Intentionalitätsgefälle, aus Gerold Prauss in „Die Welt und wir“Bd2/2, Seite 883-884

Kann es doch nicht fraglich sein, daß Selbsterkenntnis eines Selbstbewußtseins auftritt, nämlich jedesmal, wenn ein Subjekt durch »ich« sich auf sich selbst bezieht. Denn was auch immer diesem »ich«, das ja recht eigentlich ein »Ich ...« bedeutet1, dann im einzelnen noch folgen mag, - in jedem Fall nimmt ein Subjekt dadurch Bezug auf sich als Selbstbewußtsein jener in sich dreistufigen Absicht oder Intention. Nur nimmt als diese oder dieses ein Subjekt erst einmal ausschließlich auf etwas Anderes als sich Bezug, auf ein Objekt, um es als den Erfolg für sich auch zu erwirken. Deshalb ist ein Subjekt ein thematisierendes Bewußtsein dabei auch ausschließlich als das Fremdbewußtsein einer Fremderkenntnis vom Objekt als diesem Anderen, wogegen ein Subjekt das Selbstbewußtsein von sich selbst dabei noch nicht als ein thematisierendes Bewußtsein von sich selbst ist. Vielmehr ist genau in diesem Sinn das dreistufige innere Intentionalitätsgefüge jeder Absicht oder Intention auch förmlich ein Intentionalitätsgefälle, nämlich weg vom Intendieren hin zum Intendierten: zum Erfolg als dem durch Intendieren erst noch zu verwirklichenden Objekt.

Deshalb heißt es, um im Bild zu bleiben, dann (bei solcher Selbstbesinnung, {von mir}) genau in diesem Sinn auch förmlich gegen einen Strom zu schwimmen, wie er reißender nicht sein kann, wenn ein Subjekt nicht mehr nur nach vorwärts auf ein Objekt, sondern zusätzlich auch noch nach rück­wärts auf sich selbst als ein Subjekt Bezug nimmt. Tut es dies doch jedesmal, wenn es nicht nur durch »Dies ...« zum Beispiel urteilt »Dies ist rund«, wodurch es ausschließlich ein Objekt intendiert, sondern durch »Ich ...« zum Beispiel noch des weiteren »Ich sehe, dies ist rund«, wodurch es auch sich selbst als das so intendierende Subjekt noch intendiert. Entsprechend gilt, um weiterhin im Bild zu bleiben: Nicht nur fließt es dabei als der Strom dieses Intentionalitätsgefälles bloß nach vorwärts, zum Objekt hin, sondern schwimmt zugleich auch umgekehrt und zusätzlich noch gegen diesen Strom nach rückwärts zu sich selbst als Subjekt hin. Und damit strebt es eben auch noch weiter, nämlich zusätzlich auch umgekehrt noch weg von dem ursprünglich intendierten Objekt hin zu sich als dem ursprünglich intendierenden Subjekt, um sich als das zunächst einmal doch nur nach vorwärts intendierende Subjekt auch seinerseits nach rückwärts noch zu intendieren.