als Behauptung oder Urteil, das als ein intentional thematisierendes Bewußtsein eben dieser dritten Dimension zum Zweidimensionalen jener zweiten Fläche gilt. Denn innerhalb von dem intentional-thematisiert Bewußten bleibt infolgedessen jedes Inhaltlich-Bestimmte notwendigerweise diesseits dieser dritten Dimension, ob sie nun vorliegt oder nicht. Genauso aber bleibt auch innerhalb von dem entsprechenden intentional thematisierenden Bewußtsein als Behauptung oder Urteil jedes Inhaltlich-Bestimmte notwendigerweise diesseits dessen, was dieses Bewußtsein als Behauptung oder Urteil selbst gerade ausmacht. Und das fällt hier auch besonders auf, weil das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil ja im Unterschied zu dieser dritten Dimension im Mißerfolgsfall ebenso wie im Erfolgsfall vorliegt. Alles Inhaltlich-Bestimmte nämlich bleibt hier notwendigerweise innerhalb von dem Bewußtsein, das hier das Bewußtsein zu dem Zweidimensionalen dieser zweiten Fläche ist. Und das ist eben das Bewußtsein als »Begriff« zu dieser Fläche als der dadurch für es »anschaulichen«, wie es dem Bewußtsein als Behauptung oder Urteil immer schon zugrunde liegen muß, jedoch auch immer nur zugrunde liegen kann, weil dieses über jenes ja hinausgeht. Denn hinaus geht dieses über jenes ebenso, wie diese dritte Dimension, der dieses gilt, über das Zweidimensionale jener zweiten Fläche ja hinausgeht.

Doch das könnte Sie zunächst einmal befremden. Denn das scheint ja auf den ersten Blick darauf hinauszulaufen, ein Bewußtsein als Behauptung oder Urteil habe für sich selbst - das heißt: im Unterschied zu dem »Begriff«, den es enthält und auch enthalten muß - nichts Inhaltlich-Bestimmtes, also keinen Inhalt. Doch das

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scheint nur so, - wie es auch nur so scheint, als habe etwas Dreidimensionales keinen Inhalt, weil in seine dritte Dimension nichts Inhaltlich-Bestimmtes eingeht. Denn in Wirklichkeit hat etwas Dreidimensionales einen Inhalt ja gerade dadurch, daß es diese oder jene Oberflächen oder Oberlinien in ihr oder Oberpunkte in ihr hat. Genau entsprechend nämlich hat auch das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil über etwas Dreidimensionales einen Inhalt ja gerade dadurch, daß es das Bewußtsein als »Begriff« schon immer in sich hat. Und der ist jeweils auch nicht zufällig gerade das Bewußtsein zu den für es »anschaulichen« Flächen oder Linien in ihr oder Punkten in ihr, einerlei, ob diese dann für das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil im Erfolgsfall faktisch solche Oberflächen oder Oberlinien oder Oberpunkte eines Dreidimensionalen sind oder im Mißerfolgsfall faktisch eben nicht. Und über das Bewußtsein als »Begriff« geht das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil dann gerade so hinaus, daß es auch noch als wirklich hinstellt, nämlich das, was ihm dabei als solches Inhaltlich-Bestimmte immer schon bewußt ist. Und das heißt, daß es auch noch als etwas Dreidimensionales hinstellt, nämlich das, was ihm dabei als solches inhaltlich-bestimmte Zweidimensionale einer Fläche oder Eindimensionale einer Linie in ihr oder Nulldimensionale eines Punktes in ihr immer schon bewußt ist.

Inhaltlich-Bestimmtes dieser Art auch noch als dreidimensional oder als wirklich hinzustellen, heißt jedoch gerade nicht, ihm auch noch etwas weiteres Inhaltlich-Bestimmtes anzufügen. Für sich selbst genommen ist daher auch nicht nur das, was Wirklichkeit von etwas Anderem ausmacht, nämlich über Gegenständlichkeit von etwas Anderem hinausgeht, nicht mehr etwas Inhaltlich-Bestimmtes. Für sich selbst genommen ist vielmehr entsprechend auch noch das, was das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil ausmacht, nämlich über das Bewußtsein als »Begriff« hinausgeht, nicht mehr etwas Inhaltlich-Bestimmtes: »Sein ist [...] kein reales Prädikat« nicht nur in dem Sinn, daß die Wirklichkeit von etwas Anderem keine zusätzliche Eigenschaft von ihm ist; »Sein ist [...] kein reales Prädikat« vielmehr entsprechend auch noch in dem Sinn, daß dem »Begriff« von etwas Anderem kein weiterer »Begriff« von ihm hinzugefügt wird, wenn es dann auch noch als wirklich hingestellt wird.

Im  Zusammenhang  mit Wirklichkeit  als Dreidimensionalität

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jedoch läßt dieses zweifach Negative jetzt zum ersten Mal durch das entsprechend Positive sich ersetzen.

Denn was die Objektseite betrifft, so ist tatsächlich diese dritte Dimension als Dimension der Wirklichkeit von etwas keine Eigenschaft von etwas. Sie ist nämlich weder eine Eigenschaft von etwas Dreidimensionalem, als das etwas Zweidimensionales hingestellt wird, noch auch eine Eigenschaft von etwas Zweidimensionalem, das als etwas Dreidimensionales hingestellt wird. Kann doch keinem Zweifel unterliegen: Etwas Dreidimensionales dreidimensional zu nennen, wäre tautologisch, also analytisch, nämlich analytisch wahr, und etwas Zweidimensionales dreidimensional zu nennen, wäre widersprüchlich, also gleichfalls analytisch, nämlich analytisch falsch. Dagegen bildet eine Eigenschaft von etwas ursprünglich gerade ein synthetisches Verhältnis zu dem Etwas, dessen Eigenschaft sie ist. Und so ist eben auch gerade umgekehrt das Zweidimensionale einer Fläche oder Eindimensionale einer Linie in ihr oder Nulldimensionale eines Punktes in ihr eine Eigenschaft von etwas Dreidimensionalem, wenn die dritte Dimension sich dabei, wie synthetisch hingestellt, auch faktisch einstellt, worin Empirie geradezu besteht. Denn über dieses Zweidimensionale oder Eindimensionale oder Nulldimensionale noch hinaus tritt dann synthetisch-faktisch eben auch die dritte Dimension mit auf. Mit ihr zusammen bilden sie denn auch synthetisch-faktisch etwas Dreidimensionales, das durch sie als Eigenschaften an ihm etwas Inhaltlich-Bestimmtes ist: zum Beispiel ein durch Oberflächen oder Kanten oder Ecken inhaltlich-bestimmter dreidimensionaler Körper. Kann doch auch erst in einem empirischen Objekt - das als ein dreidimensionales nicht beharren muß, um etwas Wirklich-Anderes zu sein, und deshalb auch ein Feld sein kann - dieses Verhältnis von Substanz und Akzidens oder von Ding und Eigenschaft entspringen. Seinen Ursprung haben kann es nämlich erst als das Verhältnis zwischen Drei- und Zweidimensionalem oder Drei-und Eindimensionalem oder Drei- und Nulldimensionalem in einem empirischen Objekt, und nicht etwa bereits als fix- und fertige »Kategorie« in einem nichtempirischen Subjekt. Entsprechend ist es auch schlechthin absurd, die Wirklichkeit oder die Substanziali-tät als Dreidimensionalität von etwas davon abhängig zu machen, daß die dritte Dimension als Dimension der Wirklichkeit oder der Substanzialität desselben auch als solche selbst noch etwas Inhalt-

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lich-Bestimmtes sei. Denn diese ist und bleibt als solche selbst gerade etwas Inhaltsloses und entsprechend auch das Nichtempirische an jeglichem Empirischen, das auf das Nichtempirische von Subjektivität als apriorischer Intentionalität zurückgeht, weil es nur synthetisch-faktischer Erfolg derselben sein kann. Auch nur darin nämlich kann dieser Erfolg bestehen, etwas zu verwirklichen, was inhaltlich-bestimmt schon ist, nicht etwa darin, inhaltlich erst zu bestimmen, was schon wirklich wäre.

Und was die Subjektseite betrifft, so ist dann das entsprechende Bewußtsein auch tatsächlich kein »Begriff«. Es ist vielmehr Bewußtsein als Behauptung oder Urteil, das über Bewußtsein als »Begriff« synthetisch-faktisch ebenso hinausgeht, wie die dritte Dimension synthetisch-faktisch auch über das Zweidimensionale oder Eindimensionale in ihm oder Nulldimensionale in ihm noch hinausgeht. Über das Bewußtsein als »Begriff« geht nämlich das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil in der Tat hinaus, weil es als solches dann auch noch intentional thematisiert, das heißt: als wirklich hinstellt, was es als »Begriff« nur inhaltlich-bestimmt vergegenständlicht. Und tatsächlich ist durch bloße Bildung von Bewußtsein als »Begriff« von etwas auch noch nichts behauptet, nichts geurteilt: Wird Bewußtsein als »Begriff« auch nur gebildet, um es weiter zum Bewußtsein als Behauptung oder Urteil noch zu bilden, so ist beides doch vergleichbar unterschiedlich wie auch etwas Dreidimensionales und das Zweidimensionale jener zweiten Fläche, das desgleichen nur erzeugt wird, um es weiter zum entsprechend Dreidimensionalen zu erzeugen18. Was im Unterschied zu dem Bewußtsein als »Begriff« dann das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil ausmacht, geht denn auch über das Inhaltlich-Bestimmte von Bewußtsein als »Begriff« - nach rückwärts gleichsam - ebenso hinaus, wie jene dritte Dimension - nach vorwärts gleichsam - über jenes Inhaltlich-Bestimmte jener zweidimensio-

18 Was Kant nur behauptet, wird dadurch auch noch begründet: »Von diesen Begriffen kann nun der Verstand keinen anderen Gebrauch machen, als daß er dadurch urteilt« (A 68 B 93, vgl. A 69 B 94). Daß er dadurch nicht nur urteilen, sondern zum Beispiel auch genausogut bloß fragen kann, ist dagegen kein Einwand. Eine Frage nämlich setzt ein Urteil immer schon voraus, weil sie die Aufforderung zu ihm ist (vgl. G. Prauss 2000 a). Und als vergleichbar grundlegend erweisen dürfte sich ein Urteil auch für alle ändern sogenannten »Sprechakte«.

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nalen zweiten Fläche noch hinausgeht. Für sich selbst genommen ist und bleibt entsprechend auch nicht nur die dritte Dimension, die im Erfolgsfall auftritt und im Mißerfolgsfall ausbleibt, etwas Inhaltsloses. Für sich selbst genommen ist und bleibt dann vielmehr auch noch das, was das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil ausmacht und im Mißerfolgsfall ebenso wie im Erfolgsfall auftritt, etwas Inhaltsloses. Denn der Wirklichkeit als Dreidimen-sionalität von etwas auf der Seite des Objekts entspricht dann auf der Seite des Subjekts, etwas als dreidimensional oder als wirklich hinzustellen. Und dies ist eben das, was über das Bewußtsein als »Begriff« hinaus dann auch noch das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil ausmacht, wozu sich das Selbstbewußtsein von der Selbstausdehnung jenes Punktes selbst zuletzt noch bildet. Unausweichlich also ist, daß solches Selbstbewußtsein des Subjekts sich letztlich auch nur noch als etwas Inhaltsloses bilden kann, so daß entsprechend auch die dritte Dimension als Dimension der Wirklichkeit des Objekts nur noch etwas Inhaltsloses bilden kann. Denn das ergibt sich systematisch zwingend daraus, wie allein es innerhalb eines Subjekts, das Selbstbewußtsein einer Selbstausdehnung eines Punktes ist, zu einem Inhalt innerhalb desselben kommen kann.

Durch seine Selbstausdehnung nämlich kann ein solcher Punkt sich einen Inhalt nur in solche Ausdehnung hinein selbst zuziehen, die er »innerhalb von sich« besitzt: sei es nur »innerhalb von sich«, wie die der Zeit, sei es noch mindestens auch »innerhalb von sich«, wie die des Zeit-Raums. Dadurch nämlich tritt in jedem Fall derselbe Inhalt ebenso als Inhalt solcher Ausdehnung wie auch als Inhalt solchen Punktes auf. Tut er das doch im ersten Fall nur als ein Inhalt von »Gefühl«, im zweiten Fall jedoch auch als ein Inhalt von »Begriff« und »Anschauung«, weil in Gestalt von Raum auch außerhalb von Punkt, und damit vor und für Punkt, weil auch innerhalb von Punkt. Nur so ist ja in jedem Fall derselbe Inhalt jeweils ein bewußter, nämlich als ein Punkt bewußt begleitend und als eine Ausdehnung bewußt begleitet. Und so bildet sich im ersten Fall ein reines Selbstbewußtsein und im zweiten Fall ein Selbstbewußtsein, das auch noch ein Fremdbewußtsein ist, indem es auch noch ein Bewußtsein der Vergegenständlichung von etwas Anderem ist. Denn nur, soweit der Punkt dabei die Ausdehnung als punktuelle, sprich: als zeitliche, noch mindestens auch »inner-

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halb von sich« besitzt, wie die von Raum als Zeit-Raum, tritt dann Inhalt so wie innerhalb von Ausdehnung auch innerhalb von Punkt noch auf, und auch nur so noch als bewußter. Dies jedoch kann vorwärts, nämlich nach der Seite des Objekts hin, eben nur bis einschließlich von jener zweiten Fläche noch der Fall sein, deren Ausdehnung als die bewußt begleitete dann eben »Anschauung« ist. Und entsprechend kann dies rückwärts, nämlich nach der Seite des Subjekts hin, eben nur bis einschließlich von diesem Punkt der Fall sein, wie er als bewußt begleitender dann der »Begriff« zu ihr ist.

Nicht jedoch kann dies etwa auch noch bei jener dritten Dimension der Fall sein, deren Ausdehnung ja keine zeitliche und so auch keine punktuelle Ausdehnung mehr ist. Denn sie ist dadurch keine, die der Punkt noch mindestens auch »innerhalb von sich« besitzt, sondern gerade eine, die der Punkt nur »außerhalb von sich« besitzt. Entsprechend kann dies nicht etwa auch noch bei diesem Punkt der Fall sein, der dann umgekehrt auch seinerseits gerade einen bildet, der nur »außerhalb von dieser dritten Dimension« ist. Und das ist er eben als der Punkt des Urteils oder der Behauptung, der über den Punkt als den »Begriff« hinausgeht. Tut das dieser selbe Punkt doch auch gerade in dem Sinn, daß er sich jetzt nicht mehr nur zu der Ausdehnung verhält, die er noch mindestens auch »innerhalb von sich« besitzt, wie als »Begriff«. Vielmehr verhält er sich als Urteil oder als Behauptung jetzt auch noch zu einer Ausdehnung, die er nur »außerhalb von sich« besitzt, wenn sie sich, wie synthetisch durch ihn hingestellt, auch faktisch für ihn einstellt: als Erfolg von ihm, der ihn auf solche Weise intendiert. Und so ist eben auch noch systematisch hergeleitet, daß wie jene dritte Dimension als solche selbst auch dieser Punkt als solcher selbst: als der des Urteils oder der Behauptung, keinen Inhalt haben kann.

d) Fremderkenntnis

Dann aber wird es auch noch auf der Seite des Subjekts erst einmal problematisch, wie Behauptung oder Urteil überhaupt Bewußtsein bilden können: so wie es schon auf der Seite des Objekts erst einmal problematisch wurde, wie ein Dreidimensionales überhaupt etwas Bewußtes bilden könne. Denn genauso wie die Möglichkeit

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des Auftretens von Inhalt ist und bleibt ja auch die Möglichkeit der Bildung von Bewußtsein und Bewußtem grundsätzlich gebunden an jenes Formale, daß im Rahmen einer Selbstausdehnung eines Punktes dieser Punkt als ein bewußt begleitender und eine Ausdehnung als die durch ihn bewußt begleitete sich bildet. Und das heißt: Gebunden ist und bleibt dies alles letztlich daran, daß die Ausdehnung dabei grundsätzlich zeitliche und somit punktuelle ist, die dieser Punkt noch mindestens auch »innerhalb von sich« besitzt, so daß Bewußtsein auch grundsätzlich Zeitbewußtsein als das Selbstbewußtsein dieses Punktes von sich selber ist und bleibt. Und das ist eben auch bis einschließlich von seinem Raum-Bewußtsein als Zetf-Raum-Bewußtsein in der Tat der Fall, weil dieser Punkt dieses Bewußtsein, nämlich auch noch dieses Fremdbewußtsein der Vergegenständlichung von etwas Anderem als sich, ja in der Tat nur ist, indem er dabei grundsätzlich ein Zeitbewußtsein als ein Selbstbewußtsein von sich ist.

Das ist er nämlich nur, weil er dabei genau so weit wie Ranm-auch Zez£-Bewußtsein ist. Doch ist er dann genau so weit, wie er dabei auch Raum-Bewußtsein ist, Bewußtsein nicht allein von sich, sondern auch noch von Anderem als sich, wenngleich in jeweils grundsätzlich verschiedenem Sinn. Denn dieses Andere wird ihm dadurch auch schon gegenständlich, während er sich selbst dadurch noch überhaupt nicht gegenständlich wird: genausowenig wie noch nicht durch bloßes Zeit- als bloßes Selbstbewußtsein. Ist doch an ihm selbst als Punkt auch dabei nach wie vor nichts räumlich, sondern alles nach wie vor nur zeitlich: eben Nacheinander. Denn Zugleich als Raum-Anteil an diesem Zeit-Raum ist dabei ja nur die Form für etwas Anderes als diesen Punkt, und nicht etwa die Form von diesem Punkt. Das wäre nämlich als Zugleich von Nacheinander widersprüchlich, während Nacheinander von Zugleich als Zeit-Raum widerspruchsfrei ist. Vielmehr ist dieses Punktes eigene Ausdehnung auch dabei nach wie vor nur die der Zeit als Ausdehnung, die er nur »innerhalb von sich« besitzt. Dagegen ist die Ausdehnung von Raum, obwohl der Punkt sie als die Ausdehnung von Zeit-Raum auch noch immer »innerhalb von sich« besitzt, durchaus nicht seine eigene. Besitzt er sie doch als die Ausdehnung von Zeit-Raum auch schon immer »außerhalb von sich«, wodurch er sie dann eben immer nur noch als die Vorwärtsform für etwas Anderes als sich in sich besitzt, so

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daß er sie dadurch dann eben niemals mehr auch als die Rückwärtsform von sich in sich besitzt. Bewußtsein von sich selbst ist dieser Punkt daher auch nach wie vor nur als Bewußtsein von sich selbst als Zeit. Jedoch umfaßt jetzt dieses Zeit- als Selbstbewußtsein eben auch noch Raum- als Fremdbewußtsein, so daß als Zeit-Raum-Bewußtscin dieser Punkt jetzt einheitlich und widerspruchsfrei Selbst- und Fremdbewußtsein ist. Denn dadurch wird bewußt für ihn, im Sinn von gegenständlich für ihn, eben auch nur etwas Anderes als er im Sinn von etwas Fremdbewußtem, während er als etwas Selbstbewußtes sich dabei auch nach wie vor ungegenständlich bleibt.

Auf diese Weise aber wird es in der Tat erst einmal zum Problem, wie dann auch noch Behauptung oder Urteil als Bewußtsein möglich werden könnte. Müßte doch Behauptung oder Urteil dann auch noch als weiteres Frew^bewußtsein möglich werden können, das auch seinerseits noch als -bewußtsein aufzutreten überhaupt nur dann vermöchte, wenn sich jenes Selbstbewußtsein selber auch zu ihm noch weiterbilden könnte: auch noch über jenes erste Fremdbewußtsein als »Begriff« hinaus. Ein FrewJbewußtsein nämlich ist Bewußtsein als Behauptung oder Urteil ja auch in der Tat nicht nur als Fremdbewußtsein der Vergegenständlichung von etwas Anderem, wie das Bewußtsein als »Begriff«, sondern auch darüber hinaus noch weiterhin als Fremdbewußtsein der Verwirklichung von etwas Gegenständlich-Anderem zu etwas Wirklich-Anderem. Doch etwas Wirklich-Anderes ist etwas Gegenständlich-Anderes nur dadurch, daß es etwas Dreidimensionales ist, und somit nur durch seine dritte Dimension als Ausdehnung, die keine punktuelle und mithin auch keine zeitliche mehr ist und sonach nur noch räumliche. Als solche aber ist sie dann auch keine mehr, die jener Punkt noch mindestens auch »innerhalb von sich« besitzt, wie die von Raum als Zeit-Raum, sondern wenn, dann auch nur »außerhalb von sich« besitzt. Und damit ist dann eben auch erst einmal problematisch, wie der Punkt als jenes Selbstbewußtsein seiner Selbstausdehnung es vermag, ein Fremdbewußtsein auch noch von der Ausdehnung, die er nur »außerhalb von sich« besitzt, zu bilden.

Denn als einem grundsätzlichen Selbstbewußtsein ist ihm ein Bewußtsein als ein fremdbewußtsein doch erst einmal nur von solcher Ausdehnung zu bilden möglich, welche er noch mindestens

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auch »innerhalb von sich« besitzt. Genau entsprechend zu der Problematik auf der Seite des Objekts, wie auch noch etwas Dreidimensionales überhaupt etwas Bewußtes sein kann, stellt sich somit auf der Seite des Subjekts die Problematik, wie denn das Verhältnis jenes Punktes auch zu etwas Dreidimensionalem überhaupt noch ein Verhältnis des Bewußtseins von ihm sein kann. Möglich ist das nämlich auf der Seite des Objekts nur dadurch, daß synthetisch-faktisch jene letzte punktuelle Ausdehnung von jener zweiten Fläche eine Eigenschaft von etwas Dreidimensionalem wird und damit in es eingeht, wenn die dritte Dimension desselben über sie hinausgeht. Auch nur dadurch nämlich wird dann das Bewußtsein, wie es als »Begriff« die Ausdehnung von dieser Fläche als die »Anschauung« bewußt begleitet, auch noch ein Bewußtsein von dem Dreidimensionalen, weil es dadurch dann synthetischfaktisch auch noch dessen dritte Dimension bewußt begleitet, wenn sich diese, wie synthetisch durch dieses Bewußtsem hingestellt, auch faktisch für es einstellt. Denn intentional thematisiert wird dadurch ja in jedem Fall ausschließlich diese dritte Dimension, die somit auch, wenn sie sich nicht einstellt, dadurch intentional thematisiert und so bewußt ist. Auf der Seite des Subjekts kann es daher entsprechend auch nur dadurch zu diesem Bewußtsein kommen, daß jenes Bewußtsein als »Begriff« dann in dieses Bewußtsein als Behauptung oder Urteil eingeht, wenn das letztere über das erstere hinausgeht. Und so kann auch überhaupt nur durch das erstere das letztere dann ein Bewußtsein der Verwirklichung von Dreidimensionalem als dem Wirklich-Anderen werden, nämlich nur von dem, wovon das erstere schon immer das Bewußtsein der Vergegenständlichung zu etwas Gegenständlich-Anderem durch jenes Zweidimensionale jener zweiten Fläche ist.

Nur eben mit dem grundsätzlichen Unterschied, daß auf der Seite des Subjekts dieses Bewußtsein als Behauptung oder Urteil über das Bewußtsein als »Begriff« in jedem Fall hinausgeht und mithin auch das Bewußtsein als »Begriff« in jedem Fall in das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil eingeht. Wohingegen auf der Seite des Objekts die dritte Dimension gerade nicht in jedem Fall hinausgeht über jenes Zweidimensionale jener zweiten Fläche und so auch die letztere gerade nicht in jedem Fall als eine Eigenschaft in etwas Dreidimensionales eingeht. Denn im Mißerfolgsfall tut sie das gerade nicht, sondern nur im Erfolgsfall. Wohingegen

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auf der Seite des Subjekts das dementsprechende Bewußtsein als »Begriff« dabei in jedem Fall in das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil eingehen muß, weil das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil über das Bewußtsein als »Begriff« dabei in jedem Fall hinausgehen muß, da es als damit nunmehr in sich vollständige Intention in jedem Fall ergehen muß: im Mißerfolgsfall ebenso wie im Erfolgsfall.

Deren grundsätzlichen Unterschied gilt es darum auch auf der Seite des Subjekts noch festzuhalten, auch wenn er hier keineswegs der Unterschied von »Wahrheit« oder »Falschheit« als der angeblichen Eigenschaft einer Behauptung oder eines Urteils ist. Daß derlei sich bis heute noch nicht definieren läßt, liegt nämlich nur daran, daß derlei nur eine Ersatzerfindung des naiven Realisten ist, weil dieser Unterschied vielmehr nur einer von Erfolg als Wirklichkeit und Mißerfolg als Unwirklichkeit auf der Seite des Objekts ist. Dem naiven Realisten aber kann das nur zum horror vacui gereichen, weshalb er das auf die Seite des Subjekts verlegen muß, weil er dogmatisch lauter Wirklichkeit benötigt. Diese aber muß er sich auf Seiten des Subjekts dann eben auch erfinden, so daß er sich diese hier auch nicht erklären kann. Muß doch auch in der Tat diese erfundene Wirklichkeit von »Wahrheit« oder »Falschheit« unerklärbar bleiben, die als »Übereinstimmung« oder »Nichtübereinstimmung« mit dem Objekt angeblich eine Eigenschaft des Urteils oder der Behauptung über das Objekt sei, dessen Wirklichkeit dafür auch angeblich schon immer vorgegeben sei. Vielmehr kann auf der Seite des Subjekts der grundsätzliche Unterschied dazwischen nur ein gänzlich anderer sein. Und der ergibt sich Ihnen erst, wenn Sie zunächst einmal sich voll vor Augen führen, was genau hier als notwendig hergeleitet wurde.

Überhaupt nur durch Bewußtsein als »Begriff«, so hatte sich ergeben, kann Bewußtsein als Behauptung oder Urteil auch noch seinerseits Bewußtsein bilden, so daß ersteres, weil letzteres in jedem Fall noch über es hinausgehen muß, in letzteres in jedem Fall auch eingehen muß. Was damit hergeleitet wird, ist nämlich nichts geringeres als die Struktur, die jeder Fall eines elementaren und ursprünglichen Bewußtseins als Behauptung oder Urteil über einen Gegenstand besitzen muß, das als Bewußtsein einer »Wahrnehmung« von einem Objekt in der Außenwelt entspringt. Das Urteil oder die Behauptung als die Form von solchem Wahrnehmungs-

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Bewußtsein kann danach grundsätzlich nur eine Struktur annehmen wie »Dies ist ein Baum« und »Dies ist rund« und »Dies ist rot« als die einer elementaren »Prädikation«. Als ein Bewußtsein nämlich tritt sie auf, indem jener »Begriff« zum Urteil oder zur Behauptung dadurch wird, daß er zum »Prädikator« innerhalb von einer »Prädikation« wird, die über ihn hinaus nur noch den »Indikator« und die »Kopula« enthält: über ein »...rot« oder ein »...rund« oder ein »... Baum« hinaus nur noch ein »Dies ...« und »... ist...« oder »...ist ein...«. Und in der Tat kann keineswegs über das Inhaltliche eines solchen »Prädikators« noch hinaus dann auch durch einen solchen »Indikator« oder eine solche »Kopula« noch etwas weiteres Inhaltliches mit hinzukommen, weil sie vielmehr, gleichviel mit welchem »Prädikator« sie verbunden sind, von immer gleichem inhaltslosem Sinn sind. Denn das Inhaltliche, das ein Urteil von der zweiten Stufe des »Begriffes« her hat, bleibt deswegen ganz in letzterem als »Prädikator«. Durch den »Indikator« wird es von der zweiten Stufe her nur aw/gegriffen, um es in die dritte Stufe hin nur «'«zubringen als den Gegenstand jenes »Begriffes«. Und von daher ist es auch gerade jener Gegenstand als jenes Inhaltliche, worauf dieses Urteil durch den selber inhaltslosen »Indikator« sich bezieht, um jenen Gegenstand als jenes Inhaltliche dann als wirklich hinzustellen. Daß im Unterschied zum Inhaltlichen seines »Prädikators« als eines »Begriffes« dieses Urteil selbst ansonsten nur noch etwas Inhaltsloses sein kann, wie schon hergeleitet, kommt daher in ihm als solcher »Prädikation« auch zum Ausdruck19.

Mit zum Ausdruck aber kommt zugleich auch das noch weiter Hergeleitete, daß das Bewußtsein, das Behauptung oder Urteil ist, nur möglich ist durch das Bewußtsein als »Begriff«. Ist als Bewußtsein eine »Prädikation« doch auch tatsächlich nur durch einen »Prädikator« als Bewußtsein möglich, zu dem ein Bewußtsein als »Begriff«, wie etwa »rot« zu »... rot«, nur dadurch wird, daß es im ganzen durch »Dies ist ...« auch zum Bewußtsein »Dies ist rot« noch wird. Der immer gleiche inhaltslose Sinn von »Dies« und »ist« wird dadurch aber eben nur zum immer gleichen inhaltslosen Sinn »Dies ist ...«, durch den dann etwas Anderes immer gleicherweise

19 Vgl. dazu  Weiterführendes  im  §24,  S. J 047f., das hierzu  nicht im Widerspruch steht, sondern nur in neuer Perspektive.

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inhaltslos nur noch als wirklich hingestellt oder intentional thematisiert wird. Zu Bewußtein, das als Urteil oder als Behauptung etwas Anderes nur noch intentional thematisiert oder als wirklich hinstellt, kann Bewußtein dann jedoch auch in der Tat nur dadurch werden, daß es als »Begriff«, als der es dann zum »Prädikator« wird, schon immer ein Bewußtsein ist, dem inhaltlich schon immer etwas Anderes gegenständlich ist. Sonst könnte nämlich für Bewußtsein gar nicht feststehen, was denn eigentlich, sprich: welches Andere denn eigentlich zu intendieren oder zu thematisieren, sprich: als wirklich hinzustellen sei, weil etwas Inhaltsloses wie »Dies ist...« doch etwas Inhaltliches für Bewußtsein nicht mehr bilden kann.

Desgleichen aber kommt dann mit zum Ausdruck, was des weiteren hergeleitet ist, daß nämlich trotzdem erst und nur noch dieses Andere es ist, was dadurch dann als wirklich hingestellt in dem Sinn wird, daß es intentional thematisiert wird. Zum entsprechenden Bewußtsein nämlich wird Behauptung oder Urteil als »Prädikation« durch deren »Indikator« ebenso wie auch durch deren »Prädikator«. Wird sie dazu durch ein »Dies ...« doch ebenso wie durch ein » ... rot«, weil sie durch jedes davon sich auch nur zu diesem Anderen als sich verhält, das sie dann durch ein »... ist...« als ihre »Kopula« zuletzt auch nur noch hinstellt als ein Wirklich-Anderes als sich. Und dieses Andere ist etwas Wirklich-Anderes denn auch nur noch als etwas Dreidimensionales, das allein es ist, wozu sich eine »Prädikation« durch jedes ihrer Aufbaustücke dann verhält, indem sie ersteres dadurch intentional thematisiert oder als wirklich hinstellt. Und das heißt: Als wirklich hingestellt oder intentional thematisiert wird dadurch keineswegs etwa das Zweidimensionale jener zweiten Fläche oder Eindimensionale einer Linie in ihm oder Nulldimensionale eines Punktes in ihm, sondern über es hinaus gerade dieses Dreidimensionale. Wird es dies dadurch doch auch gerade in dem Sinn, daß solches Zweidimensionale oder Eindimensionale oder Nulldimensionale eine Eigenschaft von diesem Dreidimensionalen sei, indem das letztere zum Beispiel » ... rot« sei oder » ... rund« sei oder » ... Baum« sei.

Denn schlechthin unmöglich müßte bleiben, etwas Dreidimensionales gleichsam nackt als wirklich hinzustellen, nämlich es als etwas ohne etwas Zweidimensionales oder Eindimensionales oder Nulldimensionales an ihm als die Eigenschaft von ihm zu inten-

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dieren oder zu thematisieren. Und tatsächlich ist doch die Verwirklichung von jenem zweiten Zweidimensionalen, innerhalb von dem sich Eindimensionales oder Nulldimensionales bilden kann, nichts anderes als der Versuch einer Verwirklichung von solchem Dreidimensionalen, dem allein er denn auch gilt, und zwar bewußtseinstheoretisch ebenso wie ontologisch. Denn auch das entsprechende Bewußtsein ist als Urteil oder als Behauptung ein als wirklich hinstellendes oder ein intentional thematisierendes Bewußtsein ausschließlich von solchem Dreidimensionalen. Und das heißt: Gerade nicht ist es dies etwa auch von solchem Zweidimensionalen oder Eindimensionalen oder Nulldimensionalen, und zwar einerlei, ob dieses dadurch nun zur Eigenschaft von solchem Dreidimensionalen faktisch wird, wie im Erfolgsfall, oder faktisch nicht wird, wie im Mißerfolgsfall. Daß zuletzt auch dies noch unabweislich in »Prädikation« zum Ausdruck kommt, macht Ihnen schließlich gleicherweise schlagend evident: Solches Bewußtsein als intentional thematisierendes kann tatsächlich erst und nur von etwas Dreidimensionalem seinen Ursprung haben, dem dieser Gesamtzusammenhang jener drei Stufen von Bewußtsein und Bewußtem immer schon zugrunde liegen muß.

Denn zweifellos muß eine »Prädikation« durch einen »Prädika-tor« wie durch »... rot« auch ein Bewußtsein davon sein, was sie dem Dreidimensionalen »präciiziert«, das sie dabei durch einen »Indikator« und durch eine »Kopula« wie »Dies ...« und »... ist ...« intentional thematisiert oder als wirklich hinstellt. Ebenso gewiß jedoch kann sie dieses Bewußtsein davon nicht als ein in diesem Sinn thematisierendes Bewußtsein davon sein, weil sie vielmehr als letzteres gerade darüber hinausgeht. Dem entspricht denn auch genau, daß etwas, das thematisiert wird, sich nicht »prädizieren« läßt, sondern nur etwas, das beim »Prädizieren« unthematisiert bleibt, doch sehr wohl dabei bewußt ist und mithin gerade unthematisiert bewußt ist. In einer »Prädikation« kommt denn auch dies noch mit zum Ausdruck: Was darin durch »... rot« bewußt ist — da es einem »präciiziert« wird, das darin durch »Dies ...« bewußt wird - ist darin als solches selbst gerade nicht thematisiert, weil dadurch, daß es »prädiziert« wird, vielmehr das thematisiert wird, dem es »prädiziert« wird. Und so kann denn auch tatsächlich »... rot« nur das sein, was darin durch »Dies ...« und »... ist ...« intentional thematisiert, das heißt, als wirklich hingestellt wird:

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etwas Dreidimensionales, wie etwa ein Ding. Doch keineswegs kann »... rot« etwa die Eigenschaft von einem Ding sein, die ihm dadurch »prädiziert« wird, weil sie eben deshalb nicht bereits durch »...rot« thematisiert wird, sondern wenn, dann erst durch »... Röte«. Dadurch aber wird sie nicht nur nicht mehr »prädiziert«, so wie sie es durch » ... rot« wird, sondern läßt sich prinzipiell auch nicht mehr »prädizieren«. Und das gilt für jedes Paar von solchen Ausdrücken mit einem und demselben Inhalt, den sie jeweils unterschiedlich ausdrücken, indem der eine ihn thematisiert, der andere aber »prädiziert«: wobei es unerheblich bleibt, ob sprachlich in der Tat in jedem solchen Fall auch die Entsprechungen zu »... Röte« noch gebildet sind, weil dies nur vom Bedarf abhängt.

Aus dem Gesamtzusammenhang jener drei Stufen von Bewußtsein und Bewußtem kann dies alles aber eben auch nur so Zustandekommen. Denn tatsächlich muß, was im Erfolgsfall als die Eigenschaft von etwas Dreidimensionalem auftritt, als das Zweidimensionale jener zweiten Fläche oder als das Ein- bzw. Nulldimensionale in ihm immer schon etwas Bewußtes sein. Muß es dies doch gerade deshalb, weil dadurch ein Dreidimensionales als ein Anderes dazu auch immer schon bewußt vergegenständlicht werden muß, damit es dann auch noch als dieses Andere bewußt verwirklicht werden kann, indem es dann auch noch bewußt als wirklich hingestellt oder intentional thematisiert wird. Doch etwas Bewußtes kann dann jenes Zweidimensionale oder Ein- bzw. Nulldimensionale eben nur als etwas unthematisiert Bewußtes sein, das dabei diesem Dreidimensionalen als etwas thematisiert Bewußtem nur zugrunde liegen kann, ihm aber auch in jedem Fall zugrunde liegen muß: im Mißerfolgsfall ebenso wie im Erfolgsfall. Und das heißt: Auch dann muß jenes unthematisiert bewußte Zweidimensionale usw. diesem Dreidimensionalen als thematisiert bewußtem noch zugrunde liegen, wenn das letztere als etwas Wirklich-Anderes ausbleibt, wie im Mißerfolgsfall, und das erstere mithin auch nicht als eine Eigenschaft an ihm oder von ihm als etwas Wirklich-Anderem auftritt.

So jedoch wird dann auch hier erst einmal problematisch, worin dieser Unterschied zwischen Erfolgs- und Mißerfolgsfall auf der Seite des Subjekts denn eigentlich bestehen soll, wenn er doch in der angeblichen »Wahrheit« oder »Falschheit« von Bewußtsein als Behauptung oder Urteil nicht bestehen kann. Denn trotzdem muß

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er auf der Seite des Subjekts in jedem Fall in dem Sinn liegen, daß er auf der Seite des Bewußtseins liegt und damit eben gegenüber dem durch es Bewußten auf der Seite des Objekts. Besteht er hier doch in dem Unterschied der Wirklichkeit bzw. Unwirklichkeit eines Gegenständlich-Anderen, dem auch einer auf der Seite des Bewußtseins noch entsprechen muß, — doch eben nicht entsprechen könnte, wenn hier gar keiner bestünde. Was denn also ist dann auf der Seite des Bewußtseins unterschiedlich, je nach dem, ob es als das intentional thematisierende oder als wirklich hinstellende nun erfolgreich wird oder erfolglos bleibt?

Das sehen Sie, wenn Sie sich weiterhin vor Augen halten: Jene Ausdehnung des Zweidimensionalen jener zweiten Fläche ist mit allem innerhalb von sich als punktueller Ausdehnung grundsätzlich etwas auf der Seite des Bewußtseins oder des Subjekts. Als punktu-elle und sonach als zeitliche ist sie mit allem innerhalb von sich daher auch etwas stetig Neues: ganz genauso wie der Punkt, der als bewußt begleitender »Begriff« dabei mit ihr einhergeht, so daß sie als die durch ihn bewußt begleitete die »Anschauung« zu ihm ist. Was Sie sich noch fernerhin vor Augen führen müssen und auch können, ist dann aber nichts geringeres, als daß in einem ganz bestimmten Sinn es im Erfolgsfall eben damit dann vorbei ist. Denn was als Erfolgsfall vor sich geht, ist dann eine Verwandlung, die im Vollsinn dieses Wortes auch gleich zweifach vor sich geht: bewußtseinstheoretisch ebenso wie ontologisch.

Ontologisch nämlich ist es ja gerade jenes zweite Zweidimensionale mit dem Ein- bzw. Nulldimensionalen in ihm, was in diesem Fall zu etwas Dreidimensionalem wird und somit auch tatsächlich in es selbst verwandelt wird, indem das erstere zur Eigenschaft an ihm oder von ihm wird. Kann es etwas Dreidimensionales doch auch in der Tat nur gleichsam unter dieser oder jener Eigenschaft daran oder davon als etwas Wirklich-Anderes geben: unter einer Oberfläche oder einer Oberlinie oder einem Oberpunkt. Denn dieses Zweidimensionale oder Ein- bzw. Nulldimensionale in ihm ist genau die Art und Weise, wie sich im Erfolgsfall etwas Dreidimensionales oder Wirklich-Anderes einstellt, weil es sich als solches selbst auch gar nicht anders als in dieser Art und Weise einstellen kann. Entsprechend wäre es unhaltbar, wollten Sie etwa auch eine Oberfläche oder eine Oberlinie oder einen Oberpunkt als eine Eigenschaft an ihm oder von ihm

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noch immer im genannten Sinn als etwas Punktuelles ansehen, weil es etwas Zeitliches in diesem Sinn dann nicht mehr ist. Denn auch für keines davon läßt sich etwa das Zeit-Raum-Modell oder sogar das Zeit-Modell noch durchführen, was Ihnen als Kriterium dafür noch in Erinnerung sein dürfte20. Was hier im Erfolgsfall als Verwandlung vor sich geht, ist somit nichts geringeres als folgendes: All das verliert dabei die Form dieses noch Punktuellen und gewinnt dafür die Form des nicht mehr Punktuellen dieser dritten Dimension von Raum, der nicht mehr Zeit-Raum ist: forma dat esse rei. Denn mit dieser dritten Dimension als Form zusammen bildet all das dann gerade etwas Dreidimensionales, nämlich an ihm oder von ihm eine zweidimensionale oder eindimensionale oder nulldimensionale Eigenschaft. Und diese Art und Weise der Verwandlung von all dem in etwas Wirklich-Anderes ist es denn auch, durch die all das »eine neue Beschaffenheit« bekommt: die neue Form der dritten Dimension, die es zu einem Objekt in der Außenwelt als etwas Dreidimensionalem macht, an dem oder von dem das Zwei- und Ein- und Nulldimensionale dann gerade Eigenschaft ist. Dem genau entsprechend ist es ja auch nur die neue Form, die er bekommt, wodurch aus Marmor etwa eine Statue entspringt. Und das, was vorher Marmor war, ist dann durch seine neue Form auch so in eine Statue verwandelt, daß sie dadurch nicht mehr Marmor, sondern nunmehr marmorn ist bzw. eine marmorne.

Schlechthin unhaltbar wäre es denn auch zu meinen, im Erfolgsfall müsse zusätzlich zu diesem Dreidimensionalen auf der Seite des Objekts als etwas Wirklich-Anderem jenes Zweidimensionale oder Ein- bzw. Nulldimensionale in ihm auf der Seite des Subjekts noch übrig bleiben: mindestens als das ßewußt-Begleitete der »Anschauung« zu dem »Begriff« als dem Bewußt-Begleitenden. Das wäre nämlich ebenso unhaltbar wie zu meinen, zusätzlich zu dieser Statue müsse dieser Marmor, der durch seine neue Form in sie verwandelt wurde, übrig bleiben; denn er ist ja dadurch in sie eingegangen und mithin gerade nicht zurückgeblieben. Daran se-

Vgl oben S. 907f.

Wie Kant intuitiv schon richtig sieht (z.B. A 197 B 242), auch wenn er
diskursiv noch nicht zu einer Herlcitung der Systematik von all dem in
Form von Zeit und Raum gelangt.

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hen Sie vielmehr, wie grundsätzlich hier in der Tat ein ontologisch zu beschreibendes Verwirklichungsgeschehen vor sich geht. Ihm gegenüber muß daher auch ein genau entsprechendes Bewußtwer-dungsgeschehen vor sich gehen, das denn auch noch bewußtseinstheoretisch zu beschreiben ist. Und das Entscheidende daran ist, daß auch hier noch eine, und zwar die genau entsprechende Verwandlung abläuft, die Kant ebenfalls nicht hergeleitet hat, obwohl er sie ausdrücklich als Verwandlung anspricht22. Denn durchaus nicht bleibt auf dieser Seite des Bewußtseins dieses »Anschauliche« etwa übrig, weil vielmehr gerade dieses »anschauliche« Zweidimensionale oder Ein- bzw. Nulldimensionale das ist, was dabei verwandelt wird ins »wahrgenommene« Dreidimensionale. Dieses »Wahrgenommene« wird dadurch nämlich zum Bewußten für die »Wahrnehmung« als das Bewußtsein, zu dem auch noch das Bewußtsein als »Begriff« verwandelt wird, indem es auch noch zum Bewußtsein als Behauptung oder Urteil wird. Auch der »Begriff« bleibt dabei also nicht etwa noch zusätzlich als eigenes Bewußtsein übrig und zurück.

Infolgedessen geht auf dieser Seite des Subjekts mit dem Bewußtsein als Behauptung oder Urteil im Erfolgsfall nicht mehr solches »anschauliche« Zweidimensionale usw. mit einher: wie noch mit dem Bewußtsein als »Begriff«, solange es noch nicht verwandelt ist in das Bewußtsein als Behauptung oder Urteil. Denn statt dieses »anschaulichen« Zweidimensionalen usw. geht mit dem Bewußtsein als Behauptung oder Urteil im Erfolgsfall vielmehr dieses »wahrgenommene« Dreidimensionale mit einher, in welches dieses »anschauliche« Zweidimensionale usw. restlos eingegangen ist, so daß es als die Eigenschaft desselben eben nicht mehr auf der Seite des Subjekts liegt. Vielmehr liegt es dann zusammen mit dem Dreidimensionalen auf der Seite des Objekts, wo es als »wahrgenommenes« Wirklich-Anderes der Außenwelt dem »wahrnehmenden« Subjekt eben gegenüber steht: als das thematisiert Bewußte eben dem thematisierenden Bewußtsein gegenüber. Auf der Seite des Bewußtseins als der Seite des Subjekts tritt somit im Erfolgsfall schlechterdings nichts anderes mehr auf als nur Behauptung oder Urteil, nämlich schlechterdings nichts

22 Vgl. z.B. Bd. 4, S. 297, Z. 36; S. 555, Z. 6f.

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rnehr von dem, was mit »Begriff« zusammen gleichfalls noch auf dieser Seite auftrat, weil all das in diesem Fall vielmehr gerade gegenüber auftritt. Als die Eigenschaft von etwas Dreidimensio-

f     O   O

nalem tritt es nämlich innerhalb desselben auf und somit außerhalb von dem Bewußtsein als Behauptung oder Urteil über dieses Dreidimensionale: wohingegen jenes Zweidimensionale usw., das als punktuelle Ausdehnung die durch bewußt begleitenden »Begriff« bewußt begleitete »Anschauung« war, noch innerhalb dieses Bewußtseins auftrat.

Eben darin liegt denn auch der eigentliche Unterschied zwischen Erfolgs- und Mißerfolgsfall auf der Seite des Bewußtseins als der Seite des Subjekts. Denn keineswegs kann gelten, daß etwa auch noch im Mißerfolgsfall auf der Seite des Bewußtseins schlechterdings nichts anderes mehr aufträte als nur Behauptung oder Urteil. Bleibt in diesem Fall das Dreidimensionale als das Wirklich-Andere aus, so heißt das nämlich, daß in diesem Fall es bei dem Zweidimensionalen usw. bleibt, indem es dabei nicht verwandelt wird in etwas Dreidimensionales. Dieses Zweidimensionale usw. bleibt sonach in diesem Fall zurück und damit übrig als die punktuelle Ausdehnung, die als die »Anschauung« bewußt begleitet war durch den »Begriff« als den bewußt begleitenden. Zurück und übrig bleibt in diesem Mißerfolgsfall somit auch das Andere zu beidem, das durch beides immer schon ein Gegenständlich-Anderes war, wogegen dieses im Erfolgsfall eben in das Wirklich-Andere eingeht als die Eigenschaft desselben. Nur erfolgt die Weiterbildung von Bewußtsein als »Begriff« zu dem Bewußtsein als Behauptung oder Urteil nicht bloß im Erfolgsfall, sondern auch im Mißerfolgsfall: so daß dieses Zweidimensionale usw. als das Gegenständlich-Andere auch dabei hingestellt wird als ein Dreidimensionales oder Wirklich-Anderes und somit für ein Dreidimensionales oder Wirklich-Anderes auch gehalten wird. Und so ist auch im Mißerfolgsfall das in diesem Sinn thematisiert Bewußte für thematisierendes Bewußtsein ausschließlich das Dreidimensionale oder Wirklich-Andere, als das dabei das Zweidimensionale usw. oder Gegenständlich-Andere, wenngleich nicht hergestellt wird, so doch mindest hingestellt wird.

Was als eigentlicher Unterschied zwischen Erfolgs- und Mißerfolgsfall auf der Seite des Subjekts besteht, ist somit etwas, das Sie auf den ersten Blick befremden könnte. Es ergibt sich nämlich:

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Ausgerechnet im Erfolgsfall ist dann die Bewußtseinsseite ärmer und im Mißerfolgsfall reicher, was jedoch seine Befremdlichkeit für Sie bei näherem Hinsehen verlieren müßte. Im Erfolgsfall stellt sich nämlich auf der Seite des Objekts das Dreidimensionale als das Wirklich-Andere synthetisch-faktisch ein. Entsprechend ist die Seite des Bewußtseins als die Seite des Subjekts in diesem Fall tatsächlich um genau das ärmer, was dabei von dieser Seite übergeht auf jene Seite, weil es als das Zweidimensionale usw. eingeht in das Dreidimensionale oder Wirklich-Andere, indem es in es selbst verwandelt wird. Dagegen bleibt im Mißerfolgsfall auf der Seite des Objekts das Dreidimensionale als das Wirklich-Andere synthetisch-faktisch aus. Entsprechend ist die Seite des Bewußtseins als die Seite des Subjekts in diesem Fall tatsächlich um genau das reicher, was dabei gerade nicht auf jene Seite übergeht, sondern auf dieser Seite übrigbleibt, weil es dabei gerade nicht in etwas Dreidimensionales oder Wirklich-Anderes verwandelt wird.

Nicht zufällig ist es denn auch gerade dieser in sich reichere Mißerfolgsfall, der als sogenannter »Irrtum« in der »Wahrnehmung« seit jeher schon das Eingangstor in das daran beteiligte Subjekt als das Bewußtsein öffnet: analytisch bis hinauf zu dessen Ursprung. Und entsprechend ist es auch kein Zufall, daß darum auch nur herab von dessen Ursprung dann synthetisch eine Herleitung von all dem möglich wird: nur aus der Selbstausdehnung jenes Punktes (1) zu der Ausdehnung von Zeit und (2) zu der Ausdehnung von Zeit-Raum und zuletzt noch (3) zu der Ausdehnung von Raum, wie er als dreidimensionaler erstmals nicht mehr Zeit-Raum und mithin auch nicht mehr Subjekt, sondern Objekt ist. Daß damit auch noch die entsprechend in sich dreistufige Systematik von Bewußtsein und Bewußtem hergeleitet ist, ersehen Sie im Rückblick daraus: Jede solche Selbstausdehnung ist die eines und desselben Punktes, der gleichwohl zu so verschiedener Ausdehnung sich ausdehnt und sie dabei auch bewußt begleitet. Bei dem Punkt eines »Gefühls« und bei dem Punkt eines »Begriffs« und bei dem Punkt einer Behauptung oder eines Urteils handelt es sich nämlich keineswegs etwa um Punkte, die in dem Sinn unterschiedlich wären, daß wir sie als individuell verschiedene und so als drei zu zählen hätten. Vielmehr handelt es sich dabei immer wieder nur um einen und denselben Punkt, der jeweils unterschiedlich nur insofern ist, als er sich jeweils unterschiedlich zu der Ausdehnung

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verhält, die ein je unterschiedliches Ergebnis seiner Selbstausdehnung ist.

Denn auch nur so entspringt dann dieser eine Punkt auch noch als ein Bewußtsein, nämlich als ein Punkt, der deshalb, weil er seine ursprüngliche Ausdehnung zu Zeit bewußt begleiten muß, dann auch noch jede weitere solche Ausdehnung bewußt begleiten muß: auch über seine Ausdehnung zu Zeit hinaus noch seine Ausdehnung zu Zeit-Raum sowie schließlich auch noch seine Ausdehnung zu bloßem Raum als dreidimensionalem. Denn zumindest intendiert ja dieser eine Punkt zuletzt, auch solche noch durch seine Selbstausdehnung auszudehnen, dadurch nämlich, daß er sich zumindest noch zum Zweidimensionalen jener zweiten Fläche selber ausdehnt, um dadurch ein Dreidimensionales auszudehnen. Nur aus diesem Grund wird nämlich im Erfolgsfall jenes Zweidimensionale dann mit allem innerhalb von sich zur Eigenschaft an diesem Dreidimensionalen.

Ein Bewußtsein bildet dieser eine Punkt darum auch von der ersten Stufe her und bis zur dritten Stufe hin als grundsätzliches Selbstbewußtsein, das als grundsätzliches Zeitbcwußtsein auch noch zum Zeit-Raum-Bewußtsein und zuletzt auch noch zum reinen Raum-Bewußtsein wird. Zugrunde liegt es als ein grundsätzliches Selbstbewußtsein oder Zeitbewußtsein also nicht nur dem Zeit-Raum-Bewußtsein als dem Fremdbewußtsein der Vergegenständlichung von etwas Anderem. Zugrunde liegt es als ein solches dann vielmehr auch noch dem reinen Raum-Bewußtsein als dem Fremdbewußtsein der Verwirklichung von etwas Gegenständlich-Anderem zu etwas Dreidimensionalem oder Wirklich-Anderem. Erst einmal fraglich war es deshalb, wie auch noch von diesem ein Bewußtsein möglich sei, wenn doch Bewußtsein grundsätzlich ein Selbstbewußtsein als ein Zeitbewußtsein ist, die Ausdehnung von etwas Dreidimensionalem als dem Wirklich-Anderen dagegen nicht mehr die von Zeit ist, sondern nur noch die von reinem Raum ist. Denn als erstmals nicht mehr punktuelle Ausdehnung ist die von dreidimensionalem Raum ja eine Ausdehnung, die dieser eine Punkt nur »außerhalb von sich« besitzt. Daß ihm auch noch von solchem Dreidimensionalen ein Bewußtsein möglich wird, bedeutet deshalb, daß er es auch nur gerade noch soeben als das Äußerste an Grenzfall von Bewußtsein bilden kann.

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Denn ein Bewußtsein als Behauptung oder Urteil ist es einerseits ja in der Tat als grundsätzliches Selbstbewußtsein oder Zeitbewußtsein dieses einen Punktes, weil er grundsätzlich ein Zeit-Punkt als ein stetig neuer ist und bleibt. Und das wird Ihnen hier sogar besonders klar, weil im Erfolgsfall ja mit dieser Zeit von diesem Punkt jetzt nicht mehr jener Raum als Zeit-Raum mitein-hergeht wie noch mit dem Punkt als dem »Begriff«. In diesem Fall ist nämlich jener Raum in diesen dreidimensionalen Raum von einem wirklich-anderen Objekt verwandelt, das dem Subjekt als dem Selbstbewußtsein oder Zeitbewußtsein dieses Punktes in Gestalt von Urteil oder von Behauptung jeweils gegenübersteht. Entsprechend ist ja auch jenes Bewußtsein als »Begriff« nunmehr verwandelt in dieses Bewußtsein als Behauptung oder Urteil. Daß dann dieses anderseits ein Fremdbewußtsein als ein reines Raumbewußtsein ist, nämlich Bewußtsein vom Objekt als etwas Dreidimensionalem oder Wirklich-Anderem, wird denn auch überhaupt nur dadurch möglich, daß es ein Bewußtsein vom Objekt als einem Gegenständlich-Anderen schon immer war und auch noch weiter bleibt: von ihm als jenem Zweidimensionalen usw. Denn bewußt im Sinn von gegenständlich ist diesem Bewußtsein das Objekt als etwas Anderes ja auch noch, wenn es über dieses Gegenständlich-Andere hinaus auch noch ein Wirklich-Anderes ist, wie als etwas Dreidimensionales im Erfolgsfall. Auch noch als ein Wirklich-Anderes bewußt im Sinn von gegenständlich kann ihm dieses Dreidimensionale dann jedoch nicht zufälligerweise immer nur als dasjenige sein, das jenes Zweidimensionale usw. als die Eigenschaft von sich besitzt, und niemals etwa auch noch darüber hinaus als dieses Dreidimensionale an und für sich selbst. Denn seine Dreidimensionalität besitzt es eben nicht noch zusätzlich als seine Eigenschaft, sondern als seine Wirklichkeit, die keine weitere Eigenschaft mehr ist, wie schon erwähnt. Durch seine dritte Dimension ist es als etwas Dreidimensionales eben nur noch wirklich, aber nicht als solches selbst auch seinerseits noch eigens gegenständlich, wie etwa, als ob es auch noch so etwas wie eine »dreidimensionale Eigenschaft« besäße23. Vielmehr ist es letzteres

23 Denn als angebliche »dreidimensionale« wäre sie statt eine »Eigenschaft« an ihm oder von ihm vielmehr ein Teil an ihm oder von ihm. Der aber ist statt eine Eigenschaft vielmehr nur etwas Dreidimensionales ge-

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dann nur gerade noch soeben durch das Zweidimensionale oder Eindimensionale oder Nulldimensionale einer Eigenschaft von sich, die es dann aber auch nur noch als eine an sich oder in sich als dem Dreidimensionalen haben kann.

Thematisiert bewußt wird dabei also in der Tat ausschließlich dieses Dreidimensionale als das Wirklich-Andere, auch wenn es dies ausschließlich durch das Zweidimensionale oder Eindimensionale oder Nulldimensionale seiner Eigenschaft wird. Zwar ist die dabei auch ihrerseits bewußt, doch keineswegs auch ihrerseits thematisiert, sondern ist ihrerseits vielmehr nur unthematisiert bewußt. Und so ist eben erst und nur als dieses Fremdbewußtsein der Verwirklichung von etwas Anderem - und bei Erfolg: der Wirklichkeit von diesem Anderen - jenes in sich dreistufige Selbstbewußtsein ein thematisierendes Bewußtsein. Keineswegs ist es dies etwa auch bereits von irgendetwas, das ihm vordem schon bewußt ist: weder von bzw. als »Gefühl«, noch von bzw. als »Begriff« und »Anschauung« des Gegenständlich-Anderen, noch von bzw. als Behauptung oder Urteil selbst. Vielmehr ist es dies erst und nur als dieses in sich dreistufige Selbst- und Fremdbewußtsein wie auch erst und nur von dem durch es intentional thematisiert-bewußten Wirklich-Anderen. Und einerlei, ob letzteres dies im Erfolgsfall nun tatsächlich ist oder im Mißerfolgsfall nun tatsächlich nicht ist: Das als wirklich mindest hingestellte und daher für wirklich mindest auch gehaltene Andere ist es in jedem Fall in dem Sinn, daß es etwas Dreidimensionales sei mit etwas Zweidimensionalem oder Eindimensionalem oder Nulldimensio-nalem als der Eigenschaft desselben. Denn sogar auch noch bei anhaltend-zusammenhängendem Erfolg als anhaltend-zusammenhängender Verwirklichung von etwas Dreidimensionalem kann es

genüber anderem Dreidimensionalen, womit auch sein Unterschied zur Eigenschaft jetzt hergeleitet wäre: mit Empfehlung an die neumodische, doch geschichtsvergessene und sachlich-systematisch unhaltbare Theorie der »Tropen« (vgl. C. Friebe 2004 a). Teilen läßt sich etwas Dreidimensionales deshalb auch nicht zufällig nur so, daß Teile, die dadurch entspringen, immer wieder dreidimensionale Teile sind, und nicht etwa auch so noch, daß als Teile auch noch seine Oberflächen oder Oberlinien oder Oberpunkte sich ergeben könnten. Als die Eigenschaften des Geteilten können diese durch die Teilung vielmehr nur vergehen und stattdessen nur entsprechend neue Eigenschaften an dein jeweiligen Teil entstehen (vgl. C. Friebe 2004 b), was jetzt ebenfalls noch hergeleitet ist.

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immer nur durch weitere solche zweidunensionale oder eindimensionale oder nulldimensionale Eigenschaften als das Wirklich-Andere zum Thema für thematisierendes Bewußtsein werden, das es etwa »von verschiedenen Seiten her« zum Thema macht. Doch niemals kann es dies dabei etwa auch zusätzlich noch seiner dritten Dimension nach werden, weil vielmehr gerade diese und nur diese seine dritte Dimension als seine Wirklichkeit es ist, was durch das Zweidimensionale oder Eindimensionale oder Nulldimensionale jener Eigenschaft an ihr zum Thema wird und auch nur dadurch

werden kann24.

Es bildet somit jedes solche Dreidimensionale jeweils auch gerade unaufhebbar eine Einheit einer innerlichen Zweiheit zwischen dieser dritten Dimension und diesem Zweidimensionalen oder Eindimensionalen oder Nulldimensionalen an ihr. In genauester Entsprechung dazu steht all dem denn auch nicht minder unaufhebbar die »Prädikation« als Einheit einer innerlichen Zweiheit gegenüber, nämlich als die »... ist ...«-Vereinigung des »Indikators« und des »Prädikators«. Hergeleitet ist auf diese Weise also nicht nur jene in sich einheitliche Zweiheit als »Kategorie« von »Ding und Eigenschaft« oder »Substanz und Akzidens«, sondern auch diese in

24 Als dieses Dreidimensionale an und für sich selbst, das dabei nicht auch zusätzlich noch seiner dritten Dimension nach gegenstandlich werden kann, läßt sich vielmehr zum ersten Mal formal konkretisieren, worauf Kant  mit dem  Gedanken  eines  »Dinges, - an  sich  selbst betrachtet« reflektiert: im Unterschied 7,11 ihm als der »Erscheinung« oder dem »Phänomenen« (vgl. G. Prauss 1974). Ein Ding, das stets nur perspektivisch — und das heißt: nie unter einer dreidimensionalen, sondern stets nur unter einer weniger als dreidimensionalen Eigenschaft — als etwas Wirklich-Anderes zu gewinnen ist, wie nunmehr als notwendig hergeleitet, ist darum auch stets nur als »Erscheinung« oder als »Phänomenen« etwas Empirisches (Wie diese Unterscheidung Kants auch noch in der Speziellen Relativitätstheorie Einsteins sich konkretisiert, dazu vgl. C. Eriche 2006). Ist es als solches aber erst einmal gewonnen, im Erfolgsfall, läßt sieh so ein Wirklich-Anderes über seine Gegenständlichkeit hinaus dann freilieh auch noch seiner bloßen Wirklichkeit nach vorstellen. Das heißt: Dann läßt sieh auch noch absehen von seiner Gegenständlichkeit als dieser seiner notwendigen Perspektivik, um es als ein Dreidimensionales eben nur noch seiner dritten Dimension nach nichtempirisch vorzustellen, von der bzw. dem dann aber eben keine Eigenschaft mehr »prädizierbar« sein kann. Wäre die Natur, wie Empiristen und naive Realisten meinen, nicht nur perspektivisch etwas Dreidimensionales, sondern auch unperspektivisch, und das heißt: auch »an sich seihst betrachtet« dreidimensional, was durchaus möglich, doch

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sich einheitliche Zweiheit noch als »Urtcilsform« von »Indikator«, »Kopula« und »Prädikator«. Und als Grundform, etwas zu behaupten, sprich, etwas als wirklich hinzustellen, führt ihr innerlicher Aufbau von thematisierendem Bewußtsein somit auch notwendig zum entsprechend innerlichen Aufbau von thematisiert Bewußtem. Als elementare und ursprüngliche ist diese »Urteilsform« denn auch nur eine einzige, der gegenüber alle ändern angeblichen »Urteilsformen« vielmehr nur noch Inhaltsformen, nämlich Formen dessen sind, was sich als wirklich hinstellen läßt"1. Und so gewiß eine »Prädikation« als ein Bewußtsein durch den »Prädikator« innerhalb von sich auch ein Bewußtsein einer Eigenschaft von etwas ist, so ist sie durch den »Indikator« innerhalb von sich doch insgesamt dann ein thematisierendes Bewußtsein erst und nur von demjenigen, das sie gleichsam durch die Eigenschaft hindurch als dreidimensional und so als wirklich hinstellt.

Ein thematisierendes Bewußtsein von etwas dadurch thematisiert Bewußtem tritt sonach auch erst und nur als das Bewußtsein und von dem Bewußten auf, das sich ergibt, indem im Anschluß an Vergegenständlichung von etwas Anderem intentional Verwirklichung von diesem Gegenständlich-Anderen erfolgt, die bei synthetisch-faktischem Erfolg auch Wirklichkeit desselben noch ergibt. Und das gilt eben erst und nur für das Objekt als Außenwelt, das als das »Wahrgenommene« dann das Bewußte für die »Wahrnehmung« als das Bewußtsein von ihm ist. Das heißt: Es gilt nicht im geringsten etwa auch und schon für das Subjekt als Innenwelt:

empirisch nicht erkennbar ist, dann schlösse sich wie folgt ein Kreis. Dann würde die Erkenntnis der Natur als dreidimensionaler, wenn auch nur noch perspektivisch, dadurch möglich, daß sich die Natur aus ihrer Drei-dimensionalität heraus zur Nulldimensionalität von jenem Punkt und seinen Selbstausdehnungen gleichsam verdichtete, durch deren dritte als die zweidimensionale jener zweiten Fläche er dann zum thematisierenden Bewußtsein einer Ausdehnung als einer dreidimensionalen wird. Erfolgreiche Verwirklichung dieser Natur durch das Bewußtsein der Erkenntnis von ihr wäre dann die Intention, die perspektivisch Dreidimensionales mit unperspektivischem gleichsam zur Deckung bringt. Läßt sieh doch auch nur so, nämlich synthetisch-vorwärts, der Gesamtzusammenhang von Zeit und Raum und deren Dimensionen als verschiedenen Ausdehnungen voll erklären. Dagegen muß all dies vom angeblich empirisch vorgegebenen dreidimensionalen Raum her analytisch-rückwärts (als Raum-»Schnitte«) bis zum Punkt der Zeit hin unerklärlich bleiben. 25 Vgl. G. Prauss 2000 a.

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weder im ganzen noch im einzelnen. Und dies obgleich es doch sowohl im ganzen wie im einzelnen dabei auch selbst bereits bewußt sein muß, das heißt, auf jeder der drei Stufen seiner inneren Struktur, ob nun bewußt im Sinn von jeweiligem Punkt als dem bewußt begleitenden oder bewußt im Sinn von jeweiliger Ausdehnung als der bewußt begleiteten. Schlechthin für nichts von alle-dem kann gelten, daß es hier thematisiert bewußt sein müßte oder auch nur könnte, weil dies vielmehr immer erst und immer nur auf Grund von alledem, was als Voraussetzung dafür gerade unthema-tisiert bewußt sein muß, das Objekt in der Außenwelt sein kann26.

Nur jene allerletzte Ausdehnung der dritten Dimension von etwas Dreidimensionalem nämlich kann dies sein, auch wenn sie dann als nicht mehr punktuelle Ausdehnung gerade eine sein muß, die der Punkt nur »außerhalb von sich« besitzt. Und zwar, weil dann auch solche Ausdehnung gerade noch soeben eine durch den Punkt als den bewußt begleitenden bewußt begleitete sein muß: durch den Punkt nämlich, der dann jenes Zweidimensionale usw. auch noch als zur Eigenschaft von ihr gewordenes und dadurch eben auch noch sie als dritte Dimension dazu bewußt begleiten muß. Denn daß er dies »gerade noch soeben« muß, bedeutet, daß aus Gründen seiner inneren Struktur es ein noch weitergehendes Bewußtsein von etwas noch weiterem Bewußten dieser Art nicht geben kann. Und so grundsätzlich kann dadurch thematisiert bewußt nur diese dritte Dimension des dreidimensionalen Objekts sein, daß nicht einmal die Eigenschaft an ihm als Ding, die doch mit ihm zusammen dann schon etwas Wirklich-Anderes sein muß, bereits thematisiert bewußt sein kann, sondern auch ihrerseits noch unthematisiert bewußt sein muß, weil immer erst und immer nur durch sie es selbst thematisiert bewußt sein kann.

26 Aus welchem Grund der Raum der wahrnehmbaren Außenwelt gerade dreidimensional sein muß, ist damit hergeleitet, während man dies wie Kant seihst (vgl. z.B. Bd. 11, S. 37) bis heute noch für unerklärlich hält. Mithergeleitet ist denn auch, aus welchem Grund vom ein- bis dreidimensionalen Raum einschließlich jeder Raum ein »anschaulicher« sein muß, während jeder mehr als dreidimensionale Raum kein »anschaulicher« sein kann, wie man dies zu unterscheiden pflegt. Schon so jedoch vernachlässigt man jenen Unterschied von ein- bis 7,wei- und dreidimensionalem Raum, da letzterer durchaus nicht in dem Sinn der beiden ersteren ein »anschaulicher« ist.

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e) Selbsterkenntnis als Problem

Hier aber gilt es nunmehr etwas nachzuholen, was wir bisher aufgeschoben haben. In formaler Hinsicht, die wir hier verfolgen, muß es zusätzlich zu jenem Zweidimensionalen usw. noch genau ein weiteres Formales geben, das dabei auch seinerseits noch in die Stellung einer Eigenschaft an etwas Dreidimensionalem tritt. Denn jene Eigenschaften sind als Oberflächen oder Oberlinien oder Oberpunkte eines Dreidimensionalen ja nur räumliche, weil auch noch jeder solche Punkt ja mindestens in dem Sinn räumlich ist, daß er ein Punkt in räumlicher Umgebung ist. Nur deshalb nämlich treten dabei solche Eigenschaften auf, weil jene zweite Fläche als ein Raum es ist, was sich dabei mit allen Linien oder Punkten innerhalb von ihm verwandelt zu den Oberflächen oder Oberlinien oder Oberpunkten als den Eigenschaften eines Dreidimensionalen.

Als der dieser Umwandlung zugrunde liegende ist dieser Raum jedoch ein Zeit-Raum, nämlich Nacheinander von Zugleich als stetig neuem. Folglich muß bei dieser seiner Umwandlung dann nicht nur er, sondern auch diese seine Zeit noch umgewandelt werden: nicht allein dieses Zugleich, sondern mit ihm auch dieses Nacheinander von Zugleich noch. Also muß dabei mit solchem Raum und seiner inneren Gliederung zusammen dann auch dessen oder deren Nacheinander noch zu einer Eigenschaft an diesem Dreidimensionalen werden: eben zu der objektiven Zeit eines Objekts, der gegenüber sich dann jene Zeit als bloße subjektive unterscheiden muß. Nur heißt das freilich nicht, daß solche Zeit als Eigenschaft dann auch sogleich wie eine räumliche an diesem Objekt sichtbar werden müßte. Als bloß zeitliche bleibt sie an ihm vielmehr gerade unsichtbar, weil sie als Eigenschaft an ihm ja weder einen Oberpunkt noch eine Oberlinie oder eine Oberfläche an ihm bilden kann.

Das sehen Sie zum Beispiel daran: Die Naturwissenschaft muß gerade deshalb, weil das zutrifft, diese objektive Zeit eines Objekts als eine eindimensionale Linie künstlich-fälschlich sichtbar machen, um sie als die Eigenschaft eines Objekts behandelbar zu machen. Künstlich-fälschlich aber ist das, weil sie ein Zugleich wie eine eindimensionale Linie gar nicht ist, sondern als Nacheinander eben nur ein nulldimensionaler Punkt. Als dieser aber kann sie nicht

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einmal gleich einem Raumpunkt wie ein Oberpunkt von einem dreidimensionalen Objekt sichtbar werden. Vielmehr kann die objektive Zeit das erst und nur, wenn sie als diese Eigenschaft von einem Objekt, die als eine unsichtbare eine bloße, leere Form von ihm ist, auch noch irgendeinen eigenen Inhalt in sich aufnimmt, so daß sie dadurch auch noch zu einer inhaltlichen Eigenschaft von ihm wird statt nur zu einer formalen. Wie zu jedem Inhalt innerhalb von dieser oder jener Form kann es dann aber auch zu solchem Inhalt nur in faktisch-kontingenter Weise kommen: nur indem durch seine Selbstverwirklichung ein Subjekt einen Inhalt faktisch-kontingent in diese seine Selbstverwirklichung hinein sich selber zuzieht. Und genau an dieser Stelle gilt es etwas bisher Aufgeschobenes nachzuholen.

Zu einem Inhalt innerhalb von Raumform nämlich kann es beispielsweise dadurch kommen, daß sich ein Subjekt in Form von jener zweiten Fläche eine Rotbestimmtheit zuzieht oder auch in Form von einer Linie innerhalb von dieser Fläche eine Rundbestimmtheit oder auch in Form von einem Punkt in ihr eine entsprechende Bestimmtheit. Da es sich bei all dem aber grundsätzlich um etwas innerhalb von Raum als ZezY-Raum handelt, der als jene punktuelle Ausdehnung mit jenem Punkt zusammen etwas stetig Neues ist, kann die Bestimmtheit von all dem nur unter folgender Bedingung sich ergeben. Nur wenn dabei jedes einzelne davon auf solchen Punkt bezogen je und je in dem Sinn auftritt, daß es aufzutreten nicht etwa gerade anfängt oder auch gerade aufhört, tritt es dabei als etwas Bestimmtes auf. Denn wenn dabei das Auftreten von Rotbestimmtheit beispielsweise aufhört und das Auftreten von Grünbestimmtheit beispielsweise anfängt, oder umgekehrt, dann tritt dabei auf solchen Punkt bezogen je und je gerade nicht etwas Bestimmtes auf. Dann tritt vielmehr stattdessen etwas Unbestimmtes auf, das in der Grundform von Bestimmtheit etwas Widersprüchliches wie »rot und nichtrot« oder »grün und nichtgrün« ausmacht, und entsprechend auch in allen ändern solchen Fällen.

Denn das Aufhören des Auftretens von »rot« ist in der Tat dasselbe wie das Anfangen des Auftretens von »nichtrot«, oder umgekehrt. Es ist mithin dem Inhalt nach tatsächlich etwas Widersprüchliches und dadurch etwas Unbestimmtes in der Grundform von Bestimmtheit, das etwas Bestimmtes dabei prinzipiell nicht

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sein kann. Muß doch auch der Punkt des Aufhörens von etwas und des Anfängern von etwas anderem, und umgekehrt, in jedem solchen Fall derselbe Punkt sein. Demgemäß muß auch das Aufhören von etwas und das Anfangen von etwas anderem im Fall der Zeit als Punkt dasselbe sein und somit auch im Fall derpunktuellen Ausdehnung von Raum als Zeit-Raum. Deshalb tritt dabei sowohl als »Anschauung« wie als »Begriff« ein in sich widersprüchlicher Gehalt auf und mithin auch ein entsprechend widersprüchliches Bewußtsein von ihm.

Dieses Unbestimmte eines widersprüchlichen Gehalts und eines widersprüchlichen Bewußtseins von ihm kann darum etwas Bestimmtes, das es dabei prinzipiell nicht sein kann, prinzipiell nur werden. Erst und nur auf jener dritten Stufe nämlich kann dieses auf jener zweiten Stufe Widersprüchliche und dadurch Unbestimmte zu etwas Bestimmtem werden. Denn das kann es erst und nur, wenn es sich dann genauso faktisch-kontingent, wie es zunächst nur unbestimmt, weil widersprüchlich auftritt, in die objektive Zeit eines Objekts hinein auch noch verteilt, wodurch es denn auch noch bestimmt, weil widerspruchsfrei auftritt. Denn die Einheit eines widersprüchlichen Gehalts wird dadurch dann zu einer Einheit zweier widerspruchsfreier Gehalte, weil sich dadurch das zunächst aufeinmal auftretende »rot und nichtrot« beispielsweise in das Nacheinander von »erst rot dann nichtrot«, oder umgekehrt, verteilt und so zerlegt in eine neue Einheit von Gehalt. Und diese neue Einheit ist denn auch gerade die von einem Minimalgehalt eines Bewegungsfalls im allgemeinsten Sinn des Wortes, in Bezug worauf dann jeder andere als solche Fall, wie der bisher allein behandelte, ein Ruhefall ist. Denn in objektiver Zeit auf dieser dritten Stufe sind ja ständig beide Fälle gleicherweise möglich, so daß auch für »Wahrnehmung« als das Bewußtsein davon ständig gleicherweise ein Bewegungs- wie ein Ruhefall zum »Wahrgenommenen« als dem Bewußten werden kann.

Als etwas wirklich Objektives in der objektiven Zeit kann ein Bewegungsfall dies aber eben immer erst und immer nur sein, wenn er Fall einer Bewegung von Gehalten ist, von denen jeder grundsätzlich als räumlicher bestimmt ist, also eine Oberfläche oder eine Oberlinie oder einen Oberpunkt an etwas Dreidimensionalem bildet. Denn auch immer erst und immer nur mit solchem Raum zusammen kann die Zeit als Nacheinander der Bewe-

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gung von Gehalten selber etwas wirklich Objektives sein, jedoch durchaus nicht etwa immer schon und immer auch von sich her. Trotzdem kann sie als die objektive Zeit nicht etwa das Ergebnis einer weiteren und zusätzlichen Selbstausdehnung jenes Punktes sein. Denn über dessen letzte Selbstausdehnung zu der dritten Dimension von Raum hinaus kann es ja nicht noch eine weitere und zusätzliche Selbstausdehnung von ihm geben. Vielmehr kann die objektive Zeit nur ein Ergebnis sein, das sich mit dieser Ausdehnung der dritten Dimension des Raumes als eines Objekts noch mitergeben muß. Und nur mit solcher Objektivität von dreidimensionalem Raum zusammen ist denn auch gerade noch soeben eine Objektivität von Zeit und von Bewegung als der Eigenschaft von einem Objekt möglich und entsprechend auch gerade noch soeben eine »Wahrnehmung« als Fremdbewußtsein davon.

Von sich selbst her ist und bleibt dagegen so etwas wie Zeit oder Bewegung reine Subjektivität, weil sie die Zeit als Nacheinander der Bewegung jener Selbstausdehnung eines Punktes ist und bleibt, der jeweils ein Subjekt als Selbstbewußtsein davon bildet. Dementgegen ist das Fremdbewußtsein jener »Wahrnehmung« nicht nur von einem Ruhe-, sondern auch noch von einem Bewegungsfall gerade das Bewußtsein der intentionalen Fremdverwirklichung von einem räumlich-dreidimensionalen Objekt, das allein dadurch thematisiert bewußt wird: ob nun als Bewegungs- oder Ruhefall. Dagegen ist das Selbstbewußtsein als das reine Zeitbewußtsein des Subjekts gerade das Bewußtsein jener Selbstausdehnung als der Selbstverwirklichung dieses Subjekts. Und das hat dabei schon ein Vollbewußtsein von sich selbst als etwas Vollbewußtem, doch noch kein thematisierendes Bewußtsein von sich selbst, und ist denn auch noch kein thematisiert Bewußtes für sich selbst. Ist es doch ein thematisierendes Bewußtsein dabei nur von etwas Anderem als von sich selbst und so gerade auch nur durch sich selbst als etwas unthematisiert Bewußtes.

Dies jedoch hat dann auch Folgen für den Sinn von Ruhe oder von Bewegung, den allein ein solches Subjekt mit einem Bewegungs- oder Ruhefall verbinden kann, sobald es ihn zum »Wahrgenommenen« für eine »Wahrnehmung« gewinnt und somit zu etwas thematisiert Bewußtem. Denn ein Fall von Ruhe oder von Bewegung, wie sie auf der dritten Stufe gleicherweise möglich

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sind, ist jeder solche Fall dann auch gerade nur im Sinn von Ruhe in der objektiven Zeit und von Bewegung in der objektiven Zeit. Doch objektive kann sie eben nur als die im vorgenannten Sinn objektivierte subjektive Zeit sein, die objektiviert wird in dem Sinn, daß sie auf Räumlich-Dreidimensionales projiziert wird. Folglich kann ein Sinn von objektiver Zeit der Ruhe oder der Bewegung eines Objekts sich für ein Subjekt auch nur aus seiner subjektiven Zeit heraus ergeben und mithin auch nur aus seinem Selbstbewußtsein als dem Zeitbewußtsein von ihr, das ja das Bewußtsein seiner Selbstverwirklichung zur Wirklichkeit von Zeit ist.

Was das nach sich ziehen muß, wird Ihnen einsichtig, wenn Sie sich erst einmal verdeutlichen, daß dies allein schon für die objektive Wirklichkeit als solche selbst gilt: Schon allein, daß ein Subjekt als in sich vollständige Intention ursprünglich dahin geht, etwas zu urteilen oder zu behaupten, nämlich etwas Anderes als sich als wirklich hinzustellen, läßt sich nur aus diesem Subjekt selbst heraus erklären. Nur daran nämlich kann das liegen, daß es ein Bewußtsein und mithin auch einen Sinn von Wirklichkeit aus seinem Selbstbewußtsein seiner Selbstverwirklichung zur Wirklichkeit der Zeit schon immer mitbringt, während ein Subjekt sich ein Bewußtsein und mithin auch einen Sinn von irgendeinem Inhalt solcher Wirklichkeit durch seine Selbstverwirklichung zu ihr erst immer zuzieht. Demgemäß gilt das für diese Wirklichkeit von solcher Zeit dann auch noch insbesondere, wenn sie auch noch zur Wirklichkeit von objektiver Zeit der Ruhe oder der Bewegung eines Objekts wird, was sie ja werden muß.

Was so ein Subjekt auf ein Objekt projizieren muß, so daß für das Bewußtsein dieses Subjekts ein Objekt auch noch den Sinn eines Bewegungs- oder Ruhefalls in objektiver Zeit gewinnen muß, ist somit subjektive Zeit in dem Sinn und in dem Bewußtsein, wie ein Subjekt beides nur aus seinem Selbstbewußtsein von sich selbst her haben kann: im Sinn und im Bewußtsein von sich selbst als der Bewegung eines Intendierens. Nur es selbst als die Bewegung einer auf der dritten Stufe in sich vollständigen Absicht oder Intention kann dasjenige sein, was ein Subjekt auf ein Objekt als Fall von Ruhe oder von Bewegung in der objektiven Zeit dann projizieren muß. Infolgedessen kann ihm ein Objekt von vornherein nur als ein anderes Subjekt gelten, das in objektiver Zeit nur deshalb in Bewegung oder Ruhe sei bzw. komme, weil es gleich-

972

falls aus Absichtlichkeit oder Intentionalität heraus in objektiver Zeit auftrete.

Dies jedoch gerade ohne daß sich dieses derart projizierende Subjekt dabei bereits thematisch werden könnte, weil ihm dabei ja ausschließlich ein Objekt thematisch werden kann und somit auch gerade als ein anderes Subjekt thematisch werden muß. Entsprechend ist jetzt als notwendig hergeleitet, daß ein solches Subjekt ein Objekt als etwas Wirklich-Anderes ursprünglich nur im Sinn und im Bewußtsein jenes generellen ursprünglichen Animismus vor sich haben kann. Denn dieser notwendige Animismus ist ja nur die zusätzliche Perspektivik solcher Zeit, die mit der Perspektivik jenes Raumes notwendig einhergehen muß: Wie etwas Dreidimensionales nur unter der Räumlichkeit von dieser oder jener Eigenschaft ein Wirklich-Anderes für das Bewußtsein einer »Wahrnehmung« von ihm sein kann, so gilt dann ferner, daß es dies auch nur unter der Zeitlichkeit von dieser oder jener Eigenschaft einer Bewegung oder Ruhe eines wirklich-anderen Subjekts für das Bewußtsein solcher »Wahrnehmung« von ihm sein kann.

Als notwendig ist damit dann jedoch des weiteren hergeleitet, daß auch die Kausalität der Ruhe oder der Bewegung eines Wirklich-Anderen für ein Subjekt ursprünglich nur die der Intentionalität oder Absichtlichkeit von einem wirklich-anderen Subjekt sein kann: die Kausalität einer Spontaneität und Freiheit, die von selbst oder aus sich heraus etwas in Ruhe oder in Bewegung setzt bzw. hält. Und in der Tat: Als diese Spontaneität und Freiheit der Kausalität ist die Intentionalität oder Absichtlichkeit eines Subjekts auf dieser dritten Stufe nicht nur vollständig, sondern im Rahmen seines Selbstbewußtseins diesem Subjekt auch schon vollständig bewußt. Denn gegen jegliche Bestimmtheit, der ein Subjekt als »Begriff« und »Anschauung« erst einmal notwendigerweise unterliegen mag, vermag es sich aus dieser Spontaneität und Freiheit seiner Absicht oder Intention heraus als diese selbst auf dritter Stufe auch noch zu berichtigen, wenn es im Rahmen seines Selbstbewußtseins davon einen Anlaß dazu findet, weil es darin eines Fehlschlags sich bewußt wird27.

Insgesamt heißt dies dann aber: Die Kausalität, die aus der dreistufigen inneren Struktur dieses Subjekts heraus als eine Aprio-

27 Vgl. dazu oben § 14.

973

rität für das hervorgehen muß, was ein Objekt für ein Subjekt sein kann, wie Kant vertritt, kann dann auch keine andere als die Kausalität der Spontaneität und Freiheit dieses Animismus sein: die des Verhältnisses von Ursache und Wirkung innerhalb von einem und demselben Objekt als dem anderen Subjekt. Und weiterhin bedeutet dies: Dann kann auch jede andere Kausalität als diese erst und nur aus einem weiteren und zusätzlichen Grund heraus hervorgehen, der jedoch auf irgendeine Weise ebenfalls aus dieser dreistufigen inneren Struktur heraus entspringen muß, wenn anders daraus auch noch jede andere Kausalität als eine Apriorität für das hervorgehen muß, was ein Objekt für ein Subjekt sein kann. Und dieser weitere und zusätzliche Grund dafür kann eben, wie Sie wissen, nur die zusätzliche Selbsterkenntnis durch die zusätzliche Selbstthematisierung dieses Subjekts sein, die über dessen bloßes Selbstbewußtsein grundsätzlich hinausgeht, weil es nur ein nichtthematisierendes Bewußtsein dieses Subjekts von sich selbst als etwas unthematisiert Bewußtem ist28. Und wie auch diese noch aus dessen dreistufiger innerer Struktur sollte hervorgehen können, ist darum erst jetzt in vollem Umfang als Problem gewonnen, da es ja ausschließlich jene Fremdthematisierung als die Fremderkenntnis eines Objekts ist, was aus der dreistufigen inneren Struktur dieses Subjekts hervorgehen kann.

Bevor wir darauf eingehen, sollten wir daher zunächst zu Ende führen, was das Bisherige bereits zur Folge hat. Ergeben hatte sich, daß jede andere als die spontane oder freiheitliche Kausalität nur auf diesen weiteren und zusätzlichen Grund zurückgehen kann. Das gilt dann aber insbesondere für die Kausalität eines Verhältnisses von Ursache und Wirkung zwischen zueinander anderen Objekten, die wir so, als sei das selbstverständlich, für die einzige und eigentliche halten: so wie Kant mit Newton und der mathematischen Physik der Neuzeit. Daß als Apriorität jedoch gerade solche Kausalität nicht nur alles andere als selbstverständlich, sondern auch sogar noch eigens zu begründen ist, darüber war sich Kant nicht im entferntesten im klaren, weil er seinen Ansatz dazu nicht voll durchgeführt hat. Als Ergebnis unserer Herleitung ist dies denn auch von einiger Bedeutung, da die mathematische Physik inzwischen selbst die apriori-allgemeine Gültigkeit solcher

28 Vgl dazu oben §21.

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Kausalität bezweifelt: mindest für den mikrophysikalischen Bereich, auf dem jedoch der makrophysikalische beruht, nicht etwa umgekehrt. Und dies hängt wesentlich damit zusammen, daß hier auch die apriori-allgemeine Gültigkeit der Substanzialität als der zeitüberdauernden Beharrlichkeit eines empirischen Objekts nun zweifelhaft geworden ist. Umso bedeutsamer ist dann jedoch: Als wirklich hergeleitete ergibt die Apriorität für Substanzialität eines empirischen Objekts als Wirklichkeit ein gänzlich anderes Kriterium als die zeitüberdauernde Beharrlichkeit desselben, nämlich seine Dreidimensionalität. Denn das hat auch noch Folgen für Kausalität als die von zueinander anderen Objekten, weil sie mit der Substanzialität als der Beharrlichkeit solcher Objekte wesentlich zusammenhängt.

Von vornherein beachten sollten Sie daher, daß wir einen Bewegungsfall in objektiver Zeit, auf den bezogen jeder andere als solche Fall ein Ruhefall ist, nur »im allgemeinsten Sinn des Wortes« hergeleitet haben29, weil er auch tatsächlich nur in dem Sinn herzuleiten ist. Dies festzuhalten nämlich führt dann zu der weiteren Einsicht, worin jener ursprüngliche generelle Animismus jenes Subjekts eigentlich bestehen muß, der sich im Zuge jener Projektion von subjektiver Zeit zu objektiver Zeit ergeben muß. Denn wesentlich besteht er danach darin, daß ein solches Subjekt jeden Fall einer Bewegung in der Zeit als objektiver, dessen Minimalgehalt das Nacheinander von so etwas wie »erst rot dann nichtrot« sein muß, apriori als den Fall einer Veränderung beurteilen muß. Kann es ihn doch auch nur als einen Fall von Ursache und Wirkung innerhalb von einem und demselben Objekt auffassen. Und das muß darum diesen Wechsel eines Minimalgehalts als einen Wechsel mindest zweier Eigenschaften an sich als etwas Beharrlichem und damit Substanziellem überdauern und im Ruhefall entsprechend unverändert bleiben. Daß Bewegung somit nur Veränderung von einem und demselben Substanziellen als Beharrlichem sein kann, ist deshalb auch geradezu ein Wesensmerkmal dieses ursprünglichen generellen Animismus.

Freilich könnte Ihnen dies als zweifelhaft erscheinen, wenn Sie -durchaus richtig - überlegen, daß ja keineswegs auch noch das Umgekehrte gelte. Denn ein Animismus schließe zwar Bewegung

29 Vgl. üben S. 969.

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als Veränderung von einem und demselben ein. Doch schließe keineswegs auch umgekehrt Bewegung als Veränderung von einem und demselben einen Animismus ein. Bewegung als Veränderung von einem und demselben müsse nämlich keineswegs aus diesem Selbigen heraus verursacht sein; stattdessen könne sie doch auch aus etwas Anderem als diesem Selbigen heraus verursacht sein. — Nur wäre damit zwar schon eine andere als diese ani-mistische Kausalität vorausgesetzt, wonach dann die Bewegung oder die Veränderung als Wirkung keine animistische mehr wäre. Dies jedoch nur trivialerweise, weil nur nach Voraussetzung. Die Ursache dagegen müßte als bewegende dann ihrerseits wieder Bewegung als Veränderung von einem und demselben sein. Entsprechend müßte dann für diese Ursache der Animismus entweder erhalten bleiben oder könnte abermals nur durch Voraussetzung einer Verursachung aus etwas Anderem als diesem Selbigen heraus vermieden werden usw. Dadurch aber wäre dieser Animismus gar nicht eigentlich vermieden, weil er dadurch vielmehr immer wieder neuergehen müßte und daher auch immer wieder nur ins poten-ziell Unendliche hinausgeschoben werden könnte.

Also nicht einmal die mathematische Physik der Neuzeit, die doch spätestens seit Newton nur noch auf Kausalität als diejenige zwischen zueinander anderen Objekten setzt, hat diesen Animismus wirklich überwunden. Deshalb ist es auch kein Zufall, daß der einzige, nämlich der kantische Versuch, sie auch noch zu begründen, mit dem Wesensmerkmal dieses Animismus steht und fällt: mit der Bewegung der Veränderung von einem und demselben Substanziellen als etwas Beharrlichem in objektiver Zeit. Hat Kant für die notwendige und allgemeine Gültigkeit dieser Kausalität doch letztlich nur die einzige Begründung, daß die Substanzialität als die Beharrlichkeit eines Objekts im Fall einer Bewegung nur noch durch die zusätzliche Kausalität zu verbürgen sei: Als die Veränderung von einem und demselben substanziell-beharrlichen Objekt lasse Bewegung sich nur dann gewährleisten, wenn sie sich auch als eine durch ein anderes Objekt verursachte begreifen lasse. Nur aus dem Zusammenhang mit diesem anderen Objekt als Ursache heraus ergebe sich ein Grund dafür, solche Bewegung überhaupt für etwas in der Außenwelt zu halten, sprich: für etwas Objektives in der objektiven Zeit. Solche Bewegung könne nämlich ohne diesen Grund doch auch genausogut bloß etwas Sub-

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jektives in der subjektiven Zeit sein, sprich, bloß etwas in der Innenwelt eines Subjekts'". Und so ist die Kausalität denn auch zuletzt nur als die Rettung für die Substanzialität im Fall einer Bewegung hergeleitet.

Als Begründung aber steht und fällt dies eben mit der ani-mistischen Voraussetzung: Eine Bewegung müsse in der objektiven Zeit eine Veränderung sein, die als Wechsel von Gehalten als den Eigenschaften eines und desselben Substanziellen sich ereigne, das als etwas Selbiges m objektiver Zeit etwas Beharrliches sein müsse. Dies jedoch trifft gar nicht zu, weil es in objektiver Zeit durchaus Bewegung geben kann, die nicht Veränderung in objektiver Zeit sein muß, ja die das gar nicht sein kann, wie etwa die Teilung oder die Vereinigung von etwas. Eine Teilung von etwas ist nämlich keineswegs eine Veränderung von diesem Etwas. Denn bei einer Teilung, die aus einem Etwas mehr als eines macht, beharrt ja dieses eine Etwas keineswegs, sondern verschwindet". Aber auch eine Vereinigung von etwas ist durchaus keine Veränderung von diesem Etwas. Denn auch bei einer Vereinigung von etwas, die aus mehr als einem Etwas eines macht, beharrt ja dieses mehr als eine Etwas keineswegs, sondern verschwindet. Seinem eigenen Ansatz nach vermöchte Kant mithin für solche Fälle von Bewegung eine Kausalität zwischen zueinander anderen Objekten gar nicht herzuleiten, weil er sie danach ja nur zur Sicherstellung von Bewegung als Veränderung von einem und demselben Substanziellen als Beharrlichem gewinnen kann. Er könnte deshalb solche Fälle von Bewegung strenggenommen nur als unverursacht stehenlassen, so daß diese Fälle seinen Ansatz widerlegen würden, weshalb er sie auch nicht zufällig so gut wie ausläßt32.

Umso wichtiger denn auch, was sich aus unserer Herleitung noch mitergibt, daß nämlich all dies gar nicht herleitbar sein kann,

30    Vgl. dazu G. Prauss L999, S. 160ff.

31        Dabei sollten  Sie beachten, daß das Teilen  eines Ganzen und das
Trennen seiner Teile zwar zu unterscheiden sind, jedoch nur geometrisch,
während physisch mit dem Teilen eines Ganzen immer auch das Trennen
seiner Teile miteinhergehen dürfte. Umgekehrt gilt das Entsprechende für
das Vereinigen von etwas.

32   Vgl. den dafür höchst aufschlußreichen Text in B 232f. Wie wenig er
bisher verstanden ist, bezeugt etwa die unsinnige zweite Konjektur von
Valentiner, die man meines Wissens noch nicht kritisiert hat: An der Stelle,

 

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Selbstbewußtsein als Bewußtsein unserer Fremderkenntnis

will sagen: nicht erst solche Kausalität als die zwischen zueinander anderen Objekten, sondern auch schon solche Substanzialität, die als Beharrlichkeit solcher Objekte das Kriterium für sie als etwas Wirklich-Anderes der Außenwelt sein soll. Was als dieses Kriterium hergeleitet werden kann, ist vielmehr nur die Dreidimcnsio-nalität der Substanzialität von etwas Wirklich-Anderem der Außenwelt, das unter null- bis höchstens zweidimensionalen Eigenschaften auftritt. Solches Dreidimensionale muß infolgedessen keineswegs beharren, um tatsächlich etwas Wirklich-Anderes der Außenwelt zu sein, kann vielmehr als ein Dreidimensionales auch entstehen und vergehen: unter welcher Eigenschaft auch immer. So vermag es dies zum Beispiel durch die Teilung oder die Vereinigung von etwas Dreidimensionalem, so daß auch die Eigenschaften, unter denen es entsteht oder vergeht, mit ihm entstehen und mit ihm vergehen.

Demgemäß muß wirklich-andere Bewegung in der objektiven Zeit durchaus nicht notwendigerweise in Veränderung von jeweils einem und demselben Substanziellen als Beharrlichem bestehen. Als was sie notwendigerweise vor sich gehen muß, ist vielmehr nur so etwas wie jene Bewegung von »erst rot dann nichtrot« in der objektiven Zeit, weil auch nur diese apriori herzuleiten ist. Über die Art der damit vor sich gehenden Bewegung aber schließt so etwas wie »erst rot dann nichtrot« eben schlechterdings nichts ein. - So kann sie zwar durchaus eine Veränderung von einem und demselben Dreidimensionalen sein, an welchem jeweils null- bis zwei-dimensionale Eigenschaften wechseln. — So kann sie jedoch genausogut auch bloße Ablösung von einem Dreidimensionalen durch ein anderes Dreidimensionales sein, indem zum Beispiel an die Stelle eines roten Dreidimensionalen ein nichtrotes tritt, was keineswegs eine Veränderung von etwas Selbigem als etwas Rotem zu etwas Nichtrotem ist. - So aber kann jene Bewegung auch Entstehen und Vergehen eines Dreidimensionalen sein, wie es sie etwa als das Teilen und Vereinigen von etwas Dreidimensionalem gibt. - So nämlich kann sie im Extremfall auch sogar eine Bewe-

mit der Valentiner seine Schwierigkeiten hat, wird Kant von eben dieser Möglichkeit eines Entstehens und Vergehens von Substanz, belegt z.B. durch Vereinigen und Teilen von Substanz, geradezu verfolgt, doch ohne daß er etwas mit ihr anzufangen wüßte.

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Selbstbewußtsein als verschiedene Bewußtsemsarten

gung eines jeweiligen Auf- wie Abtretens von etwas in der objektiven Zeit als Punkt anstatt als Spanne sein33, woran Sie noch einmal das Künstlich-Fälschliche der Auffassung von Zeit als Linie sehen können. Schließlich ist doch nicht bloß jeder solche Fall einer Bewegung, sondern dementsprechend auch noch jeder Fall von Ruhe nur empirisch zu entscheiden. Daß es sich dabei in jedem Fall um etwas in der Außenwelt als Wirklich-Anderes handelt, ist denn auch gesichert, wenn es sich dabei um etwas Dreidimensionales oder null- bis zweidimensionale Eigenschaften eines Dreidimensionalen handelt34.

Dementsprechend kann auch keine Rede davon sein, derglei-

33     Vgl. z.B. C. Friehe 2001, S. 159ff., S. 281ff.

34    Das ist auch noch für die Quantentheorie von einiger Bedeutung, weil
man zu betonen pflegt, die für sie grundlegende Wellengleichung Schrö-
dingers besitze keine eigentliche Wirklichkeitsbedeutung. Vielmehr bringe
diese Grundgleichung nur die statistische Wahrscheinlichkeitsverteilung
für ein Auftreten von diesem oder jenem Wirklichen zum Ausdruck, lasse
aber jede weitergehende Aussage darüber offen. Dies jedoch kann schwer
lich richtig sein. Denn diese Gleichung muß gerade in der voll konkreten
Form, in der sie die Wahrscheinlichkeit für Meßergebnisse zum Ausdruck
bringt, für sie auch diesen dreidimensionalen Raum enthalten, und der ist
eben Kriterium für objektive Wirklichkeit. Dem kann als Einwand denn
auch nicht entgegenstehen, diese drei Dimensionen, oder auch nur deren
dritte, seien so etwas wie die berüchtigten und abzulehnenden »verborge
nen Parameter«, weil das in diesem Fall mit Sicherheit nicht zutrifft. Was
man hier verkennt, ist nichts geringeres als die Wirklichkeitsbedeutung
eben dieses dreidimensionalen Raumes. Auch nur daran liegt es nämlich,
daß man meint, in vielen Fällen habe man es hier im mikrophysikalischen
Bereich nur noch zu tun mit »Akzidenzen« oder »Eigenschaften«, aber
nicht mehr mit »Substanzen« oder »Dingen«, nämlich nur noch mit dem
dafür wiederholt zitierten »Grinsen ohne Katze«. Diesen Eindruck immer
noch zu haben, heißt indes, noch immer der Substanz im falschen Sinn zu
huldigen. Denn so gewiß man es dabei mit dreidimensionalem Raum zu
tun hat, so gewiß hat man dabei das »Grinsen« auch mit »Katze«: Kann die
dritte Dimension  doch prinzipiell  nicht auch noch für sich  selbst ein
eigenes »Grinsen« zeigen, von dem ihre Objektivität und Substanzialität
daher auch prinzipiell nicht abhängig sein kann. Man wird sich vielmehr
überlegen müssen, ob nicht vieles, was man dabei immer noch für »Kat
zen« hält, recht eigentlich ein »Grinsen« ist, z.u dem zuletzt das Universum
insgesamt die »Katze« ist. Denn das Verhältnis zwischen ihm als etwas
Dreidimensionalem und den null- bis zweidimensionalen »Zügen« als dem
»Grinsen« dieses dreidimensionalen Universums dürfte unaufhebbar sein:
auch dann, wenn solches »Grinsen« als gerade vor sich gehendes ein
»Grinsen« in Bewegung ist. Vgl. dazu oben S. 915, Anm. 11.

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eben müsse allgemein und notwendig einer Kausalität gehorchen, die als eine zwischen zueinander anderen Objekten für die Sicherstellung von Bewegung der Veränderung solcher Objekte als beharrlicher Substanzen herzuleiten wäre. Und tatsächlich hat die mathematische Physik inzwischen die notwendige und allgemeine Gültigkeit von Substanzialität als der Beharrlichkeit von etwas ebenso zurückgenommen wie auch die von Kausalität zwischen zueinander anderen Objekten als beharrlichen Substanzen. Denn entgegen jedem Mechanismus und Determinismus muß die mathematische Physik im mikrophysikalischen Bereich auf Schritt und Tritt »spontanes« Auftreten von etwas anerkennen. Dieses aber ist darum nicht weniger etwas Empirisches und Wirklich-Anderes der Außenwelt, sofern nur immer gilt, daß es auch etwas Dreidimensionales oder eine null- bis zweidimensionale Eigenschaft von etwas Dreidimensionalem ist. Daß all dergleichen auch »spontan« entstehen und bestehen oder auch vergehen kann, bedeutet nämlich nichts geringeres als daß es dies auch unverursacht kann, das heißt: auch ohne Fremdeinwirkung oder ohne äußere Ursache, wie Physiker dies selber formulieren3^. Damit aber ist Kausalität nur als die zwischen zueinander Wirklich-Anderem negiert, nicht auch noch als die innerhalb von einem und demselben, die vielmehr für dieses bloße Negative das entsprechend Positive bietet. Und tatsächlich ist inzwischen die Naturwissenschaft selbst auf bestem Weg, in der Natur Strukturen von der Art und Weise zu entdecken, die bisher nur die Ontologie als die Naturphilosophie entdeckt hat.

So zum Beispiel die Struktur, die wir als jene dreistufige Selbstausdehnung eines Punktes zu entfalten hatten. Diese nämlich läßt sich aus der Rückschau nur als das Sich-Äußern eines Inneren in selbsterzeugtes Äußeres hinein verstehen, wozwischen keine Differenz von Wirklich-Anderem zu Wirklich-Anderem bestehen kann, von denen jedes etwas eigenes Dreidimensionales wäre. Denn dazwischen kann es Differenzen vielmehr nur von der Art geben, wie sie zwischen einem Dreidimensionalen und dem Zweidimensionalen oder Eindimensionalen oder Nulldimensionalen innerhalb von ihm bestehen. Und das sind eben Strukturen, wie sie jeweils

35 Vgl. z.B. P. Waloschek 1998, s.v. »spontan«; dazu auch C. Friebe 2001, S. 283.

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etwas in sich Einheitliches oder Ganzheitliches bilden. Als dergleichen aber tritt, wie mittlerweile die Naturwissenschaft selber einsieht, die Natur bereits als Objekt auf, nicht erst als Subjekt, so daß sie darin als strukturell Vergleichbares hervortritt, das sich wechselseitig stützt.

Einem Geschehen, das von solcher innerer Struktur ist, liegt dann aber auch eine Kausalität zugrunde, die gerade keine zwischen zueinander Wirklich-Anderem ist. So etwa, wenn die Wirkung einer Ursache in einem und demselben Augenblick über beliebige Entfernung hin erfolgt, als ob sie weder eine Zeitspanne noch eine Raumstrecke durchliefe, sondern innerhalb von einer und derselben Einheit oder Ganzheit sich vollzöge, wie im EPR-Geschehen. Unsere Selbstausdehnung aber ist tatsächlich ein vergleichbares Geschehen. Denn wozu auch immer sie im Zuge ihrer Dreistufigkeit führen mag, so kann von ihr doch in der Tat nicht gelten, daß sie etwa eine Zeitspanne bzw. eine Raumstrecke durchliefe; und zwar einfach deshalb nicht, weil Zeit und Raum vielmehr als jeweilige Stufen in ihr allererst entspringen und mithin auch allererst von daher für die Bildung einer Spanne oder Strecke eines Raumes oder einer Zeit verfügbar werden. Daß in der Natur dergleichen vorkommt, stützt sich somit wechselseitig.

Doch vergleichbar ist dergleichen auch noch weiter. Denn bei beidem handelt es sich zwar um ein Kausalgeschehen, doch bei keinem um ein solches im Normalsinn. So ist solcherart Geschehen denn auch schon auf Seiten des Objekts kein Fall von Kausalität zwischen zueinander Wirklich-Anderem, wodurch eine Information vermittelt würde. Damit aber läßt sich unsere Selbstausdehnung abermals genau vergleichen. Denn auch jede einzelne Struktur im Zuge ihrer inneren Dreistufigkeit muß als Wirkung dieser Selbstausdehnung gelten, und gleichwohl kann vor Vollendung ihrer dritten Stufe keine von diesen Strukturen schon eine Information vermitteln. Ist die Minimalstruktur einer Information doch das Elementare von Behauptung oder Urteil, das erst auf der dritten Stufe auftritt.

Insgesamt ergibt sich somit folgendes: Als Apriorität tatsächlich herzuleiten ist Kausalität, wie sie in all diesem Kausalgeschehen auftritt, nur im Grundsinn animistischer Kausalität. Kein Zufall ist es deshalb, daß sogar auch der Kausalität von Wirklich-Anderem zu Wirklich-Anderem, die danach ja nur eine Art im Unterschied

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zu ändern ist, der Grundsinn dieses Animismus immer noch zugrunde liegt, wie sich bereits ergeben hat'6. Genau in diesem Grundsinn ist Kausalität als die von einer »Kraft« für die Naturwissenschaft denn auch schon seit jeher und bis heute noch verdächtig. Sie versucht sie deshalb möglichst loszuwerden, wie zum Beispiel durch die »Geometrisierung« von ihr in der Allgemeinen Relativitätstheorie. Doch auch diese kann das nur bewältigen, indem sie solchen Animismus einer »Kraft« hinausschiebt bis zum Urknall als Beginn der Selbstausdehnung unseres Universums, deren »Kraft« sich nicht auch selbst noch »geometrisieren« läßt.

Nicht im geringsten kann darum die Rede davon sein, es träte von der Seite des Objekts her etwa die Kausalität von Wirklich-Anderem zu Wirklich-Anderem als ursprüngliche und auch ani-mismusfreie auf, was vielmehr nichts als unhaltbare empiristische Dogmatik ist. Denn wie auch immer es aufseilen des Objekts mit der Kausalität bestellt sein mag, so tritt sie doch allein von Seiten des Subjekts in unsere Welt und so auch nur als animistische, als die allein sie denn auch herzuleiten und jetzt hergeleitet ist: als die der Spontaneität und Freiheit eines Intendierens. Und dies so grundsätzlich, daß sogar auch erst und nur durch Selbsterkenntnis solchen Intendierens von sich selbst der Sinn der Kausalität zwischen zueinander Wirklich-Anderem entspringen kann. Das kann er nämlich erst und nur durch jene Negation, daß etwas in der Außenwelt auch nicht wie ich von selbst oder durch sich in Ruhe oder in Bewegung sein bzw. kommen kann, sondern durch etwas Anderes als sich. Nur setzt dies eben erst einmal die Selbsterkenntnis mittels »ich« voraus, die Kant bei seiner Theorie solcher Kausalität vernachlässigt.

Doch einem Subjekt solcher Selbsterkenntnis, die dafür zugrunde liegen muß, kann etwas Wirklich-Anderes der Außenwelt dann auch zunächst einmal nur als ein anderes Subjekt solcher Selbsterkenntnis gelten, das gleich ihm durch »ich« gerade wissentlich in Ruhe oder in Bewegung eines Intendierens ist bzw. kommt. Im ganzen hergleitet ist sonach, daß jedes solche Subjekt einem Wirklich-Anderen als sich dann apriori-notwendigerweise erst einmal im Sinn und im Bewußtsein einer Interpersonalität entgegen-

36 Vgl. oben S. 970f.

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treten muß. Kann es doch dann von jeder anderen als seiner eigenen Kausalität auch nur aus seiner eigenen heraus noch ein Bewußtsein bilden, nämlich nur durch Negation der eigenen als einer wissentlich intentionalen: sei dies nun Bewußtsein von Kausalität als einer zwar intentionalen, doch nicht auch noch wissentlichen, wie bei Tieren, oder gar von einer nicht einmal intentionalen, wie bei einem bloßen Objekt, die gleichwohl Kausalität sei.

Hergeleitet ist sonach, daß jene ungelösten Fragen, über die Kant nicht hinauskam, ungelöst nur deshalb sind, weil sie von Grund auf falsch gestellt sind und sich darum grundsätzlich nicht lösen lassen. Wie denn eigentlich sich angesichts von Kausalität zwischen zueinander Wirklich-Anderem, die angeblich die ursprüngliche sei, spontane oder freiheitliche denken lasse, ist als falsche Frage unbeantwortbar. Denn zu beantworten ist vielmehr nur die richtige: Wie läßt sich angesichts spontaner oder freiheitlicher Kausalität als der eigentlich ursprünglichen denn so etwas wie Kausalität zwischen zueinander Wirklich-Anderem denken? Und desgleichen unbeantwortbar ist die genauso falsche Frage: Wie denn läßt sich angesichts von Wirklich-Anderem, das ursprünglich angeblich bloßes Objekt für ein Subjekt sei, auch noch die Intersubjektivität oder sogar die Interpersonalität eines Subjekts zu wirklich-anderen Subjekten als den Tieren oder Menschen denken? Zu beantworten ist nämlich ebenfalls nur die entsprechend richtige: Wie läßt sich angesichts von Interpersonalität eines Subjekts zu einem wirklich-anderen Subjekt als einem Menschen, welche eigentlich ursprünglich ist, auch noch die bloße Intersubjektivität eines Subjekts zu einem bloßen Tier oder sogar die bloße Einstellung zu einem bloßen Objekt denken?

Kann auf beide Fragen doch die Antwort auch nur lauten: Denken läßt sich all dies nicht als etwas, das schon durch ein bloßes Selbstbewußtsein eines Subjekts in die Welt kommt, wie all das, was über die drei Stufen eines selbstbewußten Intendierens in die Welt kommt, das auch schon ein bloßes Tier ist. Denken läßt sich all dies vielmehr nur als etwas, das erst durch die zusätzliche Selbsterkenntnis eines Subjekts in die Welt kommt, das von sich als diesem selbstbewußten Intendieren und mithin von sich als Tier dann auch noch weiß und dadurch Mensch ist. In die Welt kommt all dies nämlich nur, indem ein solches Subjekt seine Selbsterkenntnis so weit bildet, daß es auch noch einsieht: Was es durch

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die Selbsterkenntnis von sich selbst weiß, gilt bloß deshalb keineswegs auch schon von jedem Wirklich-Anderen als sich.

Als oberste Voraussetzung für all dies hergeleitet ist dann aber eben ferner: Apriori-notwendigerweise muß ein Subjekt, das durch seine zusätzliche Selbsterkenntnis von sich selbst als einem selbstbewußten Intendieren weiß, auch noch von jedem Wirklich-Anderen zunächst einmal als einem wissentlichen Intendieren ein Bewußtsein haben. Denn für jedes Wirklich-Andere als sich, das nicht ein solches Intendieren sei, kann so ein Subjekt dann auch nur noch dadurch ein Bewußtsein bilden, daß es das von sich Gewußte für dies Wirklich-Andere als sich zumindest teilweise oder sogar auch insgesamt zurücknimmt.

Hergeleitet ist mithin auch noch der letzte Grund für die von Kant versuchte Herleitung moralisch-rechtlicher Verpflichtung, ein Versuch, den Kant nur deshalb abgebrochen hatte, weil er keine Antwort auf die Frage wußte: Wie denn weiß ich überhaupt, daß so wie ich auch Wirklich-Anderes als ich ein wissentliches Intendieren sei, so daß ein jedes Subjekt, das dies von sich selbst weiß, dies auch noch von jedem ändern solchen Subjekt weiß?37 Die Antwort aber lautet eben: Jedes Subjekt, das dies von sich selbst weiß, muß dies, weil es dies dann auch von einem wirklichanderen Subjekt noch wissen muß, gerade apriori-notwendiger-weise wissen, da es überhaupt erst durch Zurücknahme von diesem Wissen dann auch noch von etwas Anderem als einem solchen Subjekt wissen kann.

Infolgedessen sind Subjekte dieser Art nicht nur, wie Tiere, bei Verstand, sondern, wie Menschen, auch noch bei Vernunft, weil sie durch zusätzliche Selbsterkenntnis mittels »ich« synthetisch auch von sich noch wissen. Demzufolge wissen solcherart Subjekte eben daher dann synthetisch-apriori-notwendig auch noch von anderen Subjekten so wie von sich selbst. Und das ist die von Kant gesuchte, aber nicht gefundene Grundvoraussetzung für deren wechselseitige moralisch-rechtliche Verpflichtung. Das dafür Entscheidende ist deshalb, wie es über dieses bloße selbstbewußte Intendieren bei den bloßen Tieren noch hinaus zu dieser Selbsterkenntnis von sich selbst als selbstbewußtem Intendieren bei den Menschen überhaupt soll kommen können. Davon nämlich hängt dann auch

37 Vgl. oben S 19, S. 794ff.

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noch ab, als was sich ein Subjekt durch seine Selbsterkenntnis selbst erkennt, und somit eben weiterhin, als was es dann durch solche Selbsterkenntnis auch noch jedes andere Subjekt erkennt, weil es dadurch von ihm nur wissen kann, was es von sich weiß. Eine Herleitung solcher Verpflichtung steht und fällt daher mit einer angemessenen Antwort auf die Frage, wie sich diese Selbsterkenntnis eines solchen Subjekts ihrem Wesen nach gestalten kann.

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§ 23. Wie unser Selbstbewußtsein auch noch zum Bewußtsein unserer Selbsterkenntnis von uns als Subjekten wird

Schrittweise einzusehen gilt es nun für uns, wie auch noch solche Selbsterkenntnis möglich wird. Als ersten Schritt erfordert das die Einsicht, daß sie einerseits nur auf der Grundlage von jener Fremderkenntnis möglich werden kann, doch anderseits auch nur im Gegenzug zu ihr. Denn ursprünglich liegt ja auch erst und nur als diese Fremderkenntnis überhaupt ein selbstbewußtes Intendieren vor, das dann durch zusätzliche Selbsterkenntnis rückläufig auch noch zu selbsterkanntem Intendieren wird. So etwa, wenn ein selbstbewußtes Subjekt etwas Rundes nicht einfach nur sieht, wie schon als Tier, sondern, wie erst als Mensch, dann auch noch weiß, daß es dies sieht, wie bei »Ich sehe, dies ist rund« statt »Dies ist rund«. Als nächsten Schritt erfordert dies dann aber auch des weiteren einzusehen: Möglich werden kann dies also nur, wenn zusätzlich zu dem, was einem intendierenden Subjekt bei seiner Fremderkenntnis Thema ist, das Wirklich-Andere, auch dieses Subjekt selbst sich dabei noch zum Thema wird und so gerade beides Thema ist: nicht etwa letzteres statt ersterem. Läßt sich doch auch »Ich sehe, dies ist rund« seinem ursprünglichen Normalsinn nach nicht so verstehen, als wäre nur noch ein Subjekt und dessen Sehen dabei Thema, aber nicht mehr, was es sehe. Fälle reiner Selbsterkenntnis, die es auch gibt, sind davon zu unterscheiden, wie wir sehen werden1.

Damit stehen Sie denn auch vor einer Frage, die zu einer Antwort zwingt: Was ist denn mit Thematisieren eigentlich gemeint, wenn beides ein Thematisieren sein muß, doch das zweitere dies nicht im Sinn des ersteren sein kann? Das kann es nämlich in der Tat nicht, wie Sie sehen werden. Und das zwingt Sie dazu, sich zu überlegen, was genau denn eigentlich mit ersterem Thematisieren

l Die angemessene Analyse eines Urteils wie »Ich sehe, dies ist rund« kann deswegen (mit p für ... dies ist rund) nur lauten: »p&ich urteile >p<&>p< urteile ich auf Grund meiner Gesichtsanschauung«. Vgl dazu unten S. 1016ff. und §24, S. 1053ff.